Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
Eure Daten werden keinesfalls an Dritte ausgegeben!!! Sollte jemand mit euch Kontakt aufnehmen wollen, fragen wir bei euch zuerst an und geben die Kontaktdaten nur an euch weiter. Somit könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Kontakt aufnehmen wollt oder nicht.



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Anonym schrieb am 15. Januar 2022
Ich war 1979 in Wenningstedt über das BSW.
Suche eine Esther die mit mir ab München dort hin fuhr.
Zu diesem Zeitraum war ich zarte 5 Jahre
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Stephanie aus Remagen schrieb am 11. Januar 2022
Hallo, ich war ca 1970/72 mit meinem Bruder in Onstmettingen. Wir waren etwa 8 bzw 10 Jahre alt, und der Veranstalter war die Arbeiterwohlfahrt.
Ich kann mich nicht an Schläge oder so erinnern, aber was ich noch genau weiß, ist, dass man unsere Pakete aus der Heimat vorenthielt. Sogar die 5 Mark, die uns die Eltern mühsam für uns als Taschengeld verschickt hatten, verschwand!
Die Leiterin trank TriTop, und wir durften zusehen! Naja, es gab aber auch für mich unvergessliche, schöne Erinnerungen...
Leider gab es nie einen Austausch mit den anderen Kindern, aber vllt finde ich ja hier liebe Mitbewohner von damals wieder...
Liebe Grüße
Stephanie
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Anonym schrieb am 7. Januar 2022
6 Wochen im "Haus Sonnenschein" der Caritas
Erinnerung an eine Kinderkur auf der Insel Langeoog im Jahr 1963

1: Damalige Gegebenheiten

Im Sommer 1963 war ich 10 Jahre alt, besuchte seit den Osterferien die 5. Klasse des Knabengymnasiums Josephinum in Hildesheim und wurde für die Länge der kompletten Sommerferien in eine von der Caritas angebotene Kinderkur nach Langeoog geschickt.

Ich galt für den damaligen Zeitgeschmack als zu dünn und sollte mal so richtig aufgepäppelt werden. Meine Mutter hatte sich wahrscheinlich etwas zu oft anhören müssen, dass ihr kleiner Junge wohl zu Hause nicht genug zu essen kriegte.
Wenn ich heute Fotos von mir aus meiner Grundschulzeit sehe, finde ich mich zwar schlank, aber doch eher so, wie ein gesundes Kind in dem Alter aussehen sollte.

Jedenfalls ging es für mich damals dann für 6 Wochen auf die Insel Langeoog, in die Obhut von Frauen, die wir "Tante..." oder meistens "Fräulein..." nannten und die für die Zeit der Kur für unser Wohl und das Erreichen des Kurziels, in meinem Fall "ordentlich zunehmen", verantwortlich waren.

Wir Jungen aus der Gruppe, der ich zugeordnet war, schliefen in mehreren 6-Bett Zimmern im Erdgeschoss des Hauses. Von unserem Flur aus erreichte man auch ein Gruppenzimmer, das Zimmer der für uns zuständigen Betreuerin und einen Abstellraum. Wo sich die Waschräume und Toiletten befanden, weiß ich heute nicht mehr.

In der ersten Etage über uns waren die Mädchen untergebracht.
Jungen und Mädchen waren so im Haus verteilt, dass wir, außer zum Essen in einem
Speisesaal, praktisch nie aufeinander trafen.

Heute kann ich mit dem großen Abstand von 59 Jahren nicht mehr mit Sicherheit sagen,
welche Atmosphäre und welcher Geist im "Haus Sonnenschein" herrschte.

In Erinnerung habe ich allerdings, dass sich praktisch alle der zeitgleich mit mir anwesenden Kinder wohl fühlten.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den Gruppen irgendwelche Vorfälle gab, die ich damals als schlimme Übergriffe der Erziehenden und Betreuenden empfunden hätte und von denen ich heute noch wüsste.

Dazu muss ich aber sagen, dass viel von dem, was heute als übergriffig gilt, damals von vielen Kindern (so auch von mir) als ganz normale Erziehungsmaßnahme wahrgenommen wurde und wohl deshalb im Langzeitgedächtnis im Detail gar nicht abgespeichert ist.

Dazu zählten Maßnahmen wie:
- im Gruppenraum für 1 bis 2 Stunden in der Ecke stehen, wenn beim Reden während der
2-stündigen Mittagsruhe oder bei der Nachtruhe beim Reden mit Zimmergenossen
erwischt wurde
- der Zwang beim Mittagessen aufzuessen, auch wenn man satt war oder das Essen nicht
mochte
- von Gemeinschaftsveranstaltungen schon aus nichtigem Anlass ausgeschlossen werde

2: Erzieherinnen

An Namen der im Heim tätigen Erzieherinnen kann ich mich, mit Ausnahme des Namens unserer Gruppenbetreuerin, nicht mehr erinnern.
Ich kann auch nicht mehr sagen, wie viele es waren.
Es fühlt sich allerdings so an, als seien es sehr viele und als seien sie allgegenwärtig gewesen.


Mit den Frauen des Betreuungspersonals, die andere Gruppen aus dem Heim leiteten, hatte man nur zu tun, wenn sie als "Wache" beim 2-stündigen Mittagsschlaf oder vor dem abendlichen Einschlafen durch Flure und Zimmer streiften. Streng achteten sie darauf, dass von uns niemand sprach.
Zuwiderhandlungen wurden in der Regel mit Ermahnungen, ganz häufig aber auch mit "In der Ecke stehen" im Gruppenraum bestraft.
Im schlechtesten Fall, konnten das dann schon einmal zwei Stunden werden. Eben die gesamte Länge der Mittagsruhe.

Genau erinnere ich mich noch an 2 Mitarbeiterinnen des Heims. Ich habe noch deutlich vor Augen, wie diese zwei Frauen aussahen. .

Da war einmal unsere Gruppenbetreuerin, "Fräulein Heidi S.". Eine junge Frau, die damals bestimmt noch keine 30 Jahre alt war.

Sie war für mich in den 6 Wochen die engste Bezugsperson. Sie war durchgängig für die tägliche Betreuung unserer Gruppe zuständig und wohnte in dem Betreuerinnenzimmer auf unserem Flur, genau am Gangende, dem Zimmer in dem ich anfangs schlief gegenüber.

Fräulein S. war anders, als all die anderen "Fräulein", an die ich mich erinnern kann.

Ich habe sie als immer freundlich und sehr lieb in Erinnerung.

In ihrer Rolle als Leiterin unserer Gruppe musste sie allerdings im Verlauf der 6 Wochen die von der Heimleitung mir gegenüber angeordneten Strafaktionen umsetzen. Und das tat sie konsequent.

Die zweite Frau an die ich mich genau erinnere war die Heimleiterin. Eine dunkelhaarige Frau, die ich damals als alt wahrnahm. Vielleicht war sie aber noch nicht einmal 40. Ihr Name ist mir entfallen.

Mit ihr hatte ich insgesamt dreimal zu tun. Und an diese Begegnungen erinnere ich mich noch ganz genau.

Ich wurde ihr "vorgeführt", sie redete dann auf mich ein und verkündete anschließend die Konsequenzen, die mein unartiges, böses Verhalten für mich haben sollte.
Dabei vermittelte sie mir vor allem, dass ich eigentlich "ein Klotz am Bein" des gesamten Heims sei, den man am liebsten nach Hause schicken würde. Aber das ginge ja nicht, denn dann würde mein böses Verhalten (weiter unten werde ich schildern, was jeweils passiert war) ja sogar noch belohnt.

