Kinderkurheim St. Ansgar 1
Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Schleswig-Holstein

Kindergenesungsheim St. Ansgar – 2392 Glücksburg

Kindergenesungsheim St. Ansgar

Sandwigstraße 8

Telefon:195

Träger: Ursulinenkloster, Verein für Kinderhilfe, Geschäftsstelle Dortmund. Gneisenaustraße 14

Betten: 150

Aufnahme: Abwechselnd Knaben und Mädchen von 6-14

Ärztliche Behandlung:

Indikation: Asthmatische Kinder, ekzematöse Kinder, reduzierter Kräftezustand

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wolfgang w.
10. September 2022 12:56

Erlebnisse im Sommer 1958 in Glücksburg (Flensburger Förde), St.-Ansgar-Kinderkurheim, Sandwigstr. 8 in Leitung des Ursulinenklosters

Bei einer damals üblichen Fürsorgeuntersuchung für Kinder seitens der Stadt Essen wurde im Frühjahr 1958 meinen Eltern dargelegt, daß ich, weil untergewichtig, eine Kur in einem entsprechenden Kurheim verbringen sollte. Im Sommer gleichen Jahres wurde ich also allein in Essen-Altenessen in den Zug gesetzt. Dieser fuhr bis Hamburg-Altona. Ab dort wurde ich
bis zum Kinderkurheim St. Ansgar in Glücksburg, Sandwigstr. 8 begleitet. Alte Ansichtskarten sind im Internet zu finden. Der Aufenthalt dauerte sechs Wochen. Das Wetter war sommergemäß warm. Zu der Zeit war ich gerade 5 Jahre alt, Geburtsdatum 08.05.1953.
In dem Kurheim waren nur Frauen tätig. Alle trugen weisse Schürzen. Zur Mittagszeit war noch hin und wieder ein Mann zu sehen, der Lebensmittel durch den Eßsaal in die Küche brachte.

Die dortigen Erlebnisse wirken bis heute in erheblichem Maße nach und haben mein Leben aus heutiger Sicht drastisch und fortdauernd geprägt. Insofern versuche ich halbwegs verständlich im Zusammenhang zu berichten.

Bei einer Wanderung kam unsere Gruppe Kinder an dem nur etwa 300 Meter vom Heim entfernten Strand der Flensburger Förde vorbei. Hier nahm ich einige Muscheln mit. Auf dem Rückweg zum Heim versuchte ich mit einer Muschel ein Stück Baumrinde abzuschälen. Die Muschel brach ab und die moosbedeckte Rinde setzte sich unter den Nagel des Zeigefingers. Innerhalb kurzer Zeit eiterte die Wunde. Trotz regelmäßiger Spülung in einem Kamillebad wurde die Entzündung stärker. An einem Morgen wurde ich, von einer Mitarbeiterin begleitet, zu einem Landarzt gebracht, der den Fingernagel ohne Betäubung entfernte, die Wunde versorgte und einen Verband anlegte. Seit der Zeit der Vereiterung stand eine Mitarbeiterin mit einer weißen Schürze abends beim Wasserlassen direkt mit Körperkontakt hinter mir und berührte regelmäßig meinen Penis. Am Anfang sagte ich ihr, daß ich alleine Wasserlassen könnte und sie mir nicht behilflich sein solle. Ich könne das alleine. Das lehnte sie jedoch kathegorisch ab, als wenn es ihr Spaß machte und sie sagte auch sie täte es gerne und es bräuchte ja niemand wissen. Die Handbewegungen von ihr waren auch nicht ein rein zweckführendes Anfassen, sondern sie bewegte auch aktiv meinen Penis auf und ab, zu den Seiten hin und ziehend und drückend, immer mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Das empfand ich damals als äußerst unangenehm. Heute sehe ich dieses Verhalten eindeutig als schweren sexuellen Mißbrauch an. Im Alter von seinerzeit gerade einmal 5 Jahren hatte ich mich zwar anfangs, wie beschrieben gewehrt, hatte aber allein und so weit von zu Hause entfernt, keine Möglichkeit mich anderweitig an jemanden zu wenden in der Hoffnung, daß das täglich Geschehene unterbleibt. Bezüglich des kleinkindlichen Alters, des weit Entferntseins von zu Hause, der absoluten Abhängigkeit von der Schwester und der nachstehenden Repressalien war es ein an Perfidität nicht zu überbietendes Verhalten. Des Abends verneinte ich vor dem zu Bett gehen noch zur Toilette zu müssen, um dieses Geschehnis zu umgehen, was jedoch dann oft zum Bettnässen führte. Dann wiederum gab es schmerzhafte Ermahnungen von anderen Mitarbeiterinnen. Dieses Vorgehen der bestimmten Mitarbeiterin dauerte die restlichen ca. 4 bis 4,5 Wochen bis zur Abreise, also etwa 30 Mal. Die Mitarbeiterin war nicht ganz jung, aber auch nicht alt. Mir schien es, daß sie das Alter in etwa meiner Mutter hatte, also etwa um die dreißig Jahre. Den Namen (Schwester ….) habe ich nicht behalten.

