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Stefanie Schumacher
Stefanie Schumacher
23. April 2022 17:03

Ich war 1963 zusammen mit meiner Schwester für sechs Wochen in Bad Sassendorf zur Kur. Ich war damals 7 Jahre alt, meine Schwester 5 Jahre. Laut Arzt waren wir zu dünn und mussten zunehmen.
Von Mainz aus fand ein ‘Sammeltransport’ mit dem Zug nach Bad Sassendorf statt.
Meine erste Erinnerung: Ich hatte damals Zöpfe und traute mich morgens nicht jemanden zu bitten, mir die Haaare zu kämmen. Natürlich wurde das bald bemerkt und seitdem galt ich als ‘frech’.
Ich erinnere mich noch an die Milchsuppen, vor denen ich mich ekelte und an Vollkornbrot mit Butter. Das schmeckte mir.
Mittags wurde Mittagsschlaf gehalten, obwohl keiner müde war. Einmal nahm meine Schwester ein Stück Schokolade mit ins Bett. Sie wollte es später essen. Unglücklicherweise war es wohl zu warm und die Schokolade schmolz. Meine Schwester weinte und die Erzieherin schimpfte. Ihren Namen weiß ich noch. Es gab auch einen schönen Spielplatz. Dort waren wir oft. Weiterhin gab es Kreisspiele, Wettspiele und Spaziergänge. Die Erzieherinnen bemühten sich, aber zu Zeit war einfach zu lang und wir hatten alle Heimweh.
Regelmäßig gab es Gymnastik auf dem Gang, Solebäder, tägliches Wiegen und viel Essen. Beim Essen musste Ruhe herrschen Wenn einer was sagte, wurde er vor die Tür geschickt.
Geschlagen wurden wir nicht.
Wir nahmen damals fast nichts zu und waren nur froh, wieder zuhause zu sein

Jan Weiler
12. September 2021 19:31

Ich war 1975 mit 10 Jahren fuer 6 Wochen im Haus Hamburg, aufgrund der Diagnose Untergewichtes und Hang zu Erkaeltungen. Erst viel spaeter stellte sich heraus, dass ich an Hausstaub und Pollenallergien litt. Die 6 Wochen waren schlimm fuer mich, vor allem wegen des staendigen Heimwehs. Meine Mutter schrieb mir fast jeden Tag Briefe. Meine eigenen Briefe durfte ich nur ungeoeffnet abgeben, und sie wurden zensiert. Einmal wurde ich von Schwester Helga gefragt, ob ich mir das auch “gut ueberlegt haette” diesen Brief (in dem ich mich ueber starkes Heimweh beklagte) wirklich so abzuschicken. Ich weiss nicht, welche Briefe von mir abgesendet wurden und welche nicht. Was fuer mich fuerchterlich war, war dass Uebergewichtige und Untergewichtigte zusammen in einem grossen Ess-Saal Ihre Mahlzeiten einnahmen. Die Uebergewichtigen, die eine Grapefruit zum Fruehstueck bekamen und die eher Untergewichtigen, die viele Marmeladenbrote, suessen Griesbrei und Erdbeermilch erhielten. Ich habe seither nie wieder Milch trinken koennen. Eines der uebergewichtigen KInder machte eines Abends ins Bett und wurde dafuer von den Schwestern vor uns anderen Kindern ausgeschimpft und laecherlich gemacht. ich hatte grosse Angst, und habe jeden Abend gebetet, dass mir das nicht auch passieren wuerde. Meinen Teddy, den ich beim Beten umklammert hielt, habe ich heute noch. Zugenommen hatte ich am Ende der „Kur“ nur 1 Pfund. Als mich meine Mutter nach 6 Wochen abholte, konnte ich nur noch “Mama” sagen und habe danach lange geweint. Ich erinnere mich noch an die Namen einiger meiner Mitschueler: Reinhard Muech, mein bester Freund in dieser Zeit, Ulrich Gabel, Stefan Wendel (aus Stuttgart?), Dirk Merkisch (mit starkem Heuschnupfen. Gegen Ende des Aufenthaltes wurde ich aggressiv und schlug bei einer Gelegenheit Dirk ohne Grund die Nase blutig. Es tat mir spaeter sehr leid), Verena Stolzenhain aus Hamburg Rahlstedt (in die ich sehr verliebt war und mit der ich noch 1-2 mal nach unserem Aufenthalt Briefkontakt hatte). Vielleicht kennt diese ja jemand aus diesem Forum und weiss ob es Ihnen gut geht.

