Verschickungserlebnisse

Auf dieser Seite schreiben Mitmenschen ihre traumatischen Verschickungserlebnisse, die sie als Kind in Kinderkurheimen erlebt haben.

Diese Berichte dienen in erster Linie dazu das wir alle zusammen ein Zeitdokument erschaffen, das die Grausamkeiten und Misshandlungen von damals dokumentiert.

Durch die geschilderten Erlebnisse und der Preisgabe an die Öffentlichkeit wollen wir einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit gewinnen und unsere Schilderungen können nicht als “Einzelfall” dargestellt werden!

Die hier geschilderten Erlebnisse können auf Wunsch auch anonymisiert werden. D.h. ihr müsst keinen Realnamen preisgeben!
Eure Daten werden keinesfalls an Dritte ausgegeben!!! Sollte jemand mit euch Kontakt aufnehmen wollen, fragen wir bei euch zuerst an und geben die Kontaktdaten nur an euch weiter. Somit könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Kontakt aufnehmen wollt oder nicht.



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Birgit schrieb am 22. Juni 2022
Ich war 1975 März- April für 6 Wochen als neunjährige in dieser Einrichtung.
Ich war untergewichtig, sehr blass und litt an allgemeiner Konstitutionsschwäche.
Der Kinderarzt stellte einen Antrag auf eine Kinderkur bei der LVA.
Dieser wurde genehmigt und so wurde ich nach Schillig verschickt.
Erster Eindruck: Barackenbau, dunkel, muffiger Geruch, herunter gekommene sanitäre Anlagen.
Die Erzieher:innen waren sehr streng, ihnen rutschte häufiger mal die Hand aus!
Die Zivis waren ganz ok, konnten sich aber gegen diese "Drachen/ Furien" nicht durchsetzen.
Da ich auf Gedeih und Verderb zunehmen musste, zwang man mich den Teller leer zu essen.
6 Wochen- Tag für Tag!
Das Essen war meistens pampfig und fett. Gemüse und Salat gab es kaum. Bei mir wollte der Zeiger der Waage einfach nicht nach rechts gehen.
35kg waren das Ziel, es wurden aber nur 33. Ständig gab es Drohungen und Strafen wie z.B.: Keine Bücher ausleihen, Nichtteilnahme an der Wattwanderung, keinen Nachtisch, Termin beim Heimleiter, der dann aufgrund des "Ungehorsams" die Eltern kontaktierte, etc.
Ich fühlte mich insgesamt sehr einsam und nicht ernst genommen.
Wirklich schöne Momente gab es kaum. Spontan fallen mir da nur die Wanderungen ein. Aber wirklich geborgen fühlte ich mich zu keiner Zeit.
Aber resümierend betrachtet, waren wir dort lauter Kinder, die von Ihren Eltern gerne mal ein paar Wochen abgeschoben wurden.
Eltern die Ihre Kinder wertschätzen und lieben, geben sie nicht in derartige Einrichtungen. Auch damals nicht!
Das habe ich meinen Eltern nie wirklich verziehen.
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Anonym schrieb am 19. Juni 2022
Ich war 1975 (Januar/Februar ?) als 5 jährige auf Amrum Wittdün.
Ich wurde mit anderen Verschickungskinder in Hamburg in den Zug gesetzt. Eine ältere Dame begleitete uns während der Zugfahrt.
Mein Vater hatte vor der Abfahrt noch Fotos gemacht…das sind die einzigen Bilder die ich aus der Zeit kenne.
Ich kann mich nicht mehr an die Zugfahrt erinnern noch wie ich auf Amrum angekommen oder in welchem Kurheim ich gewesen bin.
Ich weiss, dass ich in der ersten Nacht furchtbares Heimweh hatte und elendig geweint habe. Eine Erwachsene war bei mir und sagte mir, jetzt könnte ich nicht nach Hause, da in der Nacht keine Fähren mehr fahren.
Ich habe keinerlei Erinnerungen an Gesichter, Personen oder Kurkindern.
Erinnerung Speisesaal ein großer lichtdurchfluteter Raum. Es gab Kaiserschmarrn oder warmer Kuchen mit Vanillesauce als Nachtisch.
Obwohl ich nur bruchstückhafte Erinnerungen habe, war das Gefühl von eingesperrt sein und Einsamkeit gegenwärtig.

Ein Ausflug zum Strand verstärkte das Gefühl, wir mussten zu zweit Hand in Hand in einer Reihe gehen. Als uns eine Reiterin entgegenritt war mein verzweifelter Wunsch ich würde dort auf dem Pferd sitzen und einfach von dieser schrecklichen Insel davonreiten.

Meine letzte Erinnerung, ich bin mit einigen Mädchen beim Umziehen. Der Raum wirkt klein, eine schmale Treppe führt nach oben, vielleicht eine Art Kleiderzimmer im Keller, wo unsere Kleidung aufbewahrt wird. Wir fangen an uns gegenseitig durch zu kitzeln, lachen und sind ausgelassen. Die Tür oben geht auf und ein Schäferhund rennt die Treppe hinunter dahinter eine Frau. Sie ist wütend und gibt mir eine Ohrfeige.
Das ist alles woran ich mich erinnern kann. Die Rückreise und das Wiedersehen mit meiner Mutter liegt im Dunkeln. Meine Mutter hat mir sehr viel später einmal erzählt, dass ich total verändert wieder gekommen bin, habe nichts erzählt und war auch meiner Mutter gegenüber verschlossen.
Bis heute habe ich mit Ängsten zu tun…

Wie ich erfahren habe, wurden viele Heime auch privat geführt. Die Kur bei mir wurde aufgrund vieler Kinderkrankheiten, die ich im Sommer hatte, von einer Ärztin aus Hamburg veranlasst. Die Krankenkasse war derzeit die DAK.

Vielleicht war ja jemand auch in dem Jahr dort und kann sich an eine Heimleiterin/Personal mit Hund erinnern.
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Anonym schrieb am 9. Juni 2022
Ich war als 10jähriger Junge 1973 für 6 Wochen im Lindenhof, zum Gewichtsaufbau. Ich wurde dort einerseits gemästet, andererseits bei geringsten Vergehen wurde mir die Nahrung entzogen. Ganz schlimm, oft musste ich mich wiederholt vor versammelter Schwesternschaft im Turnraum nackt ausziehen, ich wurde mit Sprungseilen an ein Gestell gefesselt. Und mußte entwürdigende Berührungen sowie Spötteleien über mich ergehen lassen. Ich schrieb das meinen Eltern, der Brief wurde vor meinen Augen zerrissen. Mit der Androhung, ich würde irgend was weitererzählen, wolle man mich an meinem "Schwänzchen" aufhängen.
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Groschopp schrieb am 29. Mai 2022
Ich hatte über Jahre chronische Bronchitis und daher wurde ich erstmals 1984 mit 9 Jahren für 6 Wochen in eine Kinderkur nach Bad Sulza in das Sanatorium August Fröhlich geschickt. Ein zweites Mal 1986, auch wieder für 6 Wochen. Beide Kinderkuren haben langfristig keine gesundheitlichen Verbesserungen gebracht, aus der Bronchitis entwickelte sich später letztlich ein allergisches Asthma.
Die Erinnerungen an diese Zeit sind für mich immer sehr bedrückend gewesen und doch habe ich große Gedächtnislücken, die ich bisher leider noch nicht schließen konnte. Auch nicht als ich vor zirka 25 Jahren nochmal in Bad Sulza gewesen bin, um mir die Umgebung und das Heim anzusehen, wo ich insgesamt ein viertel Jahr meines Lebens verbracht habe.
Viele Jahre habe ich nicht mehr an diese unschöne Zeit gedacht, bis ich Anfang diesen Jahres in meiner Tageszeitung einen Bericht über Verschickungskinder las, der mich innerlich so sehr berührt und getroffen hat, daß mir die Tränen kamen. Warum ? Nach und nach kamen vereinzelte Erinnerungen zurück die sich sehr traurig angefühlt haben.
Das unendliche Heimweh nach meiner Familie, das abendliche Beten für meine Eltern und meine kleine Schwester und das tiefe Weinen unter der Bettdecke. Der riesige Schlafraum und der Waschraum. ….täglich gründlich auszuführende Bürstenmassagen am eigenen Körper und auf dem Rücken anderer Kinder und Wechselduschen die sicherlich als gesundheitsfördernd gelten, waren an der Tagesordnung. Schuhe putzen, Ordnung halten und körperliche Sauberkeit wurden sehr streng genommen.
Briefe durften wir an unsere Familie schreiben, aber es durften keine Telefonate oder Besuche stattfinden. Zum Sole inhalieren mussten wir in das Inhalatorium gehen und dort mit Gummimänteln bekleidet im Kreis laufen, das empfand ich als gruselig mitten im Solenebel. Unterrichtet wurden wir in einem Nebengebäude oberhalb des Heimes, Spaziergänge machten wir im Park und Umgebung. Ich kann mich nur an 2 Erzieherinnen erinnern. Eine war nett, die Andere sehr streng und unfreundlich. Ich kann mich erinnern, daß mich meine Eltern 1987 nochmals zu einer Kur schicken wollten, ich habe mich extrem geweigert und die Ärztin empfahl ihnen es zu akzeptieren, damals war ich etwa 13 Jahre alt.
Ich denke ich hatte Scham und Angst als Jugendliche vor fehlender Privatsphäre.
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Manfred Voss schrieb am 25. Mai 2022
Ich war dort als 6 jähriger zur Erholung. Ich war dort sehr unglücklich und habe dort eine Nudelantipathie bekommen die bis heute angehalten hat. Der Aufenthalt war absolut keine Erholung. Ich war dort auch zum Bettnässer geworden. Ich hätte gerne nähere Informationen zu diesem Heim und eventuel ähnliche Erlebnisse
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Christina Debüser aus Köln schrieb am 22. Mai 2022
Ich war nach dem Tod meines Vaters über die Barmer in einem Kinderheim in Furtwangen/Schwarzwald. Ich war 6 Jahre alt. Ich habe traumatische Erinnerungen an diese Zeit:
- Ich wurde zum Essen gezwungen; wenn der Teller leer war, wurde dieser nochmals vollgeladen und ich musste diesen ebenfalls aufessen (Ziel war Gewichtszunahme).
- Postkarten nach Hause wurden vom Klinikpersonal für mich geschrieben mit fingierten Texten, wie gut es mir gehe und wie wohl ich mich fühle.
- Mittagsruhe: wenn ich oder andere Kinder nicht sofort ruhig waren, wurde uns unser Kopfkissen auf das Gesicht gelegt und wir durften es nicht wegnehmen. Ich erinnere mich, dass ich kaum Luft bekam.
-schlimmstes Erlebnis: ich hatte mir beim Mittagessen aus Stress und Angst in die Hose gemacht und wurde dazu genötigt, mit nasser Strumpfhose unter aller Augen und dem Spott aller durch den ganzen Speisesaal zu gehen, um diesen zu verlassen. Ich weinte und schämte mich fürchterlich, es war ein "Spießrutenlauf"!
- Die Kur war im Winter: Spaziergang über einen höhergelegenen, sehr schmalen, vereisten Pfad am Waldrand entlang. Wir hatten Angst, dort entlang zu gehen und abzurutschen, wurden aber gezwungen, weiterzugehen.
Insgesamt: die Kur war ein Horrorerlebnis für mich. Meine Großmutter erzählte mir später, dass ich meine Großeltern nach meiner Rückkehr angefleht hätte, sie sollten mir versprechen, dass ich NIE wieder weggeschickt würde. (Meine Mutter hatte die Kur über die Barmer für mich veranlasst).
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sabineausrems schrieb am 22. Mai 2022
Hallo zusammen. Ich war, bevor ich eingeschult wurde, in Norderney zur Kinderkur. Ich war immer sehr dünn, ich denke, man schickte mich zum aufpäppeln . Ich habe kaum Erinnerungen daran. Ich weiß aber noch genau, wie der Schlafsaal aussah. Wir wurden gezwungen, uns zum einschlafen auf die rechte Seite zu legen, und wir durften uns auch nicht mehr umdrehen. Samstags gab es eine komische Suppe, wie Milch mit einigen Hörnchennudeln. Ich mochte sie nicht und habe sie nicht gegessen. Das gab beim ersten mal Ärger. Meine Tischnachbarin hat sie geliebt, und so konnte ich ihr immer meinen Teller rüber schieben. Sonntags gab es einen langen Fußmarsch in die Kirche. Da ich nicht wusste, welcher Religion ich angehörte, schleppte man mich mit in irgend eine Kirche. Ohne Socken in den Schuhen. Ich hatte dicke Blasen die auf gingen. Aber ich hab mich nicht getraut, zu jammern. Meine Bettnachbarin hatte den Namen Eva. Sie und ich bekamen einen Tag vor Abfahrt nach hause, die Masern. Wir mussten in einen Raum, ich glaube wir waren sogar getrennt, zur Isolation. Es kam immer nur eine Nonne und brachte uns Essen. Sonst gab es nichts. Kein Spiel, keine Bilderbücher und aufstehen durfte man erst recht nicht. Ich bin heute 60 Jahre alt und habe erst vor kurzem , rein zufällig, von den Verschickungskindern gehört. Nun interessiere ich mich dafür, was denn da wohl los war, in den Jahren. Leider kenne ich nicht den Namen des Heimes. Aber es war ein altes Steinhaus, mit dicken Mauern. An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern. Vielleicht habe ich es auch verdrängt. Aber an Eva denke ich immer noch. Sie tat mir sehr leid, sie hatte viel geweint.
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Anonym schrieb am 21. Mai 2022
Ich bin 1978 mit 5 Jahren als jüngstes Kind einer Gruppe vom Bahnhof Frankfurt-West für 6 Wochen nach Klappholtal auf Sylt verschickt worden. Für eine schwere Neurodermitis-Erkrankung erschien das Reizklima an der Nordsee als willkommene Therapie.

