Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
Eure Daten werden keinesfalls an Dritte ausgegeben!!! Sollte jemand mit euch Kontakt aufnehmen wollen, fragen wir bei euch zuerst an und geben die Kontaktdaten nur an euch weiter. Somit könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Kontakt aufnehmen wollt oder nicht.



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Gaby aus Pulheim schrieb am 21. März 2021
Ich bin über Weihnachten verschickt worden,die Schule sagte ich bräuchte Erholung.
Ich weiß nur Bruchstücke,10 Jahre war ich.Das Kind neben mir mußte auch ihr Erbrochenes essen,wir waren gezwungen aufzuessen,morgens gab es meistens kalte Nudelsuppe mit Milch gemacht.Wir hatten alle Angst vor den Aufsichten,beim Mittagsschlaf durfte man nicht auf Toilette,hab mir aus Angst den Schlafanzug nass gemacht.Duschen,es gab einen kalten Waschsaal,wir wurden mit einem Schlauch abgesprüht,der Strahl tat weh.Die Weihnachtpäckchen wurden alle einbehalten die man bekam.Kein Kontakt zu Angehörigen erwünscht.Es war nicht wirklich schön.Ich grüße alle hier mal.
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Ute Dohle aus Osterode schrieb am 17. März 2021
Hallo, ich bin auch ein Verschickungskind. War 1967 mit 7 Jahren in Furpach, Saarland. Ich weiß von meiner Kindheit nichts - alles vergraben - wieso? Daher kann ich auch bei Gewalt nichts rein schreiben. Immer wieder hatte ich Depris und kam mit mir selbst nicht klar. Ehen, Partnerschaften, alles gescheitert. Ich werde irgendwann mal dort hin fahren, ob ich mich vielleicht dann an etwas erinnere? Wir werden sehen.
Vielleicht war noch jemand zu dem Zeitpunkt dort und weiß noch etwas?
Grüsse an alle Verschickungskinder! Ute
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Anonym schrieb am 15. März 2021
Durch Berichte in der Presse wurde ich auf das Thema aufmerksam gemacht und in mir wurden sofort schlimme Erinnerungen wach:
Ich wurde 1961 als 7jährige zusammen mit meinem 5jährigen Bruder dorthin geschickt, weil ich untergewichtig war und unsere Eltern uns etwas vermeintlich „Gutes“ tun wollten. Für mich ist es noch heute ein Trauma und ich habe vieles aus dieser Zeit nicht vergessen: Meine Post wurde korrigiert, dass ich fürchterliches Heimweh hatte und ich meine Eltern bat, uns abzuholen, wurde gestrichen und ich musste regelmäßig neu schreiben, dafür „durfte“ ich auch noch die Post von den anderen Kindern, weil ich ja so schön malen konnte, allein im Speisesaal nach dem Mittagessen dekorieren. Das war auch als Strafe gedacht, weil ich regelmäßig das Mittagessen erbrach, man zwang mich z B., die Haut vom Pudding zu essen oder die untergerührte Haut vom Kakao, der noch zusätzlich mit reichlich Traubenzucker gesüßt worden war, zu trinken. Das Erbrochene musste ich natürlich selbst aufwischen und meinen Teller aufessen. Auch musste ich die vollgemachte Hose und Unterhose meines kleinen Bruders auswaschen, wir durften ja nur geschlossen, wenn es angeordnet wurde, zur Toilette gehen und nicht, wenn wir wirklich „mussten“. Wenn wir im Solewasser in kleinen Holzwannen badeten, mussten wir zusätzlich noch Sole-Wasser trinken, auch das erbrach ich, musste aber meine Zeit in der Wanne damit absitzen. Meinem Bruder wurde Selbstgebasteltes einfach wieder abgenommen. Der zum Heim gehörende Spielplatz durfte aus mir unerklärlichen Gründen fast nie genutzt werden, stattdessen ging man mit uns zu einem stillgelegten Fußballplatz mit rostigem Tor. Das Schlimmste für mich war aber das Heimweh, das wohl auch durch die Angst vor der gestrengen Chefin, Fräulein Köhler, noch verstärkt worden war. Obwohl meine Eltern regelmäßig dort anriefen, wurde Ihnen gesagt, es ginge uns wunderbar, wir durften natürlich nicht ans Telefon. Das Resultat dieser 6-wöchigen Tortur war, dass ich noch 3 Kilo ab- anstatt zugenommen hatte, die Lippen mit Herpes übersät waren und ich lange Zeit nur „gabelspitzenweise“ essen konnte. Sicher habe ich vieles vergessen, aber insgesamt habe ich diese 6 langen Wochen als Hölle in Erinnerung und das alles damals unter dem Segen der Caritas!
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Wolfgang Kalthoff aus 46535 Dinslaken schrieb am 15. März 2021
Es war im März/April 1966. Ich war 9 Jahre alt und meine Eltern wollten mir was "Gutes" tun. Ich war immer dünn und sollte zunehmen. Mein Vater brachte mich zum Duisburger Bahnhof und verabschiedete sich von mir. Ich bekam, wie alle anderen Kinder, eine blaue Pudelmütze (als Erkennungszeichen) aufgesetzt. Damals wusste ich nicht wie lange sich 6 Wochen ziehen.....höllisch lange !!!
An Borkum (Tüskendör) habe ich nur 3 Erinnerungen (alles Andere hat wohl mein Bewusstsein/Unterbewusstsein) ausgeschaltet:
Erstens:
Während des Mittagschlafes...Augen zu...sonst Prügel...und es wurde geprügelt !
Zweitens:
Du isst dein Essen auf. Meistens Milchsuppe oder Haferschleim (bis heute habe ich eine Aversie vor diesen Produkten). Zumal mein Tischnachbar sich erbrochen hatte, die Spritzer in meinem Teller landeten und er und ich alles aufessen mussten. Heute (UNVORSTELLBAR).
Drittens:
Eine Inselwanderung.
Von Tüskendör aus ging es "gefühlt" einmal um die Insel. Die "Tanten" haben uns nichts zu trinken mitgegeben. Am Ende der Wanderung habe ich Meerwasser getrunken. Der Durst war zu gross. Seit dem weiss ich, dass Meerwasser salzig schmeckt.
Heute, mit 64 Jahren, denke ich immer noch an diese Zeit zurück.
An alle Verschickungskinder: Die meisten von uns haben es "Gott sei Dank" überlebt !!!
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Monika Braun aus 58730 Fröndenberg schrieb am 13. März 2021
Sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich wurde durch die TV-Sendung wachgerüttelt und möchte hier einige Details über den 6 wöchigen Aufenthalt in einem Kindererholungsheim 1965 mitteilen. Ich selbst war damals 7 und meine Schwester 5 Jahre alt. Es ging mit dem Zug nach Oldenburg.


