Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Schleswig-Holstein

DRK-Kinderkurheim – 2278 Wittdün

DRK-Kinderkurheim

Telefon:Nebel 331

Träger: DRK-Landesverband SchleswigHolstein, Kiel, am Blocksberg 1; AOK (RVO), Ersatzkassen

Betten: 140

Aufnahme: Kn von 5-13, Mädchen von 5-14, ganzjährig; nicht aufgenommen werden Bettnässer, psychische und infektiöse Kranke

Kurmittel: Warme Seebäder, Heilgymnastik,Höhensonne

Ärztliche Behandlung

Indikation: Asthma bronchiale, chronische Bronchitis, Ekzeme, allergische Erkrankungen, Adipositas


Schlafsaal – 1966

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Evelyn F.
Evelyn F.
21. Mai 2022 22:43

Auch ich war in diesem “Erholungsheim”, es war aber schon 1968. Ich war 11 Jahre alt. Aber wenn ich die vorangegangenen Berichte lese hatte sich bis 1968 in dem Heim nichts geändert. An den Schlafsaal kann ich mich noch gut erinnern. Ich schlief in dem Bett rechts hinten und die Federung war total durchgelegen, so dass mit morgens immer der Rücken weh tat. Beim Essen hatte ich Glück, ich wog zu dem Zeitpunkt 50 kg und würde somit auf halbe Ration gesetzt. Bekam kaum etwas Süsses. MANCHMAL waren wir am Strand, das war, glaube ich, schön. Nur die Betreuerin war meist schlechter Laune. Die Schwestern erzeugten bei mir immer ein Angstgefühl, an einen Arzt kann ich mich nicht mehr erinnern. Auch wurden unsere Briefe und Karten an die Eltern zensiert. Vom Heimweh ganz zu schweigen. Aber das aller Schlimmste war die Fahrt hin und zurück. Ich litt sehr unter Reisekrankheit und die Fahrt ging von Hannover nach Wolfsburg (VW) und dann nach Dagebül mit dem Bus, dann die Überfährt nach Amrum. Ich weiß nicht wie lange die Fahrt gedauert hat, mir wurde zwischendurch immer Reisetabletten gegeben, übel war mir aber die ganze Zeit.

Heike G.
Heike G.
27. Februar 2022 19:01

Ich war 1963 im Sommer im Kindererholungsheim auf Amrum. Ich war 4 Jahre alt und habe mich gefreut, allein mit dem Koffer zu reisen, ohne zu ahnen, was mir dort widerfahren würde. Sechs Wochen voller Heimweh und Angst standen mir bevor.

Anke Harms
Anke Harms
20. Februar 2022 11:58

Ich wurde mit 5 Jahren nach Amrum ins Erholungsheim verschickt weil ich in die Schule kommen sollte aber zu zierlich war und zunehmen sollte . Das muss 1963 gewesen sein . Meine Mutter brachte mich zum Flensburger Bahnhof wo auch noch andere auf den Zug warteten die nach Amrum sollten. Wir hatten alle ein Namensschild um den Hals mit allen Daten . Ich wollte nicht und auch die anderen haben viel geweint . Im Kinderheim war es schlimm . Ich erinnere mich das ich keinen grünen Salat mochte aber ich musste ihn essen . Als ich mich weigerte kam eine der Tanten und hat mir mit einer Gabel ein großes Salatblatt in den Hals geschoben so das ich würgen musste . Wenn wir nicht alles aufessen konnten was auf dem Teller war mussten wir solange sitzen bleiben bis der Teller leer war . Ich hatte einen kleinen karierten Puppenkoffer dabei der war ca. 40 mal 30 cm groß , da habe ich Essensreste reingemacht . Den hatte ich immer überall dabei . Als ich nach Hause kam dachte meine Mutter was stinkt denn nur so in dem Koffer und als sie den öffnete war da das ganze vergammelte Essen drin . Als ich noch im Kinderheim war musste Ich einmal zum Zahnarzt und da hat mir der Zahnarzt einen Backenzahn ohne Betäubung gezogen ich habe geschrien aber das war denen egal . Das Trauma davon wurde ich nie los !
Wir haben uns immer gefreut wenn wir abends noch Zuckerbrot bekamen .. im Nachhinein denke ich das wir es bekamen um dicker und wohlgenährt wieder nach Hause zu kommen . Es waren schlimme 6 Wochen in meinem Leben .

