Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
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Sönke Wagner aus 23730 Neustadt in Holstein schrieb am 28. Oktober 2021
Hallo. Ich wurde 1956 von meiner Mutter in Hamburg- Altona am Zug abgegeben und von Schwestern des Roten Kreuzes/Ordensschwestern in Obhut übernommen. Viele von uns schrieen und weinten während der ganzen Fahrt nach Bad Reichenhall. Die Begleitpersonen versuchten uns mit Gewalt zu beruhigen was nicht immer gelang. 6 Wochen war ich dann ohne Kontakt nach Hause in einem mir unbekannten Heim in Bad Reichenhall untergebracht, wo Gewalt und Drangsalierungen an der Tagesordnung waren. Höhepunkt der Gewalt war immer beim gemeinsamen Abendessen, wo eine als Teufel verkleidete Person mit Fusskette,Kugel und Reisigbesen in den Speiseraum kam und die Kinder, die nicht essen- oder nicht aufgegessen haben, mit dem Reisigbesen verprügelt haben. Ein Junge, der sich von dem „Teufel“ losgerissen hatte, brachte den Kübel mit Suppe zum umkippen, der sich über den Fußboden ergoss. Das Ergossene mussten wir alle mit unseren Mündern aufnehmen. Wenn wir das Gerassel der Fusskette und Kugel schon kommen hörten, erstarrten wir! Die Strafen wurden immer heftiger, vor allem im Schlafsaal, wo es mucksmäuschenstill sein musste. Kein Toilettengang war erlaubt, sodass man die ganze Nacht aushalten musste oder ins Bett machte. Daraufhin gab es wieder Strafen jeglicher Art! Diese 6 Wochen waren für mich die Hölle, und das erlebte zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben, welches seitdem von Angst und Depressionen beherrscht wurde und wird, seit nunmehr 55 Jahren!
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Schwartbeck Gabriela aus Metelen schrieb am 28. Oktober 2021
Ich habe gestern im NDR den Bericht über Verschickung Kinder gesehen. Alles kam in Bildern wieder hoch. Mein Pech, ich würde gleich zweimal in dieses Heim geschickt. Verschickung Grund zum aufpäppeln. Zunächst wusste ich gar nicht warum ich von zu Hause weg musste. Die Zugfahrt war ein Abenteuer, wir hatten eine nette Begleitung.in Dort angekommen, es war ein kleines Heim in Wildeshausen von zwei älteren Diakonissen geführt, den Namen weiss ich nicht mehr. Allerdings diese beiden Gesichter haben sich bei mir eingebrannt. Die eine war Recht korpulent und war in der Küche. Vor dieser hat ich die meiste Angst Direkt nach der Ankunft müssten wir uns Badezimmer. Alle müssten sich ausziehen und dann würde jedes Kind wie am Fliessband in der Badewanne abgerutscht. Geredet werden dürfte nicht. Danach kamen wir sofort in unsere Betten. Es wurden Brote verteilt und etwas zu trinken und das war es. Gleich am ersten Abend machten wir Bekanntschaft mit dem Rohrstock. Abschreckend würde er auf jedem Bett geschlafen mit dem Hinweis das keiner zu Mücken hat. Die Angst war so gross, so dass ich gleich die erste Nacht ins Bett machte. Alle Kinder dürften mich auslachen und beim Frühstück nochmals. Es gab nur gemeinsame Toilettengaenge, auch da war schweigen angesagt. Zu den Mahlzeiten hatte jedes Kind ein Lätzchen. Es gab jeden Morgen ein Becher heisse Milch und eine Schüssel mit Haferflocken. Die schlimmsten Mahlzeiten waren für mich Mittag und Abendessen. Die Schüssel waren schon mit einer großen Portion gefüllt.Es musste alles aufgegessen werden und ein Nachschlag musste sein. Pech für den, der das nicht möchte und dabei erbrechen musste. Egal zusammen mit dem Erbrochen weiter essen. Es war einfach nur grausam und hat dazu geführt, dass ich gewisse Sachen bis heute nicht essen kann, ohne den Eckelfaktor. Hinzu kamen dann die Schläge. War die Schüssel nicht leer, kam dicke Tante aus der Küche, legte das besagte Kind in der Küche auf die Anrichte und schlug drauf los. Und wieder sollten alle Kinder lachen. Waren wir im Bett, dürfte keiner mehr zur Toilette, egal ob er musste. Resultat, Bett war nass, und wieder die aufsteigende Angst vor den Schlägen. Und abends bekam ich nichts mehr zu trinken. Mein Glück während dieser Zeit, ich würde richtig krank mit hohem Fieber, könnte so gut wie gar nichts essen, lag Recht lange krank und merkte, wie gut es war krank zu sein, da fiel der Druck mit dem Essen weg. Mein Pech zwei Jahre später war ich nochmals da zu den gleichen Bedingungen. Auch da würde ich krank, somit eine Auszeit vor den Schlägen und dem Zwangsessen. Insgesamt bin ich sehr erschrocken darüber, dass diese Praktiken überall in diesen Häusern stattfanden. Erschrocken auch darüber wie viel Kinder das erdulden müssten. Es ist gut dass es öffentlich gemacht wird. Natürlich hatte die Kur nicht das erreicht, was Ziel war, zuzunehmen, das Gegenteil war der Fall gekoppelt mit Angst vor dem Essen, teilweise auch Essstörungen.
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Christiane Schulte aus Völklingen schrieb am 28. Oktober 2021
Ich musste 1979 mit knapp sechs Jahren zur Kur,da ich unter Asthma und leichtem Übergewicht litt. Bis heute habe ich den "Tag der Ankunft" nicht vergessen. Meine Eltern brachten mich zu dem Kurheim..mit hineinkommen durften sie nicht,sondern mussten mich an der Tür abgeben. Das freundliche Getue änderte sich in dem Moment als sich die Tür schloss..Mir wurde ein Zimmer zugewiesen und einen Platz im Speiseraum. Am Tisch der "Fetten"..Wenn es etwas gibt,das sich mir nachhaltig eingeprägt hat,dann ist es der allgegenwärtige Hunger. Wir "Dicken" saßen mit Kindern zusammen in einem Raum die im Grunde dasselbe schwere Los hatten wie wir. Während sie gestopft wurden, saßen wir teilweise nur mit einem Apfel und einem Glas Wasser am Tisch. Im Hintergrund die "Tante" die immer wieder lamentierte wir seien an unserer Situation ja selbst Schuld. Weil wir soviel gefressen hätten müssten wir jetzt büßen..Etwas das mich bis heute verfolgt und auch meine Teenagerjahre bis heute geprägt hat. Ich erinnere mich an Spaziergänge, die für mich fast nicht zu bewältigen waren,weil ich vor Hunger kaum laufen konnte, während ein anderes Kind so überfüllt war,das es auf dem Weg erbrach. Bei diesen Spaziergängen dachte ich mir Situationen aus in denen ich Essen kaufen ging und meine Familie bekochen würde. Sie wären stolz auf mich. Wir mussten dort auch zur Gymnastik. Meine Mängel an Selbstbeherrschung war dort ständig Thema. Asthma? Natürlich. Ich sei zu fett und deswegen bekäme ich keine Luft. Täglich fragte ich wann Mama komme um mich abzuholen. Die Antwort war immer dieselbe "wenn du nicht mehr so dick bist"..Ich begann nachts einzunässen, weswegen ich viele Nächte auf der Treppe sitzend verbringen musste. Die Angst nicht mehr abgeholt zu werden war riesengroß. Nach sechs Wochen wurde ich abgeholt. Zehn Kilo leichter. Auf Bildern aus dieser Zeit sehe ich ein ernstes,fast trauriges sechsjähriges dünnes Mädchen.
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Makrele aus Hamburg schrieb am 27. Oktober 2021
Ich war ca. 1963, mit 5 Jahren in den Taunus verschickt. Ich erinnere mich daran, das ich fast immer für irgendetwas bestraft wurde. Ich wusste nie richtig wofür eigentlich. Ich musste quasi immer im Bett bleiben, mir wurde die ganze Zeit mein Teddy entzogen, ich durfte die Gute Nacht Geschichte nicht hören und ich musste auch sehr oft am Jungs-Tisch sitzen.
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Anonym schrieb am 27. Oktober 2021
als 7jährige wurde ich für 6 Wochen zur "Kindererholung" an die Nordsee geschickt. Meine Eltern glaubten wohl fest daran, mir auf diese Weise schöne Sommerferien ermöglichen zu können. Die "Tanten" im Heim waren ziemlich spaßbefreit und sehr streng. Grundsätzlich MUSSTE immer aufgegessen werden und man durfte, bevor der Teller nicht leer war, keinen Schluck trinken! Ich wurde beim vorzeitigen Trinken erwischt und wurde dafür an den "Katzentisch" verbannt. Auch war es mir oft nicht möglich, die komplette Mahlzeit aufzuessen. Zur Strafe durfte ich oft nicht mit den anderen Kindern zum Strand sondern wurde für den ganzen Tag ins Bett verbannt. Dort heulte ich mir die Augen aus und einmal habe ich infolge des psychischen Drucks in meiner Verzweiflung ins Bett gemacht. Natürlich hatte ich wegen dieses Vorkommnisses eine höllische Angst vor weiteren Bestrafungen und konnte mich überhaupt nicht mehr beruhigen. Die Putzfrau war mein rettender Engel: sie zeigte mütterliches Mitgefühl, half mir durch schnellen Bettwäschewechsel, dass die "Tanten" von meinem nassen Bett nichts erfuhren, und sie nahm mich tröstend in die Arme. Ich war dieser Frau unendlich dankbar, sie war für mich das einzige Wesen, das Menschlichkeit zeigte!
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Elke Kühn aus Frankfurt am Main schrieb am 20. Oktober 2021
Ich wurde damals innerhalb von 6 Wochen von 20 auf 30 kg "gemästet".