Das Heim lag ausserhalb der Stadt mitten im Wald und ich weiss nicht, ob es evtl.über
die Awo vermittelt wurde.

Die anfängliche Strenge und penible Ordnung der betreuenden Schwestern war für uns zunächst sehr schwierig. Im großen Schlafsaal wurde ich eines Nachts am Ohr aus dem Schlaf gerissen und alleine in eine dunkle Kammer gesperrt. Ich war mir keinerlei Schuld bewusst, da ich fest geschlafen hatte. Meine Eltern und Geschwister wussten aber immer schon, das meine Augen nie ganz zu waren wenn ich schlief , so das hier wohl ein Missverständnis vorlag. Denn die Schwestern glaubten, ich sei der Störenfried im Schlafsaal. Es gab fast jeden Abend Stress, weil viele Kinder wegen Heimweh weinten.

Ich wurde dort zu Ostern 8 Jahre und durfte trotzdem nicht in die grössere Gruppe und musste weiterhin um 19.00 h ins Bett. Unsere Eltern schickten uns zu Ostern je ein Überraschungs- Ei mit Pralinen. Die deponierten wir in dem kleinen Nachttisch neben unseren Betten. Sie wurden aufgebrochen und gestohlen und wir weinten bitterlich. Wie konnte DAS sein, wo doch niemand unbeaufsichtigt allein in den Schlafsaal durfte?

Ich durfte keine Nachricht an meine Eltern schreiben, alles wurde geprüft, und meine Schwester konnte noch nicht schreiben. Negative Zeilen wurden zerrissen, und man durfte
dann nur noch einmal etwas Nettes senden.

Ich mochte zu der Zeit keine Tomatensoße und wurde von 3 Schwestern bis zum Erbrechen
zum Essen gezwungen. Danach musste ich mich nochmals alleine auf der kalten Toilette
übergeben.

In der Mitte unserer Kur bekam ich die Masern, wurde zu einem Arzt nach Oldenburg gefahren und musste dann 14 Tage in einem Dachzimmer isoliert verbringen. Ab und
an schaute eine dicke Köchin nach mir und brachte mir eine Orange vorbei. Sie sagte
dann, ich solle es Niemandem erzählen.

