Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
Eure Daten werden keinesfalls an Dritte ausgegeben!!! Sollte jemand mit euch Kontakt aufnehmen wollen, fragen wir bei euch zuerst an und geben die Kontaktdaten nur an euch weiter. Somit könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Kontakt aufnehmen wollt oder nicht.



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Anonym schrieb am 20. April 2022 um 14:19
Ich war im Alter von 11 Jahren in Bad Sachsa in einem Heim an der Steinaer Straße. Am ehesten passt von der Topologie (Ortsauswärts mit weiteren Gebäuden, unter anderem ein Kinderheim für "Dauergäste", bergabwärts) das Haus Warteberg. Es könnte aber auch das Haus Bergfrieden gewesen sein.

Die Heimleiterin war damals eine korpulente Frau so um die 50. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht im Kleinkindalter dort war.

Es gab keine direkte körperliche Gewalt der "Erzieherinnen", zumindest nicht bei uns älteren Jungen. Das Prinzip war mehr "Teile und herrsche". Beispiel: Ein Junge musste mittags den Sättigungsbrei wieder erbrechen. Ein Teil landete auf dem Teller, ein Teil auf dem Tisch und ein Teil auf dem Fußboden. Alle sollten solange sitzen bleiben, bis der Teller wieder leer gegessen war. Für das Saubermachen des Fußbodens wurde ein älterer halbstarker Junge ausgesucht, der das Säubern währenddessen erledigen sollte. Der obligatorische Mittagsschlaf fiel aus, dafür war die obligatorische Wanderung um den Ravensberg umso länger und härter. Dass der Junge, der das Essen verweigerte, von dem älteren Jungen mit anderen Mittätern dabei verprügelt wurde, wurde von den Erzieherinnen "ignoriert", d.h. gezielt gewollt.

Manchmal hörte man tagsüber kleiner Kinder aus dem Waschraum im Keller schreien. Nach den Schilderungen anderer "Kurgäste" hier weiß ich nun, weswegen.

In den ganzen 6 Wochen gab es keinen Schulunterricht. Der Tagesablauf war folgendermaßen:
Aufstehen, Anstehen, Frühstücken, Anziehen, Wandern, Anstehen, Mittag essen, erzwungener Mittagsschlaf (Bei 10 bis 14jährigen Jungen!), Wandern, Anstehen, Abend Essen, Frühes Schlafen gehen.

Das Essen war wortwörtlich zum Kotzen. Die hygienischen Zustände waren so schlecht, das ich mit einigen anderen Mitinsassen die Röteln bekam. Das hieß dann noch längere Bettruhe, aber man hatte Ruhe vor den Erzieherinnen, die mit dem Rest wanderten. Gelegentlich kam dann die Heimleiterin und sah nach dem Rechten. Sie tat etwas freundlicher. Das wird aber eine Fassade gewesen sein, denn letztendlich war sie verantwortlich dafür und machte damit ihr gutes Geschäft.

Ich hatte vieles von dem Erlebten lange verdrängt. Durch eine Reportage im TV kamen einige Erinnerungen wieder hoch.
Ich würde nicht behaupten, dass mich das nachhaltig traumatisiert hat. Die Konsequenzen waren ein Absacken der schulischen Leistungen danach und ein vorzeitiges Ende der Kindheit. Ich war nach der "Kur" einfach nur saumäßig wütend auf meine Mutter.

Die 6 Wochen sind aber ein verlorener Teil meiner Jugend.
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