Kinderkrankenhaus Im Borntal Bad Sachsa
Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Niedersachsen

Kinderkrankenhaus Im Borntal – 3423 Bad Sachsa

Kinderkrankenhaus Im Borntal

Telefon: 221

Träger: Diakonissen-Mutterhaus Kinderheil. Bad Harzburg, Innere Mission

Aufnahme: 60 Kleinkinder, 80 Schulkinder, 30 Jugendliche, 10 Erwachsene, ganzjährig

Ärztliche Behandlung: Chefarzt Dr.Fritz Wilhelm; ab 1967 Dr.F. Karg

Indikation: Geschlossene Lungentuberkulose


Das Areal, auf dem im Hintergrund die Häuser stehen, ist als Stellplatz für Wohnmobile und als Campingplatz angelegt. Das gesamte Gelände wirkt eher gering genutzt. Seit 2021 ist ein weiterer Ferienpark mit Wohnungen und einem Dokumentationszentrum zur Geschichte geplant. Ein Schild am Eingang erklärt die historische Bedeutung der Häuser aufgrund der Sippenhaft der Kinder der Hitlerattentäter von 1944-1945, die plötzlich dort einquartiert wurden. Die Zugangsstraße Im Borntal wurde dementsprechend offiziell umbenannt in Straße des 20. Juli, mit den Hausnummern 1-8. Eine sehenswerte, informative Dauerausstellung über die Folgen des Attentats für die betroffenen Familien und die Stadt Bad Sachsa befindet sich im ersten Stock der Touristeninformation, Am Kurpark 6.

Kinderheimbetrieb: 1936 durch Daniel-Schnakenberg-Stiftung für bedürftige Bremer Kinder gegründet. Daher existierte der Name “Haus Bremen”. Von 1936 bis 1945 in Trägerschaft der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).

Kinderkrankenhaus: Der Kinderfacharzt Dr. Fritz Wilhelm wurde wegen der Luftangriffe auf Dresden mit vielen Kleinkindern aus einer dortigen Kinderklinik im Mai 1945 nach Bad Sachsa ins Borntal evakuiert. Dadurch wurde der Kinderkrankenhausbetrieb im Borntal gegründet, Dr. Wilhelm war Chefarzt bis 1967, danach Dr. Karg. Ebenfalls 1945 flüchteten viele Diakonissen (evangelische Schwestern, ähnlich wie Nonnen gekleidet) aus Stettin in den Harz (Träger: Diakonissenmutterhaus Kinderheil, heutiger Name: Diakonissenmutterhaus Bad Harzburg). Sie pachteten das Gelände im Borntal und ließen ein Schwesternwohnheim bauen, arbeiteten und wohnten dort als Kinderkrankenschwestern. Einige Diakonissen arbeiteten als Angestellte auch in anderen Kinderkurheimen in Bad Sachsa.

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Jens
Admin
27. November 2022 13:10

Herr Silas Degen sucht Kontakt zu folgenden Personen, die hier kommentiert haben.

Es handelt sich um die folgenden Personen:
– Petra von Seggern (verschickt 1977)
– Monika (verschickt 1661/62)
– Sandra (unbekannt)
– Edgar (verschickt 1959)

Falls Interesse besteht, meldet euch bitte bei ihm!

Hier seine Nachricht:

Guten Tag, mein Name ist Silas Degen und ich bin Filmemacher. Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Thematik Verschickungsheime und mein neues Filmprojekt soll sich um den Kurort Bad Sachsa drehen. Im Zuge meiner Recherche bin ich auf Ihren berührenden Erlebnisbericht gestoßen. Gerne würde ich mich mit Ihnen telefonisch über Ihre Erinnerungen austauschen und freue mich sehr über eine Kontaktaufnahme.

Herzlichen Dank!

Silas Degen


Film – Hörspiel – Journalismus
Mail: silas@jungepresse-online.de
Telefon: +49 177 – 4211254

Sandra
Sandra
10. November 2022 09:29

Ich war als Kind auch mal drinnen! So genau, weis ich auch nicht warum. Das essen dort war schrecklich! Man wurde gezwungen es runter zu würgen bis man brechen musste….
es war furchtbar!