Diese Erlebnisse kann man nicht wirklich nachvollziehen, denn als Kind verdrängt man
vielleicht auch, um den Eltern, die bei 4 Kindern nur mal ein bisschen Ruhe brauchten,
keine Vorwürfe zu machen. Ich wollte meiner Mutter jedenfalls die Aufregung und
den Stress ersparen und habe erst Jahre später davon in abgeschwächter Form
berichtet. Erst durch den TV-Auftritt kommt wirklich alles hoch, als sei es nie ver -
deckt gewesen. Es erstaunt mich selbst!!!
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Ralf aus xxxx schrieb am 13. März 2021
Hallo, aufmerksam geworden durch aktuelle Presseberichte möchte ich hier auch mal ein paar Sätze zu meinen Erlebnissen im Kindererholungsheim Dr. Selter niederschreiben.
Ich war in der Zeit von April bis Mai 1974 im Alter von 11 Jahren dort. Ich wurde dorthin geschickt weil ich Untergewichtig war und auf Grund von Kreislaufbeschwerden und Ohnmachtsanfällen. Das was für mich bis heute ein Trauma war, war das wöchentliche scheuern des Rückens mit einer Bodenscheuerbürste und anschließendem abduschen mit eiskalten Wasser. Dies ist mir bis heute unangenehm im Gedächnis geblieben. Ich zitterte schon jedes Mal vor der Behandlung und entwickelte Angstzustände, da dies äußerst Schmerzhaft war.
Briefe die wir nach Hause schickten wurden unter der Aufsicht des Personals geschrieben und auch von denen kontrolliert bevor sie nach Hause versendet wurden. Post die wir bekamen war stets geöffnet.
Ich leide seit Jahrzehnten unter Angstzuständen, Panikattacken und mittlerweile auch unter Depressionen was ich auch auf meinen Aufenthalt im Kindererholungsheim Dr. Selter nach Aufbereitung mit einer Gesprächstherapeutin als Ursache nicht ausschliessen möchte.
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Dorothea Siegert aus Grimma schrieb am 8. März 2021
Mit 10 Jahren war ich 1960 zum zweiten Mal 5 Wochen in einem Kindererholungsheim in Schöneck im Vogtland, da ich gesundheitlich durch zweimalige Scharlachinfektion sehr angeschlagen war. Das erste Mal mit 6 Jahren im Kinderkurheim Lindow/Altmark war sehr erholsam. Aber Schöneck werde ich nie vergessen, in negativem Sinn.
Zwischen zwei großen Schlafsälen fand ein Wettbewerb nach Punkten statt, wo zuerst absolute Ruhe herrschte. Die Kinder aus dem Schlafsaal mit der schlechteren Punktzahl durften z. B. an bestimmten beliebten Ausflügen nicht teilnehmen.
Die Post (Eingang und Ausgang) wurde kontrolliert.
Kinder, die bestimmtes Essen nicht vertrugen oder nicht mochten, wurden gezwungen, dieses zu essen. Mädchen in meiner Gruppe legten z. B. fettes Fleisch aus der Suppe an den Tellerrand. das mussten sie anschließend aufessen.
Zwei Mädchen mussten Milchreis essen und übergaben sich anschließend. Es wurde eine neue Portion aufgetischt, die sie sich reinzwangen und sich auf dem Klo wieder heimlich übergaben.
Für mich persönlich gab es eine schreckliche Situation, die mein Leben lange Zeit geprägt hat.
Es gab in dem Haus einen großen Ankleideraum mit großen Schränken und Parkettfußboden.
Dort haben wir gern Hasche gespielt und sind manchmal mit leichten Hallenturnschuhen, die wir im Haus tragen mussten, auf dem Parkett etwas ins Schlittern geraten, was uns untersagt war. Aber wie Kinder eben so sind... Natürlich hat man mich erwischt, obwohl auch andere Kinder dabei waren und an mir ein Exempel statuiert. Ich musste eine Woche lang jeden Tag nach dem Abendbrot ins Bett und durfte an keiner Beschäftigung mehr teilnehmen. Dann sollte ich noch vor dem Appell (in der DDR Pflicht) ausgeschmiert werden. Davor habe ich mich so gefürchtet und gelitten, wie ein Hund. Ich war doch sonst ein artiges und anständiges Kind, von zu Hause aus auch so erzogen, nur etwas lebhaft. Mein Selbstwertgefühl hat für lange Zeit einen heftigen Knacks bekommen und mich sehr verunsichert. Ich wollte es immer allen recht machen und nicht anecken. Eine Therapeutin brachte es für mich im Alter von 42 Jahren auf einen Nenner
Liebe durch Wohlverhalten, das schadet Ihrer Persönlichkeit.
Wir hatten auch eine Betreuerin, die wahrscheinlich ihrem Verhalten nach so eine Arbeit schon im 3. Reich gemacht haben muss.
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Anonym schrieb am 5. März 2021
Durch das aktuell verstärkt in den Medien behandelteThema fasse ich nun, wenn auch recht verspätet, Mut und äußere mich auch zu meinen Erfahrungen. Heute bin ich 65 Jahre alt. Ich bin zweimal zur jeweils sechswöchigen Kindererholung verschickt worden. Einmal nach Onstmettingen, ich mag damals ungefähr sechs Jahre als gewesen sein und einmal nach Langeoog. An Onstmettingen habe ich kaum Erinnerungen, außer, dass wir dort frei spielen durften. Es gab Schildkröten, die wir gebadet haben. Ich glaube, dort ging es mir gut. Allerdings habe ich eine infektiöse Hauterkrankung mit nach Hause gebracht, die nach Ansicht des Kinderarztes auf mangelnde Hygiene zurück zu führen war. Als ich nach Langeoog kam dürfte ich ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein. Ich wurde wegen Neurodermitis an die Nordsee verschickt. In dem Haus herrschte ein strenges, nicht gerade kinderfreundliches Klima. Disziplinierungen und Zwang zum Essen gehörten zur Tagesordnung. Ich selbst habe kein Essen erbrochen, wusste aber von Kindern, die Erbrochenes aufessen mussten. Briefe und Päckchen wurden geöffnet, die Kinder durften keine Briefe sondern nur Postkarten schreiben, die vorm Versenden von den "Tanten" bzw. der Heimleiterin zensiert wurden, persönliche Dinge wurden kontrolliert. Das Haus galt als Kurheim für verschiedene Erkrankungen, u.a. Asthma und Hauterkrankungen. Zur Abhärtung mussten wir frühmorgens barfuß durch eiskaltes taunasses Gras laufen und wurden kalt abgeduscht. Vor den Schlafräumen mit mehreren Betten patrouillierte bei stets geöffneten Zimmertüren eine Aufsicht den Flur auf und ab und kontrollierte, ob die Kinder still in den Betten lagen. Jedes geringste Geräusch wurde sanktioniert. Da ich vor allem mittags nicht und abends nicht sofort einschlafen konnte, verbrachte ich regelmäßig die Mittagsruhe sowie Nächte nur im Nachthemd auf der Schuhbank im Flur. (Den Geruch habe ich heute noch in der Nase.) Dazu genügte es, statt mit geschlossenen mit geöffneten Augen im Bett zu liegen. Lesen war verboten, reden auch flüstern sowieso. Die Kinder wurden regelmäßig gewogen. Wer abgenommen hatte, dem wurde unterstellt, er habe Wasser getrunken. So geschah es auch mir, obwohl das nicht der Fall war. Die Behauptungen der Heimleiterin waren absolut. Jeglicher auch noch so geringe "Ungehorsam" wurde bestraft und es wurde damit gedroht, die Eltern zu benachrichtigen, dass man nach Hause geschickt würde, was den meisten Kindern Angst machte. Schließlich waren viele Familien dankbar, dass ihre Kinder in den Genuss einer solchen Kur kamen, und die Erziehungsmethoden in den Elternhäusern waren damals ebenfalls von Gehorsam und Strafe geprägt. Jedenfalls bin ich nicht gesund geworden, wurde zum Arzt gebracht, habe abgenommen, konnte nicht schlafen und kam kränker heim als ich hingekommen bin. Ob das, was ich in dem Haus auf Langeoog erlebt habe nun als Misshandlung zu werten ist, weiß ich nicht. Aus heutiger Sicht haben auf alle Fälle Kinderrechtsverletzungen stattgefunden und die Einschüchterungen würde ich schon in die Nähe psychischer Gewalt rücken wollen. Ich bin zumindest mein Leben lang der Ansicht gewesen, selbst verschuldet in die Lage geraten zu sein und habe nie darüber gesprochen, merke aber jetzt, wie sehr mich diese Erinnerungen belasten, wobei ich vieles sicher verdrängt habe, denn in dem Alter müsste ich mich an viel mehr Details erinnern. Einige Betroffene schreiben von Medikamenten. Ich habe auch Medikamente bekommen, aber ich war ja auch krank und fand das nicht ungewöhnlich. Ich bin sehr dankbar, die Erfahrungen von anderen lesen zu dürfen, zu erfahren, dass ich nicht allein bin damit, mir das nicht alles einbilde und dass dieses dunkle Kapitel der Nachkriegszeit nun aufgearbeitet wird.
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Geli aus Berlin schrieb am 3. März 2021