Meine Erlebnisse an die Zeit sind verschwommen und für sich wohl wenig stichhaltig. In dem gemeinsamen Schlafsaal war ich der mit Abstand jüngste, der unter Hänseleien zu leiden hatte, weil ihh nächtens das Bett einnässte und unter schrecklicjem Heimweh litt. Die Briefe indessen, die für mich hach Hause geschrieben wurden, liessen meine Eltern im Glauben, es gehe mif gut. Das war allerdings zu keinem Zeitpunkt der Fall.
Ich erinnere mich an einige Ausflüge barfuß durch die Dünen und das Wattenmeer, sowie einen Ausflug ins Legoland.
Bei meiner Rückkunft war ich ein verstörtes, verängstigtes Kind, das meine Eltern nicht wieder erkannten. Als ein solches Kknd wurde ich auch eingeschult und blieb es die Schulzeit hindurch. Ob es neben der deutlich zu früh erfolgten sechs-wöchigen Trennung von zu Hause, die insbesondere meine Mutter sich vorwarf, weitere traumatische Erlebnisse gegeben hat, die diese von jedermann bemerkte Veränderung hervorriefen, kann ich nicht sagen. Ich erlebte die sechs Wochen jedoch als ein Martyrium, was auch den Betreuerinnen nicht hat entgehen können.
Trotz der erkennbaren Symptome von Einnässen über häufigem Weinen, Heimweh und Traurigkeit, die über eine vorzeitige Heimreise zumindest Nachdenken hätte hervorrufen müssen ... unter Einschluss der davon nichts ahnenden Eltern, wurden diese statt dessen in den Briefen informiert, alles sei in bester Ordnung.
Wer hat ebenfalls Erfahrungen in Klappholtal gemacht ?
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Roy aus Berlin schrieb am 11. Mai 2022
An das an was ich mich erinnern kann ist das ich im Zug saß bei einer Fremden Frau die mir erzählte das meine Mutter mit kommt und im anderen Abteil sitzt. Als der Zug los Rollte und ich meine Mutter draußen stehen sah und zu mir Winkte war meine letzte Erinnerung. Keine Erinnerung an die Zugfahrt bzw. Ankunft. Ich wurde wahrscheinlich so oft ruhig gestellt das ich nur noch weiß :Ärztliche Untersuchen grundsätzlich Nackt und ich wurde unten angefasst. Dass andere Kinder mit im Raum waren kann ich ausschließen, zumindest habe ich keine Erinnerung das mehrere gleichzeitig untersucht wurden.
Außerdem weiß ich das ich damals noch viel in die Hose gemacht habe und man mich vor anderen Kindern so vorgeführt wurde mit dem Satz der Roy hat wieder in die Hose gemacht. Ich stand auch in irgendeinem Keller und hab aus dem Fenster gekuckt und ich war auf der Suche nach einem WC im Schlafanzug und alle anderen Kinder waren komplett angezogen mit Bommel Mütze und sind raus gegangen.
ich habe gefühlt jede Nacht Erbrochen. 1 mal Sauna und ein Eiskaltes Wasserbecken ..... ich bin der Meinung das Wasser war Salzig. Wir haben Nackt an irgend einem Licht sitzen müssen und man mußte sich gegenseitig mit einer Büste den Rücken bürsten. Dafür das ich 6 Jahre war kann ich mich an viel zu wenig erinnern kein Essen keine Zimmer kein Draußen sein, aber das was ich im Kopf habe war alles, nur nicht schön. Ich kam von der Kur mit 40 Grad Fieber und man hat mich vom Zug aus mit der MSH ins Krankenhaus gefahren wurde
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Baldian Loth schrieb am 21. April 2022
Eine weitere Begebenheit zu dem Heim "Caritashaus Feldberg/Schw." fällt mir gerade noch ein.
Wie UNVERANTWORTLICH diese sog. "Kindertanten" handelten wird an folgendem Beispiel deutlich:
Wir gingen eines Nachmittags beim Spaziergang den sog. "Felsenweg" (vielleicht kennt jemand diesen Weg). Der Weg war nicht sehr breit, aber... direkt neben dem Weg herrschte akute Absturzgefahr (auf die auch ein Schild am Weg hin wies!) wo eine steile Felswand mehr als 100 Meter in die Tiefe ragte und unten war ein kleiner See (der "Feldsee").
Hier sieht man deutlich, wie unverantwortlich das Personal gewesen ist.
Zum Glück ist nichts paasiert, aber
man stelle sich vor, ein Kind wäre bei der Wanderung abgestürzt....
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Baldian Loth schrieb am 20. April 2022
Wie ich kürzlich in Erfahrung bringen konnte:
Der Amtsarzt der mich beim ersten Mal verschickt hatte, war von 1946...1961 Amtsarzt in einem Landkreis in Oberhessen. Vor seiner "Dienstzeit" war er Militärarzt. Das kann nur im sog. "Dritten Reich" gewesen sein. Folglich mußte er wohl "linientreuer" Nazi gewesen sein, sonst hätte er diesen Posten nicht bekommen.
Mir wurde gesagt, daß er mit Kindern überhaupt nicht umgehen konnte. Das hat man auch bei den Reihenuntersuchungen in den Schulen gemerkt... wie er die Kinder angeschrieen hatte - wie auf dem Kasernenhof. Ich konnte ihn nicht leiden - es war ein Schweinehund ! - und ich verzeihe ihm heute auch nicht, auch wenn ihn längst das Zeitliche gesegnet hat.
Es war der typische "Halbgott in weiß" !!
Wenn man all dies vorher weiß, wundert es einen nicht, wenn die Kinder dann Angst hatten vor dem Doktor, oder auch vor den Ärzten in den Verschickungsheimen. DIe können nicht besser gewesen sein. Wer weiß wieviel Alt-Nazis da noch ihr Unwesen trieben...
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Anonym schrieb am 20. April 2022
Ich war im Alter von 11 Jahren in Bad Sachsa in einem Heim an der Steinaer Straße. Am ehesten passt von der Topologie (Ortsauswärts mit weiteren Gebäuden, unter anderem ein Kinderheim für "Dauergäste", bergabwärts) das Haus Warteberg. Es könnte aber auch das Haus Bergfrieden gewesen sein.

Die Heimleiterin war damals eine korpulente Frau so um die 50. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht im Kleinkindalter dort war.

Es gab keine direkte körperliche Gewalt der "Erzieherinnen", zumindest nicht bei uns älteren Jungen. Das Prinzip war mehr "Teile und herrsche". Beispiel: Ein Junge musste mittags den Sättigungsbrei wieder erbrechen. Ein Teil landete auf dem Teller, ein Teil auf dem Tisch und ein Teil auf dem Fußboden. Alle sollten solange sitzen bleiben, bis der Teller wieder leer gegessen war. Für das Saubermachen des Fußbodens wurde ein älterer halbstarker Junge ausgesucht, der das Säubern währenddessen erledigen sollte. Der obligatorische Mittagsschlaf fiel aus, dafür war die obligatorische Wanderung um den Ravensberg umso länger und härter. Dass der Junge, der das Essen verweigerte, von dem älteren Jungen mit anderen Mittätern dabei verprügelt wurde, wurde von den Erzieherinnen "ignoriert", d.h. gezielt gewollt.

Manchmal hörte man tagsüber kleiner Kinder aus dem Waschraum im Keller schreien. Nach den Schilderungen anderer "Kurgäste" hier weiß ich nun, weswegen.

In den ganzen 6 Wochen gab es keinen Schulunterricht. Der Tagesablauf war folgendermaßen:
Aufstehen, Anstehen, Frühstücken, Anziehen, Wandern, Anstehen, Mittag essen, erzwungener Mittagsschlaf (Bei 10 bis 14jährigen Jungen!), Wandern, Anstehen, Abend Essen, Frühes Schlafen gehen.