Meike
Reply to  Jan Weiler
18. Februar 2022 11:28

Hallo Jan, ich habe Dir eine Persönliche Nachricht geschickt – bitte melde Dich doch mal bei mir. Liebe Grüße Meike

Isabelle
Isabelle
22. Februar 2021 12:27

Ich war vom 14.09. bis 26.10.1973 im Haus Hamburg zur Kur aufgrund von Wachstumsschmerzen in den Beinen. Genau deshalb empfahl der Hausarzt einen Aufenthalt am Meer zur Stärkung der Beinmuskulatur durch Strandläufe und Meerbäder.
Während als die meisten Kinder an die See oder in die Berge kamen, landete ich in Sassendorf – trotz Einspruch meiner Eltern und persönlichem Gespräch bei der DAK Geschäftsstelle in Duisburg.
Aufgrund der Konstellation einiger glücklicher Zufälle habe ich die Zeit wohl recht unbeschadet überstanden, aber die Traumatik als einziges von 40 Kindern im Esssaal nach den Mahlzeiten mit meinem Essen eingesperrt zu sein, habe auch ich erlebt. Ich besitze viele Erinnerungen an die Zeit dort, aber einige spezifische Bereiche sind auch als “Black Box” zurück geblieben. Dem möchte ich nun gerne auf den Grund gehen.

Gleichzeitig möchte ich anderen mit Traumabedingten Erinnerungslücken gerne helfen, diese wo möglich zu füllen.

Ganz besonders wichtig ist es mir, das Thema “sexueller Missbrauch”, was bei dieser Einrichtung ein zusätzliches Thema zu sein scheint, zu helfen aufzuklären.

Ich hoffe, dass sich “Kurkinder” aus dem Haus Hamburg nicht nur bei der DAK, sondern vor allem hier und in den anderen Foren melden, damit wir uns vor allem untereinander diesen Teil unserer Kindheitserfahrungen gegenseitig “erhellen” können.

JanWeiler
Reply to  Isabelle
12. September 2021 19:37

Hallo, ich bin Jan. Ich war 1975 mit 10 Jahren fuer 6 Wochen im Haus Hamburg, aufgrund der Diagnose Untergewichtes und Hang zu Erkaeltungen. Erst viel spaeter stellte sich heraus, dass ich an Hausstaub und Pollenallergien litt. Die 6 Wochen waren schlimm fuer mich, vor allem wegen des staendigen Heimwehs. Meine Mutter schrieb mir fast jeden Tag Briefe. Meine eigenen Briefe durfte ich nur ungeoeffnet abgeben, und sie wurden zensiert. Einmal wurde ich von Schwester Helga gefragt, ob ich mir das auch “gut ueberlegt haette” diesen Brief (in dem ich mich ueber starkes Heimweh beklagte) wirklich so abzuschicken. Ich weiss nicht, welche Briefe von mir abgesendet wurden und welche nicht. Was fuer mich fuerchterlich war, war dass Uebergewichtige und Untergewichtigte zusammen in einem grossen Ess-Saal Ihre Mahlzeiten einnahmen. Die Uebergewichtigen, die eine Grapefruit zum Fruehstueck bekamen und die eher Untergewichtigen, die viele Marmeladenbrote, suessen Griesbrei und Erdbeermilch erhielten. Ich habe seither nie wieder Milch trinken koennen. Eines der uebergewichtigen KInder machte eines Abends ins Bett und wurde dafuer von den Schwestern vor uns anderen Kindern ausgeschimpft und laecherlich gemacht. ich hatte grosse Angst, und habe jeden Abend gebetet, dass mir das nicht auch passieren wuerde. Meinen Teddy, den ich beim Beten umklammert hielt, habe ich heute noch. Zugenommen hatte ich am Ende der „Kur“ nur 1 Pfund. Als mich meine Mutter nach 6 Wochen abholte, konnte ich nur noch “Mama” sagen und habe danach lange geweint. Ich erinnere mich noch an die Namen einiger meiner Mitschueler: Reinhard Muech, mein bester Freund in dieser Zeit, Ulrich Gabel, Stefan Wendel (aus Stuttgart?), Dirk Merkisch (mit starkem Heuschnupfen. Gegen Ende des Aufenthaltes wurde ich aggressiv und schlug bei einer Gelegenheit Dirk ohne Grund die Nase blutig. Es tat mir spaeter sehr leid), Verena Stolzenhain aus Hamburg Rahlstedt (in die ich sehr verliebt war und mit der ich noch 1-2 mal nach unserem Aufenthalt Briefkontakt hatte). Vielleicht kennt diese ja jemand aus diesem Forum und weiss ob es Ihnen gut geht.

