Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Baden-Württemberg

Albert-Schweitzer-Haus – 72293 Glatten

Name der Einrichtung: Albert-Schweitzer-Haus, Glatten
Ort: Glatten
PLZ: 72293
Heimträger: Diakonisches Werk der Ev. Kirche in Württemberg e. V.
von: 1957
bis: 1971
Kategorie: Kindererholungsheim
Einrichtung heute: Einrichtung existiert nicht mehr.

Kontaktdaten der aktenführenden Stellen

Kontakt 1:

Landeskirchliches Archiv Stuttgart
Balinger Straße 33/1
70567 Stuttgart
Tel.: 0711 2149 373
E-Mail: archiv@elk-wue.de
Homepage: www.archiv.elk-wue.de

Bemerkungen:
Träger ab 1958: Albert-Schweitzer-Haus e. V..

Aufrufe: 455

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
3 Kommentare
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Bine123
14. Februar 2022 23:12

Ich war im Sommer 1961 für 6 Wochen im Alter von 9 Jahren dort. Ich denke, ich hatte Glück, weil wir eine nette Gruppenleiterin hatten, ich erinnere mich schwach an eine Tante Anneliese. Wir gingen viel in den Wald und waren viel draußen, erinnere mich an den tagelangen Bau eines Waldhauses mit Ästen und Zweigen. Allerdings gab es strenge Mittagsruhe, die in einem kleinen Raum mit 7 Betten unter dem Dach neben einem großen Speicher eingehalten wurde. Es war extrem eng und provisorisch eingerichtet. Und es war sehr warm. Gewicht zuzunehmen war ein Hauptziel, wöchentlich wurden wir gewogen. Angeblich hatte ich am Ende 6 Pfund zugenommen, was aber wohl optisch laut Eltern nicht sichtbar war. Ich hatte anfangs heftiges Heimweh und habe viel geweint, wurde aber nicht bestraft. Die Mahlzeiten mussten aufgegessen werden. Gab es vielleicht Medikamente? An einen täglichen Löffel Lebertran o.ä. kann ich mich schwach erinnern. Wer hat noch Erinnerungen?

Juliane Jakob
Juliane Jakob
26. Februar 2021 16:21

Auch im “Kindererholungsheim” Albert-Schweitzer-Haus in Glatten bei Freudenstadt wurden, nach eigener Erfahrung Kinder misshandelt und gedemütigt.
Meine Schwester und ich waren im Winter 1962 dort. Meine Schwester war 4 J. alt ich 6 J. Meine Schwester konnte immer nur kleinere Portionen essen, ihr aber wurden große Mengen auf den Teller geschaufelt, so dass der Magen meiner kleinen Schwester schon vom Anblick der riesen Portion streikte und sie satt war. Sie wurde zum Essen gezwungen, es wurde ihr reingeschaufelt bis sie würgte und erbrach. Ich versuchte ihr beizustehen und tobte und “durfte” als Belohnung Käsebrote essen, obwohl mir von Käse speiübel wurde (ich habe eine Kuhmilchunverträglichkeit). Wir mussten solange am Tisch sitzen bleiben, bis wir aufgegessen hatten. Oft habe ich die Käsebrote in meiner Kleidung versteckt und dann irgendwo entsorgt.
Für uns war das eine völlig neue Erfahrung, da wir bis dato nie zum Essen gezwungen wurden.
Auch wenn man im Bett lag und mit offenen Augen erwischt wurde (das passierte mir ziemlich häufig), musste man auf dem kalten Flur im Schlafanzug stehen und frieren. Meine Schwester hat angefangen ins Bett zu machen und musste den ganzen Tag dann darin verbringen, was heute einer Isolationshaft gleichkommt.
Geschrieben wurde unseren Eltern, wie fröhlich wir dort sind und wie gut es uns gefällt. Sie sind aus allen Wolken gefallen, als sie nach der Rückkehr unsere Schilderung der Verschickung hörten.
J.Jakob

Gisela Hell
Gisela Hell
Reply to  Juliane Jakob
28. Oktober 2021 22:56

Ich war auch 6 Wochen in Glatten weil ich so dünn war. Ich hatte Glück unsere Gruppen Leiterin war Friedel Reschke. Ich kannte sie, weil sie aus dem gleichen Ort kam wie ich. Ich habe diese schlechten Erfahrungen nicht gemacht. Im Gegenteil als es wieder nach Hause ging hat unsere ganze Gruppe beim Abschied geweint. Sie war wirklich toll. Sie ist mit uns soviel gewandert, dass niemand aus der Gruppe zugenommen hat. Ich glaube da hat sie etwas Ärger bekommen.