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Alexander
Alexander
10. März 2022 17:47

Ich war dort 6 Wochen im Sommer 1983 und aus heutiger Perspektive würde ich sagen, dass es kein Wunder war, dass ich diese Zeit lange vergessen / verdrängt habe. Ich denke, dass man meine Erfahrungen dort vielleicht schon als traumatisierend einstufen kann.

Ich erinnere mich an diktierte Urlaubskarten für die Eltern. Damit war jeder Hilferuf unterbunden. Hätten meine Eltern mitbekommen, dass es mir dort gar nicht gut ging, hätten sie mich vorzeitig abgeholt und allen Grund zur Beschwerde gehabt. Solche Kritik war bestimmt nicht im Sinne der Heimleitung.

Ich erinnere eine sehr strenge, fast militärische Atmosphäre. Die Kleider mussten auf Naht zusammen gelegt werden. Das Essen musste aufgegessen werden. Die Toilettengänge erfolgten nicht nach unserem Bedarf, sondern nach den Vorgaben der Heimmitarbeiterinnen. Die Ruhe im Schlafsaal wurde streng überwacht und Verfehlungen streng geahndet. Wenn wir das Heim verließen, zum Beispiel, wenn wir zum Strand gingen, dann nur in einer geordneten Zweierreihe und aus der “Mundorgel” singend.

Heimweh durfte man nicht zeigen, ohne öffentlich bloßgestellt zu werden. Trost fanden wir Kinder nicht bei den Erwachsenen. Es hat gedauert, bis ich mich wieder von dieser Erholung erholt habe. Ich habe auch Angst und Verunsicherung der anderen Jungs vor den Mitarbeiterinnen und vor der Heimleiterin Frau Meibert wahrgenommen.

Aus heutiger Perspektive ist es mir absolut unverständlich, welch geringen Stellenwert unsere Gesellschaft einem angemessenen Umgang mit ihrem wertvollsten Gut – zukünftigen Generationen – beigemessen hat. Das war wie eine Zeitreise in die Pädagogik des dritten Reichs. Nie wieder!

ilka
ilka
19. November 2021 14:16

Ich war in den 80-Jahren im Alter von 8-10 Jahren für 4 Wochen im Haus Concordia. Erinnern kann ich mich an das “Fräulein Monika” (eine jüngere, kräftige, furchteinflößende Person mit weißer Schürze und blauer Bluse) und eine eher ältere Heimleiterin. Am Schrecklichsten fand ich, dass wir nach den Mahlzeiten der Reihe nach auf die Toilette gehen mussten und in einer Kladde die Art und Größe des “Geschäfts” notiert wurde (es gab einen Strich fürs kleine Geschäft und ein kleines oder großes Kreuz für das große Geschäft). Grausam, zumal meine Verstopfungen auch noch öffentlich diskutiert wurden. Ich bekam daraufhin keine Schokolade und Nachtisch mehr, wenn die anderen etwas essen durften. Bei der Ankunft setzte man uns allen blau-weiße Wollmützen auf, diese wurden im Heim dann in gelbe Wollmützen getauscht. Jedes Kind bekam eine Nummer. Ich hatte die höchste Nummer ’20’, weil ich die größte war. Wer nachts auf die Toilette musste, musste dies in einem Eimer auf dem Flur erledigen. Zur Toilette durfte keiner. Ich schlief im großen Schlafsaal in einem weißen Metallbett mit blauer Bettwäsche mit vielen anderen Kindern zusammen, von denen einige nachts weinten. Meine Kuscheltiere hatte ich immer versteckt, weil mir immer gesagt wurde, dass ich als “großes Mädchen” die doch wohl nicht mehr brauchen würde. Der Kontakt zu meiner jüngeren Schwester wurde dort unterbunden.

Am Strand fand ich ein Fünfmarkstück, dieses musste ich Fräulein Monika abgeben und durfte es nicht behalten.

