Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Niedersachsen

Kinderkurheim am Solling – 37691 Boffzen


37691 Boffzen

Kindererholungsheim am Solling, Hoppenberg 15

Fernruf: Höxter (Weser) 418

Inhaber: K. Rothhaus, Boffzen

Weitere Informationen zum Haus s. auch  Die Villa von Max Eugen Noelle , Auszug:
“Ab 1935 nutzte die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung das Anwesen als Landjahrlager erst für Jungen, 1936–1937 für Mädchen. Sie arbeiteten in der Landwirtschaft und wurden im Sinne des Nationalsozialismus erzogen. 1938 beherbergte die Villa ein Jugenderholungsheim, nach dem Krieg ein Kinderheim. Im 1986 weiterverkauften Anwesen wurde 1996 das Seniorenpflegeheim „Parkschlösschen“ eröffnet.”

Aufrufe: 425

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
12 Kommentare
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Joe
Joe
21. Mai 2022 22:46

Ich war 1977 mit 9 Jahren dort.
Der Grund war, dass meine alleinerziehende MS kranke Mutter für über 2 Monate in eine MS Klinik musste und keiner aus der Familie mich in Pflege nehmen wollte. Über das Jugendamt wurde ihr dieses Heim vermittelt.

Ich musste am ersten Tag meinen ganzen Reiseprofiant/Süßigkeiten die ich dabei hatte abgeben. Angeblich sollten die und die der anderen Kinder
gesammelt und regelmäßig unter uns aufgeteilt werden. Das geschah NIE! Ich wollte am nächsten Tag ein paar Kekse haben, die Erzieherin hat mir einen leeren Schrank gezeigt und gesagt; “Es gäbe nix mehr, es wäre bereits alles verteilt worden”
– kann nicht stimmen!
Wir waren alle in riesigen Schlafsälen untergebracht – c.a. 10 Kinder in einem Raum.

Die Verpflegung war Menschenverachtent!
Während meines über 2 monatigen Aufenthalts gab es jeden Tag zum Frühstück Haferschleim: total zerkocht und ohne Geschmack, einfach nur Ekelig!
Die Teller waren bis zum Rand damit gefüllt.
Zusätzlich gab es ein Butterbrot (Nicht belegt) und ein Stück Karotte – das war alles!
Wer den Haferschleim nicht vollständig aufaß durfte das Brot nicht essen und den Tisch verlassen. Es war Schrecklich.
Wem es davon übel wurde und den Schleim nicht essen konnte, wurde zur Strafe sofort bis zum Mittagessen ins Bett geschickt.

Zu dem Mittagessen gab es immer noch eine Vorsuppe, die ständig! versalzen war.

Dann gab es am Nachmittag noch ein Marmeladebrot und Tee.
Einmal hatte ich ein Brot da war eine Spinne drauf geschmiert.

Zum Trinken gab es ausschließlich nur Kamillentee – kein Wasser etc.

Wir mussten regelmäßig Briefe schreiben die hinterher kontrolliert wurden – ich hab über die unmenschlichen Zustände berichtet und dass ich sehr viel Heimweh habe.
Der Brief wurde hinterher vernichtet und ich musste einen neuen schreiben in dem ich das Heim und die Erzieherinnen lobte, ich mich wohl fühle und kein Heimweh habe.

Die Toiletten waren ständig verschmutzt und es stank immer. Das ganze Gebäude war in einem sehr miserablen Zustand.

Wir haben oft sehr viel Ausflüge unternommen, von denen einige ganz schön waren.
Aber die längeren gingen oft über mehrere Stunden – einer von Boffzen bis zum Kloster Corvey.
Wir bekamen alle nichts zum essen und trinken mit, an dem Tag war es fast 30ig Grad warm!
Als wir endlich ankamen gab es dort Gott sei Dank etwas zum trinken und Essen – aber nur das übliche: Tee und Butterbrote.
Nach einem komplett ausgefallenen Mittagessen hab ich mehrere Brote nur so reingeschlungen, war so aus gedürstet oder dehydriert dass ich mehrere Tassen Tee hintereinander trinken musste.
Gott sei Dank sind wir dann alle mit Bussen wieder zurück gefahren.
Die Betreuer – bis auf 2 waren einfach Kalt, streng, unfreundlich. Dass wir Heimweh hatten, interessierte die nicht. Man konnte nicht mit ihnen darüber reden.
Ich habe fast täglich wegen dieser ganzen Situation und meinem Heimweh eingenässt.
Bekam deshalb ständig Ärger, ich wurde beschimpft und dass sehr laut! man hat mir mit Getränkeentzug gedroht, also ich durfte nicht mehr so viel trinken.
Geduscht wurde in einem riesigen Raum im Keller – das ganzen Jungens im Haus mussten sich darun versammeln und wir wurden mit einem Gartenschlauch abgespritzt, Dann mussten wir uns einseifen und wieder abgespritzt. Das ganze im Schnelldurchlauf. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich hinterher immer noch Seife auf meinem Körper hatte, was die Erzieherinnen aber nicht interessierte.

