Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
Eure Daten werden keinesfalls an Dritte ausgegeben!!! Sollte jemand mit euch Kontakt aufnehmen wollen, fragen wir bei euch zuerst an und geben die Kontaktdaten nur an euch weiter. Somit könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Kontakt aufnehmen wollt oder nicht.



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Andreas schrieb am 14. April 2022
Hallo an alle "Kurkinder".

Ich musste im Jahre 1971 als 6-jähriger Junge aufgrund von Einnässen und Untergewicht in die Kuranstalt.
Ich weiß noch, dass ich damals von Zuhause mit einem VW-Bus (T2) vermutlich eingesammelt wurde.
Als der Bus vor dem Haus stand und meine Mutter mich dorthin begleitete, fing ich an jämmerlich zu weinen.
Mein Weinen war so extrem, dass der Bus nicht abfahren konnte.
Ich verstand nicht, warum ich alleine von der Mutter getrennt, mitgenommen werden sollte.
Erst nach längerem heulen und betteln nicht mitfahren zu müssen, fuhr der Bus los.

Dort angekommen wurden wir aus dem Bus genommen und an die Heimleiterin abgegeben.
Wir mussten übles "Heilwasser" trinken und bevor das Glas nicht leergetrunken war, gab es kein Essen. Das konnte schon den ganzen Tag dauern. Nachts wurden wir im Schlafsaal eingesperrt und wehe dem der ins Bett gemacht hatte.
Ich weinte 6 Wochen und 2 Tage dauerfaft jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde und konnte deswegen kaum an "Freizeitveranstaltungen" (auf den Kurspielplatz und auf dem Kurgelände rumlaufen), teilnehmen.
Deshalb musste ich die meiste Zeit im Heim bleiben.
Ich fragte ununterbrochen, warum ich hier sein muss und wann ich wieder zurück zu meine Mama kommen werde.
Eine Antwort darauf gab es nicht.
Ich wusste nicht, was 6 Wochen bedeutet, wie lange 6 Wochen dauern und so glaubte ich niemals mehr zurück zu kommen.
Weil ich nicht lesen und schreiben konnte, durfte ich mehrmals mit meiner Mutter telefonieren und fragte immer mit Tränen in den Augen, wann sie mich den abholen kommt. Eine Antwort darauf bekam ich nicht.

An Details der Verschleppung kann ich mich heute nicht mehr errinnern. Im meinem Kopf ist aber hängen geblieben, dass die Duschtante reges Interesse an meinen Genitalien hatte und nach dem Ausziehen mehrmals daran heimlich herumgespielt hatte.

Nach einer unvorstellbar langen Zeit , wurde ich wieder zuhause abgegeben. Mein Vater war nicht da und meine Mutter zeigte keine Gefühle sich zu freuen, dass ich wieder zurück war. Nicht mal ein Geschenk habe ich bekommen.
Ab diesem Zeizpunkt war ich ein anderes Kind.
Ich machte jede Nacht mehrmals ins Bett und meine Mutter war auch ab und an genervt, nachts öfter aufzustehen , um mich trocken zu legen.
Dieser Kuraufenthalt hat mich mein Leben lang geprägt. Ich bin heute, nach 51 Jahren, wieder in Psychotherapie und habe nie ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern aufbauen können.
In der Schule war ich immer der Angsthase und hatte immer panische Angst, wenn ich vom Lehrer drangenommen wurde.
Die Klassenfahrten mit Übernachtungen waren für mich grauenhaft.
Ich hatte ca. 40 Jahre lang danach kein Selbstwertgefühl und war gegen jeden und alles sehr skeptisch und zurückhaltend.
Heute leide ich unter psychischer Hypertonie und muss jeden Tag Tabletten dagegen nehmen...

Viele herzliche Grüße an alle, die auch sowas mitmachen mussten!
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