Kinderheim Wyk_1973
Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Schleswig-Holstein

Kinderkurheim I. Remé und Riese Herzland – 2210 Wyk

Kinderkurheim Irmgard Reme und Riese Herzland

Telefon:213

Träger: Irmgard Remé

Betten: 40

Aufnahme: Knaben und Mädchen von 1-16, ganzjährig, evang.; nicht aufgenommen werden psychische und infektiöse Kranke

Preis: DM 13.- bis 15.-

Kurmittel: Massage, Höhensonne, Heilgymnastik

Ärztliche Behandlung durch Kinderarzt im Ort: Dr. Finke

Indikation: Asthma, acc. (akzeleriertes) Wachstum, Rekonvaleszenz

Gegenanzeigen: Herzkrankheiten

Unterricht: Volksschule, Mittelschule, höhere Schule sowie Privatunterricht


Foto mit freundlicher Genehmigung – Judith Guzzoni

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6 Kommentare
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Daniela
Daniela
30. April 2022 02:37

Meine Brüder und ich waren zweimal in diesem Heim, ca. 1964 und 1967. Wir haben schlimme Erinnerungen an dieses Heim und haben meinen Eltern deshalb lange Zeit Vorwürfe gemacht. Es war ein richtiger Knast für Kinder.

Lautenschlager Sabine
30. Januar 2022 17:15

Ich habe schon einmal vor längerer Zeit nach Foren gesucht, in denen es um
” Erholungs”-Kinderheime geht und hatte nichts gefunden. Sollte damals wohl so sein, denn die Seele schützt uns ja auch durch Verdrängung.
Nun hatte ich mich heute noch mal auf die Suche begeben und bin hier gelandet.
Ich wurde mit 4 Jahren – 1958 – von meinen Eltern mit dem Schiff nach Wyk auf Föhr in ein Kinderheim gebracht. Ich soll immer zu dünn gewesen sein und schlecht gegessen haben..
Kinderfotos von mir zeigen ein kleines niedliches normal-gewichtiges Mädchen.
In meiner Erinnerung sah ich immer ein kleines Kind, welches sein Erbrochenes aufessen mußte. Erst später wurde mir klar, dass ich das kleine Mädchen war.
Sonst kann ich mich an GARNICHTS von dieser KINDERKUR erinnern.
Ich leide seit Jahrzehnten an Panikattacken, wenn es mir oder anderen Menschen schlecht geht und es sich so anfühlt, dass ich mich übergeben könnte!!!!! oder die anderen Menschen sich überrgeben könnten.
Trotz Therapie gab es bisher nur kleine Verbesserungen.
Es hat mir noch einnmal deutlich gemacht, dass meine Erinnerung keine Spinnerei war.
Und ich habe mir diese Geschichte nicht ausgedacht. Das dachte ich viele Jahre lag.
Herzlich danke ich Ihnen für Ihr Forum.

Sabine Rosina aus Hamburg

Lautenschlager Sabine

30.01.2022

Inzwischen, viele Therapiestunden später und an Hand von alten Tagebüchern meiner verstorbenen Eltern – ich hatte immer das Gefühl: die kann ich nicht einfach wegwerfen – weiß ich, daß ich von meinen Eltern mit dem Schiff am 15.03.1958 auf die Insel gebracht wurde und bis zum 15.05.1958 auf Wyk auf Föhr im Kinderheim Irmgard Reme Südstrand bleiben mußte. Abgegeben hatten meine Eltern mich bei einer Schwester Herzland Riese – so schrieb es mein Vater in seinen kleinen Buchkalender von 1958.
Während meines Augenthaltes erkrankte ich am 31.03.1958 an Masern. Mein Vater hatte bereits am 27.03.1958 – scheinbar sein einziger Anruff in dieser Zeit – mit Frl. Reme telefoniert. Die Eltern holten mich aber nicht nach Hause zurück. Am 15.05.1958 besuchten mich meine Eltern im Kinderheim, holten mich aber erst am 17.05.1958 im Kinderheim ab um danach mit mir wieder nach Hamburg zu fahren.
Ich hab diese Zeit immer noch total verdrängt und kann mich immer noch an NICHTS erinnern.

Kennt jemand die Namen Irmgard Reme und Herzland Riese?