Sie machte mich richtig klein und gab mir das Gefühl, Verständnis und Zuwendung nicht wert zu sein.

Das Schlimme war, dass ich damals glaubte, sie sagte das zu Recht.
Ich war sicher, dass mit mir etwas nicht stimmte.


3: 3 Vorfälle und ihre Konsequenzen für mich

Ich erinnere mich noch sehr genau an 3 Vorfälle und ihre Konsequenzen:

Der erste Vorfall

Wir waren an einem Donnerstag im Juni oder Juli 1963 angekommen.

Bereits nach 2 Tagen, am Samstag, wurde ich von heftigem Heimweh geplagt.

Ich weiß heute noch, wie es mich von der einen Sekunde zur anderen während des Mittagessens im Speisesaal überfiel.

Ein Gefühl, plötzlich nicht mehr in dem Speisesaal, sondern in und mit mir selbst in einer Gefühlsblase eingesperrt zu sein.
Ich fühlte mich plötzlich wie in Trance.
Übermächtig und beherrschend war die sofort eintretende Angst, dass ich meine Eltern und meinen Bruder nie wieder sehen würde. Die Angst, alle drei würden sterben, bevor ich wieder zu Hause sein würde.
Einer der an unserem Tisch sitzenden Betreuerinnen sagte ich, dass mir sehr übel und schwindelig sei.
Von Heimweh sagte ich nichts. Damals wusste ich wahrscheinlich noch nicht einmal, dass man meinen
Gefühlszustand "Heimweh" nannte.
Sie bemühte sich sehr um mich und brachte mich in den Schlafraum, der mir und 5 anderen Jungen 2 Tage vorher zugewiesen worden war.

Ich legte mich zu Bett und die Betreuerin ließ mich allein, ging sicherlich zum Essen zurück.

Es dauerte nur wenige Minuten und ich hatte den Entschluss gefasst wegzulaufen.

Ich zog mich an, steckte die zehn Mark Taschengeld, die ich für die 6 Wochen von meinen Eltern mitbekommen hatte, in die Hosentasche und kletterte aus dem ebenerdigen Fenster und machte mich auf den Weg zum Hafen.
Ich orientierte mich an den Gleisen der Inselbahn und fand den Anleger ohne große Probleme.

Als ich dann bei einem Schiffer eine Fahrkarte zum Festland kaufen wollte, fand mein Fluchtversuch ein rasches Ende. Ich sehe ihn heute noch vor mir stehen und sagen: "Wo bist du denn abgehauen?"

Ich lief sofort vor ihm weg. Den Steg entlang. Richtung Land zurück.

Und da stand schon Fräulein S. mit einem Fahrrad und "kassierte" mich wieder ein.

Auf ihrem Gepäckträger fuhr ich mit ihr zurück.

Die Konsequenzen aus dem ersten Vorfall

Im Heim angekommen wurde ich zur Heimleiterin gebracht.

Die hielt mir eine ordentliche Strafpredigt. Ich weiß noch genau, dass ich mich danach wie ein kleiner Verbrecher gefühlt habe. An irgendwelchen positiven Zuspruch kann ich mich erinnern.

Strafmaßnahmen gab es aber erst einmal nicht.

Man passte nun aber genau auf mich auf. Solch eine Aktion sollte mir nicht noch einmal in den Sinn kommen!


Der zweite Vorfall

Am ersten Montag des Aufenthalts, also nur 2 Tage nach meinem "Fluchtversuch" durften wir dann vormittags Briefe nach Hause schreiben.

Das war für mich die erste Gelegenheit, meinen Eltern mitzuteilen, wie es um mich stand.
Das Heimweh bestand mit gleicher Heftigkeit wie zur ersten Sekunde.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals schrieb. Aber sicher weiß ich noch, dass mein Brief von vorne bis hinten ein Betteln war, doch sofort nach Hause geholt zu werden.

Dass mein Brief vom Betreuungspersonal gelesen und zensiert werden würde, war mir überhaupt nicht klar.

Die Konsequenzen aus dem zweiten Vorfall

Am Nachmittag wurde ich dann erneut zur Heimleiterin gerufen.

Dieses Mal verängstigte sie mich richtig. Ich sehe sie heute noch vor mir:

Ich glaubte doch wohl nicht, dass Sie das Gejammer von einer "Memme" wie mir an meine Eltern weiterschicken würde. Die müssten sich ja dann für mich schämen.

Sie erklärte mir, dass ein Kind wie ich, dass erst wegläuft und dann auch noch solch einen Brief schreibt,
ja wirklich böse und ganz hinterlistig sei.

Dann wurde mir aufgetragen, einen völlig neuen Brief zu schreiben. Und darin solle ich meinen Eltern gefälligst schreiben, dass es mir gut ginge. Sonst würde auch der gar nicht erst abgeschickt.

Das traf mich wie ein Schlag: Der Kontakt zu meinen Eltern war ja jetzt völlig abgeschnitten. Ich würde ihnen erst in mehr als 5 Wochen, in fast 40 Tagen mitteilen können, wie schlecht es mir ging.

Ich fühlte mich allein auf der Welt und dem Heimpersonal völlig ausgeliefert.

Dabei glaubte ich, diese lange Zeit gar nicht überstehen zu können. Denn zu meinen dunklen Gedanken
gesellte sich sofort ein Gefühl vollkommener körperlicher Schwäche.

Dazu kamen mir Zweifel an der Haltung meiner Eltern.

Mein Gedanken waren: "Würden deine Eltern dich überhaupt verstehen? Würden sie dir helfen, wenn sie wüssten wie schlecht es dir geht? Oder würden sie sich vielleicht sogar wirklich für dich schämen?

Natürlich schrieb ich dann mit dem Zwang im Nacken einen neuen Brief.
Von dessen Inhalt und Zustandekommen weiß ich aber heute gar nichts mehr.
Nicht einmal wann oder an welchem Ort im Kurheim ich ihn geschrieben habe.

Die vor mir liegende Zeit auf der Insel kam mir unendlich vor. Das würde ich nicht aushalten, glaubte ich.


Der dritte Vorfall

Am folgenden Sonntag, also dem zweiten Sonntag des geplanten Aufenthalts, ergriff ich erneut die Initiative.
Wir waren vom Heim aus mit allen Gruppen zum Besuch eines Gottesdienstes zur ziemlich in der Mitte der Inselortschaft liegenden Kirche gewandert.

Ich weiß es heute nicht mehr, aber ich bin mir doch ziemlich sicher, dass ich nach dem Vorfall mit der Briefzensur ständig nach einer neue Möglichkeit zur "Flucht" gesucht hatte.

Diese bot mir jetzt unser Kirchenbesuch.

Als wir mit unseren Gruppen die Kirche betraten, entstand durch die Enge im Eingang eine für die Betreuerinnen wohl ziemlich unübersichtliche Situation.
So konnte ich mich gleich im hinteren Bereich des Gebäudes unter die anderen Gläubigen mit ihren Kinder mischen, während die Aufmerksamkeit unserer Betreuerinnen den Kurkindern galt, die durch den Mittelgang auf vordere Plätze geführt wurden.

Nachdem alle Platz genommen hatten, war die Kirche voll und niemand hatte mein Ausscheren aus der Gruppe bemerkt.
Als dann der Gottesdienst begann, konnte ich die Kirche durch den Hinterausgang verlassen. Dabei fühlte ich mich von niemandem beachtet oder gar beobachtet. Aller Aufmerksamkeit war ja Richtung Altar gerichtet.

Sofort lief ich, wie schon eine Woche zuvor, zum Hafen.

Meine Abwesenheit würde frühestens nach dem Gottesdienst bemerkt werden. Ich hätte also etwas zeitlichen Vorsprung, dachte ich.