Zum Frühstück gab es ein mit Marmelade belegtes Brot und 3 (!!!) Teller Haferflockensuppe oder Makkaroni in Milch. Mittags gab es einen Teller Suppe und 3 Teller mit Hauptspeise (Gulasch mit Nudeln o. ä.). Danach war Mittagsruhe für 2 Stunden. Anschließend gab es eine Tasse Kakao und ein Milchbrötchen. Abends dann wieder einen Teller Suppe und 3 (!!!) Teller mit dem Hauptgericht. Wer nicht alles aufgegessen hatte, der wurde ind Bett geschickt damit bestraft, dass er z. B. am Kasperletheater nicht teilnehmen durfte. Ich war damals in der "Staren"-Gruppe und musste miterleben, dass Kinder die Mahlzeiten in den Teller erbrochen haben und vor lauter Angst vor Bestrafung das Erbrochene aufgegessen haben.

Ich war damals in der "Staren"-Gruppe und wir hatten eine sehr liebe "Gruppentante". Während der Mittagsruhezeit hat aber oft ihre Schwester Ulrike die Aufsíchtsrunde gedreht, die nachgeguckt hat, ob wir auch alle brav schlafen, Wurde jemand mit offenen Augen entdeckt oder hat den Eindruck erweckt nicht tief zu schlafen, wurde er von den Privilegien der fest schlafenden Kinder ausgeschlossen und dazu gab es auch noch eine Ohrfeige,

Wir mussten auch in der Strandhalle splitterfasernackt um im Kreis aufgestellte Höhensonnen mit schädlichen UV-Strahlen herum tanzen. Ausnahmen gab es keine.

Nur meiner sehr lieben "Gruppentante" habe ich es zu verdanken, dass ich Amrum auch etwas Gutes abgewinnen konnte. Sie hatte uns auch ohne Zwangsmaßnahmen immer im Griff.
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Anonym schrieb am 18. Oktober 2021
Ich war 1963 mit meiner Schwester sechs Wochen im Kinderheim Köhlbrandt in St. Peter Ording. Wir haben die Zeit überwiegend positiv erlebt, die "Tanten" waren jung und nett und die Atmosphäre angenehm. Weniger gut fanden wir, daß man, was früher aber üblich war, den Teller leer essen mußte und daß die Briefe nach Hause durchgelesen und manchmal sogar mit Kommentaren versehen wurden. Nachts saß auf dem Gang eine winzigkleine, uralte Schwester mit Schwesternhäubchen, Sr. Maria, vor der wir fürchterliche Angst hatten, da sie die Kinder, die auf Toilette gehen mußten, heftig ausschimpfte. Ins Bett machen durfte man allerdings auch nicht.

Was in diesem Kinderheim wirklich nicht in Ordnung war: Einmal die Woche mußten wir uns splitterfasernackt ausziehen und wurden immer in Vierergruppen in ein Zimmer geführt, wo an einem langen Tisch das Heimleiterehepaar saß, Herr und Frau Köhlbrandt, daneben ein "Arzt" sowie seine Ehefrau. Diese betrachteten uns, sprachen zu jedem Kind ein paar nette Worte, "begutachteten" den Kurerfolg, dann mußte man sich umdrehen und wurde noch von hinten angeschaut und schließlich ging es im Gänsemarsch wieder raus, wo sich die nächsten vier Kinder bereitmachten. Meine Schwester, die in einer anderen Gruppe war, sagte mir neulich, ja, das fand sie auch nicht angenehm. Nicht angenehm? Ich würde sagen, sowas wäre heute ein absolutes Unding. Aber es war damals einfach nicht üblich, daß Menschen sich wehrten. Wir Kinder wurden ja jede Woche gewogen, daran hätte man den Kurerfolg auch ablesen können.Traumen haben wir damals wohl nicht erlitten, aber im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in St. Peter Ording muß ich doch immer wieder daran denken, wie unwohl ich mich bei dieser wöchentlichen Vorführung fühlte.
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Tine schrieb am 3. Oktober 2021
Ich war 1986 mit 3 Jahren für 6 Wochen im Bad Frankenhausen. Ich habe nur ganz fragmentarische Erinnerungen. Als ich von dir, Mandy, das mit den Scheinwerfern gelesenen habe, kam mir das Bild sehr bekannt vor. Ich erinnere mich, dass ich eine Nacht als Strafe mit 2 eindrucksvollen Aufpasserinnen im Flur sitzen musste, weil ich bei der Kontrolle nicht geschlafen oder erzählt hatte. Dann noch, dass ich öffentlich dafür gedemütigt worden bin, weil ich eingepullert hatte. Eine dritte Erinnerung ist, dass während des Essens herablassend kommentiert worden ist von den Betreuerinnen, dass ich als erste am Tisch saß und ich so verfressen sei. Ich war sehr dünn und wegen schwerer Bronichitis dort, aber ich hatte immer guten Appetit.
Meine Mutter berichtet, dass ich meine Sachen im A4 Format zusammengelegt habe, als ich wieder kam. Und dass man ihr geschrieben hatte, ich wäre fast die ganze Zeit auf der Krankenstation gewesen.
Mit 21 Jahren, als ich alleine in eine andere Stadt umziehen wollte, bin ich schwer mit einer Panikstörung und Depression erkrankt. Bis heute habe ich immer wieder Schwierigkeiten in Stress- und Veränderungssituationen und habe zum Beispiel Krankheitsausbrüche durch Reisen. Im Lauf einer Therapie habe ich innerlichen Kontakt zu diesem dunklen Fleck meiner Kindheit aufgenommen und mein Bauch sagt mir, dass diese frühe Verschickung der Kern meiner Erkrankung und meiner inneren Haltlosigkeit sein muss. Ich habe gelesen, dass bis zu 60% der Verschickungskinder ähnliche Erkrankungsbilder aufweisen, was mich sehr getroffen hat.
Ich freu mich, wenn sich hier noch andere ehemalige Kurkinder aus diesem Heim und dieser Zeit melden würden, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
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rudi schrieb am 1. Oktober 2021
Vorab: Hier wird von "von Misshandlungen/Missbrauch" geschrieben. Ich habe mich da nicht wohl gefühlt, aber als Misshandlungen/Missbrauch habe ich es damals nicht empfunden. Und wenn ich mit anderen Erlebnissen hier vergleiche, dann ging es mir dort relativ gut.