Guten Tag, ich bin erstmals hier und beschreibe meinen Leidensweg: 1966 wurde ich mit 6 Jahren bei der Berliner Bahnhofsmission zum Sammeltransport in den Harz nach Bad Sachsa abgegeben. Ich war fünf Wochen dort und hatte furchtbares Heimweh und viel Angst, weil mir alles so anders schein als mein bis dahin erfahrenes Kinderleben. Ich war ein gesundes, fröhliches kleines Mädchen, dass gerade ein paar Monate gern in die Schule ging, schon lesen und etwas schreiben konnte. Meine Eltern lernten im Urlaub eine kinderlose Witwe näher kennen, die die sogenannten "Kindertransporte" begleitete und ihnen dieses günstige Angebot vorstellte. Großstadt, zwei Geschwister -- das reichte vermutlich als ärztliche Diagnose um diese Art Erholungskur zu bekommen (Wir hatten Haus und Garten am Stadtrand, später fuhr ich noch zweimal , meine Geschwister ebenfalls, beide gesund, aber erst mit 10 Jahren).Nach meiner Rückkehr glaubte man mir meine Erlebnisse nicht (kam ja prima zensierte Post!) und bis vor kurzem war alles fest verschlossen in meinem Inneren, aber nie vergessen. Welch Chance, jetzt doch noch reden zu dürfen, ernstgenommen zu werden! Mein 7.Lebensjahr wurde zum Schalthebel in eine verängstigte Zukunft, nach diesem Aufenthalt hatte ich mein Grundvertrauen ins Leben, in meine Person, in meine Familie verloren und funktionierte nur für die Wünsche andere. Gehorsam und gute Leistungen waren in meinem Zuhause sehr erwünscht, doch der militärische Ton und manches Erlebnis im Kinderheim war so erschreckend, dass ich von Anfang an dicht gemacht haben muss. Ich erinnere kein Kind, kein Gesicht trotz der langen Zeit, aber meine Angstgefühle. Ich hörte die Stimme meiner Mutter innerlich, wie sie mich rief. Ich habe sehr viel geweint. Ich habe keine Erinnerung an die Räume des großen Hauses, wo ich z.B.geschlafen habe. Einen großen Essraum erinnere ich leicht, da es dort oft Pflaumenmus- und Schmalzbrote als einzige Mahlzeit gab, beide schmeckten mir furchtbar, mussten aber gegessen werden. Einmal lag ich tagsüber im Bett (ich weiß nicht, wie lange) und außer einer Schwester war keiner da. Ich zerschnitt Plastikhalme in gleiche Stücke und durfte sie dann als Kette auf einen Faden aufziehen. Ich erinnere auch keine Gesichter der Erwachsenen . Das verwirrt mich, macht mich stutzig. Seit ich gelesen habe, dass Kinder in den Heimen sediert wurden, also Schlaf- und/oder Beruhigungsmittel erhielten, vermute ich sehr stark, dass dies der Grund für mein totales Blackout ist. Bei der Rückkehr erschien mir meine Mutter in Sekundenbruchteilen wie eine fremde Person auf dem Bahnsteig. Nach dieser Fahrt entwickelte ich panische Angstzustände, wenn ich von der Familie getrennt sein musste, im Sportverein, auf Reisen, die ich allein bewältigen musste. Schließlich bekam ich Absencen, wo ich mitten im Satz wegen kurzer Bewusstlosigkeit stockte, und meine Augen sich nach oben wegdrehten. Ich musste zum Arzt, Untersuchungen und Tabletten. Schließlich setzte mit 10 Jahren völlig unerwartet und unaufgeklärt meine erste Menstruation ein. Auch hier reagierte mein Körper mit Krämpfen, wogegen ich erneut regelmäßig Tabletten nehmen musste. Mit 12 (!) Jahren wünschte ich mir einen Teddy und einen Puppenwagen, weil ich wohl das innere Gefühl hatte, nicht richtig Kind gewesen zu sein und es auf diese Weise vielleicht nochmals nachholen wollte ? Ich möchte unbedingt wissen, ob dieser Langzeitstress durch die wochenlangen Ängste, eine wochenlange Sedierung oder beides ursächlich mit diesen Kindheitsqualen zu tun hat. Erst jetzt stellt sich dieser Zusammenhang her. Mit 16 Jahren erlitt ich meinen ersten großen epileptischen Anfall und durfte in Folge keinen Führerschein machen, keinen Tropfen Alkohol trinken und Schwimmen nur unter Aufsicht. Erst seit letztem Jahr, nach zwei langen Therapien, schleiche ich die Medikamente aus. Durch lange psychotherapeutische Arbeit habe ich lernen dürfen, dass ich eigene Bedürfnisse habe, die ich kennenlernen und verantwortungsvoll zu erfüllen habe. Mein jahrelanges auf Perfektion ausgerichtetes Leben hatte nur gelernt, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen, Konflikte zu vermeiden und wo das nicht ging, mit großen Ängsten, Anfällen oder Zwangshandlungen (Essen z.B.) zu reagieren. Mein beruflicher Weg und meine Beziehungsfähigkeit sind lange Leidensstrecken, die so nicht hätten verlaufen müssen. Es war ein langer Weg zu mir selbst und ich habe jetzt das Gefühl erfahren zu müssen, für meinen eigenen inneren Frieden, ob die Ursache meiner Krankheit mit den Katastrophen dieser "Kurbehandlung" in Bad Sachsa zusammenhängt. Schreibt mir gerne dazu. Viele Grüße und alles Gute Geli
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Anonym schrieb am 26. Februar 2021
Ich habe keine guten Erinnerungen an den Aufenthalt als Sechsjährige im Kurheim. Ich weiß noch, dass ich immer wieder versucht habe, tagsüber die Erzieherin ganz lieb zu fragen, ob ich bitte diesmal keine Leberwurstschnitte essen muss. Ich musste das anscheinen jeden Tag essen, obwohl ich es hasse (spätestens seit der Kur). Wir saßen als Kinder in der Sauna und haben alle nur auf die Eieruhr gestarrt, darauf wartend, dass wir endlich wieder rauskonnten (auch Saunieren hasse ich bis heute). Danach mussten wir in ein sehr langen eiskaltes Becken (auch das habe ich als sehr schrecklich in Erinnerung). Alles war irgendwie kahl und eben krankenhausmäßig. Man hat mir den Pony damals auf einen Zentimeter abgeschnitten, weil er mir wohl etwas in die Augen hing. Abends stand ich dann oft vorm Fenster und habe mir voller schmerzlichstem Heimweh Mut zugesprochen...irgendwo da draußen sind meine Eltern und mein Bruder, sagte ich mir immer wieder. Nachts kamen die Betreuer mit einem großen Scheinwerfer/Taschenlampe ins Zimmer und fragten, ob jemand aufs Klo müsse- dabei ist man jedesmal aufgewacht. Die Unterhosen wurden täglich nach Verunreinigungen kontrolliert, was ich als sehr demütigend empfunden habe. Mein Kuscheltier und einziger Halt wurde mir weggenommen, weil ein Ohr abgerissen war. Es lag dann weggeschlossen im Schrank vor dem Zimmer, was ich ebenfalls als sehr herzlos empfunden habe. Da ich noch nicht schreiben konnte, kamen bei meinen Eltern nur positive Postkarten an. Kontakt zu meinen Eltern durfte ich keinen haben. Meine einzigen beiden positiven Erinnerungen sind jene an eine Kissenschlacht und dass ich dort gelernt habe, wie man eine Prinzessin malt. Für 6 Wochen recht wenig.
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Christina schrieb am 23. Februar 2021
habe schon lange nach diesem Thema im Internet gesucht, leider hatte ich kein erfolg mit der Eingabe im Internet "Misshandlung im Kinderkurheim DDR", durch Zufall habe ich die Sendung im Fernsehen gesehen. Ich kann dem Allen zustimmen was bzw. wie es zugegangen ist. mit meiner Therapeutin habe ich schon über dieses Thema gesprochen. Ich weiß dass auch wir Medikamente eingenommen haben, Bestrafungen, sexuelle Gewalt, vorallem Angst etwas falsch zu machen. Nach der Kur weiss ich dass ich sehr eingeschichtert war, in der Schule Angst hatte, meine Geschwister bis jetzt beschützen möchte (auch jetzt wenn ich schreibe sitze ich mit Tränen vor dem PC, obwohl ich schon 50. ig bin). Als ich mit den Ältern in Urlaub gefahren bin, hatte ich Heimweh und auf Toiletten immer Angst. Mit meiner Mutti kann ich nicht über dieses Thema ausgiebig reden. Sie sagt :"Ich dachte, wenn du zur Kur fährst,,dass du mal was erleben sollst bevor du in die Schule kommst. " Dieses Thema kam erst so richtig aus mir, als ich Ende 38 war. Da hatte ich einen Burn out. Gedächtnissverlust , Wortfindungsstörung und Agression. Hier wurde mir bewusst wie stark ich im Wesen eingeschichtert war, mich ständig für Andere geopfert habe, niemals "Nein " gesagt, und doch in ständiger Angst etwas FALSCH zu machen, bis heute kann ich nicht Nachts schlafen, ich höre jedes Geräusch . Ich habe nie vertsnden dass Mütter sich beschweren, wenn sie Nachts von den Kindern geweckt werden. Meine Kinder haben schon vor dem Schreien die Flasche bzw. Brust bekommen. Und wenn sie mal Krank waren hat es mein Mann nie mitbekommen. Erst nach den Gesprächen mit der Therapeutin, ist mir dies aufgefallen. Medikamente habe ich nach der Kur ständig abgelehnt oder heimlich ausgespuckt. Jetzt nehme ich nur antidepressiva, damit ich zur Ruhe komme. Stärkere Medikamente zum Schlafen habe ich auch schon versucht, aber diese haben mich noch mehr aus der Bahn geworfen. Wenn ich Müde bin, lege ich mich am Tag hin, und so komme ich zur Ruhe, Meditation hilft mir auch sehr gut, und meine Familie hilft mir auch. Da ich selten im Netz bin möchte ich an dieser Stelle gleich etwas zum Kuraufenthalt schreiben. Ich erinnere mich dass ich meinen Eltern gleich gesagt habe, dass meine Puppe mir weggenommen wurde. Da meinte meine Mutti: " Dass ist bestimmt nur, damit sie niemand kaputt macht.", Diese Puppe, hat mir meine Uroma geschenkt, als wir sie auf dem Weg zur Kur, besucht haben. 2. ich habe ein Mädchen ständig beim Essen geholfen, damit sie nicht wieder erbricht und dass Erbrochene isst,( ich sehe mich, wie ich der alten Dame, von der Küchenausgabe, sage ,dass sie nur wenig auf den Teller machen soll, damit wir den Teller untereinander tauschen, denn; die Aufseherin hat beobachtet wieviel einige bekommen.