Am Hafen angekommen, suchte ich zuerst nach einem Boot mit dem ich selbst zum scheinbar greifbar nahe liegenden Festland rudern könnte. Die vorhandenen Boote waren alle zu groß.

Hätte ich ein kleines Ruderboot, von der Art wie ich Ruderboote damals von kleinen Ausflugsseen her kannte, gefunden, wäre die ganze Geschichte möglicherweise böse ausgegangen.

So ging ich trotz der schlechten Erfahrung, die ich eine Woche zuvor gemacht hatte, wieder auf den Steg, um zu versuchen, vielleicht von einem anderen "Schipper" auf einem der Passagierschiffe mitgenommen zu werden.

Aber ich war kaum auf dem Steg, da trafen schon 2 Betreuerinnen auf ihren Fahrrädern ein und auch meine zweite "Flucht" war zu Ende.

Die Konsequenzen aus dem dritten Vorfall

Wieder ging es sofort zur Heimleiterin.

Die machte mich erst verbal ganz klein und sprach dann eine harte Strafe aus:

Im Schlaftrakt, am Flur von dem aus wir unsere Schlafräume erreichten, gab es einen kleinen Abstellraum.

Da passten so gerade ein Bett und ein Nachtschrank hinein. Es gab keine richtigen Fenster, sondern nur zwei Oberlichter. Die aber mit Klarglas versehen waren, so dass man den Himmel und die Wolken unverzerrt sehen konnte.

In diesem Zimmer musste ich von nun an auf unbestimmte Zeit mittags und nachts schlafen. Die Tür wurde zu den Ruhezeiten zwar nicht verschlossen, aber grundsätzlich geschlossen.

Ich weiß heute nicht mehr, wie viele Tage ich dort von allen anderen Kindern abgesondert verbringen musste. Es sind aber so viele gewesen, dass sie in meiner Erinnerung ganz schwer wiegen.

Am schlimmsten waren in dieser Zeit für mich die jeweils 2 Stunden Mittagsruhe, in denen ich grundsätzlich nie schlafen konnte.
Sie kamen mir jeden Tag aufs Neue wie eine Ewigkeit vor und mein Heimweh bohrte besonders in mir.
Noch heute kann ich mich genau daran erinnern, wie ich mittags im Bett liegend durch die Oberlichter den Wolkenzug beobachtet habe.

Während es in den Gruppenräumen Vorhängegardinen gab, waren vor den Oberlichtern im Abstellraum keine angebracht.
Im Zimmer war es also zur abendlichen Schlafenszeit immer sehr hell.
So fiel mir auch abends das Einschlafen schwer. Oft lag ich lange wach, von meinem Heimweh gequält.

Täglich graute mir vor den Ruhezeiten.

Irgendwann durfte ich dann wieder in einem Gruppenschlafraum schlafen.



4: Was ich noch schreiben möchte

Für die Erzieherinnen im "Haus Sonnenschein" war ich als kleiner Junge, der die Energie aufbrachte zweimal wegzulaufen, sicher ein großes Problem.
Aber ich war ein 10-jähriges Kind.
Wie konnte man das über einen Zeitraum von 40 Tagen in großer seelischer Not so mit sich allein lassen?

In meiner Erinnerung habe ich die 5 bis 6 Wochen wie in Trance gelebt.
Ich fühlte mich wie in einer Blase.

Als ich 1963 nach Hause kam, habe ich meinen Eltern nichts von meinen "Fluchten" und deren Folgen erzählt.
Sie sollten ja nicht wissen, was für ein Schwächling und wie böse ich war.

Erst viele Jahre später habe ich meinen Eltern von den Ereignissen während der Kur berichtet.
Sie waren wie vor den Kopf gestoßen und versicherten mir, nicht das Geringste über meine Nöte erfahren zu haben.
Im Gegenteil: Von der Caritas hatten sie sogar nach Kurende eine Art Protokoll, in dem mir ein guter Kurerfolg und eine Gewichtszunahme von 3kg attestiert wurden, erhalten.
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Anonym schrieb am 30. Dezember 2021
suche Betroffene die in dieser