Das Essen war wortwörtlich zum Kotzen. Die hygienischen Zustände waren so schlecht, das ich mit einigen anderen Mitinsassen die Röteln bekam. Das hieß dann noch längere Bettruhe, aber man hatte Ruhe vor den Erzieherinnen, die mit dem Rest wanderten. Gelegentlich kam dann die Heimleiterin und sah nach dem Rechten. Sie tat etwas freundlicher. Das wird aber eine Fassade gewesen sein, denn letztendlich war sie verantwortlich dafür und machte damit ihr gutes Geschäft.

Ich hatte vieles von dem Erlebten lange verdrängt. Durch eine Reportage im TV kamen einige Erinnerungen wieder hoch.
Ich würde nicht behaupten, dass mich das nachhaltig traumatisiert hat. Die Konsequenzen waren ein Absacken der schulischen Leistungen danach und ein vorzeitiges Ende der Kindheit. Ich war nach der "Kur" einfach nur saumäßig wütend auf meine Mutter.

Die 6 Wochen sind aber ein verlorener Teil meiner Jugend.
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Andreas schrieb am 16. April 2022
Nachtrag:
Auszug aus aus den AGB des Heimes.
Kinderkurheim St. Josef
Stationsberg 32
Telefon: 2716
Höhe: 340 m
Träger: Missionsschwestern vom Kostbaren Blut e.V.
Betten: 160
Aufnahme: Knaben und Mädchen von 4-14, ganzjährig, kath.; nicht aufgenommen werden Bettnässer, infektiöse Kinder, Kinder mit Hauterkrankungen
Preis: DM 8.-
Kurmittel: Solebäder, Trinkkuren, Gurgeln, Inhalationen, Heilgymnastik, Liegekuren, Bürstenbäder, Höhensonne, Leberschonkost
Ärztliche Behandlung durch Facharzt für Kinderkrankheiten
Indikation: Chronische Erkrankungen der Atemorgane, abklingende Hilusdrüsentuber kulose, Magen-, Darm-, Kreislaufstörungen, Neuropathien, Anämien, Erschöpfung, Milieuschäden, Haltungsschwächen, lymphatische Diathesen, Hepatopathien
Gegenanzeige: Asthma
Kindergärtnerin, Jugendleiterin; Spielwiese, Planschbecken, Bastelzimmer, Wanderungen; Mindestaufenthalt 6 Wochen: ruhige, sonnige Lage.
Quelle: verschickungskinder.de

Es ist vermutlich so, dass ich erst nach der Kur zum Bettnässer wurde, weil die Anstalt keine Bettnässer aufnahm. Meine Mutter schweigt zu den Vorfällen und warum ich dorthin abgeschoben wurde... 🙁
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Anonym schrieb am 15. April 2022
Schwarzes Loch. Seit Jahrzehnten. Eine alte Postkarte ist das einzige Zeugnis, daß ich überhaupt"dort war" - in irgendeinem Kinderkurheim der BEK oder DAK, in 1972 oder 1973 (da war ich 10/11 und meine Schwester 8/9). Diese Postkarte habe ich in eigener Schrift erstellt, das weiß ich; aber der Inhalt, die Worte : das war nicht ich.
Meine Mutter verweigert sich (noch lebt sie....); wir wären dorthin geschickt worden, damit sie in Ruhe den Umzug (nach der Scheidung) vollziehen konnte. Mehr kommt nicht von ihr, Unterlagen alle nicht mehr vorhanden.
Aber dieses tumbe, diffuse und erbärmliche Gefühl von Verlassen sein, heimatlos, entrissen (meine Schwester, 2 Jahre jünger, war zur selben Zeit in einem anderen Kinderkurheim im Allgäu) und vor allem KEINERLEI Erinnerungen zu haben - das ist das Schlimmste !!!!!
Ich fahre in ein paar Tagen nach Borkum, zufällig. Spurensuche sinnlos und dennoch wüsste ich gerne, WO ich da eigentlich für 6 unendlich lange Wochen gewesen bin - mit all den Anderen, von denen ich per Zufall gelesen habe. War noch jemand dort um diese Zeit und kann berichten ???
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Andreas schrieb am 14. April 2022
Hallo an alle "Kurkinder".

Ich musste im Jahre 1971 als 6-jähriger Junge aufgrund von Einnässen und Untergewicht in die Kuranstalt.
Ich weiß noch, dass ich damals von Zuhause mit einem VW-Bus (T2) vermutlich eingesammelt wurde.
Als der Bus vor dem Haus stand und meine Mutter mich dorthin begleitete, fing ich an jämmerlich zu weinen.
Mein Weinen war so extrem, dass der Bus nicht abfahren konnte.
Ich verstand nicht, warum ich alleine von der Mutter getrennt, mitgenommen werden sollte.
Erst nach längerem heulen und betteln nicht mitfahren zu müssen, fuhr der Bus los.

Dort angekommen wurden wir aus dem Bus genommen und an die Heimleiterin abgegeben.
Wir mussten übles "Heilwasser" trinken und bevor das Glas nicht leergetrunken war, gab es kein Essen. Das konnte schon den ganzen Tag dauern. Nachts wurden wir im Schlafsaal eingesperrt und wehe dem der ins Bett gemacht hatte.
Ich weinte 6 Wochen und 2 Tage dauerfaft jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde und konnte deswegen kaum an "Freizeitveranstaltungen" (auf den Kurspielplatz und auf dem Kurgelände rumlaufen), teilnehmen.
Deshalb musste ich die meiste Zeit im Heim bleiben.
Ich fragte ununterbrochen, warum ich hier sein muss und wann ich wieder zurück zu meine Mama kommen werde.
Eine Antwort darauf gab es nicht.
Ich wusste nicht, was 6 Wochen bedeutet, wie lange 6 Wochen dauern und so glaubte ich niemals mehr zurück zu kommen.
Weil ich nicht lesen und schreiben konnte, durfte ich mehrmals mit meiner Mutter telefonieren und fragte immer mit Tränen in den Augen, wann sie mich den abholen kommt. Eine Antwort darauf bekam ich nicht.

An Details der Verschleppung kann ich mich heute nicht mehr errinnern. Im meinem Kopf ist aber hängen geblieben, dass die Duschtante reges Interesse an meinen Genitalien hatte und nach dem Ausziehen mehrmals daran heimlich herumgespielt hatte.

Nach einer unvorstellbar langen Zeit , wurde ich wieder zuhause abgegeben. Mein Vater war nicht da und meine Mutter zeigte keine Gefühle sich zu freuen, dass ich wieder zurück war. Nicht mal ein Geschenk habe ich bekommen.
Ab diesem Zeizpunkt war ich ein anderes Kind.
Ich machte jede Nacht mehrmals ins Bett und meine Mutter war auch ab und an genervt, nachts öfter aufzustehen , um mich trocken zu legen.
Dieser Kuraufenthalt hat mich mein Leben lang geprägt. Ich bin heute, nach 51 Jahren, wieder in Psychotherapie und habe nie ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern aufbauen können.
In der Schule war ich immer der Angsthase und hatte immer panische Angst, wenn ich vom Lehrer drangenommen wurde.
Die Klassenfahrten mit Übernachtungen waren für mich grauenhaft.
Ich hatte ca. 40 Jahre lang danach kein Selbstwertgefühl und war gegen jeden und alles sehr skeptisch und zurückhaltend.
Heute leide ich unter psychischer Hypertonie und muss jeden Tag Tabletten dagegen nehmen...

Viele herzliche Grüße an alle, die auch sowas mitmachen mussten!
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Anonym schrieb am 8. April 2022
Ich konnte wegen körperlicher Mängel im Alter von 6 Jahren nicht eingeschult werden und wurde zur Erholung nach Schalksmühle geschickt. Ich werde nie vergessen wie unmenschlich und herzlos da mit Kinder umgegangen wurde.Wer z.B sein Mittagessen nicht auf gegessen hat musste sitzenbleiben bis der Teller leer war, selbst erbrochenes musste gegessen werden. Wer im Schlafraum Unsinn machte musste ohne Decke im Flur nachts auf einer Holzbank ohne Decke schlafen.Es war der reinste Horror und ich habe oft vor lauter Heimweh geweint und nicht schlafen können.Von Zuneigung und Verständnis seitens des Personals keine Spur.
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Baldian Loth schrieb am 28. März 2022
Liebe MitLEIDENDE !