Und wenn die Auseherin bei den Tischen hinter uns war, hat mir diese Dame zugezwinkert dass wir jetzt unser Essen bzw, Geschirr tauschen sollen.Den Geschmack von der Quarkspeise habe ich noch heute im Mund, die hat so gut geschmeckt, und ich finde es nicht heraus , wie sie zubereitet war. Als wir dann vom Spaziergang zurückgekommen sind, mussten wir am Küchenfenster Vorbei laufen. Die alte Dame hat so getan , als ob sie das Fenster schließt ( habe jetzt echt starke Emotionen beim Schreiben), dabei hat sie mir zugewunken. 3. ich musste mal allein im Zimmer sein und im Bett liegen bleiben, dabei schaute ich immer zu meiner Puppe, diese saß auf dem hohen Schrank, und ich erzählte ihr alles. 4. im Hintergrund weiß ich dass die Betten im Zimmer umgestellt worden sind, wieviel wir im Zimmer waren, weiß ich nicht,. Dass auch ständig jemand im Flur stehen musste war normal. 5. Waschen im Waschraum war für mich ein großes Hinderniss, (und dass erinnerte mich auch in der Schule daran, als wir nach dem Sport in die Duschräume gegangen sind. Ich war immer die letzte die sich geduscht hat). 6. Ich schämte mich , als wir zur Lichtterapie gegangen sind. Im Kreis sind wir nackt gelaufen und haben dabei Übungen gemacht, da wir ja die Schutzbrillen hatten, konnte man nicht viel sehen. Der Geruch war eckelig in diesem Raum und auch die Berührungen vom Artzt. Er saß auf einem Stuhl und eine Schwester stand daneben, es war still und nur der Trommelschlag gab den Takt an. Irgendwie war danach alles still, auch im Waschraum, als ob wir beteubt waren. 7. früh bekamen wir immer ein Medikament. Kann sein , auch vor dem Mittagessen. Dass die anderen Kinder so ruhig waren kam mir komisch vor. Denn von zu Hause aus , kannte ich nur Aktion und Spaß. 8. auf den Fotos sieht mann auch nur traurige Gesichter und als ob wir unter Drogen stehen. Dieses Foto konnte ich erst so richtig mit meiner Therapeutin anschauen. Vorher hatte ich diese im Kurvert versteckt, und nicht im Album. Meine Mutti hat sie auch nicht eingeklebt, weil ich ihr gesagt habe, dass ich mich nicht daran erinnern möchte wie schlimm es da war. Ich bin sehr froh dass ich diese Sendung gesehen habe, und mir dadurch bestätigt worden ist, dass ich mir dieses nicht eingebildet habe. Ich wünsche mir persönlich , dass auch jeder Therapeut und Artzt mit diesem Thema verttraut werden soll. Diese Unterdrückung zu erleben ist so grausam und man ist eingeschüchtert und feige diese Erlebnisse jemandm mitzuteilen. Wer glaubt denn dass schon , auch dass es in den 70.ern und bis in die 90.er gegangen ist. Als mich meine Ärztin mit dem Burn out zur Kur geschickt hat, habe ich gleich zu meinem Mann gesagt er soll mich zurückholen, wenn ich es wünsche. Ich hatte so eine Angst, dort hinzufahren. Ich dachte, wenn ich zur Psychosomatischen Behandlung fahre, habe ich kein Recht , zu telefonieren oder raus zu gehen. Doch meine Familie hat gesagt , dass ich überall hin kann und auch jederzeit die Kur abbrechen kann. Ich hatte so ein Heimweh die ersten Tage, aber ich sah, dass auch viele andere psych. Probleme haben und alle Ärtze und Therap. nett und freundlich waren. Erst da konnte ich mich richtig kennenlernen und mein Mann hielt mir den Rücken frei und ich blieb freiwillig 10 Wochen da. Danke dass, ich mich hier so öffnen kann und auch Mut den Personen mache, die ähnliches oder noch schlimmeres erlebt haben. Ich habe noch keinen Beitrag gelesen. Ich werde es erst tun wenn ich etwas zur Ruhe gekommen bin. Grammatik ist nicht so meins. Ich wohne im Bezirk Bautzen. Ich weiß, dass noch ein blonder Junge mit mir in KM in den Zug gestiegen ist, und ich glaube 1 Mädchen mit dunklen Haaren, saß schon im Zug.
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Katharina aus Karlsruhe schrieb am 21. Februar 2021
Hallo Zusammen,
seit gestern weiß ich, dass ich ein Verschickungskind bin. Ich muss vorweg sagen, dass ich 1981 mit sechs Jahren am Feldberg im Haus Schuppenhörnle war, zwar keinerlei positive Erinnerungen daran habe, aber an den Erinnerungen auch nicht leide.
Ich kam im Januar für sechs Wochen dorthin, da ich im November eine Mandelentfernung hatte und meinen Eltern eingeredet wurde, ich müsse mich dort erholen. Auch ich wurde in Karlsruhe am Bahnhof von meinen Eltern abgegeben. Dort lernte ich ein ein anderes Mädchen kennen: Astrid.
Mit dem Zug wurden wir an den Feldberg gebracht. Noch nie in meinem Leben, hatte ich mich so verlassen gefühlt!
Meine schlimmsten Erinnerungen sind das Duschen: wir mussten uns alle nackt ausziehen (Jungen wie Mädchen) und mussten in eine Großraumdusche - ich habe mich geschämt, es gehasst, mich erniedrigt gefühlt. Als ich später in der Schule etwas über Vergasung und KZ gelernt habe, habe ich mir immer diese Dusche vorgestellt.
Ich glaube das damalige Erziehungskonzept war: "kein Eigentum!", das heisst eine Zahnpasta wurde erstmal für alle Kinder aufgebraucht und dann die nächste. Ich hatte einen tollen Nicki Schlafanzug, den ein anderes Mädchen so kuschelig fand, also durfte sie ihn eine Nacht hat anziehen. Pakete von den Eltern wurden an alle Kinder aufgeteilt. Meine Mutter hatte mir ein selbst genähtes Kissen geschickt. Weil ein Junge dies toll fand, bekam er es in der ersten Nacht. Meine Schneehose, auf die ich extra aufpasste, weil ich es so eklig fand am nächsten Tag in eine noch nasse Hose zu steigen, bekam Astrid, da Astrids nass war! Mittags haben wir immer gebastel. Das Gebastelte durften wir aber nicht behalten, sondern mussten es immer einem anderen Kind schenken. Irgendwann gab ich mir keine Mühe mehr.
Beim Essen war ich schwierig. Ich wollte keinen Honig, das trockene Brötchen hätte mir gereicht. Aber ich wurde gezwungen den Honig zu essen. Nachdem ich regelmäßig würgte und mich auch leicht erbrach, haben sie es nach zwei Wochen sein lassen mich zum, Essen zu zwingen. Ungewollt kam ich mit 18 kg nach Hause und war mit 23 kg dorthin verschickt worden. Mittags gab es Studentenfutter. Da ich keine Rosinen mag, habe ich sie immer in Pflanzenkübeln in der Erde versteckt, denn einfach nur zu sagen "ich will die nicht essen" wäre inakzeptabel gewesen.
Mittags mussten auch wir schlafen. Jedes Kind, das nicht schlief hat Minusstriche in einem Schlafpass bekommen. Mein Pass war voller Minusstriche und so bekam ich am Ende der Woche keine Süßigkeit. Telefonate waren ab der dritten Woche einmal wöchentlich am Sonntag für drei Minuten erlaubt. Ich habe nur geweint und konnte garnicht sprechen. Meine Mutter wollte mich abholen, aber die DAK sagte ihr, sie müsse dann die kompletten Kurkosten bezahlen. Genau, bis gestern habe ich jedem erzählt, dass ich mit sechs auf Kur war und es schrecklich war - jetzt weiss ich, ich wurde verschickt. Die Erzieherinnen waren alle kalt und das Motto war Kinder zu brechen bis sie ruhig und still sind. Körperliche Gewalt gab es keine und ich trage auch kein Trauma davon, jedoch hasse ich noch heute autoritäre Personen und Ungerechtigkeit! Niemals würde ich meine Kinder (mein Sohn ist jetzt 9 und meine Tochter 6 Jahre) sechs Wochen in eine Heim verschicken! Was hat unsere Eltern da nur getrieben so etwas zu tun? Ich bin froh, dass es wohl ab der 80iger Jahre etwas humaner in den Heimen zuging und ich nicht zu viel grausames erlebt habe.
War noch jemand im Schuüppenhörnle und wie sind eure Erinnerungen daran?
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Anonym schrieb am 21. Februar 2021
Guten Tag,