Suche Betroffene, die im gleichen Heim waren , und den Heimleiter "kennengelernt haben".
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Anonym schrieb am 27. Dezember 2021
Unterbringung wegen Heilbehandlung im Bäderhaus Bad Wildungen. Bloßstellen, psych.Druck
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Anonym schrieb am 18. Dezember 2021
Ich bin im Jahr 1977 in Allerheiligen im Schwarzwald gewesen. Ich habe nicht mehr allzu viele Erinnerungen daran. Vermutlich weil ich das meiste verdrängt habe. Ich wurde auf Anraten des Schularztes dort hingeschickt weil ich "untergewichtig" war. An die zensierten Postkarten kann ich mich noch erinneren. Wo ich mich aber besonders dran erinnere ist die Tatsache das ich einen halben Schneidezahn durch eine Betreuungskraft dort verloren habe. Was ist passiert ? Ich konnte als KInd keinen Porree in Suppen essen. Insbesondere nicht in klaren Suppen. In der Kur gabe es dann eine solche Suppe mit viel Porree drin. Ich habe dann den Porree an den Rand gelegt und die Suppe gegesssen. Die Betreuerin kam dann zu mir und hat mir den Porree mit dem Löffel in den Mund gestopft. Nachdem ich diesen wieder ausgespuckt habe hat sie mir mit dem Löffel genau auf die Schneidezähne gehauen, wodurch an einem Schneidzahl ein große Ecke abgebrochen ist. Meine Eltern haben dann eine Bestätigung bekommen, das die Gemeinde wenn ich 16 bin für eine Krone aufkommt. Leider sind durch den Tod meiner Eltern die Unterlagen verschütt gegangen.
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Anonym schrieb am 18. Dezember 2021
Auf Anraten unseres Hausarztes sollte ich (11 Jahre) zur Gewichtszunahme in ein Kinder-Erholungsheim. Ich fuhr also für 6 Wochen in Oberlinhaus nach Freudenstadt. Vom ersten Tag an hatte ich großes Heimweh, dies durfte nicht geäußert werden. Alle meine Briefe die ich nachhause schrieb wurden gelesen. Nichts durfte von Heimweh darin stehen; also wurde ich gezwungen, die Unwahrheit zu schreiben, dass es mir gut gehe! Zum Frühstück gab es immer Müsli mit einer Laugenbrezel, da ich die Brezel nicht mochte, bekam ich sie zu jeder Mahlzeit wieder, bis ich sie aufgegessen hatte. Nachts durften wir nicht zur Toilette. Die meisten Kinder weinten sich in den Schlaf. Einmal mussten wir im Regen Tannenzapfen sammeln - barfuß - ! Danach bekam ich eine schwere Halsentzündung. Sonntags durften die Eltern anrufen. Da ich aufgrund der Krankheit nicht ans Telefon gehen konnte und auch meiner Mutter nichts darüber gesagt wurde, hieß es einfach, dass ich draußen unterwegs sei! Morgens hatten wir nur ganz kurz Zeit, uns zu waschen und zu kämmen. Ich hatte dicke, krause Zöpfe, die eigentlich sorgfältig gekämmt werden mussten. Entsprechend verfilzt waren sie nach den 6 Wochen ; genau am letzten Tag fiel es einer "Tante" auf und sie versuchte, die Verfilzung durch ruppiges Bürsten zu lösen, was natürlich furchtbar weh tat! Sie meinte, dass meine Mutter schimpfen würde, wenn ich so nachhause käme. Erst nach tränenreicher Beteuerung, dass meine Mutter auf keinen Fall schimpfen würde, ließ sie mich dann in Ruhe!
Zuhause habe ich das garnicht zum Thema gemacht; ich war nur unendlich froh, wieder daheim zu sein!
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Anonym schrieb am 17. Dezember 2021
Hallo, ich weiß nicht genau, in welchem Haus auf Langeoog ich als 10-jährige für sechs Wochen war. Ich hatte Probleme mit den Bronchien, aber im Haus bei der ärztlichen Untersuchung fand man dann noch mehr: Senk-Spreiz-Plattfuß, schadhaftes Milchgebiss, zu fett! Ich habe meinen Eltern damals voller Empörung davon geschrieben.
Das bedeutete Schlechtes und Gutes: keine Süßigkeiten, kein Nachtisch, Konfiszierung der Pakete von Zuhause, der gesamte Inhalt wurde an alle verteilt. Ich musste aber auch keinen Mittagsschlaf halten, sondern durfte mit den anderen fetten Kindern mit der Heimleiterin und ihrem Hund spazieren gehen. Abends wurde inhaliert, während die anderen Kinder gesungen haben.
In den Zimmern herrschte ab halb acht absolute Ruhe, wer dagegen verstieß, musste mit dem Bettzeug mindestens eine halbe Stunde auf dem Dachboden stehen. Alle waren sehr streng, der einzige Lichtblick war ein Erzieher(?) namens Tarzan, er kann auch Zivi gewesen sein.
Ich hatte vor allem Heimweh, ich fühlte mich ungerecht behandelt, ich habe nicht verstanden, warum meine Eltern mich so lange weggeschickt haben. Aber andere Kinder taten mir noch mehr leid, ich erinnere mich an ein Kind, dessen Eltern auf einer anderen Nordseeinsel in Sichtweite Urlaub machten und nicht einmal zu Besuch kamen. Das Kind vermutete, dass ihre Eltern das neue Geschwisterkind lieber hatten, denn das durfte mit in den Urlaub fahren.
Die ganze Atmosphäre war eher unangenehm und restriktiv, vor allem für mich in der Rückschau unverständlich, wie Eltern ihre Kinder so lange allein wegschickten. Das zeigt den Blick, den man zu dieser Zeit immer noch auf Kinder hatte, kleine Erwachsene, die zu gehorchen hatten und deren Rechte oft nicht wahrgenommen wurden, nicht nur in diesen Heimen, sondern auch in anderen Institutionen wie Kindergärten und Schulen.
In meinen Briefen nach Hause habe ich meinen Eltern schon geschrieben, was los war, aber sie haben es als kindliche Übertreibung fast lustig gefunden, was ich schrieb. An vieles habe ich gar keine Erinnerung, die Reise etc. Aber ich erinnere mich sehr gut an das Gefühl der Unterdrückung und Angst und daran, dass ich in der Zeit das erste und einzige Mal etwas geklaut habe- Süßkram!
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Anonym schrieb am 15. Dezember 2021
Ich kann mich ans Essen erinnern , es wurde der Teller vollgemacht, seit dem kommt mir bei Graupensuppe und Schokoladenpudding mit Haut alles hoch. Der Heimleiter Onkel liess immer Jungen in seinem Bett schlafen. Bei mir ist er regelmässig im Dunkeln ans Bett gekommen ,hat meine Hand genommem und ich habe seine Brustwarzen gerieben. Zur Belohnung gab es Bonbon. ich hatte das alles vergessen aber durch Berichte hier in meiner Zeitung über ein Waisenhaus hab ich wieder daran erinnert.
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Anonym schrieb am 15. Dezember 2021
Ich war 6 Jahre alt, als ich für 6 Wochen zur Kur nach Mittenwald geschickt wurde. Ich war damals untergewichtig und neigte zu Bronchitis und anderen Erkältungserkrankungen. Wie ich nach Mittenwald kam, daran kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß nicht, ob mich meine Eltern zum Bahnhof gebracht haben,, ob ich geweint habe oder sonst etwas. Ich weiß aber, dass ich mit anderen Kindern im Zug gefahren bin. Das habe ich mir gemerkt, weil ich auf der Fahrt von einem Jungen gebissen wurde, der eventuell Robert hieß. Der gleiche Junge ist auch mit mir zurück gefahren, sechs Wochen später.
Die Zeit in Mittenwald war für mich ein Alptraum. Das Allerschlimmste für mich war, dass ich immer und immer wieder alles essen musste. Man durfte den Platz erst verlassen, wenn man aufgegessen hatte. Und es gab immer sehr eklige Sachen, die ich nicht essen konnte. Es gab ganz oft glibberiges Essen, wie Spiegeleier oder auch Hering in Aspick, dass für mich ungenießbar war. Einmal gab es Spiegeleier und Kartoffeln. Ich konnte die Eier nicht essen, weil ich damals dachte, dass dariin das Eigelb irgend welche toten Küken seien. Genau wie die anderen Tage auch, war ich die letzte, die vor ihrem Teller saß. Und ich wusste, dass ich wieder Spülen oder des Speisesaal putzen muss, wenn ich da fertig bin. Irgend wann ging jemand mit etwas Salz herum. Ich bat darum etwas Salz zu bekommen, weil ich das mochte. Ich bekam kein Salz. Nachdem ich das Spiegelei gegessen hatte, was Stunden dauerte, in denen ich unter Druck gesetzt wurde, wo mit dem Liebesentzug meiner Eltern gedroht wurde, damit, dass ich länger in Kur bleiben müsse, wenn ich das nicht äße usw. Ich habe das Spiegelei gerade runtergewürgt, und war echt erleichtert, dass ich es geschafft habe, als mir noch ein Ei auf den Teller gelegt wurde. Ich habe auch dieses Ei gegessen. Als ich dann aufstehen durfte, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen, musste ich mich übergeben. Dafür wurde ich extrem ausgeschimpft und ich musste mein erbrochenes selbst wegwischen. Außerdem wurde mir gesagt, dass ich nicht mit zum Ausflug dürfe, da ich ja auch nicht gegessen habe. Und so lange ich nicht essen würde könne ich dann auch keine Ausflüge mitmachen. Tatsächlich kann ich mich nur an zwei Situationen außerhalb des Gebäudes erinnern. Einmal sind wir in eine Stadt gefahren. Ich dachte es sei ein Ausflug. Aber tatsächlich war es der Besuch bei einem Zahnarzt, der mit, ohne auf mein Nein zu achten, einen Wackelzahn entfernte. Und die zweite Erinnerung war tatsächlich ein Ausflug ins Grüne. Ich kann mich an einen alten Panzer erinnern, der da am Waldrand stand und auf dem die Kinder gespielt haben. Außerdem haben wir uns einen Hügel herunter rollen lassen. Das war der einzige spaßige Moment im Freien dort an den ich mich erinnern kann. Die wenigen Erinnerungen, an die ich mich erinnern kann, waren in dem Gebäude. Ich konnte mittags nicht schlafen. Und in dem Zimmer dort waren noch zwei Zwillingsmädchen, die auch nicht gut schlafen konnten. Ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich mit den beiden geflüstert habe. Die anderen haben geschlafen und wir waren auch nicht laut. dennoch wurde ich aus dem Bett und dem Zimmer geschleift und in einen Raum gebracht, der mit Matten ausgefüllt war. Ich konnte nicht aus dem Raum raus. Und ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, wie ich aus diesem Raum, in den ich mehrmals gebracht wurde, raus gekommen war. Darüber hinaus, kann ich mich daran erinnern, dass während meines Aufenthalts ein Kind Geburtstag hatte. Er bekam ein Geschenk von zu Hause geschickt. Darin waren Süßigkeiten. Ihm wurden die zwar gezeigt, dann aber wurden die Süßigkeiten an die anderen Kinder verteilt, mit dem Hinweis, er würde dann ja dicker werden. Das war so unfair, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Der Kontakt zu meinen Eltern war sehr schwierig während dieser Zeit. Ich konnte noch nicht Lesen und Schreiben. Meine Eltern hatte Blankopostkarten besorgt, die Adressiert und Frankiert hatten. Auch an Oma Opa Tanten. Ich wollte dann auf der Rückseite ein Bild malen. Ich wollte meinen Eltern und vor allem meinem Lieblingsonkel eine Karte malen und ihm damit sagen, wie schlimm es dort ist. Aber keiner der Erwachsenen dort hat mir sagen können, wo die Karte für meine Eltern und meinen Onkel waren. So konnte ich an die für mich wichtigsten Personen nicht "schreiben". Außerdem wurde meine Karte nicht angenommen, wenn nicht die Sonne schien oder irgendwo der Regenbogen zu sehen war.
Was mir auch sehr schlimm in Erinnerung war, waren die ärztlichen Untersuchungen, die ständig stattfanden. Das Ausziehen, das Nacktsein vor den anderen, das Schimpfen, wenn ich nicht ausreichend zugenommen hatte. Ich glaube, es gab auch stellvertretendes Schlagen, vor dem ich so Angst hatte. Und ich wollte das Kind nicht schlagen. Aber für diese Erinnerung ist das Erinnerungsfragment zu ungenau. Deshalb möchte ich nichts dazu sagen. Aber was ich nicht verstehe: Ich war sechs Wochen da. Und ich kann mich nur an Essenssituationen, Schlafenszeiten und Ärztliche Untersuchungen erinnern... Wo war das Spiel? Wo das Erleben???
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Elke G. schrieb am 15. Dezember 2021
Nach Weilmünster wurde ich für 6 Wochen verschickt als Stadtkind. Es war meine erste Trennung von meinen Eltern und die erste Reise. Zur Erholung nach mehreren überstandenen Kinderkrankheiten, jedoch ohne ein spezielles Leiden. Eine enge Schulfreundin wurde ebenfalls verschickt, wir blieben gemeinsam in einer Gruppe. Das war ein kleiner Trost. Als geliebtes Einzelkind war die Gewöhnung an große Schlaf- und Esssäle nicht einfach. Wäschewechsel war nur 1x wöchentlich, wer verschmutzt war, hatte Pech. Spaziergang nur 1x täglich ca 30 Min. um das Sanatorium in Zweierreihe, schweigend . Das Essen war sehr eintönig und nicht wohlschmeckende. Es musste aufgegessen werden. Täglich erbrachen sich Kinder schon am Tisch, in den Räumen oder im Bett. Für mich ist das Thema "Erbrechen" sehr mit üblem Geruch, Geräuch und Ekel verbunden. In den Schlafräumen musste Ruhe sein, Toilettengang wurde sehr streng untersagt. Eine "Tante" bewachte an einem kleinen Pult den Flur. Da ich schon lesen und etwas schreiben konnte, wollte ich auf der wöchentlichen vorfrankierten und adressieren Postkarte an die Eltern mein Heimweh kundtun. Ohne Begründung wurde die Post mehrmals zerrissen. Dann konnte ich nicht mehr nach Hause schreiben, was meine Eltern sehr verwunderte. Meine Freundin erkranktewährend des Aufenthalts und kam für einige Zeit zu Nonnen in ein Krankenhaus, was sie auch in sehr schlechter Erinnerung hat. Nur bei einigen Betreuerin en durften wir kurze Zeit am Tag etwas spielen, auch eine Art Gymnastik wurde gemacht. Die Zeit erschien unendlich lang bis zur Rückreise mit dem Bus. Abgewickelt wurde die Verschickung durch das Bezirksamt Berlin Spandau. Ich vermute, dass unsere Eltern sich dort nachträglich beschwerten, ob darauf eine Reaktion erfolgte, ist nicht bekannt.
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burk schrieb am 15. Dezember 2021
Ich war wohl recht "alt", mit gerade 13 Jahren damals dort. Ich erinnere mich an die absolut strikte Trennung von Mädchen und Jungs in unterschiedlichen Häusern, und dem komplett fehlenden Kontakt zu den Mädchen. Das mich das damals nicht so interessiert hat, war vielleicht noch ganz nett, jedoch da wir in "Altersklassen" unterteilt waren in dem Heim (9-12, 13-16) und ich dementsprechcend von lauter bereits wesentlich stärker pubertierenden Jungs umgeben war fiel ich damit aus dem Raster.