Das waren für mich die schlimmsten Monate in meiner Kindheit, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben.
Bis heute kann ich diese Zeit nicht vergessen

Edmund
Edmund
Reply to  Joe
26. Mai 2022 15:59

Joe
das tut mir sehr Leid was Dir da widerfahren ist. Besonders wir Kinder damals nach 1960 geboren hatten ja meist noch Eltern die den 2 Weltkrieg erlebten, da warst Du ausgeliefert bei so vielen Dingen inklusive Prügelstrafen. Ich habe heute noch manchmal Träume die sich mit diesen Zeiten vermischen und wache verkrampft auf. Es ist vorbei aber vergessen kann man nicht viel.

Rolf Nahrgang
Ja die Duschen im Keller sind ganz dunkel noch in Erinnerung. Was mir heute auffällt, die Mädchen bekamen wir die ganzen 6 Wochen nie zu sehen. Wir spielten viel Fußball auf einer großen Wiese. Es waren auch ältere Jungen dabei, alle gaben zu freiwillig und gern dort zu sein und haben herum gesponnen, der Vater sei Apotheker oder alter Kriegsheld. Mit einem Freund haben wir in einer Toilette das Fenster geöffnet und man konnte den Kopf raus strecken und von außen im Verblendmauerwerk bohrten wir ein Loch in die Fugen. Wir schrieben auf einem Zettel wie unglücklich wir waren und versteckten ihn in dieser Fuge.

Edmund
Edmund
22. April 2022 15:50

Ich erinnere mich ebenso, es war 1972 und ich war 10 Jahre jung, wir kamen aus Bremen in den Sommerferien für 6 Wochen. Getrennt wurden Mädchen und Jungen jeweils im Haus gegenüber. Ich weiß nicht genau aber ich glaube wir waren 20 oder 25 Jungen und hatten drei Betreuerinnen, schlafen in einem riesigen Saal wie in einer Kaserne. Man hat uns aber gut behandelt und nur ein Junge wurde wegen Heimweh nach einer Wochen zurück geschickt. Ich erinnere mich sogar noch an Namen meiner Freunde dort. Oliver R.R. Schneider u. Michael Mühlenhort. Auf dem Gelände konnten wir toben und alles machen, auch Ausflüge in den Wald und ich glaube zum Hermannsdenkmal. Auf dem Gelände war noch eine kleine Villa, dort lebte eine alte Frau zu der wir einmal eingeladen wurden, ich glaube sie war die Besitzerin. Ich selber fand es nicht schön weil ich auch Heimweh hatte. Ich weiß noch das in der Zeit der Ferien dort die vier Folgen vom “Der Seewolf” liefen welche wir schauen durften.

Rolf Nahrgang
Rolf Nahrgang
Reply to  Edmund
22. Mai 2022 09:38

Ich war auch 1972 dort. Einige unschöne Erinnerungen sind mir von damals geblieben. Ich konnte mich nach einiger Zeit nicht mehr an das Aussehen meiner Eltern erinnern und hatte gerade zu Beginn großes Heimweh. An Duschen im Keller und eklige Haferschleimsuppe erinnere ich mich. Riesige Tannenzapfen an in der Nähe stehenden hohen Nadelbäumen und Ausflüge zur Weser mit Sammeln von bunten Glassteinen sind bruchstückhafte Erinnerungen. Eine jüngere Nonne? hatte mich mehrmals vor strengen Erziehungsmethoden älterer Kolleginnen „gerettet“. Meine frisch gewaschene Wäsche wurde öfter verwechselt, da meine Namensschilder ( Rolf N ) mit dem Namensschild von Rolf Neumann ( auch Rolf N ) nicht zu unterscheiden war.

Marita
Marita
15. Februar 2022 23:28

Ich habe auch in diesem Heim ca 1958 um Zuzunehmen ,ich kann mich auch noch an manche Dinge erinnern.
Ich war damals erst 6 Jahre alt ,es war schrecklich!

Anna Fingerle
Anna Fingerle
6. Februar 2022 11:03

Ich war in diesem Heim 1971 zum Zunehmen. Damals dachte man noch Kinder müssten pummelig sein. Dort wurden wir 6 Wochen lang gehalten wie Strafgefangene. Es war der Horror. Wir wurden gezwungen wöchentlich nach Hause zu schreiben, wie schön es dort ist. Als ich nach Hause kam, glaubte mir meine Mutter nicht, was ich dort erlebte. Erst 1977 traf ich zwei Mädchen, die zur gleichen Zeit wie ich dort waren. Sie hatten das gleiche erlebt. Ich wünschte, dass die sogenannten „Betreuerinnen“ von damals zur Rechenschaft gezogen worden wären. Aber das ist wohl nie geschehen. Sie waren Sadisten

Tina Khan
Tina Khan
Reply to  Anna Fingerle
14. Mai 2022 01:50

Lese und sehe gerade Berichte über Verschickungskindern. Ich war auch 1971 im Kinderheim Boffzen. Habe sogar noch ein Gruppenfoto – versuche mich an die Zeit zu erinnern.

