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D.Tiesfeld
10. März 2022 10:06

Ich war im Frühjahr 1964 für 4 Wochen zur Erholung in diesem Heim. Ich war damals knapp 10 Jahre alt. Gesundheitliche Gründe (die es bei mir durchaus gegeben hätte) spielten wohl eine geringere Rolle bei der Wahl dieses Heimes, denn es waren zwei weitere KInder aus meiner Klasse und mehrere weitere Kinder aus dem Bekanntenkreis meiner Mutter dabei, und wir hatten bestimmt nicht alle die gleichen gesundheitlichen Probleme. Im Verhältnis zu dem, was ich über viele andere Heime gelesen habe, ging es hier nach meiner Erinnerung ziemlich human zu. Ohrfeigen und ein manchmal rüder Ton waren zu der Zeit ja auch in Schule und Familie durchaus üblich. Was ich am meisten negativ in Erinnerung behalten habe, war das Essen, die morgendlichen Michsuppen und die offenbar verdorbenen Kartoffeln, die es oft mittags gab. Aber auch was das Essen betraf – gegessen wird, was auf den Tisch kommt war damals die Regel, die wir eigentlich alle verinnerlicht hatten. Dass sich Kinder erbrachen, kam durchaus vor, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand gezwungen wurde, dieses wieder aufzuessen. Auch daran, dass Kinder stundenlang vor einem Essen, das sie nicht aufessen konnten oder wollten, sitzen mussten, kann ich mich nicht erinnern.
Insgesamt erinnere ich mich fast nur noch daran, dass es ziemlich langweilig war, die Mittagsruhe fanden wir wohl alle unangenehm. Heimweh hatte ich aber keins. Auch einige positive Erinnerungen konnte ich mit nach Hause nehmen, so das gemeinsame Basteln an einer großen Windmühle oder das Lob, das ich so gut vorlesen konnte. Insgesamt waren diese 4 Wochen jedoch enttäuschend, und ich wäre freiwillig kein zweites Mal gefahren.
Wenn ich daran denke, wie viele Kinder aus meinem persönlichen Umfeld damals für 4 oder 6 Wochen verschickt wurden (gefühlt gehörte es damals zur Kindheit dazu), dann halte ich die Negativberichterstattung in Foren wie diesen zwar im Einzelfall für zutreffend, aber auf die Gesamtzahl der Verschickungen doch für übertrieben.