Und das war der Anfang vom Übel: In dem Zimmer in dem ich war, waren wir, ich glaube zumindest, 6 oder 8 Jungs. Und die haben mich dann gehänselt. Und aufgezogen. Und ich glaube auch, dass "man" sich halt auch alles mögliche gezeigt hat, aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern, ich habe dies wohl völlig verdrängt.
Es gabe einen Jungen, ich weiß den Namen nicht mehr, er hatte den Spitznamen "Professor" weil er auch durch eben sein Allgemeinwissen auffiel zwischen den Fussball und sonst was favorisierenden anderen. Jemand mit Hirn mit dem man sich unterhalten konnte, der mich nciht als "Baby" sah. Von der Erzieherin wurde mir mal gesagt "das ist kein guter Umgang für dich, spiel nicht mit ihm, häng dich nicht so an ihn dran". Toll, dem Einzigen der mich nicht hänselte, dem sollte ich fern bleiben. EIngegriffen ins Hänseln und Mobbing im Zimmer hat von den Erzieherinnen niemand wirklich nachhaltig. Aber ich muss wohl so ausgerastet sein irgendwann dass sie da was ändern mussten.

Jedenfalls war ich todunglücklich und es war so schlimm, dass irgendwann die Leitung beschloß mich in die Gruppe 9-12 umzuziehen. Dafür bin ich dankbar gewesen und ich glaube auch noch heute

.
Dort war es dann viel besser und ich war in einem 4er Zimmer und die Zimmerkameraden waren zwischen 9 und 12. Der 12 jährige hat dann mal eines Tags sowas wie "Wahrheit oder Pflicht" als Spiel ins Zimmer gebracht, abends, nach der Bettruhe und wir haben das leise gespielt. Na in dem Zusammenhang erinnere ich mich dran, dass er sowohl von mir als auch von dem 9 jährigen wollte, dass wir seinen Penis küssen als "Pflicht". Dies ist aber nicht der Fehler vom Heim, und war auch nicht wirklcih schrecklich traumatisierend für mich. Denke ich mal. Ansonsten war die Zeit dort okay dann. Die "wanderungen durch den Wald" waren okay, und ich erinnere mich nicht an Schläge oder schreckliches Essen, das man aufuessen musste (oder sogar Erbrochenes essen, was ja woanders wohl vorkam). Ich glaube sogar man konnte EIN Essen als "unakzeptabel" nennen, dann bekam man etwas anderes (Johurt oder was anderes ungekochtes) statt dessen. Die Erzieherinnen halfen uns beim Karten schreiben, da ich nicht sehr kreativ war, war ich dankbar, und es war soweit ich mich erinnere auch nur leicht geschummelt, nicht gelogen. Es ging mir ja nicht (mehr) schlecht.

Wie gesagt, die ersten 1 1/2 Wochen waren Horror, danach waren es 4 1/2 wochen trennung von der Familie, teils in den Sommerferien, teils davor.