Cookie
Cookie
2. November 2022 11:32

ich kenne eine Diakonisse die dort gearbeitet hat. Wenn ich das hier lese, sträuben sich mir die Nackenhaare. Was mussten die Kinder dort erleiden. Die Diakonisse die ich kenne, ist sich dem gar nicht bewusst. Für sie war das alles richtig.

Silas Degen
Silas Degen
Reply to  Cookie
29. Dezember 2022 18:41

Guten Tag Cookie, womöglich haben Sie schon die obige Nachricht entdeckt. Ich bin Filmemacher und möchte einen Dokumentarfilm über die Borntal-Häuser drehen. Gerne würde ich dafür auch mit damaligen Mitarbeiterinnen des Heimes ins Gespräch kommen und ihre Perspektive einfließen lassen. Könnten Sie sich vielleicht vorstellen, mich mit der Diakonissin aus Ihrem Bekanntenkreis in Verbindung zu setzen? Ich würde mich sehr freuen über eine Nachricht an silas@jungepresse-online.de. Vielen Dank und Grüße, Silas Degen

Edgar
Edgar
13. Oktober 2022 14:50

Ich war 1959 mit 5 Jahren für 7 Monate im Haus 3 im Borntal.
In der Zeit Röteln und Masern, durch Isolierung das Sprechen verlernt, danach gestottert.
Die Traumatisierung wirkt insbesondere durch Ängste bis heute nach.

Silas Degen
Silas Degen
Reply to  Edgar
29. Dezember 2022 18:33

Guten Tag Edgar, womöglich haben Sie schon die obige Nachricht entdeckt. Ich bin Filmemacher und möchte einen Dokumentarfilm über die Borntal-Häuser drehen. Gerne würde ich mich mit Ihnen über Ihre Erinnerungen austauschen und freue mich über eine Nachricht an silas@jungepresse-online.de. Vielen Dank und Grüße, Silas Degen

Olaf
16. Mai 2022 11:29

Ich möchte gerne der Borntalgruppe beitreten.
War 1980 im Alter von 10 Jahren dort eingesperrt, die schlimmste Zeit meines Lebens.

Gela66
Admin
Reply to  Olaf
7. Juni 2022 21:16

Hallo Olaf, ich habe deinen Wunsch an Meike weitergeleitet, die auch im Borntal war. Ich hoffe, du kannst deine Erinnerungen bald mit ihr und anderen ehemaligen Verschickungskindern aus dem Borntal austauschen. Viele Grüße Gela

Monika
Monika
26. April 2022 09:03

Ich habe in Bad Sachsa im Kinderheim Borntal eine „Kur“ vom 26.10.1961-17.04.1962 also fast 6 Monate dort aushalten müssen. Ch dürfte mich nicht von meiner Mutter verabschieden die mich dorthin gebracht hatte. Sie haben mich dann sofort in Quarantäne gesteckt. Das hieß drei Wochen eingesperrt in einem Zimmer mit Bett und einem Stuhl. Ich habe fast die ganze Zeit geweint. Dort bekam ich zwar etwas zu essen aber keine Gesellschaft. Ab und zu würde mein pinkelpott geleert und abends kam eine Diakonissin, die ein wenig mit mir gesprochen hat. Warum meine Mutter mich dort abgegeben hat konnte ich mir leider nicht erklären. Ich hatte mich nicht sehr krank gefühlt aber es wurde mir so gesagt. Ich hatte eine Rippenfellentzündung die dort ausheilen sollte. Bei der Behandlung dort hat es viel Zeit in Anspruch genommen. Besuch bekam ich erstmals nach 6 oder 8 Wochen. Das Essen dort war einfach schrecklich. Wenn man es nicht essen wollte wurde es in einen reingestopft in einer Geschwindigkeit das man es nur Erbrechen könnte. Landete es auf dem Teller müsste es aufgegessen werden, landete es auf dem Fußboden müsste man es selbst aufwischen. Regelmäßiges wechseln der Kleidung, so wie ich es gewohnt war war verboten. Das schlimmste war für mich die Unterwäsche nicht wechseln zu dürfen wann ich es wollte. Ich habe nicht sehr schmutzig gefühlt. Nach dem Mittagessen mußte man zur liegekur auf den Balkon nur in ein paar denken eingebunden in denen man sich nicht rühren konnte. Eingewickelt auf dem Rücken liegen und den Mund halten. Hat man geredet gab es Ohrfeigen. Pakete wurden aufgemacht und ausgeplündert. Die Süßigkeiten daraus bekam man. Es war immer schrecklich kalt. Der Weg zur wöchentlichen Untersuchung beim Arzt war gruselig. Dort stand man dann in Unterhose im kalten Zimmer und wartete auf das „durchleuchten“. Da man bei meinen durchleuchten offensichtlich nicht genug sehen konnte wurde 3mal eine Bronchoskopie angeordnet. Dazu Wurde ich auf einen Stuhl gesetzt und an Händen und Füßen fixiert um mir dann einen roten Gummischlauch in die Luftröhrenschnitt bis zur Lunge zu stopfen. Ich sehe den Schlauch noch heute vor mir, er hatte eine metallene Spitze. Wo ich das jetzt schreibe kommen mir die Tränen. Es war dort so schrecklich das ich übernervös mit leichten Verhaltensstörungen Nachhauseweg kam und lange Zeit Alpträume hatte. Ich habe danach meine Fröhlichkeit verloren und meine langjährige Schulfreundin sagt immer das sie mich nur mit traurigem Gesichtsausdruck kennt. Diese Traurigkeit und der Vertrauensverlust und die verlassenes Ängste begleiten mich mein ganzes Leben. Ich bin jetzt 68 Jahre alt. Ich kann mich nicht an alles erinnern aber es war die schlimmste Zeit in meinem Leben.

