Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Baden-Württemberg

Kinderkurheim Bad Imnau – 72401 Haigerloch

Name der Einrichtung: Kinderkurheim Bad Imnau, Haigerloch
Ort: Haigerloch
PLZ: 72401
Straße: Badstraße 64
Heimträger: Kongregation der Barmherzigen Schwestern von Heiligen
Kreuz
von: 1919
bis: 1976
Kategorie: Kindererholungsheim
Einrichtung heute: Einrichtung existiert nicht mehr.

Kontaktdaten der aktenführenden Stellen

Kontakt 1:

Staatsarchiv Ludwigsburg
Arsenalplatz 3
71638 Ludwigsburg
Tel.: 07141/64854-6310
E-Mail: staludwigsburg@la-bw.de
Homepage: www.landesarchiv-bw.de/web/47251

Kontakt 2:

Kloster Hegne
Konradistraße 12
78476 Allensbach
Tel.: 07533 807 0
E-Mail: info@kloster-hegne.de
Homepage: www.kloster-hegne.de

Bemerkungen:
Auch bekannt als Kindersolbad Bad Imnau.

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Beatrix Köster
5. Dezember 2022 08:10

Ich war im Sommer 1963 zur Erholung in Bad Imnau. Dorthin geschickt wurde ich, weil ich davor einen Keuchhusten hatte und dadurch auch abgemagert war. In Bad Imnau angekommen hatte man mir mitgeteilt, dass ich erst nach Hause fahren dürfe, wenn ich 10 KG an Gewicht zugenommen hätte. Daraufhin habe ich nach Hause geschrieben, sie sollen mir alles schicken was dick machen würde.
Das Essen in Bad Imnau war sehr gewöhnungsbedürftig. Ich kann mich an eine Haferschleimsuppe mit Nudeln erinnern. Es musste auch jeden Mittag nach dem Essen ein Mittagsschlaf gemacht werden. Aber eine schlechte Behandlung, oder gar Misshandlung gab es aber nicht.

Alois Saladin
15. November 2022 11:11

Ich war im Alter von 10 Jahren, im Mai 1963 zur ERHOLUNG nach Bad Imnau geschickt werden. Das habe meine Eltern damals so in Absprache mit dem Kinderarzt veranlasst. Meine Familie war gut bürgerlich und verhältnismäß vermögend, trotzdem hatte ich Untergewicht und die Erholung sollte der Verbesserung auf Aufbaus meines Körpers dienen. So hatte ich es damals verstanden und auch akzeptiert. Ich war insgesamt 6 Wochen in Bad Imnau.

Zu keiner Zeit vor und auch während der Kur hatte ich die Auffassung, dass ich “verschickt” wurde. Ich war zur Kur oder zur Erholung, was ich damals so gesehen habe und auch heute noch so sehe. Ich hatte den Aufenthalt in Bad Imnau in guter Erinnerung, damals und auch bis heute.

Selbstverständlich kann ich mich nach 60 Jahren nicht mehr an alle Details erinnern, jedoch negative Details wären mir wahrscheinlich noch heute bewußt. Es gibt jedoch keine. Wir waren betreut von Ordensschwestern, die zwar streng, jedoch fair waren und auch ansprechbar waren. Wöchentlich haben wir eine Karte nach Hause schreiben dürfen, ob deren Inhalt mehr oder weniger vorgegeben wurde, weiß ich nicht mehr. Da im Mai die Maiandachten (Kirche) waren, waren wir auch regelmäig, also oft in der naheliegenden Kirche. Wir gingen geschlossen in “Reih und Glied” zur Kirche, was aber alsolut kein Problem war.

In den sech Wochen habe ich von meinen Eltern 3-4 Mal ein Paket mit Süßigkeiten und persönliche Sachen erhalten. Dieses Paket wurde mit mit Freunde von den Schwestern – ungeöffnet – abgegeben.

Es gibt (wenige) von mir zufälligerweise gemacht Bilder (ich hatte ein Fotoapparat zum Weißen Sonntag 8 Wochen vorher bekommen), die uns in der Kinder-Gruppe mit den Ordensschwestern zeigt, die sehr einfühlsam mit uns zusammen in der Natur zusammen saßen und diskutierten. Ich kann mich erinnern, daß wir sehr an der “langen Leine” geführt wurden und viel Spass hatten.

In meine Zeit fiel auch der Tod von Johannes der 23. Pfingsten Mai 1963. Das war sehr prägend vorort, die Ordensschwestern gaben sich viel Mühe uns alles gut zu erklären. Bis heute ein positiven Ereignis für mich, wobei ich nicht unbedingt religiös und kirchtreu bin.