Ich möchte mal meine Einnerungen an eine Kur kurz schildern:

Sicher gibt es die unterschiedlichsten Erlebnisse und Erinnerungen an die früheren Erholungsheime. Ich war 1956 als 10-jähriger drei Wochen in einem Heim bei Niederschmalkalden und habe die Zeit auschließlich als eine wunderschöne Zeit in Erinnerung. Das Heim lag mitten im Wald, weit ab von den nächsten Ortschaften, so habe ich es jedenfalls in Erinnerung, denn wohin wir auch gingen es waren immer längere Fußwege über die Felder. Ich könnte aber nicht sagen daß das belastend gewesen wäre, wir hatten immer unsere Freude z.B. mit den gerade im Juni blühenden Lupinen zu spielen und aus heutiger Sicht die Natur zu genießen. Wir konnten an einem Bach Staudämme bauen, wir gingen ins Nachbardorf ins Kino, wir machten eine Busfahrt zur Wachsenburg/Thüringen, fuhren also durch den halben Thüringer Wald und am Trusetaler Wasserfall waren wir auch, das waren alles unvergesslich schöne Erlebnisse. Auch die Betreuer habe ich ausschließlich als nett in Erinnerung. Es stimmt natürlich auch daß wir Mittagsschlaf machen mußten, das hat mich aber nicht weiter gestört. An ein Erlebnis erinnere ich mich besonders, als wir im Heizungskeller den Erzählungen des Heizers lauschten, der ehemals Bergmann im Ruhrgebiet war und uns von seiner Arbeit berichtete. Und last but not least ich fand dort als 10 Jähriger meine erste Freundin, mit einem Bonbonangebot hatte sie mich überzeugt...lach. Ich kann also nur sagen es war eine wunderschöne Zeit für mich.
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Anonym schrieb am 20. Februar 2021
hallo verschickungskinder