Silas Degen
Silas Degen
Reply to  Monika
29. Dezember 2022 18:37

Guten Tag Monika, womöglich haben Sie schon die obige Nachricht entdeckt. Ich bin Filmemacher und möchte einen Dokumentarfilm über die Borntal-Häuser drehen. Gerne würde ich mich mit Ihnen über Ihre Erinnerungen austauschen und freue mich über eine Nachricht an silas@jungepresse-online.de. Vielen Dank und Grüße, Silas Degen

Gela66
Admin
Reply to  Monika
3. Mai 2022 20:59

Liebe Monika, vielen Dank,dass du deine Erinnerungen hier aufgeschrieben hast.
Viele von uns können dich gut verstehen, dass du bis heute die Folgen der Verlassenheit spürst. Es gibt einige ehemalige Verschickungskinder, die wie du im Borntal gewesen sind. Sie haben ganz ähnliche schlimme Erfahrungen gemacht und leiden an ihren lebenslangen Folgen. Wenn du möchtest, kannst du in die offene Bad-Sachsa-Gruppe kommen (auf dieser Webseite). Dort kann jede, jeder Fragen stellen und von sich erzählen. Viele Grüße und alles Gute Gela66 (1966 mit 6 Jahren zur Kindererholung in Bad Sachsa)

Gegenwehr
13. Dezember 2021 14:05

Ich war insgesamt 3x jeweils 6 Wochen in dieser Anstalt und 1x 6 Wochen auf Norderney. Insgesamt kam ich also 6 Monate in den Genuß von Kindererholungsheimen.
Wenn ich diese Geschichte in einem Buch verfassen müsste, dann würde ich ihm den Titel “Die Soziopathenfabrik, unschuldige Kinder rein, tickende Zeitbombe raus”, geben.
Entweder begehst du irgendwann in deinem Leben Suizid, oder aber du hast gelernt Schmerzen jeglicher Art zu verstoffwechseln. Du selbst, bleibst trotzdem gebrochen! Am einfachsten geht das, wenn man künftig sein Schmerzempfinden temporär abschaltet und agiert statt reagiert. Das heißt, anderen physische oder psychische Schmerzen zuzufügen, bevor sie es können. Parallel kann man Ängste abventilieren. Dabei aber objektiv und angemessen zu reagieren und die Kontrolle zu behalten ist fast unmöglich. Es gibt ja keinen Kurs oder eine Ausbildung, wie man unter diesen Voraussetzungen Sozialkompetenz behält. Grundlegende Voraussetzungen für soziales Verhalten existieren ja nicht mehr. Wie Vertrauen zu, oder in Menschen. Die Verhältnismäßigkeit ist der schmale Grad, der dich vom Soziopathen trennt!