Die Kur war in den Sommerferien, deshalb waren auch Aushilfskräfte als Erzieherinnen tätig.
Manche Erzieherinnen waren freundlich, andere sehr streng. Man wußte nie, woran man war.

Allgemeine Drohungen waren z.B. „Wenn … dann wirst du nach Hause geschickt, und deine Eltern müssen die ganze Kur bezahlen.“ Oder „Wenn ... , dann bleibst du noch den nächsten Durchgang hier.“ Letzteres bekam ich beim (Nicht-richtig-)Essen oder Wiegen öfter zu hören. Zum Wiegen habe ich mir immer Sachen in die Schlafanzugtasche gesteckt, um schwerer zu sein. Das Essen war meistens gut. Aber es gab 2 mal Frühstück, dabei einmal immer einen Brei oder Puddingsuppe. Manche Erzieherinnen achteten darauf, wirklich alles aufzuessen, auch die Milchhaut (die ekelt mich). Vor-dem Teller-sitzen-bleiben, bis alles aufgegessen, oder aber alle am Tisch mußten den gesamten Tischdienst übernehmen.

Alle Kinder, ich war 11 und manche deutlich älter, mußten Mittagsschlaf machen. Bei Nichtschlafen drohte die Verlegung in den Schlafraum der kleinen Kinder, welcher an der Flurseite ein durchgehendes Fenster hatte und gegenüber dem Erzieherzimmer lag. Wir mittleren und die größeren hatten normale 4- oder 6-Bettzimmer. Ob man in der Schlafenszeit auf die Toilette durfte hing auch von den Erzieherinnen ab. "Du bist groß genug und kannst vorher gehen oder dich jetzt zusammenreißen. Wenn nicht, dann kannst du jetzt gehen, bekommst dann aber eine Gummihose." Da ich bei Bettenmachen bemerkt hatte, daß auf der Matratze ein großes rotes Gummituch lag (ich schämte mich deswegen, aber das war sicher in allen Betten so; und ich fand es eklig) nahm ich die Drohung ernst. Ein anderer Junge hat sogar mal aus dem Fenster gepinkelt.

Insgesamt habe ich die Kur trotzdem nicht "schrecklich" in Erinnerung.“

Wir hatten wegen der Sommerferien keinen Unterricht, den es sonst wohl gab. Dafür waren wir relativ oft draußen. Hinter dem Heim war ein Wald, Wanderungen gingen zB zu den Teufelsmühlen. Also habe ich auch positive Erinnerungen.

