Elisabethenberg 73547 Waldhausen bei Lorch
Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Baden-Württemberg

Elisabethenberg – 73547 Waldhausen bei Lorch

Anschrift: Vogelhof, 73547 Lorch

Träger:
1920 – 1939 Reichsbahn­betriebskrankenkasse
1939 – 1948 Reichsbahnversicherungsanstalt
1948 – 1968 Bundesbahn­versicherungsanstalt
1968 – 2022 Diakonie Stetten. Bis 2022 wird das Gebäude noch genutzt, muss aber aufgrund gesetzlicher Vorgaben geschlosssen werden (Quelle: Remszeitung vom 04.06.2020 – https://remszeitung.de/2020/6/4/diakonie-stetten-verlaesst-den-elisabethenberg/ )

Geschichte: 1899 eine Kuranstalt mit Schwimmbad und Park. Die Anstalt diente während des Ersten Weltkriegs als Reservelazarett. 1920 erwarb die Reichsbahn­betriebskrankenkasse die Anstalt und betrieb ein Erholungsheim für Eisenbahner. Ab 1939 betrieb die Reichsbahnversicherungsanstalt eine Kindertuberkulose­heilstätte, welche die Bundesbahn­versicherungsanstalt als deren Rechtsnachfolgerin nach 1948 weiter betrieb und ausbaute. Da die Kindertuberkulose zurückging, verkaufte sie das Anwesen 1968 an die Heil- und Pflegeanstalt Stetten. Diese nutzt es seitdem als Heim für geistig Behinderte und betreibt dort auch Werkstätten für behinderte Menschen.

Ein dunkles Kapitel im dritten Reich:
https://www.gedenkort-t4.eu/de/historische-orte/bbak2-diakonie-stetten#karte


Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat sich die Diakonie Stetten seit Juni 2015 mit der Aufarbeitung der Geschichte der Betreuung und Pädagogik in der ehemaligen „Anstalt Stetten“ zwischen den Jahren 1945 und 1975 auseinandergesetzt. Anlass hierfür war insbesondere die Berichterstattung über Gewalt und Missbrauch auch in damaligen Heimen der Behindertenhilfe. Die mit der Forschung beauftragte Kulturwissenschaftlerin Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt aus Esslingen hat mit Unterstützung eines Beirats eine Publikation verfasst, die nun erschienen ist und Ende Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Anhand zahlreicher Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie ehemaligen Mitarbeitenden, vorhandener Akten, Briefwechsel und  Fotos, vorwiegend aus dem eigenen historischen Archiv der Diakonie Stetten, gibt Gudrun Silberzahn-Jandt einen spannenden und gut lesbaren Einblick in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Mitte der 70er Jahre. „Die Zeit beschreibt die Entwicklung von einer Einrichtung, bei der der Inspektor jeden mit Namen kannte hin zu einem großen Betrieb mit neuen Abteilungen. Es gab keine systematische Gewalt, aber die Leitung wusste von Gewalt unter Bewohnerinnen und Bewohnern sowie von Mitarbeitenden gegenüber Bewohnerinnen und Bewohnern. Darüber wurde nicht offen diskutiert“, resümiert Gudrun Silberzahn-Jandt.  In der Publikation beschreibt sie ein breites Spektrum positiver wie negativer Erfahrungen und zeigt auf, wie sich die Einrichtung im Laufe der Jahre weiterentwickelte. 

Der Vorstandsvorsitzende Pfarrer Rainer Hinzen machte anlässlich der Buchvorstellung zudem aktiv auf die Stiftung Anerkennung und Hilfe aufmerksam, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen, die zwischen 1949 und 1975 als Kinder oder Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe Leid und Unrecht erfahren haben, zu unterstützen.

„Wir haben einen Ansprechpartner, der aktiv auf potentielle Anspruchsberechtigte zugeht und sie bei der Antragsstellung unterstützt. Nach den Erkenntnissen der Forschung ist es uns nun wichtig, unsere Verantwortung wahrzunehmen. Eine wichtige Botschaft des Buches ist es, dass wir unsere Arbeit immer wieder kritisch reflektieren“, so Rainer Hinzen.  

https://www.diakonie-stetten.de/die-diakonie-stetten/ueber-uns/geschichte/und-da-gabs-noch-ein-tor.html

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