Bei alltäglich vorkommenden Vergehen, also auch z.B. nach Wasserlassen im Bett wurde man in eine unter dem Dach befindliche Kofferkammer alleine eingesperrt. Hier befanden sich einige Regale mit den leeren Koffern der Kinder. Dieser Raum war vollkommen dunkel. Eine alte Dachluke war wohl mit Pappe verschlossen. Hier drang nur ein einzelner Sonnenstrahl in den Raum, der auf der gegenüberliegenden Wand, fast in Bodenhöhe einen Lichtpunkt von ca. zehn Zentimetern entstehen ließ. In dem Strahl waren die Staubpartikel zu sehen. Der Aufenthalt in diesem Raum dauerte in der Regel mehrere Stunden, z.B. seit nach dem Mittagessen bis zum Abendessen. Eine Sitzgelegenheit gab es nicht. Während dieser Zeit kam auch niemand nachsehen oder war durch Rufen zu erreichen. Die Luft war sommertags zur Mittags-/ Nachmittagszeit unerträglich heiß. Heute nennt man das wohl Freiheitsberaubung. Mir geschah das Einschließen mehrere Male, allein wegen des Bettnässens. Insofern steckte ich in einem Dilemma: Kein Bettnässen, dafür aber Gewalt; doch Bettnässen, dafür aber die Kofferkammer. Eine nicht lösbare Situation.

Zum Mittagstisch erhielten wir während der Woche den ganzen Aufenthalt lang je drei Teller Schokoladensuppe nebst etwa acht bunten, runden Tabletten. Was es mit den Tabletten auf sich hatte, wollte uns niemand sagen. Die einzige Aussage war: Es ist gut für euch. Damit nehmt ihr zu. Welches System wirklich dahinter steckte, ist mir bis heute unklar. Nachdem ich mehrere Tage je drei Teller Schokoladensuppe gegessen hatte, sagte ich den Mitarbeiterinnen, daß ich so viel davon nicht essen könne. Man ging nicht darauf ein. Wenige Tage später übergab ich mich bei Tisch. Die Folge war zwar, daß ich von da an nur zwei Teller Suppe pro Tag bekam, jedoch auch aus diesem Anlaß wiederum die Kofferkammer angesagt war.

Bei dem heissen Wetter gingen wir oft ans Wasser. Meistens mit drei oder vier Mitarbeiterinnen als Aufsicht. An einem Tag geriet ich ein paar Meter vom Strand entfernt plötzlich wohl in einen Priel, schluckte Wasser und versank ohne den Boden berühren zu können. Nach dem Auftauchen geschah dies auch ein zweites Mal. Ich war völlig orientierungslos. Es kam eine fürchterliche Panik in mir hoch, da meine Mutter mir einmal erzählte, daß man, wenn man drei Mal untergeht und Wasser geschluckt hätte, sterben müsse. Also stand ich kurz vor dem Tod. Beim dritten Mal Untergehen erwischte ich so eben noch etwas Sand unter den Zehenspitzen und konnte dadurch anschließend langsam wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Fürchterlich weinend schleppte ich mich zu den Mitarbeiterinnen, die auf einer Mauer saßen und berichtete schluchzend von dem Erlebten. Sie sagten darauf nur, daß sie davon nichts mitbekommen hätten, weil sie sich angeregt unterhalten hätten. Seither war ich in Glücksburg nicht mehr ins Wasser gegangen, obwohl es so sommerlich warm war. Aufsichtspflichtverletzung dürfte hier wohl mehr als angesagt sein.