ich kann den meisten Schilderungen die ich
gelesen habe, absolut zustimmen.
ich war in Bad Buchau.für mich war es
die Hölle.wegen Kinderspass wurde ich
über Nacht in einen sehr grossen, leeren
Schlafsaal eingesperrt. kein Licht und keine Toilette
so das ich in ein Handwaschbecken pinkeln musste,
obwohl ich laut klopfte und mein Anliegen mitteilte.
ich musste auf unbezogener Matratze ohne Zudecke
und Kissen "schlafen" meine Mutter glaubte das alles nicht.
diese Leute die wirklich noch NS lebten , soll falls sie noch
leben der Teufel holen... ein Verschickungskind
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Vera Frankenberger aus Landsberg am Lech schrieb am 18. Februar 2021
Hallo ,
ich kann leider nicht so gut schreiben ,aber es gibt einen tollen Bericht von Schönau im Traunsteiner Anzeiger von Dez 2020 in den meine Erlebnisse und anderer Betroffender Kurkinder auch von Anderen Häusern sehr gut Erfasst wurden.
Lg
Administrator-Antwort von: Jens
Hallo Vera,

hast du den Bericht zufällig da und kannst ihn mir an : webmaster@verschickungskind.de senden?
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Anonym schrieb am 12. Februar 2021
Hallo,

1961 war ich im Kinderheim Frohe Jugend des FDGB für 5 Wochen.
Ich kann mich zwar nicht mehr an alles erinnern, aber an die vielen, regelrechten Züchtigungen vor den anderen Kindern.

Heute habe ich noch eine Narbe über der Augenbraue, als eine Mitarbeiterin meinen Kopf und den eines anderen Mädchen nahm und zusammenschlug. Mein Auge war sehr schnell zugeschwollen und das andere Mädchen hatte eine dicke Beule über dem Ohr. Meinem Vater wurde berichtet, dass das beim Spielen passiert sei und er glaubte mir auch nicht als ich ihm die wahre Geschichte erzählte!

Ich finde eure Arbeit gut und freue mich besonders, das ihr auch uns DDR-Kindern ein Sprachrohr gebt!
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Anonym schrieb am 11. Februar 2021
1969 wurde ich zum Gewichtzulegen in diese Mastanstalt geschickt. Ich war eigentlich schon immer "klapperdürr" wie alle in meiner Familie. Doch in der Poliklinik war man der Meinung, das ich zunehmen müsse. (Dabei bin ich heute immer sehr schlank)

Was soll ich sagen? Vier Wochen lang die ekligsten Dinge zum Frühstück, angefangen mit warmer Haferschleimsuppe und dicken Kanten Brot mit viel Butter und Marmelade. Doch es half nichts, ich legte nur wenig zu, was ich bei den Untersuchungen auch zu spüren bekam. "Du musst besser essen!" dekoriert mit einer Ohrfeige.

Leider weiß ich die Namen der Ärzte nicht mehr, nur eine Betreuerin kenne ich noch. Schwester Birgit, zu der ich auch sehr viel Vertrauen hatte, da sie anders war als der Rest dieser Speichellecker der Partei. Manchmal nahm sie Kinder einfach in den Arm und tröstete.

Was mich heute immer noch verfolgt sind die ständige Unterdrückung und die vielen Schläge, die man immer bekam. Egal für was, du standest nur in der Nähe und bekamst auch eine mit. Meistens mit der flachen Hand ins Gesicht.
Doch das war nicht das Schlimmste, am meisten fürchteten sich die Mädchen vor den Untersuchungen vor dem Wochenende. Wir standen im Hauptgebäude in einer Schlange im Flur und mussten einzeln ins Untersuchungszimmer, wo nur ein Arzt saß. Wir mussten uns komplett ausziehen und wurden regelrecht befummelt. Dabei versuchte der Arzt auch bei mir mit dem Finger einzudringen. Es tat höllisch weh und er hörte erst auf, wenn man laut weinte. Manche Mädchen blieben länger im Untersuchungszimmer und da wussten wir alle schon was da passierte. Wir hatten alle panische Angst vor diesen Untersuchungen.

Ich habe die Jahre danach viel verdrängt und erst später gemerkt, das mich etwas immer noch belastet. Etliche Therapien haben mir geholfen, das wichtigste zu verarbeiten, der Grund, warum ich auch so offen darüber berichten kann.

Selbst heute würde ich meine Kinder niemals in eine Kureinrichtung schicken, da man als Elternteil keinerlei Sicherheit hat, das sich so etwas in heutigen Zeiten wiederholt.
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Gudrun Hinz-Warnke aus 22559 Hamburg schrieb am 29. Januar 2021
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Als ich auf Anraten des Schularztes verschickt wurde, war ich 10 Jahre alt. Wir fuhren mit dem Bus aus Wedel und dem Kreis Pinneberg an die Nordsee nach St. Peter Ording.
Unsere Eltern hatten uns Brottaschen mit Proviant und Süßigkeiten mitgegeben. Als wir ankamen, mussten wir unsere Taschen abgeben. In einem Nebenraum sah ich einen Berg von kleinen Brottaschen. Welche Bilder das hervorruft, kann sich jeder denken. Ich war zwar erst 10, aber ich wusste sofort, dass hier nichts Gutes zu erwarten war.

Beim Frühstück gab es grauenhafte Szenen, wenn ein Geschwisterpaar (ca.4 und 10 Jahre alt) mit Gewalt auseinandergerissen wurde, weil sie in verschiedene Gruppen gehörten und nicht zusammen sitzen durften. Beim Essen durfte nicht gesprochen oder gelacht werden. Als ich einmal lachte, musste ich mein Abendbrot unterbrechen und wurde sofort ins Bett geschickt. Nach jedem Essen wurden wir auf die Toiletten abkommandiert. Diese hatten keine Türen. Während man auf der Toilette saß, standen die anderen davor und warteten. Dass man auf diese Art seiner Privatsphäre beraubt wurde, war für mich das Schlimmste und ist bis heute ein Trauma. Nach dem Mittagessen mussten wir Mittagsschlaf machen, was in dem Alter fast unmöglich war. Eine Betreuerin fand großes Vergnügen daran, uns Ohrfeigen zu geben, wenn wir die Augen nicht geschlossen hatten oder blinzelten.Wenn wir abends nicht sofort ruhig waren und lachten oder rumalberten, wurden wir auch schon mal mit unseren Hausschuhe versohlt. Die Betreuer mussten wir Tante nennen. Mit unserer Gruppenbetreuerin hatten wir Glück, sie war sehr nett.