Auf dem Fragebogen hatte meine Mutter „schlechter Esser“ angekreuzt und so etwas wie „unruhiges“ oder „zappeliges Kind“. Beides war sicher richtig, und vielleicht nahm ich deshalb an, dass „es so sein soll“ bei einer Kur.
Das Sanatorium hatte einen Teil für Erwachsene, der Seitenflügel war für Kinder. In dem Durchgang waren Kinder im Alter von etwa 6 bis 16, nur Jungen.
War deshalb das Essen besser, als ich es hier in anderen Berichten lese? Und vielleicht konnte man mit größeren Kindern auch nicht ganz so umspringen wie mit (nur) kleinen Kindern?
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Peter Garner schrieb am 24. September 2021
Ich war mit meinem Zwillingsbruder Ende der 1960er Anfang 1970er an zwei aneinander folgenden Jahren im Jugendkurheim Haus Blender in Wiggensbach, Kempten im Allgäu. Anfangs natürlich stark vom Heimweh geplagt, waren wir immerhin zu zweit was es uns einfacher machte. Es gab damals zwei größere Gebäude sowie links eine Art langestreckte Baracke, die gibt es auch heute noch. Warum weiß ich nicht, aber mein Bruder und ich waren anfangs zuerst in der Baracke untergebracht, vielleicht weil es in den Hauptgebäuden keine freien Betten mehr gab. Wir waren die einzigen Kinder, die dort untergebracht waren. In der Baracke war auch ein Turnsaal in der auch Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen gehalten wurden. Ich erinnere mich an viele Wanderungen sowie an einem Tagesausflug nach Füssen zu Schloss Neuschwanstein. Wir waren auch im Freibad in Wiggensbach. In dem Hauptgebäuden gab es achter Zimmer mit Doppelstockbetten. Wir bemerkten nachts eigenartige Knabbergeräusche und entdeckten morgens Hinterlassenschaften von Mäusen. Nachdem Fallen aufgestellt wurden, hatten wir es bestätigt bekommen: in dem Haus gab es Mäuse. Mein Bruder und ich sind Jahrgang 1960 so mussten wir als wir da waren etwa 9 - 11 Jahre alt gewesen sein. Ich erinnere mich an eine junge Frau die Sieglinde hieß, sie war deutlich älter als ich, etwa 16 und ich war unsterblich in sie verliebt. Sie machte damals eine Ausbildung als Zahnarzthelferin in Donauwörth wo sie auch herkam. An das Personal kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, auch nicht an das essen. Ich weiß wohl, es gab in dem Turnsaal auch ein Klavier und eine Dame (vielleicht war es die besagte Sieglinde) hatte sich die Zeit genommen meinem Bruder Beethovens Mondscheinsonate auf Klavier beizubringen. Ich kann mich an keinerlei Misshandlungen oder Schikanen vom Personal erinnern, ich würde sagen, sowas gab es im Haus Blender nicht.
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Wolfgang Mählen aus Gelsenkirchen schrieb am 28. August 2021
Ich habe nur beste Erinnerungen an meine zwei, jeweils 6 wöchigen Aufenthalte. Einmal wurde mir die Nase zugehalten um mir einen Löffel Milchreis zu verabreichen. Leider ging das schief, denn als ich wieder atmen konnte war der Milchreis wieder auf dem Teller. Man hat es dann weggeräumt und ich bekam ein Brot mit Tomaten und sogar noch eins. Das war immer Samstags. Abwechselnd gab es Milchreis und Grießbrei…..
Ich mag das bis heute nicht. Nach dem ersten Samstag brauchte ich auch den Grießbrei nicht zu essen. Ansonsten erinnere ich mich gerne an die langen Spaziergänge zum Goldfischteich und Muscheln suchen am herrlichen Strand. Einige Male durften wir sogar bis zum Bauchnabel in die Nordsee. Es waren schöne und unbeschwerte Zeiten die ich sehr genossen habe. Auch beim Zweiten Aufenthalt lief es ähnlich ab, mit dem kleinen Unterschied am ersten Samstag Abend, eine der Erzieherinnen hat mich erkannt und ich brauchte weder Milchreis noch Grießbrei essen. Sehr gut kann ich mich daran erinnern, dass der Seegraf Luckner, wohl schon fast 90 Jahre alt, einige Geschichten und Erlebnisse erzählt hat und zum Schluss ein dickes Telefonbuch zerrissen hat. Und ein Buch aus der umfangreichen Büchersammlung habe ich bei beiden Aufenthalten gelesen, der Titel ist mir entfallen, aber es ging um das Fliegeras Ernst Udet aus dem ersten Weltkrieg.
Wie gesagt, viele Kinder haben nachts geweint, weil sie Heimweh hatten, aber gequält wurde keiner von uns, im Gegenteil, die Erzieherinnen waren alle supernett und nicht wirklich streng.
Ende des Jahres werde ich die Insel Juist besuchen und in Erinnerungen schwelgen. Ob es den kleinen gemauerten Dorfteich noch gibt? Da durften wir die von unserem Taschengeld gekauften Schiffe fahren lassen.
Ach ja, einige Eltern haben Päckchen mit Naschkram geschickt, meine auch. Das wurde unter allen Kindern geteilt. Ich fand das damals schon okay und heute weiß ich, dass damit ein Grundstein für mein soziales Engagement gelegt wurde in Bezug auf Teilen und Verzichten.
Fall sich jemand an den kleinen rotblonden Wolfgang erinnern kann, nur zu, schreibt mir gerne. Ich werde demnächst ein paar Fotos online stellen, die muß ich nur von meiner 91jährigen Mutter holen, die kann mir sicher auch die genauen Zeiten sagen zu denen ich nach Juist verschickt wurde.
Vielen Dank an die Familie Weinrank die das Erholungsheim geleitet haben!
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Fiete Lüttenhus aus Hamburg schrieb am 28. August 2021
Ich war nicht nur klein, sondern auch extrem dünn und wurde dann im Jahr 1951 nach Niendorf /Ostsee in das St.Antoniushaus (Katholisches Kinderheim) verschickt es sollte zur Erholung sein, für uns Kinder war es teilweise aber der Horror. Hier nur ein paar Beispiele.
Zum Essen gab es sehr viel Kohlsuppen und Kohl als Gemüse auf jeden Fall immer ziemlich Fett- und Geschmacklos dafür aber oft mit Raupen Würmern und anderem Getier wenn wir die raussortierten wurden sie von den Schwestern aber überwiegend von den Nonnen wieder in das Essen gerührt und wir wurden gezwungen es aufzuessen wenn sich jemand erbrach und es landete auf dem Teller so musste Er oder Sie es trotzdem aufessen, anschließend sauber machen und zur Strafe in der Badewanne im Bad alleine schlafen.
Ein andermal war ein starkes Gewitter und wir lagen in der Liegehalle beim Mittagsschlaf als ein kalter Kugel-Blitz in das Dach des Haupthauses einschlug und auf der anderen Dachseite wieder herauskam und dann am Haus runterrollte. Die Nonnen lagen nur auf den Knien und waren beim Beten. Für uns Kinder war es aufregend, wir haben zugesehen wie alles passierte und hörten dann Schreie aus dem Haus, von den Nonnen rührte sich weiterhin keine. Da sind wir mit ein paar Kindern einfach in das Haus gelaufen, trotz der Rufe das wir in der Liegehalle bleiben und mit beten sollten. Als wir ins Dachgeschoss kamen roch es dort stark verbrannt und aus einem Zimmer kam stöhnen und weinen, als wir die Tür nach langem zögern öffneten, saß dort auf dem Metallbett Fräulein Edith, eine Helferin die wir am liebsten hatten und konnte sich nicht mehr rühren, wir sahen das ihre Haare verbrannt waren, sie war nicht ansprechbar, ein paar von uns blieben im Zimmer und ich lief mit ein paar anderen Kindern nach unten um endlich Hilfe zu holen aber die Nonnen waren immer noch beim beten. Da wir wussten das im Nachbar Kinderheim ein Arzt war liefen wir dort rüber und sagten dort was wir gesehen hatten der Arzt kam sofort mit und ließ noch einen Krankenwagen rufen weil er wohl merkte das es ernst war.Er lief ins Haus und wir mussten unten auf den Krankenwagen warten.Da endlich kamen auch die Nonnen und wollten uns wegscheuchen aber wir hatten ja einen Auftrag vom Arzt und blieben, uns wurde Strafe angedroht aber das störte uns nicht. Als dann der Krankenwagen endlich kam, das dauerte lange, ich glaube der kam immer aus Lübeck, wurde Frl. Edith ins Krankenhaus gebracht und dann kam für uns Kinder das Größte, der Arzt schrie in unserem Beisein die Nonnen an „was sie sich dabei gedacht hätten“ keine Hilfe zu holen und wollte sie wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Wir hatten danach noch weniger zu lachen und ob der Arzt sie wirklich angezeigt hat haben wir nie zu wissen gekriegt.Fräulein Edith aber kam nach ein paar Wochen wieder und hat sich bei uns mit einem großen Eis bedankt, blieb aber nicht mehr lange.
Aber wir mussten bleiben, mussten als evangelische Kinder an den Katholischen Gottesdiensten und an Andachten teilnehmen, hinter Weihrauch schwenkenden Messdienern? herlaufen, mir wurde immer schlecht von dem Geruch (Gestank).