Überraschenderweise machten meine Eltern ein paar Tage Urlaub auf Borkum und kamen mich und meine Schwester dort besuchen. Ich habe mich nicht getraut zu sagen, wie schrecklich unwohl ich mich dort gefühlt habe. Irgendwie habe ich gedacht, dass das alles dort “normal so” sei und so sein müsse… Wie es von mir erwartet wurde habe ich die Zeit dort durchgehalten und war seitdem nie wieder auf Borkum, obwohl ich die Nordsee liebe und alle anderen Inseln bereits mehrfach besucht habe.

Thomas Hannapel
Thomas Hannapel
8. November 2021 23:08

Ich kann das nur bestätigen. Die Methoden der Erzieherinnen waren eher sadistisch. Ich erinnere mich, dass ich manchmal das Essen nicht mag, und wurde gezwungen zu essen. ich saß alleine im Speisesaal, bis ich alles gegessen hatte. Vorher durfte ich nicht schlafen gehen. Nachts, wenn ich mal zur Toilette mußte, durfte ich nicht aufstehen, also näßte ich ins Bett mit 10 Jahren. Ich schämte mich, morgens mein durchnässtes Bettlaken vor den Anderen zu verheimlichen, aber das ging natürlich schief. Schläge und Bestrafungen wie in der Ecke mit auf dem Rücken verschränkten Händen stehen zu müssen und sich schämen zu müssen, weil man nachts nicht austreten durfte. Es waren keine Erzieherinnen, vielmehr frustrierte Sadistinnen, die Kinder benutzten, um Macht ausüben zu können. Diese “Erzieherinnen” haben sich völlig unverantwortlich verhalten.

Maria
Maria
5. November 2021 23:18

Hallo, ich bin Jahrgang 1954 und war im Kinderholungsheim Concordia auf Borkum. Ich habe keine guten Erinnerungen an
meinen Aufenthalt im Heim. Ich war ein Schulkind im heutigen Grundschulealter zu dieser Zeit.
Ich kann mich noch genau an die Überfahrt zur Insel erinnern. Mir wurde eine blau-weiss gestreifte Mütze aufgesetzt und lernte bis
bis zur Ankuft im Heim ein Lied, welches ich noch heute teilweise in Erinnerung habe:
“Emden Ems auf See, wasser wo ich seh, Borkum unser Ziel. Blau-Weiss unser Zeichen, froh die Hand wir uns reichen, usw.,
zum Schluss iimmer Lob auf “Haus Concordia”.

Ich habe düstere Erinnerungen an diese Zeit, mit Schlägen, Ungerechtigkeiten und großer Strenge. Während des Essens
musste ein älteres Kind mit einem Gong Aufsicht halten und andere Kinder mit Gongschlag melden, die im Speisesaal sprachen.
Das betreffende KInd musste dann am Tisch an seinem Platz stehen.
Im selben Raum wurden von einer Frau, ich denke das war die Heimleiterin, an einem Stehpult Strafen für Kinder ausgesprochen.
Mit anderen Kindern wurde ich namentlich aufgerufen und wir standen im Beisen von allen Kindern und Betreuerinnen vor diesem Pult. Wir wurden einzeln getadelt und bestraft. Mir war damals und auch heute nicht klar wofür.
Ein blondes gleichaltriges Mädchen wurde während meines Aufenthaltes von der Heimleiterin bevorzugt. Obwohl sie mit uns vor diesem Pult zitiert wurde sagte sie, Du Inge wolltest das garr nicht (was?). Sie “durfte” als kleineres Kind (als einzige die Aufsicht
mit dem Gong halten. Es war Inge hier und Inge da. Das empfand ich damals als sehr ungerecht.
Heute habe ich ein liebenswertes Mädchen mit sehr schönen Kleidern in Erinnerung.
Genauso wurde es auch im Schlafsaal praktiziert. Es sprachen Kinder im Bett miteinander, die Tür wurde aufgerissen und eine
Frau verprügelte die Kinder blindlings. Einmal hörte sie erst kurz vor meimenm Bett damit auf. Ich hatte große Angst vor dieser Frau und Ihren Schlägen.