In die Kleidung wurde damals noch von meiner Mutter im Vorfeld der Name mit so einem weißen Namensbändchen mit roter Schrift drin überall eingenäht, Im Heim kam dann für "mein Haus", es waren ja mehrere, ein "Lila Kreuz " oben drüber aufgestickt. Ich habe tatsächlich noch ein Handtuch von damals das beides noch trägt. 🙂

An Restriktionen erinnere ich mich halt "kein Kontakt zu den Mädchen" "telefonieren nach Hause" war schwierig, aber zumindest zum Gruppenwechsel hab ich das mal geschafft. Unser Taschengeld wurde eingesammelt und ausgegeben nach "Bedarfsbegründung" und es wurde genau Buch geführt. Das ist aber eigentlich korrekt finde ich jetzt. Zunmindest in der "kleinen Gruppe". Die Briefe aus dem Heim in der Zeit (ja ich glaube echt 1x die Woche) wurden angeleitet, ob da leitende Zensur stattfand kann ich nicht mehr sagen, ich glaube aber schon dass es mal hieß "schreib das doch so und nicht so". Und natürlich das "Nachts rausgeh-Verbot" aber ob das auch für die Toilette galt weiß ich nicht mehr. Aber die Treppe anch unten war streng verboten. Unten (1.OG) waren auch die "Großen" (13-16) und zu denen wollte ich auf gar keinen Fall mehr, ich hatte echt Angst, Und auch davor dass die hoch zu uns ins 2.OG, so halb unters Dach kommen. So ging es uns allen im Zimmer übrigens.

Im Haus war auch gleichzeitig eine gruppe Jugendlicher (im EG), die Dialyse brauchten. Aber wie alt die genau waren weiß ich auch nicht mehr, ich erinnere mich nur deshalb daran, weil ich da lernte was es so an "schlimmeren Krankheiten" als meine gab. Das haben uns auch unsere Erzieher mehrmals gesagt.

Zum Thema "Gewaltauswahl" hier: Nun ich erinnere mich nicht an echte Gewalt seitens der Leitung/Erzieherinnen), aber es wurde schon sehr auf Disziplin geachtet. VIelleicht gabs auch mal eine "Kopfnuss", aber wenn, ich kann es nciht mehr beschwörden.
Und zum Erhalt der Disziplin wurde auch ein psychischer Druck ausgeübt der bis hin zur Gewalt nach heutiger Definition geht. Ich habe trotzdem "keine Gewalt" ausgewählt, da ich in einem "Prozess" nichts konkretes berichten könnte, vielleicht ist es auch zu erfolgreich verdrängt. Dass diese Einrichtung aber 1982 geschlossen wurde, stimmt mich im nachhinein bedenklich, ob die Verdrängung nicht vielleicht zu erfolgreich war.

