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Barbara Weichert
Barbara Weichert
10. Mai 2022 15:40

Barbara Weichert, geb 1961. Ich war 1974 für 6 Wochen im Kinderheim Johnen. Gleichzeitig war mein kleiner Bruder mit dort, damals 6 Jahre alt. Ich erinnere mich, dass die „Kleinen“ wohl von einer älteren Frau betreut wurden, die mich holte, wenn sie mit meinem Bruder „nicht fertig wurde“. Mich hat das damals genervt, weil ich ja zu Hause für die jüngeren Brüder verantwortlich war und mich hier schließlich erholen sollte… Dass ich tatsächlich mal ein Recht für mich definiert habe, überrascht mich im Nachhinein angesichts meines heutigen Wissens über mich und meine/unsere Kindheit.
ich glaube nicht, dass ich Schläge bekommen oder mitbekommen habe. Zu Hause gehörte das dazu, und ich spielte damals mit dem Gedanken, dass das Jugendamt mal bei uns gucken müsste – darum glaube ich, dass ich über Schläge im Kurheim gewiss ausführlich nachgedacht hätte.
dass wir „Großen“ von sehr jungen „Tanten“ (ca 19 Jahre) betreut wurden, erinnere ich auch. Die waren aber nicht böse, und wenn sie überfordert waren, haben Sie das jedenfalls nicht mit Gemeinheiten an und ausgelassen. Sie spielten sich gegenseitig Streiche (Haarbürste unters Bettuch legen) und lachten darüber – und ich erinnere mich, das ich mit 12 den Kopf schüttelte: „So alt und so albern? Wie kann man nur?“
wir warrn viel draußen, an Spiele im Wald erinnere ich mich, die mir als nicht so bewegungsfreudigem Kind nicht besonders Spaß machten. Man musste mitmachen, wurde aber nicht gequält.
ich erinnere mich an etliche Lieder, die dort gesungen wurden und die ich bis heute kann – hab sie auch in ein Heft geschrieben, ebenso wie einige Adressen. Aber für weiteren Kontakt waren diese anderen Kinder zu weit weg von Münchrn.
wir hatten etwas Angst vor Frau Johnen, die wohl manchmal, so erinnere ich dunkel, manche Regeln erklärte, aber an Strafen erinnere ich mich nicht.
Honigbrot ohne Butter kann sein. Deutlicher erinnere ich mich an die Nachmittagsverpflegung, die ich damals schon genial fand, weil man damit nicht so klebrige Finger beksm: 1/2 Semmel mit Marmelade und darauf ein Vollkornbrot. Mir schmeckte die Kombination prima, und ich glaube, 2-: mal in den 6 Wochen haben wir Großen beim Schmieren geholfen. Das hat gedauert, weil es ja viele Semmeln zu schmieren gab, aber es war auch lustig – vermutlich wurde dabei gequatscht.
Herrn Johnen haben wir kaum zu Gesicht bekommen, das ist mir als seltsam aufgefallen, weil wr doch der Leiter war; den müsste msn dich mal sehen…
Negative Auswirkungen hatte ich insofern, als ich kurz vor der Kur den Gips von einem Armbruch abgenommen bekam und es hieß, ich solle dann Gymnastik machen. Das hat aber keiner in die Kur übermittelt. Zwar gab es regelmäßig Gymnastik auf Matten in einem großen Raum, aber niemand sagte was zj meinem Arm. Ich glaube, ich hab einmal gefragt – was ja auch darauf hindeutet, dass wir nicht eingeschüchtert waren – abee virl passierte nicht. Es gab auch mal eine (mehrere?) medizinische Untersuchung. Nach der Kur brauchte ich ein Jahr Krankengymnastik, bis der Arm wieder gerade auszustrecken war. Blöd gelaufen, aber nichts kriminelles, finde ich.

Richtig Angst hatte ich vor der Kussliste… Aber das lief nur innerhalb der Großen-Gruppe. Für jeden Scheiß (frecher Satz zu einem Jungen; wohl auch umgekehrt…) gab es 1-3 Küsse als Strafe, die auf einer Liste dokumentiert wurden. Mit 12 ist man ja auch durchaus verliebt und nicht ganz sicher, in wen eigentlich… Je näher die Abreise rückte, desto mehr stieg die Spannung. Dem einfn musste man „nur“ 12 Küsse geben, bei einem stand ich mit 135 in der Kreide. Ich glaube, die Tanten brachten dann ein, dass man auch „kürzen“ könne um Fsktor 10. Und so verschwanden bei den letzten Mahlzeiten immer mal 3 (ein Junge, ein Mädchen, ein/e Zeuge/in), um das in irgendeiner Türnische schnellstmöglich abzuarbeiten.
ich schreibe das so ausführlich, weil ich a) überrascht bin, wie viele Erinnerungen nach so langer Zeit durch dir Doku „Das Leid der Verschickungskinder“ wachgerufen wurden, und b) um den Gefühlen nachzuspüren, ob da was komisch war.
Ich bin jetzt überrascht, dass ich so viel weiß und ganz sicher: ich war sehr gern dort und hab mich als Teil einer Gruppe gefühlt, was mir in der Schule nur selten so ging.
ich frage mich allerdings, wie das bei den Kleinen war, und ob mein Bruder, der leider 2019 mit 52 Jahren gestorben ist, Hrund gehabt hat, dass sie „mit ihm nicht fertig wurden“? Dunkel erinnere ich mich, dass er mittags nicht schlafen wollte und teilweise in einem Zustand war, den ich heute „etwas desorientiert“ nennen würde. Leider hab ich, wie über so vieles, nicht nachgefacht. Aber ich war hslt AUCH Kind damals….

Ich wünsche allen, die in Heimen so furchtbares erleben mussten, jemanden, der ihnen glaubwürdig spiegelt: das waren Verbrechen. Du kannst nichts dafür! Du bist es wert, dass Dein Leiden n gesehen und ernst genommen wird. Du bist es wert, geliebt zu werden! Auch jnd gerade, wenn Dir das noch niemand gesagt hat!

Beatrix
Beatrix
10. November 2021 15:50

Ich war 1975 oder 76 in Bonndorf! Ich weiss es nicht mehr so genau! Ich erinnere mich an junge Leute, die die Einrichtung geleitet haben! Zum Frühstück gab es immer Brot mit Honig ohne Butter! Und am Nachmittag meistens saure Milch!
war unter anderem noch in einem erholungsheim in Ruhpolding! Das war 1969!