Mit 4 Jahren, Anfang der 1980er, wurde ich das 1. Mal ins KKH Borntal verschleppt. Mir wurde schweres Asthma von meinem Kinderarzt, Dr. Appelmann aus Duderstadt, attestiert und eine Lungenkur dringend angeraten. Zur Info, ich bin jetzt 45 Jahre alt und ab meinem 16. Lebensjahr, habe ich die ersten verlässlichen Erinnerungen und ab dem Zeitpunkt bis heute, habe / hatte ich keine Asthmaanfälle! Ich habe sogar eine überaus derbe Konstitution. Kein Inhalator, keine Einschränkungen, oder Beeinträchtigungen, keine Allergien, keine regelmäßige Medikamente und ich kann sogar, ohne Sauerstoffzelt Berge hinaufklettern.
Die fragwürdige Diagnose ist der Beginn einer Kette fragwürdiger und mysteriöser Umstände der Kinderverschickung und dem systematischen Horror an sovielen Orten, mit sovielen Tätern! Zufall, oder geplant?

Ich habe letztes Jahr eine Doku über die “Kinder des 20. Juli” gesehen. Als die ersten Bilder von der Einrichtung im Borntal gezeigt wurden, habe ich wie ein Blitzeinschlag, ein so tiefes Gefühl von Panik, Hoffnungslosigkeit und Machtlosigkeit empfunden, daß ich mir nicht hätte vorstellen können. Mir kam es vor, als wenn ich im Vergleich zu diesem Gefühl zuvor niemals Angst gehabt hätte. So überwältigend und real war sie! Also der Begriff wurde neu definiert. Eine so fundamentale Angst, in dieser “Dreifaltigkeit” von Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und vollkommen Ohnmacht! Ich hatte keine Idee warum und war komplett starr, schwitzte und frierte gleichzeitig. Mich beschlich die Befürchtung, das mein Verstand gerade dabei ist, sich zu verabschieden. Immer mehr Bilder wurden im TV gezeigt und genauso blitzartig wusste ich, daß ich diese Gebäude im Fernsehen kannte und schon wußte, wie das Umfeld oder Zimmer aussahen, noch bevor sie gezeigt wurden, was meinen Zustand nicht gerade stabilisierte. Fast gleichzeitig wußte ich auch, daß ich dieser puren Urangst nicht zum 1. Mal begegnet bin. Vielmehr ist sie ein alter, bekannter Weggefährte, aus einer Zeit, an die ich absolut keine Erinnerung hatte!

Ich habe fast 60 Stunden, ohne Schlaf, das abebben dieses Gefühls ausgesessen und krampfhaft versucht mich zu erinnern. Wäre nicht Wochenende gewesen, wäre ich arbeitsunfähig im buchstäblichen Sinn gewesen. Aber ich konnte in dieser Zeit das Internet befragen und immer mehr Filmszenen wurden sichtbar… Der Chefarzt Dr. Kahk (o. Kaak, o. Caak) die Emaillebadewanne im Keller, die “Stirnfliese” im Duschraum, geschmackloser, lauwarmer Haferschleim, der wie Rotz im Mund war (aber nicht der eigene) und den man erst erbrach, um ihn nochmal essen zu müssen, die “Tanten” in ihren blauen Schürzen, die Medikamente, die Untersuchungen, die Schläge, die drakonischen Strafen, die Schmerzen, die Erniedrigungen, die Kinder, die allgegenwärtige Angst. Der Mißbrauch, den man erfuhr, wenn man gezwungen wurde, an einem anderen Kind eine Strafe zu vollziehen, daß diese so verdient hatte, wie man selbst, nämlich nicht ansatzweise.