Wer so ähnliches erlebt hat oder vielleicht gar selbst zu der Zeit dort war, bitte GERNE Kontakt über die Seite hier aufnehmen.
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Stefan aus Kassel schrieb am 13. Dezember 2021
Ich war 1972 im Taunus bei Wiesbaden. Ich glaube Haus Taunusfreude. Ich habe ein Bild vom Forsthaus gesehen und meine mich daran zu erinnern. Außerdem ging es auch ums Quarzsammeln. Ich war zu der Zeit 9 Jahre alt.
Wie bei vielen anderen, was ich las, habe ich 50 Jahre gedacht dies Thema wäre ein Gespinst oder ich zu labil, zu empfindlich...wie auch immer. Erinnerungen habe ich all die Jahre an strenge Mittagsruhe, Schläge, wenn man ins Bett gemacht hatte (Was vor der Kur nie vorkam). Sitzen bleiben bis in die Nacht am Tisch wenn man nicht aufgegessen hatte. 6 Wochen Angst und Heimweh. Das ,so glaube ich ,in Resignation endete. Pakete die geöffnet wurden und Obst welches mit Kerngehäuse und Stiel gegessen werden musste. Sterile sanitäre Einrichtungen und kaltes Wasser bleiben in Erinnerung. Härte und Strenge ebenso. Mir wird jetzt erst bewusst, dass die Albträume die ich danach bekam einen Grund hatten. Gefühlt ging das ein Jahr. jede Nacht der gleiche Traum und schweißgebadet. Auch das wurde einfach abgetan. Vielleicht kommen noch mehr Erinnerungen je mehr ich lese oder sehe. Der erste Erfolg für mich wäre schon zu wissen in welchem Heim ich 1972 war. Haus Taunusfreude ist für mich immer noch ein wenig „nebulös „.
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peter päpenmöller schrieb am 12. Dezember 2021
hallo ihr
ich war Anfang der 70 iger in Schwarzwald, weiß aber nicht mehr wo genau vor dem Gebäude stand ein großer Baum, auf dem ich rauf geklettert bin, um mich zu verstecken, vor den Tanten hinder dem Haus war ein kleiner Abhang
kann mich noch gut erinner wo es Grießbrei gab und das sah echt nicht appetitlich aus habe mich geweigert das zu essen wurde aber gezwungen und habe es wider ausgebrochen auch das sollte ich essen habe den Teller voller Wut von Tisch geworfen ich wurde in einem dunklen Raum eingesperrt die Tante wollte mir mit seife den Schmutz aus dem Mund waschen da ich damals schon ein kräftiges Kind war habe ich mich gewährt, was ein Fehler war, bin dann mit nassen Handtüchern gehauen worden auch durften wir Nacht nicht auf der toilete habe dann aus den Fenster gemacht beim essen durfte nich geschmatzt werden die kinder die es machten bekamen ein pflaster auf den Mund
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Anonym schrieb am 8. Dezember 2021
In den 60er Jahren war ich mehrfach für 6 Wochen in Kinderkurheimen. An den ersten Heimaufenthalt habe ich keine Erinnerung, da muss ich noch sehr klein gewesen sein. Von einem älteren Geschwister weiß ich, dass ich wohl schlimmes Heimweh hatte und nachts ins Bett gemacht habe. Zur Strafe wurde ich jede Nacht aus dem Bett geholt und eiskalt geduscht, danach musste ich mit dem Gesicht zur Wand stehen und durfte nicht zurück ins Bett.
Die späteren Heimerlebnisse, alle vermutlich noch im Kindergartenalter, erinnere ich bruchstückhaft: Essenszwang, Erbrochenes aufessen müssen, Bewegungs- und Toilettenverbot des nachts und beim Mittagessen mit Strafen ..., ausgegrenzt sein und völlig allein und verlassen in stockdüsteren riesigen Räumen schlafen, Todesängste, Angst, für immer von den Eltern abgeschoben zu sein ...
Am schlimmsten war es wohl, dass ich zuhause darüber nie sprechen konnte. Erinnere mich, dass ich einmal sprechen wollte, aber die Wortr mir im Hals stecken blieben. War ja noch sehr klein. Vermutlich wäre mir auch nicht geglaubt worden, jedenfalls musste ich immer wieder musste weg, weil die Erholung doch angeblich so gut tat und solch ein Luxus war. Die Heimnamen habe ich auch später großteils nicht rausbekommen, weil die Eltern alles total verdrängt haben und angeblich nichts mehr wussten. Leider haben auch die älteren Geschwister geschwiegen oder können sich kaum nicht an den Namen oder Ort der Heime erinnern. Ein riesiges, totales Trauma unserer Kindheit völlig weggedrängt!
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Anonym schrieb am 4. Dezember 2021
Anfang Mai 1974 wurde ich zur Kinderkur in die Kneipp´sche Kinderheilstätte nach Bad Wörishofen geschickt, weil der Arzt meinte, dass ich unterernährt sei. Ich war gerade erst 9 Jahre alt geworden und es war die erste Reise ohne Eltern, daher hatte ich auch große Angst davor.
Viele Jahre hatte ich diesen Aufenthalt verdrängt, weil ich keine guten Erinnerungen daran hatte. Allerdings werde ich einige Situationen nie vergessen.
Wir wurden damals von Ordensschwestern empfangen und wurden in 8-Bett-Zimmern untergebracht. Das größte Highlight waren die Päckchen von Zuhause. Jeder durfte wohl pro Aufenthalt zwei bekommen. Die Süßigkeiten wurden dann an alle Kinder der Gruppe aufgeteilt und die Reste in einem Schrank verschlossen. Eines Tages haben wir mal bemerkt, dass jemand vergessen hatte den Schrank abzuschließen. Ein Mädchen, mit dem ich mich angefreundet hatte, und ich sind abends heimlich in den Gruppenraum geschlichen und haben aus meinem Päckchen für jeden einen Schokoriegel rausgenommen. Unter der Bettdecke haben wir die Schokolade dann gegessen, weil wir Angst hatten erwischt zu werden. Am nächsten Morgen war die Angst noch größer, denn wir hatten das Bettzeug mit der Schokolade beschmiert. Um zu verhindern, dass die „Straftat“ aufgedeckt wurde, schlug ich den anderen im Zimmer vor, dass wir unsere Betten selbst machen. Alle im Zimmer haben mitgemacht, aber als die Schwestern dann in den Schlafraum kamen, wollten sie wissen, warum wir die Betten gemacht haben. Wir haben gesagt, dass wir ihnen die Arbeit abnehmen wollten. Das überzeugt sie nicht und die Betten waren ihnen auch nicht gut genug gemacht. Also wurden die Flecken entdeckt und es gab eine Standpauke für mich und die Freundin. Das war aber noch nicht genug, denn kurze Zeit später stand das wöchentliche „Haarewaschen“ an. Wir haben uns dafür in einem Nebengebäude in die Schlange gestellt und nach und nach musste sich jedes Mädchen über eine Badewanne beugen. Als ich an der Reihe war, hat die Betreuerin Mary – diesen Namen werde ich auch nie vergessen – meine langen Haare äußerst brutal gewaschen und extra sehr heißes Wasser genommen. Ich weiß noch, dass ich geschrien habe wie am Spieß und sie hat nur gemeint, dass mir das ganz Recht geschieht. Vor allen anderen hat sie dann nochmals lauthals kundgetan, dass ich das Bett nachts mit Schokolade beschmiert habe.
Eines Tages hatte ein Mädchen Geburtstag. Nachmittags wurden Schokoküsse verteilt, jede von uns bekam drei Stück. Da es mir an diesem Tag nicht gut ging, habe ich eine Betreuerin gefragt, ob ich diese bis zum nächsten Tag an die Seite stellen kann. Sie hat es erlaubt und ich stellte den Teller auf ein kleines Regal im Speisesaal. Mitte in der Nacht schaute eine Schwester in unser Schafzimmer und fragte: „Wer hat seine Negerküsse nicht aufgegessen?“ Ich war völlig schlaftrunken und habe erst nicht geantwortet. Sie machte dann das Licht an und hat wieder gefragt. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich es war. Ich wollte noch erklären, dass es abgesprochen war und mir nicht gut ist. Sie hat mir nicht zugehört und mich aus dem Bett in den eiskalten Speisesaal gezerrt. Ich saß dann im Schlafanzug vor dem Teller und musste mir alle drei Schokoküsse reinwürgen. Das hat ziemlich lange gedauert und als ich dann wieder ins Schlafzimmer zurückging habe ich mich im Flur erbrochen. Ich musste das Erbrochene dann selbst wegwischen und wurde dabei auch beschimpft.
Ein weiteres schlimmes Erlebnis hatte ich in der Bastelstunde. Ich hatte meinen Kleber im Schrank vom Schlafraum vergessen. Eigentlich durften wir unser Bastelsachen nur im Bastelraum aufbewahren, aber da ich eine neue Tube Kleber gekauft hatte, wollte ich ihn nicht zu den anderen Sachen legen. Ich gab vor, dass ich nochmal zur Toilette musste. Das war auch keine gute Idee, denn es gab feste Toilettenzeiten. Vor der Bastelstunde mussten alle nochmal zur Toilette! Ich wurde ausgeschimpft, aber durfte gehen und holte dann heimlich meinen Kleber aus dem Schlafraum. Als ich zurück kam musste ich mich für zwei Stunden in die Ecke stellen und durfte mich nicht bewegen. Es war grauenhaft.
An einem Nachmittag sollten wir Briefe nach Hause schreiben. Ich habe nicht gewusst, dass Mary den Brief anschließend lesen wird. Ich habe meiner Mutter geschrieben, dass ich schreckliches Heimweh habe und sie mich abholen soll. Mary hat den Brief vor meinen Augen zerrissen. Ich musste einen neuen Brief schreiben. Das es mir gut geht und alles schön ist.
