Scheidegg Kurheim
Verschickungsheime,  Verschickungsheime - Bayern

Prinzregent Luitpold-Kinderheilstätte Scheidegg – 8999 Scheidegg

Anschrift: Oberschwenden 1, 88175 Scheidegg/Allgäu

Träger: seit 1976 – KJF (Die Kinder- und Jugendhilfe ist Bestandteil der KJF Augsburg. Die Katholische Jugendfürsorge wurde 1911 gegründet)


Zwei Drittel aller Deutschen lebten 1912 in beengten Städten wo kaum ein Sonnenstrahl eindrang und Kinder nur selten Platz zum Spielen fanden. Dies wie aber auch die mangelnde Hygiene begünstigte die Ausbreitung von Krankheiten wie Tuberkulose. Zunehmend wurden Forderungen nach Kindergärten und –heimen in gesunder Umgebung laut, was den Bayrischen Landesverband zur Bekämpfung von Tuberkulose veranlasste, eine Spende des Prinzregenten Luitpold, anlässlich seines 90. Geburtstages, zur Errichtung einer Kinderheilstätte zu verwenden. 900 Meter über dem Meeresspiegel, in waldreicher, windstiller Lage vollzog Prinzessin Therese 1912 in Oberschwenden bei Scheidegg die Grundsteinlegung für die „Prinzregent Luitpold-Kinderheilstätte”.

Die Nachfrage nach freien Betten stieg seit der Eröffnung der Kinderheilstätte 1916 stetig, so dass 1924, nach dem ersten großen Anbau, 220 Kinder aufgenommen werden konnten. 24 barmherzige Schwestern lenkten nicht nur die wirtschaftlichen Geschicke der Kinderheilstätte, wie den Bau einer großen Liegehalle, Bewirtschaftung einer Gärtnerei, Metzgerei und Hühnerfarm, sondern pflegten auch die 3-13-jährigen Kinder und sorgten neben einem Religionsunterricht ebenso für tägliche Gottesdienste.

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde die Kinderheilstätte 1942 der Stiftung „Mutter und Kind” zugewiesen. Nur zwei Jahre später wurde die Stiftung aufgehoben und die Kinderheilstätte dem Bayrischen Staat übertragen. Bis 1949 war die „Prinzregent Luitpold-Kinderheilstätte” eine selbständige Einrichtung, als der Rechtsstatus der Stiftung wieder hergestellt worden ist.

Im Jahr 1976 übernahm die KJF die Verwaltung der Stiftung „Prinzregent Luitpold-Kinderheilstätte Scheidegg”.

Im Jahr 2005 konnte die Fortführung des Klinikbetriebes innerhalb der Stiftung nicht mehr gewährleistet werden, so dass die Kinderheilstätte in die Trägerschaft der KJF überging. Seitdem hat sich die ehemalige Heilstätte für tuberkulosekranke Kinder zu einer Reha-Fachklinik mit multiprofessioneller Behandlung innerhalb der Kernkompetenzen Adipositas, Asthma, psychische Erkrankungen und deren Co- und Multimorbiditäten spezialisiert.

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Stefanie Schneider
Stefanie Schneider
17. Dezember 2021 18:12

Mein Name ist Stefanie, ich bin 58 Jahre alt und war mit 6 Jahren 6 Wochen in Scheidegg im Prinz Luitpoldheim, zusammen mit meinem 5 jährigen Bruder, der auf einer anderen Station untergebracht wurde. Wir durften keinen Kontakt zueinander haben. Einmal nahm mich eine weltliche Kinderpflegerin an der Hand und wir besuchten meinen Bruder. Und ja so war es: Kinder wurden zum Essen gezwungen, ich erinnere mich sehr genau an versalzene Suppen umd Lebertran. Ein Mädchen hat sich erbrochen und musste alles samt das in den Suppenteller Erbrochene wieder aufessen.
Die Post wurde immer gelesen, mein Vater hat mir Postkarten und Briefumschläge frankiert, wir mussten sie immer offenlassen.
Nachts durften wir nicht zur Toilette: Hat man ins Bett gemacht, gab es Strafen, ist man auf dem Flur erwischt worden, gab es auch Strafen. Die Bäder waren alle auf dem Flur. Als ich angekommen bin, wurde ich von einer Nonne in die Badewanne gesteckt mit für mich viel zu heißem Wasser, und abgeschrubt, als ob ich Läuse und Flöhe gehabt hätte, rau und gefühllos.
Einmal bekam ich eine Ohrfeige von einer Nonne, da bin ich quer durchs Zimmer geflogen. Der Grund war, dass mich eine andere Schwester bat, ihr Taschentücher zu holen. Sie beschrieb mir genau wo die im Nebenzimmer waren, nämlich in der Schublade eines Inhalationsgerätes. Uns war verboten, die Geräte zu berühren. In dem Moment, als ich die Schublade aufzog, kam eine Nonne herein, sah mich am Inhalationsgerät und verpasste mir die härteste Ohrfeige in meinem Leben.
Ich durfte mich nicht erklären. Solche Erlebnisse waren an der Tagesordnung, auch wurden Kinder verlacht vor allen Anderen und gedemütigt. Ein Junge hatte einem Mädchen einen Liebesbrief geschrieben, beide waren 13-14 Jahre. Alle Kinder wurden zusammengetrommelt und höhnisch las die Schwester den Brief vor.
Meine Eltern besuchten meinen Bruder und mich nach 3 Wochen und gingen mit uns spazieren, beim Abschied bat ich sie unter Tränen, uns doch wieder mitzunehmen. Meinen Eltern fiel der Abschied schwer, aber sie waren damals fest der Überzeugung, uns was Gutes zu tun.
Wir mussten 6 Wochen bleiben und als wir mit dem Zug heimfuhren, schwor ich mir, wenn ich erwachsen bin zünde ich das Prinz-Luitpold Heim an. Das hat mich getröstet. Ich habe später viel mit meiner Mutter und meinem Bruder darüber geredet und deshalb nicht das Gefühl traumatisiert zu sein, weil ich diese schlimmen Ereignisse durch das immer wieder darüber Reden verarbeiten konnte. Als Kind haben mir meine Rachegedanken meine Kontrolle wieder zurück gegeben.