Einem Kind wurden die Hosen runtergezogen, vor allen anderen erniedrigt und lächerlich gemacht, dann mußte es sich bauchlinks über den Schoß der Tante liegen und alle anderen Kinder mußten ihm der Reihe nach, so fest wie möglich auf den blanken Po hauen, bis alle durch waren und das Opfer weinte. Weinte Es nicht, ging es von vorne los… Manche konnten gar nicht mehr weinen und manche brachten es nicht fertig zuzuschlagen, die mußten dann den Platz mit dem anderen tauschen und der Vorgänger musste zuschlagen, bis der Verweigerer weinte. Weigerte sich derjenige auch, ging es barfuß in den kalten Keller, in die Duschräume. Manchmal wurde man zuvor kalt geduscht, bevor man sich auf zwei bestimmte Fliesen stellen und sich mit der Stirn an eine ebenfalls bestimmte Fliese, an die Wand lehnen musste. So stand der eine auf der einen Seite der Wand und das andere Kind auf der gegenüber liegenden Wand. Eine gefühlte Ewigkeit… Als Kind eine Zeit abzuschätzen ist fast unmöglich, aber danach waren die Füße fast nicht mehr zu spüren und blauweiß und oft mußte man an der Stelle auch an sich herunterurinieren, weil man nicht mehr aufhalten konnte. Wenn auch nur einer gewagt hat, dem anderen zuzuflüstern, wurde derjenige erneut kalt geduscht und ihm wurde erklärt, daß er das seinem Kameraden zu verdanken hat, der sich mit dieser leisen Kontaktaufnahme seelisch etwas wärmen wollte.

Das ist nur ein kleiner Auszug, aus dem pädagogischen Standart-Heilstättenrepartior. Die Familien-Tiefentherapie, ist da schon eher die Kür… Warum die Eltern ihr Kind dahinschickten… weil sie es nicht mehr leiden können, da es daran Schuld ist das Eltern sich streiten und womöglich Mama oder Papa die Familie verlassen, weil ihr Ableger nur Sorgen bereitet und Nerven kostet. Deswegen rufen sie auch nicht an schicken keine Pakete (beides würde zurückbehalten und abgelehnt, um den Heilerfolg nicht zu gefährden). Das wurde so den Kindern eingeredet. Manchmal wurde ein Paket aber doch, jedoch massiv geplündert, weitergegeben, um es als Instrument gegen das Kind zu pervertieren. Druckmittel, oder um Fehlverhalten zu provozieren, oder nur damit man es im nächsten Moment zur Erpressung wieder wegnehmen kann. Vermeintliche Briefe der Eltern wurden vorgelesen, um die Freude über liebe Worte von Mama und Papa in der Einsamkeit zu vernichten, indem der Lügenbrief beschreibt, daß man ein fürchterliches Kind ist, das wenn es nicht tut, was die Tanten sagen, als nächstes und endgültig direkt ins Kinderheim kommt und gar nicht mehr nach Hause.

Die Kreativität in dieser Folter auf allen Ebenen und systematischer Vernichtung des Kindes im Kinde, ist unerfaßbar und ist in keinem Horrorfilm gefühlsecht darstellbar! Selbst mir ringt es noch eine gewisse Bewunderung ab und ich staune immernoch über diese Effektivität in allen Bereichen der “spurlosen” Folter und Zerstörung des unsichtbaren, aber wichtigste, dem Kindergeist- und Seele. Mentale Zerfleischung, untermalt mit einer Sonate spurlosen, physischen Schmerzes. Totaler Verlust von Vertrauen und jedem Sicherheitsgefühl spielen im Duett dazu. Für mich ist es aber seid letztem Jahr eine Kette von Einsichten und Offenbarungen auf die Frage warum ich bin, wie ich bin und wieso ich wurde was ich war. Ein augenscheinlich normaler Mensch, mit einem versteckten Knopf… Wenn man einen entsprechenden Code eingegeben hatte, konnte man per Knopfdruck einen Sardisten, einen Mr. Hide, einen Soziopathen, oder Rachsüchtigen hervorholen, mit selektiver Befreiung von Reue und Empathie und mit einer sehr hohen Schmerztoleranz. Jemand, der auf emotionaler Ebene, je nach Bedarf blinde Flecken erzeugen kann. Wehe dem, der ausversehen auf diesen Knopf kam. Absichtlich hat ihn jedenfalls keiner gedrückt. Von den wenigen, die mich etwas genauer kannten.