An einem Tag wurde uns dargelegt, daß wir in Kürze eine Tagesreise mit der Fähre nach Dänemark machen würden. Aufrund des vorgenannten Erlebnisses hatte ich panische Angst vor dem Wasser und wollte deshalb nicht mit. Diesen Grund ließen die Mitarbeiterinnen aber nicht gelten. Ich mußte mich also mit dem Ausflug abfinden. Nachdem ich mir eingeredet hatte, daß ich auf der Fähre nicht das Wasser berühren würde, freute ich mich letztendlich doch auf die Fahrt. Am Vortag der Fahrt wurde und dargelegt, ein Kind sei erkrankt bettlägrig. Es sollten zwei Kinder auf die Reise verzichten und dem kranken Kind Beistand leisten. Als eins der beiden wurde ich willkürlich benannt. Die Entscheidungsträgerin war eine andere, als die erstere. Der Hinweis darauf, daß auch eine Mitarbeiterin den Beistand leisten könnte, wurde nicht akzeptiert. Also fiel für mich der letztendlich akzeptierte und einmalig geplante Ausflug aus.

Nach dem Zurückholen der Vorgänge sind mir diese allesamt derzeit so parat, als wenn sie gestern gewesen wären. Tatsächlich sind sie jedoch mittlerweile gut 60 Jahre her und bewegen mich noch immer mit den schrecklichen Gefühlen von damals.

Mein weiterer Lebenslauf wurde in mannigfaltiger Weise von dem Dargelegten geprägt. Am weitaus schlimmsten waren jedoch die Mißbräuche. Nachfolgend nur ein kurzer Auszug der Auswirkungen und der versuchten Aufarbeitung. Letztere gelang jedoch jahrzehnte lang nicht, weil ich keine Beziehung zur Kindheit knüpfen konnte. Eine längere ärztliche Behandlung mit ca. 24 Jahren hatte aufgrund mangelnden Ansatzes keinen Erfolg. Im Lebensverlauf hatte ich, neben vom Grunde her unbekannten Angstzuständen, bis zum Kennenlernen meiner jetztigen Frau erhebliche Angst zu verreisen, auch nur für einen Tag. Erst durch sie legte sich hier die Angst, da ich sie wohl als verläßlichen Partner an meiner Seite wußte. Anläßlich eines Besuches in der Nähe von Hamburg vor etwa 30 Jahren machten wir eine Stipvisite nach Glücksburg. Das Haus war noch vorhanden, aber einer anderen Nutzung zugeführt. Als ich vor dem Haus stand, wurde mir plötzlich klar, daß die Angst vor dem Verreisen in den damaligen Erlebnissen begründet war. Über diese Erkenntnis war ich sehr erfreut, konnte ich mir doch dadurch einen kleinen Teil meiner Verhaltensweisen erklären.

Eine weitere meiner Eigenschaften wurde, daß ich es allen Recht machen wollte, damit ich keine Repressalien fürchten müsse. Diese Eigenheit führte letztlich auch dazu, daß ich mit 59 Jahren wegen Burnout arbeitsunfähig wurde und anschließend wegen schwerer Depression vorzeitig mit erheblichen Abschlägen verrentet worden bin. Bei dem ersten Klinikaufenthalt kam es bei einer der psychologischen Sitzungen dazu, daß die aktuellen Beschwerden in der Kindheit und deren Erlebten zu suchen sind. Erst hier wurde mir die ganze Tragweite wirklich bewußt. Eine Aufarbeitung hat trotz zweier Klinikaufenthalte und jahrelangen, wöchentlichen Sitzungen bei entsprechenden Fachärzten bis heute, Januar 2021, dennoch keine Besserung gebracht. Meines Erachtens bedarf es einer fachlichen, behutsamen Aufarbeitung der Kindheitserlebnisse durch tiefenpsychologische Behandlung, die bisher leider nicht im Vordergrund gestanden hat. Auch sind paartherapeutische Sitzungen notwendig, damit die Ehegemeinschaft fortbestehen kann.