JanWeiler
Reply to  JanWeiler
12. September 2021 19:59

es war uebrigens 1976, nicht 1975 als ich dort war.

Iska Koblenzer
Iska Koblenzer
Reply to  JanWeiler
17. Oktober 2021 21:35

Ich war im August 1977 im Hause Hamburg, wer noch? Habe beim Reibekuchenwettessen mit einem anderen Mädchen gewonnen😂. Alle Briefe die ich nach Hause geschickt habe, habe ich heute noch. Mein Papa hat sie alle gut aufgehoben😊. Auch Päckchen von meiner Familie, mit Süßigkeiten u.s.w. kamen bei mir während der Kur an. Den Briefen nach, war es sehr schön dort. Habe keine negativen Erinnerungen… oder sollte ich etwas verdrängt haben?🤔🤷‍♀️ Ich war insgesamt 6 Wochen dort.

Meike
Reply to  Iska Koblenzer
18. Februar 2022 11:33

Liebe Iska, bitte melde Dich einmal bei mir über Persönliche Nachricht. Leider kann ich Dir hier keine schicken, da Du nicht registriert bist. Ich bin 1973 – wie Isabelle – im Haus Hamburg gewesen. Es gibt eine WhatsAppGruppe für Verschickungskinder, die in Bad Sassendorf waren.

Sabine Schneider
Sabine Schneider
Reply to  Isabelle
8. Mai 2021 18:53

Hallo, mein Name ist Sabine. Ich war im Winter 1968 im Alter von fünf Jahren in Bad Sassendorf im “Haus Hamburg”, da ich zu dünn und untergewichtig war. Da gab es nie etwas zu trinken – außer einer Tasse Caro-Kaffee am Sonntag. Ich hatte immer Durst. Und das 6 Wochen lang. Außerdem habe ich einmal nachts ins Bett gemacht – die Decke wurde zurückgeschlagen und ich wurde beschimpft. Die Sole-Bäder empfand ich als unangenehm, weil das Wasser in den “Wannen” immer höher stieg. Alleine kam man ja aus diesen Wannen nicht heraus. Genauso wie alle anderen hier schreiben, war ich der Meinung, dieses nur alleine erlebt zu haben. Wir wurden dort nicht geschlagen – aber diese fürchterlichen Milchsuppen konnte ich nicht essen. Einmal gab es eine sogenannte “Apfelsuppe”. Mir blieb ein Kerngehäuse im Hals stecken und ich bekam keine Luft mehr. Mein einziger “Freund” war eine Postkarte von meiner Oma, die ich in meinem Schuh versteckte. Alles andere wurde weggenommen. Erstmal LG von Sabine