U.Krausse.
U.Krausse.
Reply to  Anna Fingerle
15. Februar 2022 00:31

In diesem Heim war ich (Jahrgang 1944) im Jahre 1951 um zuznehmen- ich kann mich noch gut an das scheußliche Essen erinnern – angedickte, angebrannte Nudeln in Milch gekocht und ewig Marmeladenbrote. Die Mittagsruhe gab es damals auch und die langen Fussmärsche. Und die penible Ordnung im Spind – wehe es war ein Fältchen nicht glatt, alles raus- und wieder einräumen- wie bei den Soldaten.
Ich habe diese Zeit – ich glaube, es waren vier Wochen – als schlimm empfunden.
.Es fällt mir jetzt wieder ein , dass ich ganze 200 g zugenommen hatte.
Aber bis heute kann ich nichts essen, was in Milch gekocht wird und auch kein trockenes Graubrot mit Marmelade. Wenn ich jetzt ab und zu zur Porzellanmanufaktur Fürstenberg fahre schüttelt es mich, wenn mein Blick auf dies Haus fällt.

Rena Hauck
Rena Hauck
Reply to  U.Krausse.
16. Februar 2022 15:12

Ich war auch Anfang der 50er Jahre dort, noch nicht schulpflichtig. Mein jüngerer Cousin war mit mir zur gleichen Zeit da, den ich aber kaum zu Gesicht bekam, weil er in einer anderen Altersgruppe war. Ich hörte nur, dass er häufig krank war und das Bett hüten musste.
Aus dieser Zeit der “schwarzen Pädagogik” hätten wir uns zu Hause kaum beschwert. Aus heutiger Sicht war es ja auch schon brutal, dass die Eltern ihre kleinen Kinder so lange in solch unbekannte Betreuung gegeben haben. Ich kann mich an eine Unmenge von Kindern erinnern, die in großen Schlafsälen schliefen. Nach vielen Ausflügen und Wanderungen kamen wir manchmal total durchnässt ins Heim zurück und konnten uns keine trockenen Sachen anziehen. Das hätte gegen andere Zeitplanungen verstoßen. Prompt waren dann viele erkältet. Ich kann mich auch noch erinnern, dass es bei Gewichtszunahme (denn wir waren alle sehr dünn) zum Abschluss einen Kringel Fleischwurst gab. Ich bekam den nicht.
Die “Eisenwerke Gelsenkirchen” hatte ihren Betriebsangehörigen die Reise für ihre Kinder ermöglicht. Nach vielen Beschwerden und Krankheiten der Kinder wurde die Verschickung eingestellt.

U.Krausse
U.Krausse
Reply to  Rena Hauck
17. Februar 2022 16:07

Ja an den Fleischwurstkringel erinnere ich mich jetzt auch – wurden die Kinder, die ordentlich zugenommen hatten, auch auf enen Stuhl gesetzt und hochgehoben als leuchtendes Vorbild? – die Continental-Werke haben diese “Kindererholung” für die Kinder ihrer Betriebsangehörigen möglich gemacht – ich habe auch nicht verstanden, warum meine Eltern mich dorthin geschickt haben.

Rena Hauck
Rena Hauck
Reply to  U.Krausse
18. Februar 2022 12:53

Ja, an das Stuhl-Ritual erinnere ich mich jetzt auch. Erstaunlich ist, dass die Missstände noch so lange andauerten (wenn es hier Meldungen aus den 70ern gibt). So kurz nach Ende des Nationalsozialismus, Anfang der 50er Jahre, hatte sich an den Erziehungszielen ja noch nicht viel geändert, zumal auch noch die alten Erzieher, Betreuer und Lehrer auf ihren Posten saßen und Leute aus dem Nazi-System neue Betätigungsfelder suchten und hier fanden, wie man heute weiß.
Ich hörte später (von Werksangehörigen der Eisenwerke, später Rheinstahl Hüttenwerke, Werk Schalker Verein), dass die Kinder zum Teil dort sehr schwer erkrankt waren, sogar eins gestorben sein soll. Vielleicht erinnert sich noch jemand?

Brigitte Gretenkord
Brigitte Gretenkord
Reply to  Anna Fingerle
12. Februar 2022 18:12

Als so schlimm habe ich es nicht empfunden. Ich war 1962 im Alter von 11 Jahren im Kinderheim in Boffzen. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir dort gequält worden wären. Es gab zwar eine gewisse Ordnung, auch den unseligen Mittagsschlaf, aber ansonsten erinnere ich mich an viel Spielen im Freien, auch in dem schönen angeschlossenen Garten mit den großen alten Bäumen. Wir haben Ausflüge gemacht, und ich hab dort für die Dauer des Aufenthalts auch eine Freundin gefunden. Auch gab es keine Quälereien mit dem Essen, wie es von vielen Foristen beschrieben wird. Ich erinnere mich auch noch an die Heimleitung, Frau Rothhaus, die sehr freundlich war. Allerdings hatte ich aufgrund der fremden Umgebung viel Heimweh.