Die Heimleiterin, Tante Gudrun, wurde gefürchtet. Sie führte auch schon mal einzelne Kinder vor, wie einen Jungen, der die harten Schwarzbrotrinden nicht essen mochte und in seiner Hemdtasche versteckt hatte. Er wurde dann vor allen verächtlich gemacht und musste die harten Rinden essen. Es herrschte insgesamt ein Klima der Angst und Unterdrückung. Als ich am Ende der 6 Wochen krank wurde, war ich in einem Einzelzimmer im Dachgeschoss untergebracht. Dort wohnten auch die Betreuer. Ich bekam mit, dass sie sich an den Süßigkeiten, die uns unsere Eltern zum Trost eingepackt hatten, gütlich taten. Wenn Kinder Geburtstag hatten, bekamen sie etwas von den konfiszierten Sachen.
An unser Taschengeld kamen wir nicht, das durften wir nur für Souvenirs bei einem Händler ausgeben, der zu diesem Zweck ins Heim kam. Obwohl das Haus fast direkt an der Nordsee liegt, waren wir nur ein einziges Mal am Strand. Es gibt ein Foto von unserer Gruppe in den Dünen. Ich würde das gerne zur Verfügung stellen, vielleicht erkennt sich ja jemand und meldet sich. Auch liegt mir daran, zu meinen früheren Leidensgenossinen Kontakt aufzunehmen. Ich bitte um Vermittlung, falls das möglich ist. Von einigen weiß ich noch den Vornamen.
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Anonym schrieb am 27. Januar 2021
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Ich (Jahrgang 1949) gehöre ebenfalls zu den sogenannten Verschickungskindern der 1950er und 1960er Jahre.

Ich wurde von Eschwege in Nordhessen gemeinsam mit andern nach Immenstadt am Alpsee im Allgäu verschickt, vermutlich für die gesamte Dauer der Sommerferien.

Ich wurde 1956 eingeschult und besuchte ab 1960 das Gymnasium, die Verschickung könnte vor dem Schulwechsel stattgefunden haben. Es war das erste Mal, dass ich allein für eine so lange Dauer von zuhause weg musste. Die übrigen Kinder von hier kannte ich überhaupt nicht. Ich wüsste auch heute niemanden, den ich hier ansprechen könnte.

Die Erinnerung an den Aufenthalt im Kinderheim ist aber eher verschüttet oder verdrängt.
Besonders traumatisch ist mir jedoch der beinahe tägliche Gurkensalat zum Abendessen im Gedächtnis geblieben, ich sehe mich immer noch über der Kloschüssel hängen und ohne Ende kotzen. Trost, Rücksicht und Alternativen gab es nicht. Salatgurken und die mit ihnen verwandten Melonen vertrage ich bis heute nicht.

Allergien und Unverträglichkeiten wurden damals nicht ernst genommen, die seit dem Säuglingsalter bestehende Abneigung gegen Milchprodukte wurde ebenfalls ignoriert.
Wahrscheinlich sollte ich im Süden ein besserer Esser werden. Am Ende kam ich aber überhaupt nicht erholt und noch dünner zurück, meine Eltern waren entsetzt, hatten eine Einsicht und sagten: Nie wieder!

Ich erinnere mich an eine Cousine, die aus Gesundheitsgründen wohl sogar zwischendrin nach Hause geschickt oder geholt wurde.

Zur Linderung meiner wiederholten Atemwegserkrankungen wurde ich dann wiederholt in das private Kinderheim "Schwalbenheim" im benachbarten Bad Sooden-Allendorf (15 km) geschickt, Inhalationen und Solebäder standen auf dem Programm.

Und es sollte noch bis zum 20. Lebensjahr dauern, bis tatsächlich eine Allergie auf Gräser, Pollen und Hausstaub diagnostiziert wurde, nachdem mich ein Schulfreund mit ähnlichen Beschwerden zum Besuch beim HNO-Arzt ermuntert hatte.
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jens schrieb am 19. Januar 2021
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1968 wurde ich mit einem Sammeltransport per Bahn von Wilhelmshaven dorthin verschickt. Ohne Vorgespräch mit den Eltern…

Ein tiefsitzender Schock, der durch die 6 Wochen dort entstand.

Angefangen von der “Ernährung” (Morgends ein Käsebrot mit Kamillentee, Mittags Haferschleim und ein Apfel, Abends wieder Käsebrot), die mich dermaßen abmagern ließen, das ich bei meiner Rückkehr von meiner Mutter und meiner Oma nicht wiedererkannt wurde.
Bestrafungen waren an der Tagesordnung, egal was das “Vergehen” war. Meistens Schläge auf den Hinterkopf oder mit dem Stielende eines Teppichklopfers auf den blanken Hintern. Danach wurde man neben dem Waschraum oder im Keller in einen halbdunklen Raum OHNE Toilette, ohne Essen/Getränke den Rest des Tages eingesperrt.
Post der Verwandtschaft oder der Eltern wurde grundsätzlich erst einmal durchsucht. Das Geld (meist 5 DM) wurde durch das Personal einbehalten mit der Begründung “das ist für die Wäsche”. Als ich mich dagegen wehrte, setzte es die heftigste Tracht Prügel in meinem Leben. Anschließend wurde ich ins Bett gesteckt und musste einen Ziegelstein auf meiner Brust festhalten. Die Tage danach wurde ich in jedem Bereich isoliert. Alleine am Tisch etc.

Die Rückkehr nach 6 Wochen brachten den nächsten Schock für meine Eltern. Aufgrund der Mangelernährung war ich kränker als zu Beginn der “Kur”. Abgemagert bis auf die Knochen….

Die Bäderbehandlung war auch eine Tortur. Wir wurden in Bad Wildungen in die eiskalten Mineralbäder gesteckt, ob wir wollten oder nicht. Teilweise regelrecht “reingeschmissen”. Ein Junge in der Wanne nebenan wurde dabei Ohnmächtig und die “Bademeisterinnen” holten ihn mit massiven Ohrfeigen zurück.

Es waren für mich die massivsten Erfahrungen in meinem jungen Leben, so das ich selbst nach Jahrzehnten noch manchmal davon träume….
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