An das Essen kann ich mich nur noch dunkel erinnern, aber es war immer etwas mit vielen Kalorien. Im Speisesaal saß mir ein Mädchen gegenüber, dass abnehmen sollte. Sie bekam oft leckeren Salat. Wenn niemand hingesehen hat, haben wir unsere Teller getauscht. So konnte ich wenigstens ab und zu etwas essen, was ich mochte und das andere Mädchen hat sich über mein Essen gefreut.
Demütigend fand ich auch die Kneipp´schen Güsse. Wir wurden unten im kalten, gefliesten Keller mit eiskaltem Wasser aus Schläuchen abgespritzt – das war ja so gesund..
Als sich der Tag der Abfahrt näherte, wurde ein Mädchen aus unserem Zimmer krank. Ich glaube, sie hatte die Röteln. Das brachte die Abreise für unsere ganze Gruppe in Gefahr. Ich habe gebetet, dass ich nach Hause durfte, denn ich hätte es keinen Tag länger mehr dort ausgehalten. Ich kann schon behaupten, dass es die fürchterlichsten und längsten sechs Wochen meines Lebens waren.
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Anonym schrieb am 30. November 2021
Als ich 6 Jahre alt war, wurde ich für 6 Wochen nach Königsfeld im Schwarzwald zur sogenannten "Kinderkur" geschickt. Ich war ein sehr dünnes Kind und unser Hausarzt meinte, dass mir Luftveränderung guttäte und ich dort sicherlich aufgepäppelt würde. Meine Familie wohnte damals in einem kleinen Dorf mit nur 10 Häusern und schon der Gedanke daran, dass ich für 6 Wochen alleine von zu Hause wegsollte, war für mich ein echtes Grauen. Aber ob ich nun zeterte oder heulte, es nützte alles nichts. Meine Mutter brachte mich zum Bahnhof. Die Anreise war bereits organisiert und erfolgte mit anderen Kindern unter Betreuung im Zug. Bei unserer Ankunft am Abend gab es eine kurze Kennenlernrunde und das Essen war - wie fast immer
schrecklich. Wir mussten alles aufessen, sonst durften wir den Tisch nicht verlassen. Jeden Abend gab es Hagebuttentee, den ich hasste und trotzdem trinken musste. Bis heute wird mir übel, wenn ich Hagebuttentee nur rieche. Es herrschten strenge Sitten und natürlich "Zucht" und "Ordnung" Alles lief nach einem festen Tagesablauf ab. Aufstehen, waschen, Frühstück, Wanderung, "Kartenschreiben" an zu Hause (natürlich nur zensiert) Mittagessen, Ruhepause usw. alles zu festen Zeiten.
Vor 7 Uhr morgens durfte niemand reden oder sein Bett verlassen. Wenn doch, dann bekam man eine besondere Strafe. Die größeren Mädchen führten Aufsicht und mussten eine "Liste" mit den "Störenfrieden" führen, die dann der Heimleitung gemeldet wurden. Kurz nach meiner Ankunft in Königsfeld erkrankte ich an Roeteln und wurde daher für eine Woche auf die Isolierstation verfrachtet, damit ich die anderen Kinder nicht anstecken konnte. Diese Zeit bei strenger Bettruhe wollte einfach nicht vergehen und vor Heimweh wäre ich fast gestorben. Aber jeden Tag kam eine alte Ärztin, um mich zu untersuchen. Sie war dann auch der einzige Kontakt zur Außenwelt.
Ein Erlebnis ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben:
Eines Nachts fiel ich aus meinem Bett (Schlafsaal mit ca. 10 Betten eng an eng) und kletterte aus Versehen in das Bett meiner Bett-Nachbarin. Die hatte Läuse und am nächsten Tag musste ich dann die komplette "Läuseprozedur" über mich ergehen lassen. Außerdem hatte ich vor 7 Uhr "geschwatzt" und stand somit auf der "schwarzen Liste".
Nach dem Mittagessen und der anschließenden Ruhepause auf der überdachten "Freiluft-Terrasse" erwartete mich dann "meine Strafe". Ein älteres Mädchen holte mich ab, um mich zur Heimleitung zu bringen. Auf dem Weg dorthin sagte ich (leider etwas zu laut) "Das macht mir gar nichts aus". Zu meinem Unglück hatte die Leiterin das gehört. Sie zog mir einen Turnschuh aus und gab mir damit kräftig was auf den Hosenboden. Danach musste ich 2 Stunden stocksteif mit den "Händen-hinter-dem-Kopf" auf einem Holzstuhl sitzen - natürlich unter Aufsicht - und durfte mich nicht bewegen.
Gegen Ende "der Kur" erkrankten einige Mädchen an Mumps und mussten länger bleiben. Ich war zum Glück schon wieder zu Hause, als die Krankheit bei mir ausbrach. Meine Familie war begeistert, dass ich Mumps-bedingt so wohlernährt aussah und ich war nur heilfroh endlich wieder zu Hause zu sein.
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Anonym schrieb am 23. November 2021
Ich war vier Jahre alt und sollte 'aufgepäppelt' werden, an Gewicht zulegen, stabiler werden. Was anfangs als Ausflug begann, entwickelte sich zu einer schrecklichen Erinnerung. Das Essen war sehr speziell und an einem Mittag gab es Leber. Da ich als kleiner Mensch das nicht kannte, biss ich rein und es schmeckte mir nicht. Da ich es nicht aß, musste ich den ganzen Mittag alleine vor diesem Teller sitzen und sollte die Leber essen. Alle anderen Kinder machten einen Ausflug. Man lies mich alleine da sitzen und schaute gefühlt alle Stunde mal rein, ob der Teller leer ist. Man sagte mir, dass ich so lange da bleiben muss, bis ich das essen würde, auch wenn es über meinen Geburtstag hinweg geht. Das machte mir alles sehr viel Angst und dennoch konnte ich die Leber nicht essen. Als ich bis 16 Uhr nichts gegessen hatte, musste ich, bevor die anderen Kinder vom Ausflug zurück kamen, ins Bett gehen. Dieser Aufenthalt belastet mich noch immer. Es ist einfach schrecklich, was man als Kind erlebt und es bis ins Alter (bin schon 56) nicht mehr vergisst.
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Anonym schrieb am 22. November 2021
An vieles erinnere ich nicht mehr, aber einige Sachen fallen mir heute (68) ein. Ich war als Fünfjährige für sechs Wochen 1958 oder 59 zur Verschickung auf Amrum. Den Namen des Hauses weiß ich nicht mehr. Da ich keine Geschwister hatte, freute ich mich auf die anderen Kinder - und hatte eine spaßige Zeit. Ich wurde damals von zu Hause eh autoritär erzogen, kannte es nicht anders und konnte ich mich im Heim unterordnen.
Ich erinnere, dass das Essen wohl nur aus Eintopf bestand, am meisten hasste ich irgendeine Suppe (Milch?) mit Sago. Die glitschten und glubschten im Mund und guckten mich auf dem Teller so an. Aufessen musste ich sie m .M. nicht, aber bis heute mag ich kein Sago o.ä. Dass man nachts nicht auf Toilette durfte, erinnere ich auch, aber ob ich mich einnässte und Strafen bekam, nicht. Dunkel in Erinnerung ist, dass wir uns mit Augenschutzbrillen fast nackt um ein warmes Gerät (wie ich heute weiß, eine Höhensonne) bewegen mussten. Das fand ich damals ganz toll, es war ja kuschelig warm. Ungerecht fand ich und habe auch geweint, dass wir Süßigkeiten abgeben mussten, auch die von zu Hause geschickten. Dafür bekam man aber von den anderen was ab. M.E. gabs Süßes ein Mal die Woche und abgepackt für alle gleich. Ein Fest!
Der Waschraum bestand aus einem langen Becken mit vielen Wasserhähnen. Einmal schubste mich ein Mädchen, als ich aus dem Hahn trank. Ich verlor eine Ecke eines Schneidezahns. Meine Eltern wurden von den Tanten darüber informiert, aber zum Zahnarzt ging keiner mit mir. Die fehlende Ecke ist heute mit Füllung verdeckt, aber eine bleibende Erinnerung an die Zeit. Wir mussten viel barfuß wattlaufen, was am Anfang Spaß machte. Bis ich mir an einer Muschel den Fuß aufschnitt und ins Haus zurückgebracht wurde. Ich glaube, ein Arzt guckte sich die Wunde an, und ich bekam ein großes Pflaster und zum Trost was Süßes. Noch heute ist mir Wattwandern verhasst.
Das Schreiben von Postkarten an die Eltern übernahmen die Tanten, ich konnte ja noch nicht schreiben. Und ob Zensur ausgeübt wurde weiß ich nicht. Aber mir gefiel die Verschickung eh gut, was hätte ich Negatives mitteilen sollen. Ich hatte Freunde und Freundinnen, mit denen ich viel Spaß hatte. Nachts sind wir aus den Fenstern geklettert und fanden es abenteuerlich, im Dunkeln rumzustromern. Ich glaube, die Tanten haben uns nicht erwischt oder weggeguckt. Und außerdem konnte man sich draußen erleichtern.
Im Großen und Ganzen waren die sechs Wochen toll für mich. Ich konnte spielen, an der See wandern und toben. Am beeindruckendsten war eine Abendwanderung durch einen Wald, was für eine Fünfjährige ein großes Abenteuer war. An Zwang und Strafen kann ich mich nicht erinnern.
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Anonym schrieb am 20. November 2021
Erinnere mich noch genau daran:
Toilette wurde abends abgesperrt, habe auch einmal nachts in's Bett gemacht. Deshalb wurde ich dann am nächsten Morgen vor allen anderen Kindern ausgeschimpft und in selbigem Bett mit der Decke über dem Kopf (wie bei Toten) aus dem Zimmer gefahren. Dürfte also nicht zu den anderen Kindern! Als ich auch noch an Mumps erkrankte, wurde ich in ein Zimmer gesperrt; man stellte mir eine Schüssel (für den Fall, dass ich mich übergeben würde) auf den Nachtisch. Habe mich auch übergeben müssen und musste neben der Schüssel mit dem Erbrochenem schlafen. Bin heute 62 Jahre alt, aber das vergesse ich nie!
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