Nachdem ich z.B. in den letzten acht Jahren wiederum ohne Urlaub zu machen zu können schlußendlich alleine zu Hause bleibe, will ich zumindest den Rest meiner irdischen Zeit so weit wie möglich endlich mal lebenswerter verbringen können und das bisher kaum mögliche, nämlich ein guter Vater und Ehemann zu sein, erleben dürfen! Bislang war mein Leben ein
einziger Schatten meiner selbst, weit entfernt von einem selbstbestimmten Leben. U.a. abgebrochenes Gymnasium, nach nachgeholtem Abitur Studienabbruch in Köln, Ablehnung eines Postens als Abteilungsleiter, diverse Lebenseinschränkungen bei vielen Lebenszuständen, wie z.B. Durchfallattacken außer Haus und Vieles mehr. Seit 2012 bei durchgehend schwerer Depression gehe ich kaum noch aus dem Haus, habe keine privaten Kontakte und keine Interessen mehr und starre sprichwörtlich die Wände an. Schwerbehinderung GdB 70.

Das damals Erlebte hatte ich nach Rückkehr zu Hause direkt meiner Mutter erzählt. Den Verband am Finger hatte sie noch gesehen. Mir wurde jedoch kein Glauben geschenkt, außer dem sichtbaren gezogenen Fingernagel. Insofern ist seinerzeit auch von meinen Eltern keine Anzeige wegen sexuellem Mißbrauch erstattet worden.

Ich wünsche Euch allen viel Duchhaltevermögen und, daß Ihr das Erlebte so weit wie möglich kompensieren/ aufarbeiten könnt.

Was mich derzeit noch besonders interessiert, wie bereits von “Glasmacher” beschrieben: Was hatte es mit den Medikamenten konkret auf sich?

Glasmacher
Glasmacher
31. Juli 2022 10:45

Hallo,
ich war 1956 mit 8 Jahren in Glücksburg. Habe vieles von damals verdrängt. Ich war das 1.Mal von zu Hause weg und hatte schlimmes Heimweh. Das Essen war sehr schlecht, ich kann mich erinnern dass manche sich übergeben mussten, das Erbrochene musste aufgegessen werden.
Ansonsten habe och vieles vergessen oder verdrängt.

Ich war wegen Asthma 6 Wochen dort, die Nordseeluft sollte mir guttun— mein Asthma war danach schlimmer als zuvor

Was mich heute besonders interressiert, kann sich jemand an irgendwelche Behandlungen, an Medikamente etc. erinnern?

alwama
alwama
23. April 2022 12:26

Hallo,
mein Bruder (damals 6) und ich (8) waren 1967 für 6 Wochen in diesem Straflager. Ich kann mich noch an ein paar Dinge erinnern, die ich nie vergessen habe. Als erstes wurden mein Bruder und ich dort getrennt. Teller mussten leer gegessen werden. Als Folge kam es manchmal zu Erbrechen. Auch das musste verzehrt werden. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass man aus welchen Gründen auch immer soviel Wasser trinken musste, bis es körperlich überhaupt nicht mehr ging. Post wurde kontrolliert. Eine Schwester war sehr nett. Ich habe heute das Gefühl, sie wusste damals, dass hier großes Unrecht geschieht. In den 6 Wochen war ich nicht einmal am Meer obwohl Glücksburg am Meer liegt. Schade dass das erst seit ein paar Jahren alles öffentlich wird. Die meisten der damals dort Beschäftigten leben wohl heute nicht mehr und hätten vor Gericht gemusst. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Hier wurde sie mit Füßen getreten und der Staat als Kontrollinstitution hat auf ganzer Linie versagt

Wagemann
Wagemann
Reply to  alwama
12. August 2022 21:40

Hallo,
ich bin Monika und wurde 1967 im Alter von 5 Jahren zur “Kur” nach Glücksburg “verschickt”.
Eigentlich sollte ich dort an Gewicht zunehmen, wurde jedoch immer dünner. Erinnere mich noch genau an den Speisesaal.
Horror, jeden morgen gab es Haferschleim, der aufgegessen werden musste, auch wenn er erbrochen wurde.
Ausser Sonntags, gab es Marmeladenbrote..
Noch schlimmer war der Sportunterricht…
Immer wurde mir vorgeworfen, wie dünn ich sei…
Zum guten Schluss bekam ich auch noch die Masern.
Gott sei Dank, dass dieses Heim nicht mehr existiert.

