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Das religiöse Selbstverständnis der Diakonissen im Kinder”kur”heim Seehospiz auf Norderney und die Folgen für die Kinder

Beide Exposés beschäftigen sich mit der Religiosität der Diakonissen im Seehospiz, der zweite Text schildert dies aus Sicht einer diakonischen Helferin.


In beiden Texten wird deutlich, dass die psychischen Verwerfungen und Traumata der Kinder nur wenig mit einer in den Medien weithin verallgemeinerten “Nazi-Pädagogik” oder gar “schwarzen Pädagogik” oder mit der in den Medien lauthals propagierten angeblichen Hintergrund der NS-Vergangenheit der Heime zu tun haben. Zumindest waren von den ca. 850 Kinderheimen in Westdeutschland ca. 30% religiös geprägt, davon 2/3 in evangelischer Hand. 


Um die wirklichen Hintergründe der Traumata und des pflegerischen und medizinischen Versagens im Seehospiz erfassen zu können, müsste man auch die sehr hierarchische, zeittypische Gruppendynamik innerhalb der ab den 1960er-Jahre immer weniger werdenden Diakonissen und des nach Tarif bezahlten weltlichen Personals näher betrachten, wobei die Ärzte und insbesondere der von den Schwestern wie ein Gottkönig verehrte und nur selten im Seehospiz anwesende Chefarzt Prof. Wolfgang Menger hierbei eine wichtige Rolle spielten, die es – mit Gottes Hilfe und nach Öffnung der Akten – noch zu erforschen gilt. 


Der Schlüssel zu dieser strafenden Pädagogik mag jedoch im näheren Verständnis dieser Gruppendynamik liegen, die in ererbten religiösen und pädagogischen Werten und in gegenseitiger “Schuld” wohl auch an einer in der Vergangenheit der Kaiserzeit und des verlorenen Weltkrieges und auch in der NS-Zeit verwurzelten Gewaltkultur verankert war. Das bedeutet, dass es Heimleiterinnen (immer Diakonissen) gab, die das Bild des Seehospizes während ihres gesamten Berufslebens von Ende der 50er-Jahre bis in die 1980er Jahre praktisch im Alleingang prägten. Doch niemand rebellierte gegen ihre Unkultur auf, bis es der “Markt” im Laufe der 1970er Jahre von selbst regulierte, die Ärzte schickten letztlich immer weniger Kinder dorthin. 


Gleichzeitig lebt das alte Seehospiz wie im Kinofilm durch seine oft bizarre Vergangenheit und tragische Elemente, die durch die Persönlichkeit der Diakonissen geprägt sind. Deshalb bin ich auch auf der Suche nach einem Filmemacher, der dies aufarbeiten kann. Die folgenden PDF-Dateien geben dem Leser einen tiefen Einblick in das Seelenleben dieses Heimes. Mein besonderer Dank gilt auch der Zeitzeugin Heiderose Wanzelius, die 1970 als 15-jährige Diakonissenhelferin vier Monate im Seehospiz arbeitete und wegen eines ärztlichen Attestes dort schikaniert und gequält wurde.


PDF – Das religiöse Selbstverständnis der Diakonissen im Seehospiz – Ihre Auswirkungen auf die Heimkinder

PDF – Zeugnis der diakonischen Helferin Heiderose Wanzelius im Seehospiz bdes Jahtes 1971


Autor: Bruno Toussaint, Mail: nc-toussabr(at)netcologne.de

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Bruno Toussaint
Bruno Toussaint
3. Februar 2022 15:13

Antworten an Autor: Bruno Toussaint, Mail: nc-toussabr(at)netcologne.de

Siehe auch: https://verschickungskind.de/petition-zur-veroeffentlichung-der-diakonie-dokumentation-vom-august-2021/