Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
Eure Daten werden keinesfalls an Dritte ausgegeben!!! Sollte jemand mit euch Kontakt aufnehmen wollen, fragen wir bei euch zuerst an und geben die Kontaktdaten nur an euch weiter. Somit könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Kontakt aufnehmen wollt oder nicht.



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Anonym schrieb am 31. Juli 2022
Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters und der völligen Überforderung meines familiären Umfeldes kam ich 1961 für mehrere Wochen mit 2 Jahren, in meinem 3.Lebensjahr, zu Tante Lehner ins Hänsel und Gretel Heim in Bayrisch Gmain.
IDort war ich körperlich völlig überfordert z B. die Gewaltmärsche zu Fuß nach Reichenhall und wieder zurück zu Laufen.
Einen Kinderwagen gab es nicht und so habe ich mir schon früh einen Stampfschritt und Plattfüße antrainert.

Sauberkeit und Disziplin war extrem wichtig.
Wichtiger als Kindern Trinkwasser und einen Nachttopf zur Verfügung zu stellen.
Wer ins Bett bieselt bekommt nichts mehr zu trinken so die Ansage von Tante Lehner.
Als 2 jährige gelang es mir von der körperliche Reife her nicht den stundenlangen Mittagsschlaf und das frühzeitige zu Bett gehen abends kontinent durchzuhalten, also bekam ich als potentieller Bettbiesler zum Mittagessen und Abendessen nichts mehr zu trinken.
Getränke gab es damals nur zu den Mahlzeiten.
Ich kann mich nur an warme Ziegenmilch mit Haut zim Frühstück erinnern.
Dass ich diese Tortur des Trinkwasserentzugs überlebt habe verdanke ich meiner Schwester, die vierjährig schon auf Stühle klettern und heimlich ungesehen den Wasserhahn in der Heimküche öffnen konnte.
Meine Schwester hat alles riskiert um mich zu retten und ohne sie hätte ich dort nicht überlebt.

Ich kann mich an Schlafsäle und nach Luft ringenen bleichen Kindetn erinnern.
Bei Trauer,Kummer, Schmerz oder Wut,Weinen und Schreien wurde man eingesperrt bis man wieder lieb war. Lieb sein war für Tante Lehner sehr wichtig Ich hatte Todesangst vor ihr.
Eingesperrt wurde, wer irgendwie störend war.
Das war ein enger dunkler Raum in dem man als Asthmatiker rasch Luftnot bekam und wieder freigesetzt wurde.
Ich war kein Asthmatiker, so dauerte es bei mir oft Stunden bis ich dehydriert und orintierungslos lieb genug war.
In der NS Zeit war dies ein pädagogisches Erziehungsmittel der Umerziehung, und wurde zB.bei norwegischen Kindern angewendet um sie ihre Herkunft vergessen zu lassen. Tante Lehner hatte wohl diesbezüglich Fortbildungen besucht.
Ich erlebte dieses stundenlange in engem und dunklem Raum eingesperrt sein als schweres Trauma. Ich lernte wenn ich mich blutig biss war es leichter zu ertragen, da mein Blut die einzige Nahrung und Flüssigkeit war die ich hatte.

Eine Traumafolge von damals sind Flaschbacks die mich in meiner Lebensführung auch geute noch erheblich behindern. Flaschbacks passieren,wenn ich emotional oder körperlich überfordert bin.
Ich habe mehrere Stunden EMDR Trauma Therapie gebraucht um meine Gefühlsblindheit und diffuse Angstzustände sowie selbstzerstörerische Verhaltensweisen zu heilen.
Heute bin ich nicht mehr so schnell triggerbar.
Ich danke ich meiner Therapeutin von Herzen für Ihre Arbeit.
Euch Verschickungskindern danke ich für Eure Erfahrungsberichte.Man denk ja zunächst immer man ist ein Einzelschicksal,und es kostet soviel Überwindung Gefühle und Erinnerungen wieder zuzulassen,die aber letztlich zeigen, dass es noch Arbeit für ENDR Therapeuten gibt bis nan gänzlich geheilt ist von diesen Lebenserfahrungen.

Wir sind ein starker Jahrgang in jeder Hinsicht.

Ich bin sehr froh diese NS Heilmethoden im Hänsel und Gretel Heim überlebt zu haben.
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