Ich habe diese Seiten zufällig entdeckt, als ich in YouTube Berichte des SWR und des NDR über "Verschickungskinder" gesehen habe. Ich habe darauf hin mal näher im www recherchiert und bin auf das Forum hier gestoßen.
Nachdem ich einige Erlebnispostings gelesen habe - ich bin ja selbst betroffen als "Verschickungskind" - kann ich nur sagen:
Es ist kaum zu glauben, daß es in unserem demokratisch regierten Land noch lange Zeit solche "Heime" gab - oder sollte man besser sagen: "Kinder-KZ's" - mit derart despotischer, sadistischer und verbrecherischer Gesinnung !
Was geht nur in einem Menschen vor, der andere Menschen - dazu noch die wehrlosesten, nämlich KINDER in solch schrecklicher Weise drangsaliert???
Solche Menschen müssen doch ein krankes Hirn haben !! Haben sie etwa Minderwertigkeitskomplexe die sie verdrängen wollen?
Haben sie aus der Nazi-Zeit nichts gelernt?
Die Berichte der betroffenen hier sind erschütternd! Man glaubt direkt, es würden KZ-Überlebende berichten !
Nur schade, daß heute viele von diesen Verbrechern - ja man muß sie so nennen - nicht mehr leben und daß viele Taten juristisch verjährt sind.
Ich denke daß viele die hier schreiben heute eher den Mut fassen, über ihre Erlebnisse zu berichten, auch angesichts der Tatsache, daß die ganzen Mißbrauchsskandale der Kirchen BEIDER Konfessionen immer mehr ans Tageslicht kommen.
Hoffentlich landen noch viele Täter/-inner da wo sie hingehören: Im Gefängnis !
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Baldian Loth schrieb am 28. März 2022
Ich war in dem o.g. Zeitraum auch als "Verschickungskind" in diesem als "Erholungsheim" deklarierten Heim. Es war keine Erholung sondern ein 6-wöchiger Horrortrip! Für jeden "Furz" den man lies mußte man die Gruppen"tante" fragen ob man auf's Klo gehen darf. Was soll sowas? Nachts war Toilettengang verboten. Vor lauter Langweile wußten die Gruppen"tanten" nicht wohin sie mit uns am Nachmittag spazieren gehen sollten. Mindestens 90% der ganzen "Kur" liefen wir die selbe Wegstrecke.
Das Essen war ein Fraß, den man eher Schweinen vorsetzen konnte als uns Kindern.
Mir ist dieses Heim in äußerst schlechter Erinnerung. Ich nannte es als ich wieder zu Hause war, "Klein Auschwitz"...!
Mich würde mal interessieren, ob der damalige Heimleiter Nazi-Vergangenheit hatte.
Ich vermute fast, daß in vielen Heimen dieser Art die Leitung eine solch unrühmliche Vergangenheit hatte. Wundern würde mich das nicht.
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Anonym schrieb am 21. März 2022
Ich war zur Erholung nach Bischofsried verschickt worden, da ich in keinem guten psychischen Zustand war, während einer Scheidungskrise meiner Eltern. Mein Vater tyrannisierte die ganze Familie und war sehr gewalttätig. In dem Heim war ich sechs Wochen, eine gefühlte Ewigkeit, da ich noch kein Gefühl für Zeiträume hatte. Ich war sehr in mich zurückgezogen und fühlte mich dort isoliert. Es gab strenge Regeln. So musste jeden Tag drei Stunden Mittagsschlaf gemacht werden, ob wir müde waren oder nicht spielte keine Rolle. Störte ein Kind wurde es vom Essen ausgeschlossen oder wurde ins Gemeinschaftsbad eingesperrt. Das galt auch für die Nacht. So habe ich mehrere Nächte im Bad in meinem Nachthemd verbracht. Einmal aß ich Kinderzahnpasta mit Beerengeschmack, davon wurde mir natürlich schlecht. Das meiste habe ich vergessen, es sind nur einzelne Erlebnisse die durchbrechen. Schläge waren für mich normal, das kannte ich aus dem Elternhaus. Von daher kann ich nicht sagen, ob es auch Ohrfeigen o.ä. gegeben hat. Ich hätte mich nicht darüber gewundert, sondern bin davon ausgegangen, dass das zur Erziehung von Kindern dazugehört. Ich weiß nur noch von dem nagenden Heimweh und dass ich dort keinen Trost fand. Meine Mutter beschrieb mich als verstört, als ich wieder nach Hause kam und andere Mütter berichteten ebenfalls von den Erlebnissen der Kinder. Das Heim wurde daraufhin geschlossen
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Anonym schrieb am 19. März 2022
Jahrelang hatte ich alle Erinnerungen an eine der schlimmsten Zeiten meines Lebens verdrängt. Erst durch die Berichte in den letzten Jahren ist mir klargeworden, dass ich keineswegs allein war mit meinem Erleben und dass das ganze einen Namen hat: „Verschickungskind“. Mit den Veröffentlichungen, die ich gehört und gelesen habe, kamen auch bei mir die Erinnerungen wieder. Und als ich das alte Bild des Caritashauses Feldberg auf einer Internetseite entdeckt habe, empfand ich Enge im Brustkorb, Gefühle, kaum und nur unter Schmerzen atmen zu können.
Ja, auch ich war ein "Verschickungskind" im Caritashaus auf dem Feldberg. Es war 1965, ich war gerade 6 Jahre alt geworden und lebte in Hessen. Nach einer Keuchhusteninfektion kam ich nicht mehr richtig auf die Beine und wurde deshalb vom zuständigen Gesundheitsamt dorthin geschickt - meine Eltern wollten mich zwar nicht gehen lassen, konnten sich aber gegen die von ihnen als "Anordnung" empfundene Verschickung nicht wehren. Am Bahnhof in Frankfurt wurde ich ihnen weggenommen, bekam einen Zettel umgehängt und wurde in einen Zug Richtung Schwarzwald gesetzt. Noch nie war ich zuvor von meiner Familie getrennt gewesen.
Im Heim erlebte ich dann das, was hier schon wiederholt berichtet wurde: einem schrecklichen System ausgeliefert sein, Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle. Auch 1965 wurde ein sehr strenges Regime geführt, alle Teller mussten leer gegessen werden, auch ich habe erlebt, dass andere Kinder Erbrochenes wieder essen mussten. Bei Tisch durfte nicht gesprochen werden, sonst gab es Strafen. Baden (ich glaube, das fand ein- oder zweimal wöchentlich statt) war ein Albtraum: im Keller gab es einen eiskalten Baderaum. Wir mussten in Reih und Glied anstehen, standen wartend auf den kalten Fliesen, zu diesem Zeitpunkt schon nur noch spärlich gekleidet, und froren entsetzlich. Wenn wir dann endlich an der Reihe waren, wurden wir mit kaltem Wasser abgesprüht und gewaschen. Weinen war nicht gewünscht, zog ebenfalls Sanktionen nach sich. Also lernte ich sehr schnell, mich möglichst unauffällig und ruhig zu verhalten, nicht zu widersprechen, Tränen herunterzuschlucken.
Damals gab es im Heim eine "Tante", die anders war, die Wärme und Zuneigung ausstrahlte und uns manchmal sogar tröstete. Wir liebten sie sehr. Etwa nach der Hälfte meines Aufenthaltes verließ sie das Caritashaus. Sie durfte sich nicht einmal von uns verabschiede. Es gelang ihr aber noch, uns zu sagen, dass sie es in diesem Haus einfach nicht mehr aushalte und deshalb gehe. Sie weinte und wir versuchten heimlich, ihr aus dem geschlossenen Fenster noch zuzuwinken. An diesem Tag weinten wir praktisch alle und die im Haus verbliebenen "Tanten" waren noch biestiger als sonst, verteilten fleißig Strafen für alles und nichts.
Besonders schlimm war für mich, dass ich noch nicht schreiben konnte. Und so musste ich einer der Erzieherinnen an dem Tag, an dem die Postkarten an die Eltern geschrieben wurden, meinen Text diktieren. Da ich einfach gar nichts sagte, legte sie mir letztendlich die Worte, die auf dieser Karte standen, in den Mund: „mir geht es sehr gut. Im Schwarzwald gibt es viele Bäume...“. Dazu muss man wissen: meine Mutter stammt selbst aus dem Schwarzwald und wir haben oft ihre Verwandten dort besucht. Dass der Schwarzwald viele Bäume hat, wußten sowohl sie als auch ich sehr gut und es hätte nicht auf dieser Karte stehen müssen. Viel später hat mir meine Mutter erzählt, dass sie in dem Moment, als sie die Karte gesehen hat, wusste, dass es mir nicht gut geht. Sie hat wohl mit meinem Vater überlegt, ob sie einfach losfahren und mich dort herausholen sollten, haben dies aber dann nicht gewagt.
Von meiner Lieblingstante Dora, die wohl auch ahnte, dass es mir schlecht ging, erhielt ich ein Paket mit einer schönen Karte und Süßigkeiten geschickt. Als die Post verteilt wurde, erhielt aber ein anderes Mädchen, das zufällig den gleichen Namen wie ich trug, dieses Paket. Ich wusste sofort, dass es eigentlich mir gehörte und meldete mich deshalb. Auch die „andere Gabi“ hat dann sehr schnell gesagt, dass sie gar keine Tante Dora habe. Die Süßigkeiten wurden dann aber an alle verteilt und weil ich mich beschwert hatte, erhielt ich nichts davon. Wenigstens ließen sie mir die Karte, die ich zwar nicht lesen konnte, die ich aber wie einen Schatz hütete - eine Verbindung nach zu Hause.
Nach meiner Rückkehr haben sich meine Eltern beim Jugendamt unserer Stadt beschwert: in meinem Koffer fanden sie zwei Drittel meiner mitgegebenen Kleider noch unbenutzt, dafür waren zwei Unterhosen und ein Waschlappen so verschmutzt und vergammelt, dass sie diese nicht einmal mehr gewaschen, sondern weggeworfen haben. Auch über die sonstigen Verhältnisse, die ich ihnen geschildert habe, haben sie berichtet. Von der Ärztin des Gesundheitsamtes seien sie aber rasch mit den Worten: "das kann nicht sein, dort ist alles in Ordnung" abgewiesen worden.
Ich habe diese Zeit überstanden - geprägt hat sie mich aber sehr wohl. Viele meiner Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien, von denen ich einige so gern ablegen würde, sind wohl in diesem Lebensabschnitt entstanden.
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Irene Heimann aus Brixen/Italien schrieb am 16. März 2022
Als ich ca. 1958-1959 für 6 Wochen nach Weilmünster kam, war ich 7-8 Jahre alt.
Es war sehr befremdlich für mich und ich hatte ständig Angst vor den strengen Erzieherinnen, einige Kinder wurden grob misshandelt. Ich erinnere mich, dass ein Mädchen das ungenießbare Essen erbrach und das Erbrochene wiederholt aufessen musste.
Die Unterwäsche wurde nur selten gewechselt und abends musste man sie vor allen vorzeigen, ob sie beschmutzt war, wehe wenn ja.
Man wurde zum Essen gezwungen. Nachdem ich krank geworden war, habe ich das zugenommene Gewicht wieder verloren, auch das wurde kritisiert.
Den Inhalt der Päckchen von zu Hause teilten sich die Erzieherinnen unter sich auf. Inzwischen ist meine Erinnerung etwas verblasst. Ich weiß nur, dass ein Alptraum war.
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Andrea BAuer-Lecher aus REutlingen schrieb am 25. Februar 2022
Ich muss im Spätherbst des Jahres 1967 ins Allgäu verschickt worden sein, weil ich zu mager war.
Ich war auf alle Fälle über den Nikolaustag in der Verschickung, da ich, weil ich "nicht brav" war, nur eine leere Rute bekommen habe.
Ich war wenig zuvor erst eingeschult worden und konnte so gut wie noch nicht schreiben. Bis vor wenigen Jahren existierte eine Postkarte von mir, die nicht zu entziffern war. Leider hat meine Mutter diese inzwischen weggeschmissen. Ich erinnere mich an einen Brief, den ich diktieren sollte, und meine Angabe "ich habe Heimweh" wurde nicht geschrieben. Von diesem Brief weiß ich allerdings auch nicht, ob er jemals meine Eltern erreicht hat. Ich erinnere auch, dass andere Kinder ihre geschriebenen Briefe nach der Korrektur wieder zurück bekamen, weil sie "falsche Dinge" drin geschrieben hatten, wie z.b. Heimweh oder das Essen schmeckt nicht.
Ich weiß auch noch, dass wir Pakete von den Eltern erhalten haben, aber der Inhalt wurde sicher durchgesucht. Vom Nikolaus Paket habe ich dann nachträglich etwas erhalten.
Neben unserem Heim war ein Heim für adipöse Kinder, die uns über den Zaun hinweg um Essen angebettelt haben. Ich erinnere mich noch, das diese Kinder ihre Äpfel gegen unsere Nikolausschokolade eintauschen wollten.
Meine Mutter hat mich auf den Bahnhof in Reutlingen gebracht, von dort aus wurde ich dann mit dem Zug verschickt. Ich erinnere mich noch daran, dass mein Koffer nicht zusammen mit mir angekommen ist und ich zunächst einmal Notkleidung tragen musste, die mich angeekelt hat.
Ich meine mich auch zu erinnern, dass Schnee lag als wir ankamen, und es furchtbar kalt war.
Zur gleichen Zeit war ein Mädchen mit einer relativ frischen Blinddarmoperation mit mir untergebracht. Das weiß ich noch, weil sie einmal auf der Treppe nach oben in den Schlafsaal direkt vor mir zusammengebrochen oder gestolpert ist, und man mir die Schuld daran gegeben hat. Am Abend wurde mir daraufhin der nackte Hintern öffentlich versohlt.
Im Bett neben mir schlief eine Cordula, die "im Balett war" und mir deswegen immer ihren Fuß ins Gesicht gestreckt hat, weil sie Spagat konnte. Ich habe natürlich versucht mich zu wehren, und wurde wiederum bestraft....
Wenn ich an diese Zeit denke, habe ich nicht viel mehr, als die hier geschilderten Erinnerungen, aber ein Gefühl der Angst, des Ausgeliefert und Verlassen-seins legt sich wie ein dunkler Mantel über mich. Jedes Detai, das an die Oberfläche steigt löst Übelkeit und Trauer aus.
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Anonym schrieb am 20. Februar 2022
Im Jahr 1955 wurde ich als 13jährige in ein katholisches Kinderkurheim in Bad Sassendorf verschickt. Der Name des Heims ist mir nicht erinnerlich. Es wurde von katholischen Nonnen geführt. Ich selbst war protestantisch. Die Kinder befanden sich in einem Alter von ca. 6 bis 15 Jahren. Neben den Nonnen gab es noch 2 oder 3 Aufsichtspersonen, die Zivilkleidung trugen und offenbar keine Ordensschwestern waren. Am Tag unserer Ankunft wurde uns in einem großen Schlafsaal mit bestimmt 50 Betten jeweils ein Bett und ein Schrankfach zugewiesen. Wir mussten unsere Sachen in das Fach einräumen, wobei wir genau kontrolliert wurden. Es waren z.B. weder Fotografien von der Familie noch Bücher erlaubt, lediglich, was auf einer Liste stand, durfte eingeräumt werden, alles weitere wurde "in Verwahr" genommen. Am ersten Abend mussten wir alle neben unseren Betten im Nachthemd warten, bis wir einzeln aufgerufen wurden, um in einer abgeteilten Ecke des Schlafsaals unsere "Entlausung" über uns ergehen zu lassen. Manche der Kinder weinten hinter der mit Laken abgeteilten Ecke, einige kamen dann mit umwickelten Köpfen wieder heraus und waren den Blicken aller ausgesetzt. Die meisten von jenen weinten und schämten sich. Nach dieser Prozedur mussten alle Kinder auf dem Boden knieen, bis eine Litanei von Gebeten heruntergerasselt war, von denen mir als Protestantin nur „das Vater unser“ bekannt war. Als eine Schwester bemerkte, dass ich nicht laut mitbetete, wurde ich gerügt und aufgefordert, laut allein zu beten. Auf meine Erklärung, dass das "Gegrüßest seist du Maria" in der evangelischen Kirche nicht gebetet würde, wurde ich als gottlos geschimpft und aufgefordert, es auswendig zu lernen. Gleich am nächsten Tag wurde ich abgefragt und konnte es daher sagen. Es gab täglich vier Mahlzeiten, die wesentlich aus einem dicken Haferbrei bestanden. Nach einem zweiten Frühstück um 11 Uhr mussten alle Kinder - egal welchen Alters und ob müde oder nicht - wieder in den Schlafsaal und eine Stunde Ruhe halten. Sprechen oder Lesen war nicht erlaubt, zumal es auch nichts zu lesen gab. Die Teller mussten leergegessen werden; an jedem der langen Tische saß eine Nonne oder eine der Aufsichtspersonen und schaute, ob jemand versuchte, sein Essen der Nachbarin zuzuschieben, die mehr Appetit zu haben schien als man selbst. Das war verboten und wurde mit Strafe belegt: Bettruhe statt Spaziergang am Nachmittag. Als mehrere von uns diese Tatsachen nach Hause schrieben, (Briefe schreiben durften wir nur an bestimmten Tagen) wurden wir an jenem Abend aus dem Bett geholt und zur Oberin gebracht. Dort wurden wir als undankbar beschimpft und zwei oder drei Mädchen bekamen eine Sonderstrafe. Sie mussten eine Stunde neben ihrem Bett knieen und Abbitte tun für ihr sündiges Verhalten. Wir wussten jetzt also, dass unsere Briefe vor dem Absenden gelesen wurden und vermieden es, uns noch einmal zu beschweren. Diese sechs Wochen waren eine reine Psychofolter für mich. Vom Nudeln mit Haferbrei und den täglichen Liegekuren hatte ich an Gewicht zugenommen, aber ich erinnere mich, dass ich daheim in den ersten Tagen stundenlang durch die Wälder gelaufen bin, die den kleinen Ort im Sauerland umgaben, in dem ich damals lebte. Das hat meiner Seele gut getan. Meiner Mutter habe ich nicht viel vom Heim erzählt; sie war , wie viele Kriegswitwen damals, alleinerziehend und musste in einer Fabrik schwere Arbeit tun, um meine Schwester und mich durchzubringen. Und ich war ja wieder zu Hause und glücklich darüber. Meine sonstige Kindheit war aber trotz dieses Heimerlebnisses und der Armut im Nachkriegsdeutschland sehr schön,was ich auch meiner Mutter zu verdanken habe, die mit uns Kindern in der wenigen freien Zeit viele schöne Dinge unternahm.