Seid über 10 Jahren habe ich meine Traumfrau an meiner Seite und die zwei besten Töchter, die man sich nur wünschen kann, aus erster Ehe. Meine Frau hat mich in diesen Jahren, in so vielen Bereichen therapiert, ohne wahrscheinlich eine Ahnung von dessen Umfang zu haben. Dadurch konnte ich in den letzten Jahren auch ohne meine zurückkehrenden Erinnerungen, zu einem erträglichen Menschen werden. Zwar besteht immer noch eine latente Explosionsgefahr, aber der Zünder wurde viel sicherer verwahrt und eine positive Nutzung der freiwerdenden Energie ist auch möglich. Hätte ich die Erinnerungen zurückbekommen bevor ich meine Frau traf und hätten noch Folterknechte oder Tanten von damals gelebt, hätte ich ihnen sicherlich den Erfolg ihres Tatwerkes in allen Facetten vorgeführt und es ihnen in vollen Zügen erlebbar gemacht, ohne jeglichen Zeitdruck und eventuell Generationsübergreifend. Diese Wut, den Zorn, die Maßlosigkeit der Rachlust und das Verständnis von Schmerz, hätte sie vielleicht beeindruckt. Meiner Traumfrau, meinen Kindern und Jesus Christus verdanke ich es, daß das was restlos zerstört und verloren schien, auferstehen konnte. Vertrauen, Zuneigung, Liebe, Sicherheit, Geborgenheit und ein Weg aus der Einsam- und Hoffnungslosigkeit!

Bruno Toussaint
Bruno Toussaint
Reply to  Gegenwehr
8. Juli 2022 02:48

Ich schreibe gerade an einer Kurzfassung einer Petition zum Seehospiz (gefordert vom Petitionsausschuss in Hannover), wurde aber von Meike auf Borntal hingewiesen. Wenn ich diese Dinge hier lese, bin ich zunächst ganz erstaunt über die literarische Qualität des Geschriebenen. Meike wollte auch dass ich die Arbeit der Diakonissen als Ganzes aufnehme, mit einem Schwerpunkt auf Borntal. 

Umgekehrt lebt eine Petition nicht von persönlichen Erfahrungsberichten, sondern von der strukturellen Durchdringung eines kompletten Heimbetriebes mit Auflistung medizinischer, pflegerischer, psychologischer, sexueller Vergehen, bis hin zum Nachweis der Einnahme von Psychopharmaka – hier die Wirkung von Neuroleptika: .https://verschickungskind.de/wp-content/uploads/2022/01/Der-Fall-des-Hans-Dominik-Bell.pdf.

Die Frage ist also, ob die niedersächsische Gruppe die vielen Einzelfälle bisher methodisch so aufbereitet hat, dass sie mit noch ein wenig Zusatzarbeit eine Querschnittsstudie durch den Betrieb eines Kinderheims darstellen und damit auch die typischen Wirkungsmuster der Diakonissen aufzeigen kann. Ich wäre also sehr dankbar, wenn ich das noch bekommen könnte. Die Langfassung der Petition kann im “Seehospiz Forum” nachgelesen werden, inklusive Auswertung der Diakonie-Dokumentation vom 20.08.21, sowie hier auf AG Verschickungskinder: https://verschickungskind.de/petition-zur-veroeffentlichung-der-diakonie-dokumentation-vom-august-2021/

Für den Fall, dass der Petition mit dem erneuten Forschungsauftrag zum Seehospiz und dem Wirken der Diakonissen tatsächlich stattgegeben wird, werde ich im Landtag in Hannover über die Gewalttaten der Diakonissen an Kindern und über die Langzeitfolgen berichten. Tatsächlich scheint mir das Wirken der Diakonissen im Borntal mehr offensichtlich und damit brutaler und rücksichtsloser gewesen zu sein. Im Seehospiz wurde die Gewalt gegen Kinder eher systematisch in den ausgeklügelten Betriebsstrukturen versteckt, so dass die Kinder vor allem in den langen Wintern zur Apathie neigten und damit ihre Identität verloren – sie unterwarfen sich ganz der Gewalt der Schwestern. So wurden weniger rebellisch, aber auch hier gibt es gegenteilige Berichte – siehe oben “der Fall Hans-Dominic Bell”, der deswegen im späteren Leben einen “Betreuer”, sprich Vormund erhielt, gleiches auch bei Stefan M. aus Solingen. “Gegenwehr” oder D. steht also für eine im Grunde erfolgreiche Gegenwehr gegen das System der totalitären Unterwerfung und Macht über die Massen, was typisch für kirchlische Strukturen sind.