Christiane Michelsen
Christiane Michelsen
31. Oktober 2021 13:22

1964 war ich mit meiner Schwester hier in Wittdün auf Amrum. Ich war 6 Jahre und mochte absolut keinen Fisch essen! Meine Mutter legte einen Zettel in meinen Koffer, dass man mir bitte keinen Fisch geben möge. Ich musste ihn trotzdem essen und erbrach . Mir wurde dann das Erbrochene wieder „reingezwängt „ und ich musste zudem bis zum Abend eingeschlossen im Esssaal verbringen!
Ein Mädchen, das abends im Bett noch mit einer Bettnachbarin sprach, musste die ganze Nacht ohne Decke auf einem Stuhl sitzend verbringen!
Zu tiefst unglücklich, schrieb meine Schwester einen Brief nach Hause , dieser wurde dann zensiert und musste voller Lobeshymnen nochmal neu geschrieben werden!
Nach diesem Essentrauma, habe ich ca. 10 Jahre gebraucht um dieses zu überwinden. Immer wenn ich irgendwo in einem fremden Umfeld zum Mittagessen geladen war, wurde mir schlecht und ich konnte mich gar nicht erst an den Tisch setzen, sondern ging zum nächsten WC und musste mich übergeben! Erst mit 15/ 16 Jahren hatte ich dies uberwunden.
Eine weitere Erinnerung betrifft die morgendliche Waschaktion : alle Kinder im Alter zwischen ca. 5 und 14 Jahren egal ob männlich oder weiblich mussten sich nackt in einer Reihe aufstellen und wurden von Schwester Hulda mit einem Schlauch eiskalt abgespritz.
mich interessiert, ob je eine von diesen „Schwestern „ jzur Rechenschft gezogen wurde? Viele von denen müssten doch noch leben?
freundliche Grüße
Christiane Michelsen
Schaapkoppel 9
24159 Kiel

Juergen Lenz
Juergen Lenz
Reply to  Christiane Michelsen
9. Juni 2022 12:12

Ich bin seit geraumer Zeit “Rentner mit Zeit” (ziemlich exotisch, wie ich festgestellt habe 🙂 und genieße das Leben. So beschäftige ich mich mit Erinnerungen und freue mich darüber. Hilde Domin schrieb einmal: “Erinnerung sind Rosen im Winter.” Und jetzt wo ich im Herbst meines Lebens angekommen bin und den nahenden Winter erahnen kann … schön. Ich war als 6jähriger 1963 oder 1964, das weiß ich nicht mehr so genau, in diesem Kinderheimr. U.a. anderem sollte der Aufenthalt dazu dienen, Symptome einer Mangelernährung zu behandeln. Die Veranstaltung hieß andernorts auch “Kinderverschickung”. Hat wohl ziemlich viel genützt und hat sich als sehr nachhaltig erwiesen. Heute habe ich einen schon deutlich erhöhten BMI. :-). Für mich war es ein gute Zeit. Zwei Dinge waren es, die mir in unangenehmer Erinnerng sind: Schwestger Hulda. Sie war streng aber nicht ungerecht. Berühmt-berüchtigt und bis Heute in Erinnerung geblieben sind mir ihre Kaltwasser-Dusch-Therapien. Der zweite Punkt war das Auspulen von Krabben und diese dann essen müssen. Da hatte ich bis hoch in meine Vierziger ein Trauma :-). Ist nun aber final “geheilt” und ich esse Heute gerne Meeresfrüchte aller Art. Vielleicht finde ich aber auch auf diesem Wege ein Mädchen/junge Frau. Von dieser weis ich nur ihren Vornamen: Astrid. Sie war damals wohl so ungefähr 13 oder 14. Ich möchte sie, wie das halt so als 6jähriger ist/was und sie hat sich mir irgendwie um mich hie und da angenommen. Sie war mir eine Vertraute. Bis Heute habe ich das Gefühl, dass sie eine ganz persönliche Begleiterin/Bewahrerin war. Ihre Nähe hat mir gut getan. Ich habe sie nach dem Amrum-Aufenthalt nie wieder gesehen oder etwas von ihr gehört. Ist/war durchaus etwas ganz Normales. Mal sehen oder hören. Der gesamte Aufenthalt ist mir aber bis Heute noch sehr guter Erinnerung. Und sollte sich nach dem Lesen dieses Textes der/die andere an mich erinnern – seid alle mit den besten Wünschen auf diesem Wege herzlich gegrüßt.