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amant20025 aus Wuppertal- Elberfeld schrieb am 20. Februar 2022
Ich , Carina , war damals 4-5 Jahre und wurde verschickt, weil ich so dünn war.
Am Frühstückstisch fing es schon an, wir mussten alles aufessen was aufgetischt war. Man musste das essen, was für einen auf dem Teller angerichtet wurde.Egal ob man dies mochte oder nicht.
Das Mittagsessen musste auch komplett aufgegessen werden, tat man dies nicht, musste man solange sitzen bleiben , bis der Teller leer war. Dauerte es zu lange, bekam man den Teller mit dem Mittagsessen zur nächsten Mahlzeit wieder serviert.
Abendb rot musste ebenfalls vollständig aufgegessen werden. Meine Tischnachbarin , sie war älter, behielt Essen im Mund,was sie nicht mochte, meldete sich um
Pipi machen zu müssen und spuckte dies dann im WC aus. Wurde sie erwischt, gab es Strafen.
Ich musste einmal zum Abendbrot einen Rollmops essen , den ich überhaupt nicht mochte. Den habe ich in der Nacht erbrochen ins Bett und eine grosse,schlanke,junge, blonde mit Kurzhaarschnitt
-die immer forsch und ungehalten war - riss mich aus dem Bett und schimpfte mit mir. Ich war starr vor Schreck.Ich musste wegen des Essens öfters in der Ecke lange stehen, weil ich das Essen nicht mochte bzw.auch nicht aussuchen durfte.
Frl. Schiele, eine rundliche Dame mit Brille, war als einzige liebevoll , die aber unter der jüngeren Frau zu leiden hatte. Frl.Schiele hat immer versucht liebevollen Ausgleich zu finden, was die jüngere Frau unterband.
Viele Dinge von damals habe ich verdrängt, es war für mich ein Albtraum.
Folgen: Kuren bis heute versucht abzulehnen aus Angst, ich komme wieder in solche Situationen.
Einmal gelang mir dies nicht, ich musste 5 Wochen zur Kur und mir ging es bis zum Antritt der Kur sehr, sehr schlecht wegen der Erfahrungen in Simmersfeld.
Bis heute esse ich kein Brot, keine Butter, Margarine, Wurst,Fisch , weil ich mich davor ekel, ich kann es nicht mal riechen seit Simmersfeld.
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Thorsten Schütte aus Sala / Schweden schrieb am 19. Februar 2022
Leider kann ich mich nicht an den Namen des Heimes erinnern. Bin 57 geboren und habe dort 6 Wochen im Spätsommer 65 durchlitten.
Strenge Tanten, Schläge mit Stock wenn man nicht während der Mittagsruhe mucksmäuschenstill war. Durst wegen zu wenig zu Trinken, schlechtes Essen und wohl viel woran ich mich nicht explixit erinnere aber aus meinen späteren Problemen Schlüsse ziehe:
Esse schnell – Weil ich seit der Kur kaltgewordenes Essen hasse
Paruresis – wohl wegen Toilettenbeschränkungen
Parkinson – ein erster Knacks im Dopaminsystem durch im Heim verabreichte Neuroleptika?
Ich war also 6 Wochen in einen Heim (Ziegelbau, unbekannter Träger) im August/September 65 auf Langeoog. Zu dem unten Gesagten kann ich noch hinzufügen dass ich mich an sauergewordene Milch, synthetisch aussehenden und schmeckenden Pudding und Durst erinnere, der trieb mich Nachts aufs Klo um aus dem Hahn zu trinken. Kann mich an Strand, Wanderungen und Besuch auf einem Seenotrettungsboot erinnern. Hin und zurück von und nach Kassel mit der Bahn und Betreuerinnen.
Seit Langeoog habe ich, auch noch als Erwachsener, grosse Probleme mit Heimweh gehabt.
Es beunruhigt mich von der häufigen Verabreichung von Beruhigungsmitteln, Neuroleptika, zu lesen.
Ich bekam viel später erst die Diagnose Aspergers Syndrom und dann nach einer neuen Krise auch ADHS, die Medizin dafür (Concerta) trieb mich in eine Psychose die zu drei Wochen stationärer Behandlung mit u a Elektroschocks führte. Das Neuroleptikum gegen die Psychose, Olanzapin, löste Parkinsonsymtome aus die nach dem Absetzen teilweise verschwanden, aber dann als ”richtiger” Parkinson zurückkamen. ADHS habe ich wohl nie gehabt, die Symptome kamen von frühen Stadien des Parkinson.
Man müsste mal untesuchten ob Verschickungskinder bei neuropsychiatrischen Diagnosen, Parkinson, Alzheimer, MS, ALS usw überrepresentiert sind und ob das Spätfolgen die Medizinierung mit Neuroleptika sind!
Ich wurde wegen häufiger Bronchitis an die See geschickt, das hat zwar gegen die Bronchitis geholfen, aber zu welchem Preis! ☹
Ein Jahr nach Langeoog war ich auf der Waldschule der AWO in Kassel, das war eine Tageskolonie und gefiel mir gut, wohl Sozis statt Nazis… 😉
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Anonym schrieb am 19. Februar 2022
Meine Mutter musste wohl selbst in Kur und unser Vater wusste wohl nicht wohin mit mir(damals 8) und meinem kleinen Bruder(damals 5).Also wurde einfach beschlossen das wir beiden zusammen in Kinderverschickung kommen sollen.Und dabei waren wir beide kerngesund!Wie das ging und wie meine Eltern das damals durchgesetzt hatten,keine Ahnung.Also musste unsere Mutter erst mal unsere ganze Kleidung mit Bügelschildchen versehen und einzeln von Hand beschriften.Dann alles in unsere Koffer gepackt und je eine Inventarliste ausgefüllt und dazu gelegt.Wir bekamen nicht wirklich viel Wäsche mit da unsere Mutter wohl dachte es würde dort regelmässig Wäsche gewaschen,ein fataler Irrtum wie sich später noch herausstellen sollte.Also bekamen wir jeder noch eine kleine Plastiktrinkflasche um den Hals,die fasste aber gerade mal 250 ml und war schnell leer…Und ab zum Bahnhof mit uns.An einen herzlichen Abschied kann ich mich nicht erinnern,Hauptsache wir waren endlich weg,so fühlte es sich für uns beiden an.Die gefühlt ewig lange Zugfahrt war begleitet von Durst da unsere Flaschen längst leer waren und wir Durstig und hungrig waren,aber es gab nichts zu tinken im Zug,auch nicht für die anderen Kinder.Angekommen wurden wir sofort getrennt und der Gebäudeteil wo mein Brüderchen untergbracht wurde war für mich unerreichbar und sogar im Aussenbereich durch eine hohe Mauer von unserem getrennt.Es gab im Aussenbereich eine Art Spielplatz,sogar mit einem schönen grossen Karusell aber auf diesen durften wir nie.Der Tag war ja streng getaktet,Aufstehen selbst ankleiden,Frühstücken,wobei ich mich an keinerlei Essenszwang erinnern kann und auch nicht an ekelerregende Speisen.Nur das es nur zu den Mahlzeiten etwas zu trinken gab,meisten Hagebuttentee.Also hatten wir sehr oft grossen Durst den wir heimlich auf dem WC am Handwaschbecken versuchten zu stillen.Dann mussten wir alle Anwendungen mitmachen,zB in riesige Holzwannen setzen die bis zum Hals mit heissen Solewasser gefüllt waren,ich hatte oft Angst darin zu ertrinken.Dann täglich Kneippgüsse wo wir einfach mal mit einem Schlauch und eiskaltem Wasser abgespritzt wurden,das war sehr unangenehm und die Käte tat weh.Aber die ausführenden Nonnen meinten immer nur das sei alles gesund und würde die Durchblutung födern.Bei Erwachsenen mag das ja angehen aber bei kleinen Kindern??Dann mussten wir täglich zu den Salinen(Gradierwerke) laufen und die Tanten befahlen und tieg einzuatmen denn die Salzluft wäre gesund.Einmal mussten wir in einen Raum in den alles vernebelt wurde und es hiess wieder wir sollen tief einatmen das sei gesunder Salznebel.Uns machte das Angst in so einem dicht vernebelten Raum sein zu müssen.Dann nach dem Mittagessen wurden 2 Stunden Mittagsschlaf erzwungen,müder oder nicht-egal! Alle Nachtwäsche anziehen und in die Betten und es hatte Ruhe zu herrschen!Wer nicht ruhig war wurde sofort rausgeholt und musste mit nackten Füssen draussen im Flur mit dem Gesicht zur Wand stehen,eine gefühlte Ewigkeit lang.Unsere Wäsche wurde nur alle 2 Wochen gewaschen ! So mussten wir jeden Tag immer das selbe anziehen,was dreckig war musste man eben auch anziehen,es wurde ja nicht gewaschen.Das war sooo beschämend,welches Kind mag schon in schmutzigen und stinkenden Sachen rumlaufen?Aber wir mussten,besonders ich wo ich eh recht wenige Stücke von Daheim mitbekommen hatte , musste sehr verwahrlost dort ausgesehen haben.Sehr schlimm war es abends,erst in der eiskalten Massendusche duschen und Punkt 7 Uhr mussten wir ab ins Bett.Und ab da hatte absolute Ruhe zu herrschen und wir durften nicht aufs Klo!Egal wie dringend es war-man liess uns nicht ,unter Androhung die ganze Nacht draussen im Flur an der Wand stehen zu müssen,traute sich bald niemand mehr auch nur daran zu denken.Einmal musste ich so dringend das es nicht mehr ging und ich überlegte wo ich Pipi machen könnte,da ich es auf keinen Fall im Bett machen wollte.Ich entschied mich für meinen Schrank und erleichtere mich darin auf meiner Schmutzwäsche! Welch beschämende Notlage sowas zu tun.Allerdings ging der Uringeruch bald auch auf meine noch saubere Kleidung über und andere Kinder verhöhnten mich weil ich eben nach Urin roch.Das beschämte mich noch mehr,das war so peinlich.Und es gab noch ein Problem,ich konnte mich nach dem grossen Geschäft nie richtig sauber machen,es war fast nie Klopapier da und das Klo war so ein riesen Ding,ich kam da kaum drauf und musste mich immer festhalten mit einer Hand.So sahen dann auch meine Höschen aus,dicke Spuren drin.Die wurden ausgerechnet am Tag vor der Abreise nach Hause entdeckt denn eine Tante packte mit uns die Koffer…Sie sah meine arg beschmutzten Höschen,hob diese vor allen anderen Leute hoch und zeigte sie herum.Seht mal hier was für ein Ferkel die doch ist-iihhhgittt nicht mal den Po abputzen tut sie ,aus lauter Faulheit! Ich weinte und weinte vor Scham und Verzweifelung-aber die Tante setze noch eins drauf und meinte ich müsste nun zur Strafe noch mal 6 Wochen bleiben.Da konnte ich mich nun gar nicht mehr beruhigen,ich habe nur noch geweint und es gab keinen Ausweg und keinen Trost.Erst als wir alle eingesammelt wurden zum Bus der zum Bahnhof fährt,merkte ich langsam das die Tante gelogen hatte und mich nur quälen wollte.Einmal gab es einen riesen Tumult,ein Junge hatte eine Platzwunde am Kopf und blutete ganz stark,da wurde mein kleiner Bruder beschuldigt ER habe mit seinen 5 Jahren einen grossen schweren Stein über die Mauer geworfen und den Jungen getroffen,verzweifelt kämpfte ich für ihn und erklärte den Tanten das er doch viel zu klein sei und seine Arme zu kurz seien um so einen Brocken über die Mauer werfen zu können,aber alles half nichts,weder meinen Tränen noch meine Worte.Er musste zur Strafe sofort ins Bett und durfte nichts essen bis zum nächsten Tag.Er konnte es nicht gewesen sein,rein körperlich schon nicht.War denen aber egal.Post war auch bei uns zensiert,es durfte nur schönes geschrieben werden,Post von daheim wurde stets geöffnet übergen,Päckchen bekamen mein Bruder und ich nie,null.Den anderen wurden ihre aber belassen und es wurden nicht einfach alles verteilt .Wir waren andere Kinder als wir endlich wieder zu Hause waren,aus fröhlichen,neugierigen verspielten Kindern wurden verängstigte Duckmäuser.Und auch zwischen mir und mein Bruder wurde das Verhältnis untereinander immer schlechter im Laufe der Zeit.Wir kämpften um alles,um Elternliebe,Spielzeug,Freunde.Ganz besonders um Süssigkeiten,die spielten seit der Rückkehr eine immer grössere Rolle denn die wurden Ersatz für Wärme und Liebe.Darum wurden wir dann immer dicker und dicker und die Zähne waren von Karies zerfressen.
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Anonym schrieb am 18. Februar 2022
Im Sommer 1966 haben mich meine Eltern, für eine Kinderverschickung in eine Jugendherberge im Bremer Umland, den Erziehern der Bremischen Evangelischen Kirche anvertraut.
Ich war damals 9 Jahre alt und noch nie von zu Hause fort gewesen. Bereits am ersten Abend hatte ich großes Heimweh und habe geweint. Da die Erzieherin vor dem Lichterlöschen gesagt hatte, niemand dürfe mehr sprechen oder das Bett verlassen, habe ich mich nicht getraut, mir ein Taschentuch zu suchen. Also habe ich meiner Bettnachbarin zugeflüstert, ob sie ein Taschentuch für mich hätte. Sofort wurde das Licht angeschaltet und die Erzieherin kam ins Zimmer gestürmt. Sie hatte offensichtlich noch in der offenen Tür gestanden und gelauscht. Sie hat mich am Arm gepackt und in den kalten Duschraum gezerrt. Dort hat sie mich mitten im Raum mit nackten Füßen auf den eisigkalten Fliesen alleine stehen lassen. Eine gefühlte Ewigkeit.
Ich weiß nicht mehr, wann und wie ich ins Bett zurückgekommen bin. Ich dachte nur, dass meine Füße niemals wieder warm werden würden.
Wenige Tage später hatte ich eine schwere Lungenentzündung. Meine Eltern haben mich abgeholt, aber ich war so traumatisiert, dass ich mich nicht einmal darüber freuen konnte. Sechs Wochen habe ich mit der Lungenentzündung im Bett gelegen, war völlig verstummt und wollte nicht mehr leben, war so tief beschämt, verletzt und gedemütigt - verwundet für mein ganzes Leben.
Diesen Schmerz, diese Not habe ich, nachdem ich den Film über Verschickungskinder im fernsehen gesehen habe, in einem Brief an die Bremische Evangelische Kirche zurückgegeben, die damals ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist, dafür zu sorgen, dass keine ihrer Kinderverschickungsbegleiterinnen die ihr anvertrauten Kinder mit solchen „Methoden“ bestraft und demütigt.
Seitdem ich es geschrieben und abgeschickt habe, geht es mir sehr viel besser, es ist als hätte ich es aus mir herausgelöst und es ist jetzt wieder dort, wo es hingehört, nämlich bei der Bremischen Evangelischen Kirche.
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Anonym schrieb am 17. Februar 2022
Ich glaube, dass ich so 10 Jahre alt war. Ich habe kaum Erinnerungen, habe aber mein Leben lang gesagt, dass ich meine Kinder nie verschicken würde. Ich sehe einen Schlafsaal, neben mir ein Geschwisterpaar-Junge und Mädchen - Dann einen langen Tisch im Speisesaal, ich musste einen Pudding aufessen, den ich eklig fand und weinte. Eine junge Erzieherin oder Referendariat hat den Pudding später heimlich entsorgt, ohne dass es die Leitung mitbekommen hat. Da enden all meine Erinnerungen... Aber habe das Gefühl, vieles verdrängt zu haben.
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Annemarie aus Köln schrieb am 16. Februar 2022
Es war die schrecklichste Zeit in meiner Kindheit. 6 Wochen, die nicht zu vergessen sind.
Vom Erbrochenen essen müssen, über Schläge und nicht beachten der Schamgrenzen, bis hin zum nicht bekommener Post von den Eltern.
Ich habe Seife gegessen mit der Hoffnung, dass ich, wenn es mir nicht mehr gut geht, nachhause geschickt würde. Ich landete nur auf der "Krankenstation". Die Hölle! Ich war 6 Jahre!
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Maik H. aus 25421 Pinneberg schrieb am 16. Februar 2022
Ich bin im Internet auf die Seite „verschickungskind.de“ aufmerksam geworden. Ich hatte mich schon vor 20 Jahren mit den Erlebnissen auf der Insel Amrum auseinandergesetzt. Damals tat ich die Ereignisse als eine schlechte Lebenserfahrung ab, ich hatte einfach Pech gehabt. Heute jedoch habe ich meine Meinung darüber geändert.