Dann wurden auch noch Kinder mit Diphtherie krank und wir wurden alle untersucht ob wir uns angesteckt hätten bei mir und ein paar anderen Kindern war es der Fall aber wir waren nur Bazillenüberträger, mussten trotzdem in Quarantäne ins Kinderkrankenhaus nach Lübeck. Dort blieb ich fast 3 Monate, alle drei Tage wurde ein Nasen- und Rachenabstich gemacht oft waren die 1-2x negativ und beim 3ten wieder positiv. Dreimal negativ ist aber Vorraussetzung für die Entlassung. Meine Mutter konnte mich nur einmal im Krankenhaus besuchen, da fehlte das Geld, Nach fast 3 Monaten gab uns eine junge Schwester ein Glas Bienenhonig, den sie von einer Mutter eines Mitpatienten erhalten hatte, mit einem Zettel als „Gebrauchsanweisung“: Jeden Tag kurz vor dem Abstrich in Wasser aufgelösten Bienenhonig durch die Nase! trinken und runterschlucken und zwar alle im Zimmer, nach etwas Übung klappte es auch und siehe da, nach dem 3.ten Abstrich waren wir immer noch negativ und wurden bald darauf entlassen. Aber leider nicht wie erhofft nach Hause sondern „zur Erholung“ wieder in das Kinderheim, trotz Protestes bei den Ärzten, unsere Eltern meinten es ja nur gut mit uns! und über die Zustände im Heim wussten sie nichts trotz der Karten die wir geschrieben hatten denn die, in denen wir davon berichteten wurden von den Nonnen nicht weitergeleitet denn wie wir später erfuhren wurde unsere ganze Post gelesen und nur die ohne Hinweis auf die Zustände zur Post gegeben. Ich erfuhr das aber erst zu Hause das viele Karten nicht angekommen waren (Briefe durften wir übrigens nicht schreiben,die wurden in unserem Beisein gleich zerrissen) im Nachhinein weiß ich auch warum, es wurde damals aber nichts unternommen, das wäre heute zum Glück anders.
Ich kam zurück nach Haus und war trotz des „tollen“ Essens im Heim richtig pummelig geworden, ich hatte nicht einmal mehr sichtbare Kniescheiben, das änderte sich aber schnell durch unser Toben Zum Glück hat dieser, im Nachhinein würde ich sagen " Horroraufenhalt", keine Folgen für mich gehabt.
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sus.ie aus Kassel schrieb am 26. August 2021
Ich bin 1981 in Mühlhausen/ Thüringen geboren. Als Kind war ich oft erkältet mit starkem Husten, weshalb mir auf anraten eines Arztes eine Kur verordnet wurde. Ich sollte für 6 Wochen nach Binz in das Kindersanatorium Frohe Jugend geschickt werden. Mein Aufenthalt war vom 11.08.1986 -19.09.1986. Leider kann ich mich an sehr wenig erinnern.
Ich erinnere mich, dass mich mein Opa an den Busbahnhof in Mühlhausen gebracht hat. Meine Mutter musste arbeiten. Ich habe im Bus (gefühlt) die ganze Fahrt geweint. Die Erzieherin die mitgefahren ist, war nett und tröstend zu mir. Ich habe ihr gesagt, dass ich Kopfschmerzen habe und sie hat mir erklärt, dass dies vom vielen weinen käme. Ich habe sie dann gefragt, ob sie dann auch da ist wo wir jetzt hinfahren. Sie hat es verneint und ich konnte mich kaum noch beruhigen.
Meine nächste Erinnerung ist, dass ich nachts wach werde, weil ich ins Bett gemacht habe. Ich erinnere mich an einen langen, großen, hohen Flur - ich nehme an, weil ich so klein war. Ich hatte Angst und Schamgefühle. Ich weiß, dass es nicht gut war, dass mir das passiert ist aber ich habe leider keine Bilder mehr was genau danach geschehen ist.
Eine weitere Erinnerung ist eine Art Klassenraum in dem wir, glaube ich, die Karten bemalen sollten, die die Erzieherinnen geschrieben haben. Diese Karten gab es auch noch lange Zeit bei meiner Mutter. allerdings kann sie außer der beiden Fotos keine weiteren Unterlagen mehr finden.
Ich hatte/habe in meinem Leben mit erhebliche psychische Beeinträchtigungen zu kämpfen, wie z.B Ängste, Unsicherheiten und Depressionen. Ich bin insgesamt seit über 10 Jahren in therapeutischer/ psychoanalytischer Behandlung. Da aber auch noch andere Faktoren in meinem Leben nicht so optimal waren, gehe ich davon aus, dass nicht alle Schwierigkeiten in meinem Leben im Zusammenhang mit der Kur stehen. Wenn ich jedoch die Berichte hier lese, denke ich, dass auch dies vermutlich keine guter Ort für mich war. Leider kann ich mich kaum erinnern. Etwas Hoffnung, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen sein könnte, habe ich, weil ich zum einen verhältnismäßig spät (1986) dort war und ich zum anderen bisher noch keine Berichte über diese Einrichtung hier gefunden habe.
Vielleicht erkennt sich hier jemand auf dem Gruppenbild, welches ich hochgeladen habe.
Liebe Grüße
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Karin aus 48565 Steinfurt schrieb am 26. August 2021
Erst mal ein grosses Danke an alle die schon den Mut gefunden haben ihre Erlebnisse aufzuschreiben.
Ich selber bin mit 6 Jahren verschickt worden.Ich hatte Kinderasthma laut meinen Eltern.
Ich habe wenig Erinnerung an all DAS...Aber das wenige verfolgt mich schon seidem das ganze Leben.
Ich habe Anfang diese Jahres ein Bericht gesehen im Fernsehen über Verschickungskinder ,und war gefesselt.
Ich durchlebte viele Gefühle...über Gänsehaut ..weinen..Angst ..Zorn ..Hilflosigkeit..und endlich war ich mit meinem erlebten nicht mehr alleine..denn Zuhause wurde vieles nicht geglaubt oder verharmlost.
Das Kurhaus war in Braunlage/ Harz. Ich kann mich aber nicht daran erinnern wie der Name war..Als damals 6 jährige fühlte ich mich alleine gelassen..ausgeliefert..wir schliefen mit mehreren Kindern im Zimmer...das Nachts abgeschlossen wurde..es haben viele geweint..Ich hatte ein Teddibär mit bekommen den hielt ich im Arm und weinte heimlich leise in ihm rein....um so schlimmer war es als Kinder versuchten ihn mir zu nehmen und dabei ein Bein rausrissen..Das Gefühl kommt gerade wieder hoch und ich muss schlucken...Es wurde mir was genommen..zerstört was mir Dort Halt gab..
Die Pakete die von Zuhause kamen wurden im Gemeinschaftsraum geöffnet und der Inhalt an alle Kinder verteilt..Ich bekam auch eins und kann die Bilder noch vor mir sehen...Es wurde aufgemacht und ich sah Haare von einer Puppe...Ich sprang nach vorne habe sie mir geschnappt und sie an mich gedückt und gesagt ..das ist meine und bin damit in mein Zimmer gerannt..
Diese Puppe habe ich noch Heute..zur Zeit aber auf dem Dachboden...Kinder in unserem Schlafzimmer wurden in einem kleinem dunklem Raum gesteckt wenn sie sich nicht an den Regeln gehalten haben.
Ich bin mir nicht ganz sicher..aber es gab auch Züchtigungen ..diese aber nach meiner Erinnerungen ..ehr an grössere Kinder..die auch mal wagten ein nein auszusprechen..
Gab es so einen Vorfall ..wurden wir kleinen Kinder weggeschickt und hörten so nur Schreie und ich würde sagen Schläge, und das besagte Kind wurde den ganzen Tag nicht gesehen.
Reden durften wir nicht darüber..denn dann wären wir auch dahin gekommen und man lies durchblicken das es dort wo man dann hinkommt nicht schön war.
Das was es zu Essen gab muste man auch aufessen..Einmal gab es Schmalz auf Zwieback zum Frühstück..ich mochte es nicht und habe es verweigert .
Ich muste davor sitzen bleiben bis ich es aufesse..
Ich sahs Nachmittags noch alleine davor . Zu Mittag gab es für die anderen den Mittagstisch ...Ein Junge neben mir hatte wohl ein einsehen...ein schneller Griff als die Aufseherin nicht hinsah und der Zwieback war in seinem Mund..
Wenn ich heute nur Schmalz rieche wird mir schlecht.
Wir musten uns auch selber anziehen...Wir hatten einen Schrank worauf unsere Nummer war..Alles was zu mir gehörte muste vorher von meiner Mutter mit einer Nummer versehen werden..In den Kleidungsstücken genäht und an Bechern oder Zahnbürste geklebt.
Es hat keinem gekümmert was man anzog oder klar kam mit den Sachen...Ich hatte laut meiner Mutter wohl immer das gleiche an weil es wenige Sachen gab die sehrrr deckig waren und die anderen unberührt.
Ich hatte ein neues Kleid extra für die Kur bekommen..das trug ich als es nach Hause ging.
Ich habe wohl einiges verdrängt..aber ich reagiere auf einige Sachen sehr heftig und weis das kommt aus dieser Zeit..
Ich denke da kommt noch so einiges an Tageslicht..
So reagiere ich auch sehr auf Nonnen..Ich fühle mich sehr unwohl wenn ich sie sehe.
Verlust ist auch ein grosses Thema..und nicht gut genug zu sein.
Als es im Zug nach Hause ging, hielt er nicht sofort , sondern rollte noch mal an..Da bin ich histerisch geworden weil ich meine Eltern kurz vorher am Gleis hab stehen sehen .Es kam da so vieles hoch.
Ich hatte Panik das es wieder zurück ging. Ich fühlte mich verraten..alleine gelassen..verloren.
Und das man darüber nicht reden konnte machte es nicht besser.
Und was ich als sehr schlimm pfand, war das meine Eltern sagten wenn ich was nicht richtig gemacht hatte..
Wenn du nicht lieb bist kommst du wieder zur Kur.
Wie ich gerade bemerke kommt da so einiges an die Oberfläche..
Da ist es für mich hilfreich zu sehen ,ich bin nicht alleine und ich habe mir nichts eingebildet oder erfunden.
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Anke Schuenemann schrieb am 26. August 2021
Ich war 5 Jahre alt und untergewichtig. Sie haben mich 5 (oder 6?) Wochen nach Glücksburg geschickt. Ich war extrem einsam, eingeschüchtert und starr. Das sind meine Erinnerungen:

1) Ich gehörte der Eichhörnchen Gruppe an. Im Flur hatte ich ein Fach, wo meine Sachen drin waren.

2) Wir schliefen in Gitterbetten in einem großen Schlafsaal auch mit größeren Kindern. Wir bekamen vor dem Einschlafen ein Betthupferl aus einer Dose, die in der Ecke auf einem Tisch stand. Einige Mädchen stahlen daraus Bonbons. Das wurde entdeckt und weil sie sich nicht gestellt haben und niemand sie verraten hat, bekamen wir kollektiv Schläge dafür. Dafür beugte sich die Frau in mein Gitterbett und haute mich.

3) Ich hasste auch schon vor der Kur gekochtes Essen. Ich erinnere mich, dass es morgens für jeden nur eine Scheibe Brot mit Nutella oder so gab. Ich bin davon nicht satt geworden. Dafür haben sie mich mal gezwungen, Linsensuppe aufzuessen. Die Frau blieb neben mir sitzen solange bis mein Teller leer war. Furchtbar für mich. Eintopf war für mich das schlimmste. Alle Kinder durften den Saal verlassen. Ich musste sitzen bleiben mit der Frau an meiner Seite.

4) Einmal gingen wir in Zweierreihen die Treppen hoch. Von oben kam eine Frau, die mein Stofftier in der Hand hatte. Ich musste es wo verloren haben. Sie hat gefragt, wem das gehört. Und ich habe mich getraut aufzuzeigen, weil ich nicht wollte, dass mich jemand ansieht, dass ich auffalle. Ich wusste gleichzeitig, dass das Tierchen für immer verloren ist, wenn ich mich nicht melde. Aber ich konnte nicht.

4) Einmal gingen wir Muscheln sammeln. Ich bekam eine kleine Plastiktüte in die Hand gedrückt, wo ich die Muscheln rein tun konnte. Es gibt ein Foto von mir am Strand, ich habe dabei den Kopf ganz dicht am Boden, man sieht mein Gesicht nicht. Ich erinnere mich, dass ich es am Strand sehr schön fand, aber ich war total alleine, hatte keinen Kontakt mit irgendwem.

Ich habe versucht, hier sachlich zu schreiben. Und nicht meine ganzen Gefühle dazu zu mischen. Insgesamt kann ich sagen: ich war sicher hinterher eine andere. Und ich glaube, meine Mutter hat bis heute ein schlechtes Gewissen. Ich traue sie nichts dazu zu fragen, weil ich Angst habe, sie damit zu belasten.

Einsamkeit, alles alleine wuppen zu wollen, Vertrauensprobleme und extreme Verspannungen begleiten mich bis heute und sind nachweislich darauf zurück zu führen. Ich bin ganz sicher davon traumatisiert und bin aber erst jetzt und auch immer noch dabei, mir das zuzugestehen.
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Diana aus Stade schrieb am 9. August 2021
Ich war im Spätherbst 1979 mit gerade mal 4 Jahren für mehrere Wochen zur Kur in Pomßen. An sehr viel Schnee erinnere ich mich. In meinem Leben hab ich immer wieder mal an diese Kur gedacht und mich als Erwachsene gewundert, wie man so kleine Kinder für so lange Zeit so weit von ihren Eltern entfernt zur Kur schicken kann! Ich war auch immer entsetzt, dass meine Mutter das zugelassen hat, aber sie sagte, der Arzt hat das für richtig befunden und deshalb wurde das dann halt so gemacht. Meine Mutter hatte mir vorher gesagt, dass ich zur Kur muss und ich fand das wohl auch toll. Ich erinnere mich noch an den extra neu gekauften Bademantel. Wahrscheinlich hab ich damals einfach noch kein Verständnis für das ganze Geschehen gehabt. Ich erinnere mich an eine nicht endende, sehr lange Busfahrt, denn ich kam aus Mecklenburg-Vorpommern. Unterwegs musste ich ganz dringend zur Toilette, aber ich musste ewig warten, bis der Bus anhielt und wir Kinder uns erleichtern konnten. Ich habe schon im Bus geweint, weil ich nach Hause wollte. Sowieso habe ich viel geweint vor lauter Heimweh.
Absolut eingebrannt hat sich bei mir, dass wir Kinder ganz oft für eine Weile im Kreis um eine Art Rotlichtlampe herumgehen mussten. Der Raum war dabei dunkel und es roch ganz eigenartig durch das erzeugte Licht und die abgestrahlte Wärme. Wir hatten nur die Unterhose an. Vielleicht waren wir auch ganz nackt, aber da bin ich nicht mehr sicher.
Wir haben viel gemalt, gebastelt und ich habe der Erzieherin diktiert, was sie meiner Mutter auf die Postkarte schreiben soll, die ich schicken durfte. Ich selbst habe auch Post bekommen.
Ich erinnere mich an Gitterbetten. Ich glaube, unter den Betten standen Pinkelpötte für die Nacht. Ich habe das Gitter von meinem Bett nachts runtergemacht oder bin drüber geklettert, wenn ich pinkeln musste.
Ich sehe eine großen Essensaal vor mir mit vielen Gruppentischen. Ich saß an einem Vierertisch. Einmal gab es einen Vorfall: ein Kind hatte in der Toilette mit Fäkalien die Wand beschmiert. Alle Kinder saßen im großen Essenraum und warteten auf das Essen, aber eine erboste Erzieherin rief durch den Saal, dass es erst etwas zu essen geben würde, wenn der Wandbeschmierer sich melden würde. Es hat sich endlos lange Minuten niemand gemeldet und es war totenstill - und dann hab ich mich gemeldet, obwohl ich es nicht war! Aber ich wollte wohl, dass die Warterei ein Ende hatte. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich musste dann die beschmierte Wand sauber putzen, während die anderen Kinder essen durften. Danach durfte ich dann auch wieder in den Saal zurück und wurde böse von den anderen Kindern angesehen, sodass ich dann noch geweint habe.
Ich erinnere mich an Zwillingsjungs und an eine sehr große Treppe, die vom Haus in den Garten führte. Wir waren viel draußen spielen.
Wieder zurück zu Hause habe ich für einige Zeit angefangen zu stottern. Das war vor der Kur nicht so. Aber was bis heute noch ist: ich habe mich nie mehr mit meiner Mutter wirklich verbunden gefühlt. Das muss nicht unbedingt an der Kur gelegen haben (ich war auch schon mit 8 Lebenswochen Krippenkind, was sicherlich auch zu einer gestörten Bindung beigetragen hat).
Ich erinnere mich nicht an schlimme Vorfälle, aber wenn ich an die Kur denke, geht es mir nicht gut dabei, denn Einsamkeit und das lange Getrenntsein von der Familie habe ich als etwas ganz Schreckliches erlebt. Ich habe bis heute Probleme, mich an Menschen zu binden und zu vertrauen.
Wer war noch in Pomßen? Würde mich über andere Erinnerungen freuen.
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Silvia Kröplien aus Hamburg schrieb am 29. Juli 2021
Alles, was die vorigen Berichte beschreiben von schlechtem Essen bis
Schlägen als Strafe für was auch immer habe ich in den drei Verschickungen erlebt. Mit fünf Jahren die erste. An den eigentlichen Aufenthalt erinnere ich nur einzelne Szenen wie Teller in die Küche tragen, Milchsuppe und Griesbrei und das furchtbare Verlassensein. Trost spendete mir nur der vertraute Geruch der Niveacreme, die mir meine Mutter eingepackt hatte. Mittagsschlaf , still sein und letztlich brav sein - was anderes blieb einem nicht übrig mit fünf Jahren.
Das wirklich Schlimme war der dramatische Abschied am Bahnhof Altona im Zug. Plötzlich begriff ich, dass ich jetzt alleine mit den Fremden Tanten und Kindern wegfahren musste. Schreie wie am Spiess und wehre mich mit Händen Füßen. Vater steht hinter meiner Mutter und dippert, sie soll jetzt kommen - aber auch sie kann sich nicht trennen. Plötzlich fährt der Zug los und beide stürzen aus dem Abteil und springen auf die Gleise aus dem fahrenden Zug. Ab da hab ich keine Erinnerung mehr an den Aufenthalt dort. Die chaotische Szene mit dem Sprung vom Zug erzählte mir meine Mutter erst, als ich erwachsen war.
Vor zwei Jahren hatte ich dann aus scheinbar heiterem Hinmel eine schlimme Panikattacke während einer Zugfahrt in Hamburg, sodass ich den Krankenwagen rufen musste. Während der Fahrt überfiel mich das Bild des chaotischen Abschieds von damals und ich sehe mich ohnmächtig zu Boden fallen mit schrecklichen Todesängsten.
Im Krankenhaus alle Untersuchungen gemacht ohne Befund mit dem Hinweis darauf, dass es eine Panikattacke/Angststörung und Depression gewesen sein könnte......
Was genau der Trigger war, weiß ich nicht genau - ganz sicher aber weiß ich, dass man Kindern so etwas nicht antun darf !
Nach sechs Wochen erkannte ich meine Eltern nicht wieder - ich war sehr verwirrt
danach. Die ganze Familie mit Schwiegereltern stand da am Bahnsteig und ich erkannte dann meine Oma an der lauten Stimme und ihr erster Satz war: „Wie sieht sie denn aus, sie hat ja alles falsch herum an ! „ Sechs Wochen sind für ein kleines Kind eine äonenlange Zeit.