Die grundsätzliche Frage ist also, ob die evangelische Kirche diese Anstalten nur zur Selbsterhaltung unterhielt, damit ihre pietistischen Ableger und Orden und die Frauen mit ihren “ekklesiogenen” Neurosen und ihrer pathologischen Triebunterdrückung und Hang zum Sadissmus eine Chance hatten, Geld zu verdienen. Mit Heilung von kindern hatte das nämlich nicht mehr allzu viel zu tun. Aber man muss es nachweisen können, darum geht es ja. Im Mutterhaus in Bad Harzburg behaupten sie nämlich immer, sie hätten von nichts gewusst. Aber auch dies ist gelogen, da es mittleweile zig Nachweise und Interviews gibt, wo sie schon seit 2016 zur Aufarbeitung aufgefordert wurden, dies aber nie eingehalten wurde. Ebenso war die vergewaltigte “Brigitte” aus Bad Sachsa dort, ihr wurde ebenso eine Aufarbeitung versprochen. Das Statement von Herrn Lenke und Oberin Kätsch dazu kann man sich als völlig ernüchternde Geschichte im Podcast anhören: https://www.ndr.de/nachrichten/info/Die-Traumata-der-Verschickungskinder-Es-geht-nur-darum-zu-ueberleben,audio920396.html 

Meike
Reply to  Gegenwehr
18. Februar 2022 08:17

Lieber D., ich habe Dir eine Persönliche Nachricht geschrieben – Liebe Grüße Meike

Mario
Reply to  Gegenwehr
14. Februar 2022 23:29

Im alter von 7 Jahren war ich ende der 70er dort. Ich kann das so bestätigen, was Du geschrieben hast. Ich leide seid her an Persönlichkeitsstörung ,in Form von Borderline und führe kein normales Leben mehr seid diesen 6Wochen. Habe heute (14.02.22) die Reportage auf NDR3 gesehen und als die Bilder von Bad Sachsa kamen, musste ich mich übergeben 😢. Am liebsten würde ich sehen, das keine Entschuldigungen von den Verantwortlichen kommen, sondern das man die mit Schadensersatz Ansprüchen dermaßen zukleistert, das die dicht machen können! Haben sich ja auch an uns bereichert,in jeder hinsicht.

Meike
Reply to  Mario
18. Februar 2022 08:20

Lieber Mario, ich habe Dir eine Persönliche Nachricht geschrieben – Liebe Grüße Meike

Petra von Seggern
Petra von Seggern
2. November 2021 18:36

Hallo, ich war 1977 als achtjährige dort sechs Wochen zur Kur. Wegen meines Asthmas. Mir ist es dort zum Glück nicht schlecht ergangen. Es gab noch Nonnen dort und ich hatte Heimweh. Es wurde ein ALLERGIETEST auf dem Rücken gemacht. Das war schlimm. Ich glaube ich wurde auf diät gesetzt, obwohl ich nicht zu dick war. Das Süssigkeiten Paket von zu Hause, wurde verteilt unter den Kindern. Meine Eltern haben mich dort besucht.

Petra
Petra
Reply to  Petra von Seggern
17. Juli 2022 21:07

Ich war auch so ca.1978 oder 1979 da
Ich musste damals zur Kur zum abnehmen. Habe gute liebevolle Erfahrungen gemacht . Ich war ca. 6 Monate dort, es waren auch Nonnen dort. An eine Nonne kann ich mich noch sehr gut erinnern (Schwester Elisabeth). Es war eine schöne Zeit dort.

Laura Bergmann
Laura Bergmann
Reply to  Petra
1. September 2022 11:28

Hallo Frau Seggern,

Ich bearbeite gerade ein Schülerprojekt zum Thema Geschichte und ich bin sehr interessiert an ihren persönlichen Erfahrungen zu dieser Einrichtung.

Ich würde mich auf eine Rückmeldung freuen.
Liebe Grüße