2001 schrieb ich einen Teil meiner Erlebnisse auf:

- Ich sehe heute noch den Reisebus vor mir. Mutter, Stiefvater, meine Schwester und ich standen vor dem Bus. Meine Schwester und ich sollten einsteigen und meine Eltern blieben draußen. Ich weinte und weinte. Meine Schwester tröstete mich, aber nichts half. Dann fuhr der Bus ab, und ich dachte ich sehe meine Mutter nie wieder. Ich weinte fast die gesamte Fahrt. Ich war nicht zu beruhigen. Der lange Fußmarsch durch die Dünen zum Landheim konnte mir meinen Schmerz auch nicht nehmen. Dort angekommen wurden wir gleich in Gruppen eingeteilt. Frau Tannenberg war unsere Aufseherin. Sie war streng ohne menschliche Regung. Ein kalter Fisch wäre noch geschmeichelt. Sie teilte mich in einer Jungengruppe ein. Ich wollte unbedingt mit meiner Schwester zusammen bleiben. Ich weinte und weinte. Sofort wurde ich zum Gespött aller Kinder. Frau Tannenberg lachte mich aus, und nannte mich von da an „Mamasöhnchen“. Am ersten Abend weinte ich bis ich einschlief. Ich wollte nach Hause zu meiner Mutter. Ich hatte sehr starkes Heimweh. Die zweite Nacht weinte ich wieder und machte sogar ins Bett. Da riss bei Frau Tannenberg der Geduldsfaden. Sie ließ mich mit nassen Hosen in dem Bett liegen. Alle Jungen im Zimmer lachten mich aus. In der dritten Nacht weinte ich noch immer. Diesmal hatte Frau Tannenberg mich aus dem Schlafsaal geholt, mit der Schlafdecke unter dem Arm musste ich mich im Flur unter die Treppe stellen. Es gingen an diesen Abend mehrere Erzieher an mir vorbei, aber keiner beachtete mich. Ich stand dort bis Mitternacht oder länger, danach holte mich Frau Tannenberg am Ohr ziehend in mein Bett zurück. Ich weinte, bis ich erschöpft einschlief. Die vierte Nacht weinte ich wieder, und ich musste abermals auf den Flur. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange sich die Prozedur wiederholte. Meine Ohren waren bereits auf beiden Seiten weit eingerissen. Ich hatte gelernt auf dem Flur im Stehen zu schlafen. Zu meinem sechsten Geburtstag schickte mir meine Mutter ein großes Paket in das Landheim. Süßigkeiten und ein Brief von ihr waren darin verpackt. Das Paket war von Frau Tannenberg bereits geöffnet worden. Die Leckereien wurden an alle Kinder verteilt, den Brief durfte ich behalten. Meine Schwester las ihn mir vor, und ich war glücklich, wie nie zu vor auf Amrum. Nachmittags rief meine Mutter an, und ich konnte mit ihr reden. Dies war ein guter Tag auf Amrum. Eines Nachts, ich weinte wieder, kam Frau Tannenberg in den Schlafsaal. Ich wollte schon aufstehen und mit meiner Decke auf den Flur gehen. Doch sie fragte mich: „Möchtest du bei deiner Schwester schlafen?“ „Ja“, sagte ich überrascht. In dieser Nacht schob sie mein Bett in das Mädchenzimmer. Nachdem Frau Tannenberg verschwunden war, legte sich meine Schwester gleich zu mir. Ich weinte, dieses Mal vor Freude. Die alte Frau Tannenberg war merklich zurückhaltender zu mir, meine vereiterten Ohrläppchen konnten langsam heilen. Jeden Sonntag gingen wir in die Kirche. Für mich war das ungewohnt. Genau sechsmal besuchte ich die Kirche auf Amrum. Die Kirchengänge waren nicht schlecht, aber wohl, fühlte ich mich nicht, denn ich kannte keines der Lieder. Auf Amrum wurde viel gewandert. Einmal liefen alle Kinder und Erzieher von Amrum durch das Watt nach Föhr. Wir mussten durch viele Priele laufen, ein Priel war so tief, dass ich nicht alleine hindurch waten konnte. Ich war viel zu klein, ein Betreuer nahm mich auf die Schultern und trug mich hinüber. Dort angekommen warteten wir die Flut ab und fuhren mit dem Schiff zurück. Die Zeit auf Amrum ging sehr, sehr langsam zu Ende. -