Uwe Müller
Uwe Müller
18. April 2022 15:46

Hallo,
ich bin der Uwe. Ich war 1970 im Alter von 5 Jahren ganz alleine für 6 Wochen dorthin verschickt worden. Musste dort ganz einsam meinen sechsten Geburtstag feiern. Manchmal ist es besser man lässt die Vergangenheit Vergangenheit sein…
LG Uwe

Ralf Kolisch
2. April 2022 08:34

St Ansgar 1987

St Ansgar.jpeg
Ralf Kolisch
1. April 2022 22:19

Hallo,
ich bin der Ralf und war in den Sommerferien 1987 im Kinderheim St Ansgar für 6 Wochen.
Ich wurde von meinen Eltern wegen meiner Migräne dorthin zur Kur geschickt.
Über den Aufenthalt dort kann ich nur positives berichten.
Die Betreuer waren sehr nett. Ich erinnere mich noch an Frau Sur.
Allerdings war die Tatsache das ich alleine dort hingeschickt wurde der blanke Horror für mich.
Schon die Fahrt im Zug musste ich alleine mit einem fremden Begleiter bestreiten.
Ich habe jede Nacht vor heimweh geheult bis ich eingeschlafen bin.
Ich kann bis heute nicht verstehen wie Eltern so etwas machen können.
Heute gibt es sowas ja Gott sei Dank nicht mehr.
Tagsüber war es ja ganz schön denn wir haben jeden Tag lange Sparziergänge und Ausflüge gemacht.
Ich würde sehr gerne die zwei Betreuerinen und meine Gruppenkollegen wiedertreffen oder zumindest mal Kontakt aufnehmen.
Besonders die zwei Brüder (Zwillinge) würde ich gerne wiedertreffen.
Die haben sich jeden Tag darum gestritten wer von ihnen mit mir spazieren darf 😂
Ich würde mich freuen hier Jemand von damals zu finden oder mit Leuten die irgendwann mal da waren sich austauschen zu können.
LG
Ralf

Ruth Bracker
Ruth Bracker
16. Februar 2022 14:11

Auch ich war im Feb. 62 in Glücksburg. Im Zug von Hamburg dorthin wurden uns Kindern schon die Süßigkeiten weggenommen die man von Eltern und Freunden mitbekommen hatte. Habe ich nie wieder gesehen. Das mit dem Nachttopf kann ich bestätigen. Kinder mussten Erbrochenes wieder aufessen. Ich war dann dort 4 Wochen krank mit Masern , Angina und Windpocken. Auf den Karten nachhause stand nicht das was ich gesagt hatte, sonst hätten meine Eltern mich sicher abgeholt. Kontakt wurde eh blockiert. Alles in allem kam ich dünner zurück als ich hingefahren war. Einfach schlimm.

Ralf Kolisch
Reply to  Ruth Bracker
1. April 2022 22:27

Hallo Ruth,
da hatte ich ja Glück das ich erst 1987 da war, das waren dann wohl schon bessere Zeiten.
Das tut mir Leid das du so schlechte Erfahrungen gemacht hast.
Für mich war es schlimm genug alleine dorthin zu müssen.
Wir konnten mit den Eltern schreiben.
Ich habe immer die meiste Post bekommen.
War vielleicht das schlechte Gewissen meiner Eltern.
LG Ralf

Martin Kettel
Martin Kettel
Reply to  Ruth Bracker
17. Februar 2022 18:00

Ich war 1960/61 in Glücksburg mit meinem Bruder. Wir waren 8 bzw. 9 Jahre alt. was Du da berichtest ist uns auch widerfahren. Ich erinnere mich noch an unsere Gruppenschwester mit Nahmen Elvira. Das war auf deutsch gesagt ein Satan. Erbrochenes mussten wir aufessen. Durften in der Nachmittagsruhe nicht auf die Toilette, haben manchmal aus dem Fenster gepinkelt. Wenn wir erwischt wurden gab es Strafen, man wurde diskriminiert ( 4 m hinter der Gruppe laufen, kein schwimmen, an Spielen nicht teilnehmen usw.) Karten die wir nach Hause schickten, wurden zensiert man musste das schreiben was uns vorgesagt wurde. Pakete von zu Hause wurden aufgemacht, Schokolade wurde heraus genommen zum selbst verzehr. Bonbons wurden unter der Gruppe bis auf den letzten Bonbon verteilt. Vielleicht erinnert sich jemand aus Konstanz am Bodensee an diese Zeit. es war grauenhaft, diese 6 Wochen.