Meine zweite Erfahrung war schon mit neun Jahren etwas bewusster im Erleben.
In Kellenhusen war es eigentlich nicht schlimm im Sinne von Misshandlungen und Einschüchterungen o.ä.
Es gab nur so unendlich lange Gewaltmärsche auf dem Deich entlang in so eine unendliche Leere hinein. Es kam mir so furchtbar sinnlos vor, ich verlor jeglichen Orientierungssinn - und das ist bis heute so geblieben. Dazu - trotz aller Freundlichkeit der Betreuerinnen - kam dieses trostlose elende Verlassenheitsgefühl, was mich meistens beim Essen überfiel und es mir Angst und bange wurde, sodass ich kurz vor einem Ohnmachtsanfall stand. Die Tante sah mich bleich werden und ging mit mir aus dem Saal, war sehr bemüht, aber ich wusste nicht, was mit mir los war und sie letztlich auch nicht.
Ich erinnere mich auch an nette Kreis-und Volkstänze Mädchen und Jungs gemischt
- das waren Glücksmomente. Aber letztlich fühlte ich mich verloren und konnte mich nur daran orientieren, dass
ES bald vorbei sei. Keine Erinnerungen an die Rückfahrt und Ankunft, ausser dass ich den Anschluss in der Schule nur schwer wieder bekam. Sinnigerweise musste ich außerhalb der Ferien ins Kurheim .....
So geschehen auch bei der dritten Reise ins Ungewisse mit dann 12 Jahren.
Immerhin war ein etwas älteres Mädchen aus meinem Dorf auch im Zug, die mir aber aus Überlegenheit nicht zugetan war und mich dort auf Sylt regelmässig in Pfanne haute vor den anderen Mädchen.
Die Frauen dort waren burschikose Erscheinungen und es herrschte eine
kontrollierte Stimmung unter der Knute einer Art Flintenweib-Heimleitung, die wahrscheinlich aus der Nazizeit mit herübergeschwappt war.
Auch hier endlose Märsche am Strand, deren Sinn ich überhaupt nicht erfasste, ausser dass ich ES nur zu tun hatte.
Bastel- und Malnachmittage ganz schön, turnen und Ballspielen, und Anekdotenerzählungen vor den Mädchen von dem Flintenweib, welches sich immer toll vorkam und so versuchte, sich anzubiedern bei uns. Einmal verstieg ich mich, sie nachzuäffen und schon war es aus mit witzig und sie klatschte mir eine saftige Ohrfeige.....
Dann wieder kleine Theaterspiele und Singen im Chor. Merkwürdige ärztliche
Untersuchungen mit ganz nackt ausziehen vor dem Flintenweib, hinlegen auf die Liege, wo mir die Beine weit auseinander gespreizt wurden( ? )....
Dabei Getuschel zwischen Ärztin und Flintenweib - man selbst war nur ein Objekt für die, alles beklemmend und beschämend für mich. Briefe schreiben nach Hause : Irgendwann schrieb ich dann an meine Grosskusine, mit der Bitte
sie möge meinet Mutter ausrichten, mir doch endlich mal zu schreiben - womit ich mir gleich nach der Rückkehr einen wütenden Rüffel seitens meiner Mutter einfing. Nichts mit liebevoller Begrüßung und in den Arm nehmen. Grad aus dem Zug gestiegen wollte ich mich meinem Vater in die Arme werfen und er sagt nur:
„ Alter Indianer kennt keinen Schmerz“ !

So taumelte man dann in den Schulalltag zurück und versuchte, wieder Boden unter die Füsse zu bekommen.
Ich weiß nur heute, dass ich ab da immer das Gefühl hatte, ich „gehöre irgendwie nicht dazu!“
Oder so merkwürdige Momente von Realitätsverlust und Orientierungslosigkeit von einem Moment auf den anderen.
Z. B. während der Autofahrt weiss ich plötzlich nicht mehr, wo ich bin und wohin es geht. Das ist jetzt nach über sechzig Jahren zwar nicht mehr so, ich schreibe es aber diesen Erfahrungen im Heim zu.
Das Verlassensein war das Schlimmste.