Als ich die vielen Briefe der anderen Betroffenen las, kamen einige Erinnerungen wieder zurück. Der Mittagsschlaf. Wir mussten bewegungslos, mit geschlossen Augen, eine lange Zeit liegen. An die Essgewohnheiten kann ich mich nicht erinnern, nur dass ich Grießsuppe und Schokoladensuppe gerne gegessen habe.

Ich war Bettnässer. Mir ist heute nicht klar, ob ich es bereits war, oder dort wurde. Wir durften tatsächlich nachts nicht auf die Toilette. Da ich ein Vieltrinker war, dürfte für mich das nächtliche Toilettenverbot eine Qual gewesen sein. Richtig trocken wurde ich erst mit zehn oder elf Jahren. Woran ich mich aber noch gut erinnern kann, ich wurde immer wieder von Frau Tannenberg beschimpft und gedemütigt. An das Lachen der Kinder kann ich mich noch gut erinnern.

An den Namen Frau Tannenberg erinnere ich mich seit dem Aufenthalt auf Amrum. Vielleicht erinnert sich jemand auch an den Namen? Es kann aber auch sein, ich war damals fünf Jahre alt, wurde sechs, dass ich mir den Namen aus „Tante und Berg oder Berger“ zusammengereimt habe. Also auch Tanneberger, Tannnenberger, Tante Berg oder Tante Berger.

An das Heim kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich habe durch Recherche und Ausschlussverfahren das „Kindererholungsheim Lenzheim“ auf Amrum ermittelt. Zu dem Schluss bin ich gekommen, weil wir von der Fähre zu Fuß gelaufen sind. Der Ort Wittdün liegt direkt an der Fähre. In dem Ort gab es zwei Heime, das „DRK Kindererholungsheim“ und nicht weit weg vom Fähranleger das „Kindererholungsheim Lenzheim“. Wir sind zu Fuß in die Kirche gegangen. Zuerst dachte ich an das „DRK Kindererholungsheim“, weil die kleine Kirche direkt gegenüber lag. Aber ich kann mich erinnern, wir mussten ein Stück gehen. Dann habe ich im Internet nach Bildern gesucht und habe tatsächlich zwei Postkarten entdeckt, auf die auch der Flur mit der Treppe zu sehen ist. Genau dieser Flur war es, auf dem ich Nächte verbracht habe, in der Ecke unter der Treppe. Ich meine sogar, die rechte Tür war mein Schlafraum oder das meiner Schwester. Ein weiteres Foto zeigt den Speisesaal vom „Kindererholungsheim Lenzheim“. Meine Schwester hat mir bestätigt, dass sie den Raum kennt und auch den Flur. Beide Postkarten zeigen das „Kindererholungsheim Lenzheim“!

Ich habe mir Gedanken gemacht, inwieweit das Erlebnis auf meine spätere Entwicklung Einfluss genommen hat. Als ich damals nach Hause kam, glaubte meine Mutter mir nicht. Im Gegenteil, mein verändertes Verhalten empfand sie als Belastung. Eine Verbindung zwischen meinem Verhalten und der Erfahrung im „Kindererholungsheim“ verblasste von Jahr zu Jahr mehr. Bis ich irgendwann selber keinen Zusammenhang mehr sah. Ich war ein sehr unsicherer und misstrauischer Junge, Konflikte löste ich mit Jähzorn. Ich war introvertiert ,besonders fremden Menschen gegenüber und hasste Ungerechtigkeiten. Gruppen, wie zum Beispiel Sportvereine, mied ich. Die Angst zu versagen und ausgelacht zu werden, begleitete mich meine ganze Kindheit. Heute noch kann ich es schwer ertragen, wenn Kinder leiden müssen. Berichte von Missbrauchsopfern gehen mir unheimlich nahe. Lange habe ich die Ursachen dafür in der Familie gesucht. Aber mir ist klar geworden, die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Amrum und dem Leben danach. Ich bin überzeugt, die Erlebnisse in dem „Kindererholungsheim“ haben mein Leben nachhaltig, auf einer negativen Weise, beeinflusst.

Heute geht es mir gut und ich bin glücklich. Was ich mir wünschen würde, wäre eine öffentliche Aufarbeitung der schrecklichen Nazi-Erziehungsmethoden, die ja leider noch bis Anfang der Neunziger Standard waren. Außerdem wäre eine Entschuldigung der Träger und Jugendämter angebracht. Ärzte und Tanten, die noch leben und das System nachweislich unterstützt haben, sollten mit ihren Taten konfrontiert werden.


Maik
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Anonym schrieb am 15. Februar 2022
Hallo, bin durch den Bericht im NDR auf die Seite gestoßen. War wegen tuberkulose im kinderkrankenhaus im borntal. Ich wurde gut behandelt, auf keinen Fall misshandelt. Ich bin als geheilt entlassen worden nach 1 3/4 Jahren und habe zum Glück nie wieder mit der schrecklichen Krankheit zu tun gehabt. Unser Chefarzt hiess dr. Wilhelm; die Schwestern judith, Renate sind noch in meinem Gedächtnis. Sie waren diakonissen. Ich hatte natürlich fürchterliches Heimweh. Das einzige schlimme war, dass wir nur zu bestimmten Zeiten auf die Toilette durften. Einige Kinder mussten auch mal erbrochenes aufessen. Ich habe eine Freundin von damals, wir treffen uns noch heute. Ihr ging es nicht ganz so gut. Aber sie ist auch wieder gesund geworden. Abends, wenn wir im Schlafsaal lagen, waren die Türen geöffnet und auf dem flur spielte uns schwester cilly mit ihrer Gitarre Lieder vor und sang dazu. Z.B. rosenstock,holderblühn oder guten Abend, gut Nacht. Meistens weinten wir uns dann in den Schlaf, aber da konnten die Schwestern nichts zu. Vielleicht kann sich jemand an die Zeit erinnern. Liebe grüsse.
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Renate R. aus früher Kassel, heute Alfeld/Leine schrieb am 14. Februar 2022
Hallo, durch den Fernsehbeitrag im NDR über Verschickungskinder ist mir meine “Erholung” wieder sehr ins Bewusstsein gerufen worden. Ich war 1960 mit knapp 8 Jahren im Sommer für 6 Wochen in Wyk auf Föhr im Erholungsheim. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es das Charlottenburger Kinderheim war. Ich besitze noch ein Gruppenfoto, wo wir Kinder vor dem Gebäude mit 2 “Tanten” sitzen. Auch ich war dort totunglückich, hatte Heimweh und erinnere mich ganz besonders an das Frühstück: wir mussten Haferschleim aus tiefen Tellern essen. Ich mochte das nicht und durfte erst aufstehen, wenn ich den Teller leer gegessen hatte. Das habe ich aber meistens nicht geschafft. Manchmal hatte ich Glück, und eine nette “Tante” stellte meinen halbvollen Teller beim Abräumen einfach unter die anderen Teller. Aber oft habe ich mich auch auf meinen Teller erbrochen. Zum Glück musste ich das aber, wie ich von anderen hörte, nicht mehr essen. Bis heute schaffe ich es nicht gekochten Hafer in jeglicher Form runterzuschlucken.
Auch beim Mittagsschlaf wurden wir mit Holzlatschen auf den Po geschlagen, wenn wir flüsterten, weinten oder einfach nur die Augen auf hatten.
Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass die Kinder, so wie ich, die kein Fleisch runterschlucken konnten,nach dem Mittagessen den ausgekauten Klumpen aus ihren Backen ins Klo gespuckt haben.
Auch die geschriebene Post, in der von Heimweh die Rede war, kam nie zu Hause an, weil wir die Briefe ja nicht zukleben durften.
Es war eine furchtbare Zeit, die ich keinem Kind wünsche. Übrigens waren meine Eltern sehr erschrocken als ich nach Hause kam und kein Gramm zugenommen hatte. Sie hatten ja keine Ahnung und dachten sie täten mir etwas Gutes.
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Anonym schrieb am 14. Februar 2022
Vom Jugendamt/Amtsarzt in Kassel als zu dünn eingestuft, also ab zur Erholung.
Alter: 9 Jahre, kam danach in die dritte Klasse
Zeitraum: Sommerferien 1963
Dauer: 6 Wochen
Hin und Rückfahrt im Sonderzug Stichwort: Hessenkinder !
Ort: 2252 St. Peter -Ording
Heim: lag einsam an Straße direkt hinter dem Deich, möglicherweise Kinderheim Ehlers, oder Weberhäuschen, leider keine genauen Nachweise, da keine Unterlagen mehr gefunden.