Cornelia R.
Cornelia R.
18. Januar 2022 09:43

Hallo,
ich muss ca. 1962/3 dort gewesen sein, da ich erst 5 Jahre alt war, vor der Einschulung. Ich kann mich nur daran erinnern, dass wir Nachts nicht auf Toilette durften, sondern einen Nachttopf benutzen mußten (in dem Alter). Eine Nonne saß immer vor der Tür vom Schlafsaal, die machte wohl die Post und bewachte uns. Ich habe zwei Bilder aus der Zeit, aber ich kann mich an überhaupt nichts nicht erinnern. Meine Oma sagte später, als ich zurückkam hätte ich mit keinem mehr gesprochen. Soweit ich weiß war ich 6 Wochen dort.

Kretschi
24. April 2021 15:27

Ich war 1978 in diesem Kinderheim. War noch jemand von euch in dieser Zeit in diesem “Erholungsheim” !
War dort zum zunehmen….! Wäre super wenn sich jemand findet der zu dieser Zeit auch dort war.

Peet
Reply to  Kretschi
14. August 2022 21:55

Hallo,

1976 und 1977 oder aber 1977 und 1978 war ich in Glücksburg. Genau weiß ich das nicht mehr. An das seltsame Gefühl als ich am Bahnhof von meinem Eltern an eine ältere und mir fremde Dame übergeben wurde und ich mit dieser mit dem Zug ins unbekannte reisen musste, kann ich mich noch heute gut erinnern.
Auch, dass sich die einzelnen Gruppen den anderen vorstellen mussten und unsere Gruppe zum Radetzky March, mit selbst gebastelten Militärmützen und die Hand zum militärischen Gruß an die Stirn gelegt, vor allen anderen auf und ab maschieren mussten, habe ich oft vor meinem inneren Auge.

Eine seltsame Zeit war das.

Peet
Reply to  Peet
4. September 2022 23:01

Und dann gab es ja noch jedes Jahr den Tagesausflug nach Rømø. Bei meiner ersten Fahrt auf die Insel, ich war sieben oder acht, sah ich am Nachmittag unseren gelben Reisebus am Horizont den Strand verlassen während ich alleine im Watt zurückblieb. Um mich rum kein bekanntes Gesicht… Glücklicherweise stellte man im Buss dann doch noch fest, dass jemand fehlte. Panisch schreiend wurde ich dann doch noch aufgelesen.
Das Ganze ist nun gut 45 Jahre her, dennoch präsent, wie gestern…

Conny
Conny
Reply to  Kretschi
23. November 2021 22:51

Hallo
Ich war im August 1977 dort. Durfte nicht mal meinen 12.Geburtstag feiern.
Ich war wegen “Asthma” dort.
Das schlimme waren die kleinen ab 4 Jahren. 6 Wochen ganz allein und wenn sie geweint haben, gab’s nichts zu essen. Wir größeren haben immer was ins Zimmer geschmuggelt und die kleinen zu uns ins Bett genommen.
Gab dann auch für uns nur noch die Hälfte.

Conny
Conny
Reply to  Conny
24. November 2021 00:35

Die Nonnen dort, waren auch sehr rabiat und es gab so manche Ohrfeige oder es wurden einem die Ohren lang gezogen. Christliche Nächstenliebe ist was anderes. Toiletten waren Nachts geschlossen und auch am Tag musste man fragen.
Habe das eigentlich alles verdrängt. Ich weiss noch, wie ich ganz allein vom Bodensee bis nach Flensburg mit dem Zug gefahren bin, mit einem Schild um den Hals. Wie ich wieder zurück kam, weiss ich nicht mehr.
Hab bis heute Probleme mich zurück zu halten und will immer Recht und das letzte Wort haben.
Ob es daran liegt, dass wir dort recht “klein” gemacht wurden?

MIKEM1958
Reply to  Kretschi
1. Juli 2021 14:57

Ich war auch dort, aber schon 1969. Viel schwarze Pädagogik…