Ich war zufälligerweise nach 60 Jahren in der Nähe von Bad Imnau, bin dann an das Erholungsheim gefahren. Das Heim ist zu, verschlossen, sehr heruntergekommen. Trotzdem konnte ich in den Speiseraum und auch in den Eingangsbereich durchs Fenster schauen. Es kamen warme und gute Eindrücke von damals bei mir hoch. Es gabe keinen negativen Eindruck bei mir.

Natürlich stellt sich heute die Frage, ob Kinder im Alter von 10 Jahren einfach so für 6 Wochen weggegeben werden sollen. Hierüber sollte man mit den Eltern oder Ärzten, die diese Erholungskuren angeordnet und veranlasst haben, sprechen. Dem Erholungsheim in Bad Imnau kann man, zumindestens in meine Fall hierfür keine Verantwortung geben. Das Heim hat aufgrund der Vorgaben versucht, erholungsbedürftige Kinder zu versorgen.

Ich habe diese Zeit in guter Erinnerung.

Alois Saladin

Stefan Herb
Stefan Herb
30. September 2022 10:41

Mit 9 Jahren (1965) wurde ich nach Bad Imnau verschickt. An die Vorgeschichte erinnere ich mich nicht mehr. Mir ist auch nichts Atmosphärisches mehr präsent. Es sind drei ganz unterschiedliche Bereiche bzw. Ereignisse, die sich mir eingeprägt haben. Einmal die Sache mit der Post. Wir wurden angehalten, einmal pro Woche einen Brief oder Postkarte nach Hause zu schreiben. Dies geschah unter strenge Aufsicht; nach meiner heutigen Einschätzung, um zu verhindern, dass die Kinder Negatives aus der Kur nach Haus berichten. Ob Post von zu Hause bei mir ankam, weiß ich nicht mehr.
Ein einschneidendes Erlebnis war eine Schneewanderung durch den Wald. Wir waren mit einer Jungengruppe unterwegs, an Aufsichtspersonen kann ich mich nicht mehr erinnern. Plötzlich waren wir nur noch zu Zweit. Wie es dazu kam, dass wir uns von den anderen entfernten, weiß ich nicht mehr. Schnell verloren wir die Orientierung und irrten umher. Dazu kamen die einsetzende Dunkelheit und die zunehmende Kälte. In unserer Angst liefen wir weiter, kopflos und mit lautem Rufen nach Hilfe. Nach gefühlt unendlich langer Zeit trafen wir endlich wieder auf die anderen Jungs unserer Gruppe. Es gab keinen Tadel oder Sanktionen. Mir ist nur noch im Gedächtnis, dass die verantwortlichen Personen mindestens so erleichtert waren wie wir. Hatten sie ihre Aufsichtspflicht verletzt? In diesem Erlebnis spiegeln sich für mich im Nachhinein die ganze Verlassenheit und die Ängste wider, die ich mit dem gesamten Aufenthalt in der Kur verbinde.
Schließlich gehört für mich zu Bad Imnau die verordnete, wöchentliche Teilnahme an Gottesdiensten in der örtlichen katholischen Kirche. Da ich es selbst von zu Hause her gewohnt war, Gottesdienste zu besuchen, war diese Veranstaltung grundsätzlich nichts Ungewohntes für mich, nur der Ablauf und die Formen waren mir fremd, bin ich doch freikirchlich-evangelisch aufgewachsen. Worüber ich mich aber wunderte, war der Zwang, der hinter den Gottesdienstbesuchen stand. So etwas kannte ich nicht. Er drückte sich für mich auch darin aus, dass es streng verboten war, während des Gottesdienstes die Toilette aufzusuchen. So kam es, dass wir Jungs es öfters nicht mehr aushielten und in der Kirchenbank drauflos pinkelten. Ich wurde mit der Zeit – warum, weiß ich nicht mehr, aber ich begrüßte es sehr – aus dem strengen Korsett befreit und durfte auf die Empore, um die Luftpumpe für die Orgel zu bedienen. Dies hat mich abgelenkt, sogar ein bisschen Spaß gemacht und den Gottesdienstbesuch erträglich gemacht.

Uli
Uli
1. April 2021 05:14

ich ich war in Bad imnau. Wegen der Kur bez. erhohlung musste ich die 4 Klasse nochmals machen.
von der ganzen Sache was dort abging war die Unfreundlichkeit hängen geblieben. Ich bin in den Sommerferien wieder nach Hause gekommen. Hatte lange seelische Probleme die ich lange nicht losgeworden bin.inzwischen stehe ich kurz vor den 70ten. Aber Bad imnau hängt noch fest. Nach dem Tod meiner Partnerin vor 11 Jahren bekam ich die Hilfe die ich brauchte. Heute auch aus einem anderen Grund der damals keinen Namen hatte.