Also liebe Leute da draussen, was können wir tun nach diesen Erlebnissen ?
Ich versuche, meinem inneren verletzten Kind immer wieder zu sagen, dass es keine Schuld hat und es im Geiste in den Arm zu nehmen und so lange zu warten, bis es den Trost annehmen kann.
Es dauert und es tut weh, zu sehen WIE LANGE es dauert ! Liebe Menschen da draussen, es gibt aber etwas in einem, was heil geblieben ist. Ein Fünkchen Liebe
ist noch da - den müssen wir hegen und pflegen und lieben wie ein kleines Baby...
Das Erlebte bleibt und lässt sich nicht weg wischen - aber der Funke bleibt auch, sonst könnten wir nicht leben.
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Anonym schrieb am 27. Juli 2021
Hallo, danke sehr für Eure Berichte und Möglichkeit zu berichten-
Bei mir 1. Kinderkur im Harz im Winter 1963 ,mit 4 Jahren,
Kleines zu dünnes Mädchen alleine in die Bahn in Winterkur geschickt. Weinende Mama, aber ich selbst neugierig. Hausarzt sagte geht nicht anders "Kind muß dicker werden sonst nicht in die Schule mit 6 Jahren". Arzthelferin sehr nett, würde als Begleitung/ Betreuung der Kinder mit reisen,
Erinnerungen an diese liebe junge blonde Frau, das einzig gute. Einsam , weinend in den Nächten. Eingenässt ohne Hilfe am Morgen. Keine Hilfe bei Kleiderwahl. Dann immer nasse Wäsche an Heizkörper in der Nacht gelegt, morgens angezogen. Trotz Koffer voll Wäsche , nur gleiche Unterwäsche an. Zum Glück den geliebten Teddy dabei, und kleines Bild von Mama und Papa. Essen furchtbar :vorne an der Essenausgabe vor essen, bei Ekel mit Quarkgericht immer erbrochen, in nebenstehenden Eimer. und Zwang zum weiteressen. Bin nach 6 Wochen mit dick entzündeten Lippen heimgekommen. Ständig Angst alleine zu sein. Mutter geweint, alles geglaubt und versucht Anzeige zu machen. Hatte aber leider 1 Pfund zugenommen, deshalb keine Chance.
Kur 2 im Antoniusheim Niendorf, Timmendorfer Strand Ostsee. ca. 1965. Tatsächlich mein Mann auch dort gewesen wegen Bronchitis und Untergewicht. ca . gleichen Zeitraum
Beide bis heute Unwohlsein wenn wir Nonnen sehen. -dort gleiche <Maßreglungen bei Essensverweigerung oder unerlaubten Reden. An den Ohren hochgezogen bis zum Kopf der Nonne. Einzelstrafen ins Bett geschickt auch tagsüber. Wir waren vor 2 Jahren dort in der Nähe im Urlaub. Haben nach dem Heim gefragt. Heute ein Kinderheim. Hatten beide beklemmendes Gefühl, als eine Nonne auf den Strand lief der abgesperrt war. Sind wie die Kinder mit Dackel und Setterhund noch bis zum öffentlichen Bereich gelaufen. Sie hat uns nicht gekriegt ( Ha Ha) wenn es nicht so traurig wäre. Eine Dame die wir trafen , sagte das noch viele nach dem Heim fragen und wir nicht die einzigen mit schlechten Erfahrungen nachfragten.
Fazit ; Die Essstörungen bei mir haben mit ca mit 30 Jahren aufgehört. Die Angst alleine in einer Wohnung zu sein, erst als ich Hunde hatte. Mein Mann, hat die Nonnen so gehasst, das er bis heute nicht an Gott glauben kann. l.G Michaela
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Frank Gnegel aus Frankfurt schrieb am 26. Juli 2021
Ich war insgesamt drei Mal in den Jahren 1970 bis 1972 im "Kinderheim Kratz" in Bad Rothenfelde. Die Aufenthalte waren keine Kuren, sondern Ferienaufenthalte, die vom Arbeitgeber meines Vaters, der Fima Uhde in Dortmund (einen großen internationalen Ingenieurbüro) organisiert wurden. Man verstand es wohl als soziale Tat oder wollte den Eltern einen Uralub ohne Kinder ermöglichen. Bad Rothenfelde galt als Kinderkurort, ob aber das sogenannte "Kinderheim Kratz" wirklich ein solches war, kann ich heute nicht sagen. Viele Jahre später bin ich an dem Gebäude vorbeigekommen, da nannte es sich "Pension Kratz", war aber geschlossen.
Ich habe die Heimleitung als drakonisch und streng erlebt; die Aufenthalte waren wenig freudvoll und von Verboten, Regeln und willkürlichen Bevorzugungen geprägt. Kindgerechte Aktivitäten sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Stattdessen mussten wir Gartenarbeiten verrichten, etwa stundenlang Obst ernten, insbesondere Stachelbeeren. Die jüngeren Betreuerinnen - heute würde ich sie für Studentinnen halten - waren im Prinzip freundlich, tonangebend war aber die Heimleitung und sie mussten sich fügen und etwa Bestrafungen umsetzen, selbst wenn sie sie für überzogen oder unangebracht hielten.
Das Essen war grauenhaft und bestand oft aus dem, was im Garten geerntet wurde - Pflaumensuppe mit Backerbsen oder eingekochte Birnen aus dem Vorjahr. Es musste aufgegessen werden. Ich mochte etwa bestimmte Dinge - etwa Birnen - nicht und musste dann stundenlang alleine im Speiseraum sitzen und durfte nicht aufstehen, bevor ich nicht aufgegessen hätte. Meiner Schwester, die mich im letzten Jahr begleitete, erging es genauso. Wir aber waren willensstärker, aßen nicht und saßen stundenlang allein vor unseren Tellern. Wir wurden dann irgendwann von einer mitfühlenden Betreuerin erlöst; mussten dann aber Gartenarbeit leisten. Die älteren Kinder (Jungen) genossen Privilegien; freunde habe ich dort nicht gefunden.
Man musste sehr früh zu Bett - gegen 18.00 Uhr - durfte dann nicht mehr aufstehen. Selbst ein Toilettengang war dann mit Angst verbunden. Karten nach Hause wurden kontrolliert bzw. es wurde vorgeschrieben, worüber man schreiben sollte. Ich habe keine positiven Erinnerungen an diese Zeit.
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Renate Langewiesche aus 32756 Detmold schrieb am 24. Juli 2021
Ich war noch keine 5 Jahre alt, da wurde ich für 4 Wochen in das Herz-Jesu-Kloster geschickt. Weniger, weil ich eine Kur brauchte, aber meine Eltern wollten eine Kur machen und meine 9 Jahre ältere Schwester ihre Brieffreundin in England besuchen. Da man nicht wusste, wer sich um mich kümmern sollte, wurde ich, einem Ratschlag eines Arbeitskollegen meines Vaters folgend, in das Herz-Jesu-Kloster geschickt (obwohl wir evangelisch waren). Die Vorfreude während der Anfahrt aus Essen verflog schon ganz schnell. Natürlich kann ich mich nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Was ich aber noch weiß, sind tägliche Schläge und Beschimpfungen, wenn ich das für mich eklige Essen (verklumpte Milchsuppe, fettiges Fleisch) nicht essen wollte. Ich fühlte mich so ausgeliefert, hatte niemand (ausser einer netten, jüngeren Schwester, deren Einfluss begrenzt war), mit dem ich reden konnte, hatte immer nur Angst. Ich hatte immer gedacht, dass Schwestern nette Frauen sein müssten, aber ich hatte nur noch Angst, wenn ich sie nur sah. Als ich endlich wieder nach Hause durfte, war ich - wie man mir später erzählte - wie verwandelt. Einige Wochen habe ich nicht gesprochen.
Ich glaube, mein Urvertrauen in Menschen ist bei diesem Aufenthalt stark angegriffen worden. Mir war es immer wichtig, nie mehr ausgeliefert zu sein, auch nicht in einer Ehe oder als Mutter (Jahrg. 52, d.h. in meiner Zeit gab es kaum Kitas, und das Rollenbild war noch immer das der abhängigen Hausfrau).
Zum Glück währte dieses schreckliche, prägende Erlebnis nur 4 Wochen und blieb ein einzelner Vorgang. Aber auch heute, mit 68 Jahren, sind mir die Erlebnisse und die Angst noch vor Augen. Wie schrecklich für Verschickungskinder, die jahrelang ausgeliefert waren!
MfG
Renate Langewiesche
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