Sabine Rosina aus Hamburg

Ingo Tönnesmann
Ingo Tönnesmann
Reply to  Lautenschlager Sabine
16. August 2022 17:08

Hallo Frau Lautenschlager,
Durch Zufall bin ich gerade auf diese Seite gestoßen, wo eine Reihe ehemaliger Kinderheim-Insassen über ihre Erinnerungen an Reme und Herzland- Riese schreiben. Beim Lesen hatte ich sofort einen dicken Kloß im Hals.
Also, ich war mit 4 Jahren dort, es war im Sommer 1962, genaue Daten habe ich sicherlich noch in einer verborgenen Fotokiste. Dort war auf jeden Fall auch ein Foto des Gartens dabei.
Meine Eltern hatten mich in dem Kinderheim abgegeben, ich sehe sie heute noch, wie sie sich winkend entfernten und allmählich kleiner wurden.
Untergebracht war ich in einem großen Schlafsaal mit Stockbetten. Ich habe oben gelegen. Bemerkenswert war, dass ich als einziger Junge in diesem Saal untergebracht war neben lauter Mädchen. Ich war sehr beliebt, weil ich einen Schlafteddybären dabei hatte, den wir uns von Bett zu Bett zuwarfen. Dieser Bär wurde mir gewissermaßen zum Verhängnis, als plötzlich die Tür aufging. Man hatte offenbar gehört, dass Kindergelächter und Unruhe im Saal herrschten. Als Besitzer des Bären wurde ich anschließend isoliert und musste gewissermaßen in Einzelhaft. Ich bin darüber sehr krank geworden, hatte Mumps und hohes Fieber. Die Krankenstation ist mir noch in Erinnerung, sie war hell und ein Lichtblick für mich. Auch die Behandlung in Quarantäne war im Vergleich zu dem vorangegangenen durchaus positiv. Meine Eltern wollten mich abholen, durften es aber erst viele Tage später, nachdem sich mein Zustand besserte.
Auf der Rückfahrt habe ich im Auto meiner Eltern auf den Rücksitzen fast die ganze Fahrt bis nach Hause ins Rheinland geschlafen. Wach wurde ich nur kurz bei Hamburg, wo wir angeblich durch den Elbtunnel fuhren.
Ich habe meinen Eltern wegen des Aufenthalts im Kinderheim viele Vorhaltungen und Vorwürfe gemacht. Bis heute habe ich die Erlebnisse dort nicht abschließend verarbeitet. Immer wieder denke ich darüber nach, dass ich eigentlich nochmal dorthin müsste, um vor Ort meinen inneren Frieden zu finden. Inzwischen bin ich aber über 1000km entfernt und lebe im schönsten Oberbayern, nahe Salzburg. Der Trip nach Föhr ist also relativ unwahrscheinlich geworden, aber wer weiß das schon.
Ganz liebe Grüße
Ingo Tönnesmann

Michael knöfel
Michael knöfel
Reply to  Lautenschlager Sabine
5. März 2022 22:00

Hallo, ich war auch 1958 dort. Die Namen kenne ich Renee und Herzland Riese.

Lautenschlager Sabine
Reply to  Michael knöfel
6. März 2022 12:43

Hallo,
schön von Ihnen zu lesen.
Können Sie sich denn an Konkretes erinnern? Schwestern, Haus, Essen, Spiele oder Wetterlage.
mfG
Sabine aus Hamburg

Knöfel Michael
Knöfel Michael
Reply to  Lautenschlager Sabine
14. August 2022 18:31

Hallo,
Entschuldigung, dass ich mich erst jetzt melde. Nun zu meinen Erinnerungen. Es sind die Erinnerungen eines 3-4 jährigen. Glücklicherweise reicht meine Erinnerung an die Kindheit weit zurück.
Ich muss drei Male in dieser Einrichtung gewesen sein. 1958 oder 59 vermutlich letztmalig. Das Heim habe ich in Erinnerung gehabt. Meine Suche im Internet hat bestätigt, dass ich Recht hatte..
Frau Reme und Herzland-Riese war mir ein Begriff. Das Haus war aus rotem Backstein und von grünen Ranken umwachsen. An einen weißen Zaun erinnere ich mich ebenso. Es gab zwei Sandkästen- Im Garten war ein so genanntes “Rosenhaus”. Es war im Bungalowstil gebaut und von roten Rosen umrankt. Hier wohnten die Eltern der Frau Reme. Von Frau Herzland wurde ich immer kalt geduscht. Sollte gesund sein. Es gab auch einen Hausmeister namens Fläming, oder Flemming. Ein Junge dessen Namen ich sogar noch weiß hat mir mit einer Schaufel beim spielen an den Kopf geschlagen. Musste zum Arzt und genäht werden. Die Narbe habe ich noch. Vielleicht fällt mir noch etwas ein. Es ist lange her. Ich war nie wieder dort. 1961 wurde die Grenze geschlossen. Somit war mir als Kind der DDR der Zugang versperrt. In den achtziger Jahren ist meine Mutter auf Amrum gewesen. Von dort hat sie mal in diesem Heim auf Föhr angerufen. Tatsächlich gab es diese Irmgard Reme damals noch. Sie war fast 100 Jahre, und meinte, sie könne sich noch an mich und meine Mutter gut erinnern. Soviel oder wenig für heute.
mfG
Michael Knöfel.