Stichworte zu Erlebnissen:
- Zweck der „Kur“: Kinder sollten „gemästet“ werden. Bei mir Foto vor „Kur“ schlank, danach aufgedunsen!
- Essen: schlecht, man wurde gezwungen aufzuessen, besonders die Vorspeise „rote Beete sauer eingelegt mit Kümmel“ (aus der Dose) und undefinierbare Suppe (Grünkern oder ähnlich) mit Geschmack, der Brechreiz auslöste.
Einmal Rote Beete in Teller erbrochen.
Vor angekündigtem Leckerbissen von Pfannkuchen gab es erstmal eine extra große Portion dieser roten Beete aus der Dose, die aufgegessen werden musste, bevor es Pfannkuchen gab.
- Briefe an die Eltern: wurden vorgelesen und zensiert, über den Text z.B. „hatte Dünnschiss“ wurde man vor allen Leuten durch Vorlesen bloßgestellt und ausgelacht!
- Post von den Eltern : wurde vorenthalten. Mein Vater hatte mir versprochen jede Woche die neueste Micky Maus zu schicken. Nichts kam, ich war enttäuscht und glaubte meine Eltern hätten mich vergessen. Andere bekamen Süßigkeiten von Ihren Eltern geschickt. Ich traute mich nicht darum bei meinen Eltern zu bitten. Wenn ich auch die versprochene MM nicht bekomme, was soll ich dann nach Süßigkeiten fragen.
Überraschung: als wir das Heim am Abreisetag verlassen wollten bekam ich die sechs Heftchen kommentarlos in die Hand gedrückt. Mein Zorn war unendlich, aber wenigstens die Rückfahrt hatte ich ausreichend Lektüre.
- Allgemeiner Umgang: wie bei der Grundausbildung beim Bund. Die saubere Wäsche wurde einem zugeworfen. Wenn man nicht schnell genug reagierte wurde man ausgelacht.
- Bibliothek: es gab ein paar Bücher, die in einem schlechten Zustand waren, völlig zerlesen und mit fehlenden Seiten, also nicht zu verwenden.
- Heimweh: nächtelang geweint und großes Heimweh (Einzelkind).
- Fazit: Behandlung und Verpflegung schlimmer als bei der Grundausbildung der Bundeswehr. Für sensible Kinder eine Katastrophe. Mit dem Unterschied, dass ich da schon zwanzig war und nicht neun. Außerdem konnte man am Wochenende nach Hause und man konnte telefonieren!
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Anonym schrieb am 13. Februar 2022
Hatte eine schwere Rippenfellentzündung und bin mit TBC dort gewesen.
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Anonym schrieb am 8. Februar 2022
Suche Menschen, die dort in den 1960ern waren und mir darüber berichten können wie es dort war.
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Anonym schrieb am 2. Februar 2022
Ich weiß nicht, ob das angegebene Jahr stimmt. Ich weiß nur, dass ich schon lesen und schreiben konnte, also im zweiten oder dritten Schuljahr war. Ich war nach den damaligen Vorstellungen zu dünn und wurde zum Aufpäppeln verschickt. Da in Cuxhaven auch die Mutter meiner Patentante lebte, hatten meine Eltern keine Bedenken, mich dorthin zu schicken. Ich war mit Mädchen unterschiedlichen Alters zusammen. Wir schliefen gemeinsam in einem großen Schlafsaal und da ein Mädchen nachts immer ins Bett gemacht hat, wurde das allen morgens erzählt. Bei den Ausflügen an den Strand mussten wir paarweise uns an den Händen halten. Ich musste immer Hand in Hand mit einem Mädchen gehen, das ich überhaupt nicht mochte. Als mir meine Eltern zu Ostern ein kleines Paket mit Ostereiern geschickt hatten, bekam ich diese nicht. Das Paket wurde vielmehr mit an den Strand mitgenommen und der Inhalt von der Erzieherin in die Luft geworfen. Die Ostereier bekam das Kind, das sie gefangen hat. Ich habe nichts bekommen, da ich zu klein war, um sie aus der Luft zu fangen. Ich habe mitbekommen, dass meine Briefe, in denen ich mich über das Heim beschwert habe, abgefangen wurden und nicht bei meinen Eltern ankamen. Da meine Eltern mir reichlich Briefmarken mitgegeben hatten, habe ich dann auf einem Ausflug einen Brief an meine Eltern selbst in den Postkasten eingesteckt. Ich wurde dann umgehend abgeholt. Meine Mutter war entsetzt, wie ich mich verändert hatte. Mein Großvater, Rechtsanwalt, war so entsetzt von meinen Berichten, dass er vorschlug, juristisch gegen das Heim vorzugehen. Das lehnten meine Eltern ab, wahrscheinlich um mich nicht weiter zu belasten. Meine erste Klassenfahrt in der vierten Klasse war eine Katastrophe und auch später habe ich jede Reise ohne meine Familie möglichst vermieden. Wenn ich an diese Zeit zurück denke, läuft es mir immer noch kalt den Rücken herunter.
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Gerd Boge schrieb am 2. Februar 2022
Ich vermute dass es sich um das oben genannte Kinderheim handelt, weil meine Eltern evangelisch waren. Ich war sieben Jahre alt als ich dorthin verschickt wurde weil ich in der Schule auffällig war abwesend und teilnahmslos. Mein Vater meinte man müsste mich an die See schicken das wäre das beste. Dieses Heim war für mich ein Desaster, weil ich von anderen Jungen sexuell missbrauchte misshandelt worden bin. Ich kann mich nur an eine Heimleiterin bzw. eine Betreuerin erinnern, die sich aber nicht gekümmert hat. Diese Jungen haben auch mein Spielzeug, das mir meine Eltern geschickt haben geklaut und kaputt gemacht. Ich habe bisher über diese Erlebnisse mit noch niemandem gesprochen weil sie mich mein Leben lang begleiten und ich versucht habe sie zu verdrängen. Falls es jemand interessiert: ich habe auch noch ein Foto von der Gruppe und kann darauf noch immer die Übeltäter identifizieren.
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Anonym schrieb am 29. Januar 2022
Wenn man als Neuling in ein Kinderheim kommt, dann wollen die einen Frischling erstmal testen.
Wie hoch ist sein Frustpotential, kann er sich wehren, ist er cool genug. Naja. Wie sieht ein Tag im Kinderheim aus? Es ist wahrscheinlich nicht Gang und Gäbe gewesen, aber du wirst um 6 Uhr geweckt, kalt/warm abgeduscht und musst dich ganz schnell anziehenum zum Frühstück zugehen. Haferflocken mit Milch und Apfelmuß das gab es jeden Morgen.
Um 7 Uhr ging´s dann in die Schule und gegen 13 Uhr wieder zurück. In den ersten Schuljahren dachte ich es sei alles in Ordnung dort, dachte ich. Du kommst ins Kinderheim zurück, bringst deine Schulsachen in den Tagesraum und setzt dich an den Tisch für´s Mittagessen. Wenn man dort neu ist gibt es dort so eine Art Rangfolge.
Kinder bis 9 oder 10 machen Mittagsschlaf nach dem Essen.
Kinder ab 10 mussten dort nach Mittagessen und Hausaufgaben auch noch hausintern an verschiedenen Arbeitsprojekten teilnehmen.
Und wehe man ist nicht zum Familenkreis vor den Essenszeiten erschienen, dann bekam man als Strafe auch nicht zu essen. Ich frage mich ernsthaft was das Tanzen und Ausführen eurehtmietischer Figuren zur Selbstfindung beitragen sollte? 9 Jahre war ich dort.
Am Anfang waren Sie sehr streng mit uns. Im ersten Jahr durfte man garnicht nach Hause in den Ferienzeiten und musste an dem Frezeitangebot des Heimes teilnehmen
(Reisen nach Locarno, Reise in die Französische Schweiz Mothier haut pierre) gut man konnte dort biken gehen oder wandern mit Aufsichtsperson natürlich.
Insgesamt war ich wohl 3x dort. Im zweiten Jahr konnte man dann schon Mal entweder im Sommer oder im Winter nach Hause. Wobei ich doch in sehr traurige und verheulte Gesichter mancher Kinder schauen musste, dessen Eltern sie aus welchem Grund auch immer nicht abholen konnten.
Wäre mein Elternhaus nicht so zerüttet gewesen, so hätte ich aus Solidarität ein Kind dessen Eltern nicht gekommen wären mitgenommen. Ich weiß garnicht ob die Eltern wissen, was Sie dem Kind, Ihrem Kind damit angetan haben. Dann ging ja wieder die Schule los und ich bin mittlerweile in der Rangliste aufgestiegen. Vom Mittelstock kam ich dann in ein Aussenzimmer im Erdgeschoß, wo ich mit 3 Personen in eim Zimmer schlafen sollte. Ja schlafen das ging nicht.
Geschlagen haben sie mich, geknebelt, Kippen mir auf der Hand und Kleidung ausgedrückt. Ich bin immer total verschlafen in die Schule gekommen, weil mich meine Mitbewohner auf das Übelste gemoppt haben. So musste ich mich auch schon halb nackt auf die Bank des Schulwegese setzen und jemanden die Schuhe sauberlecken. In der Schule konnte ich auch nur Teilerfolge verbuchen. Mein Bioreferat für das ich eine 2 bekommen habe. Auch im Sportunterricht wo meistens Fussball gespielt wurde und man mich weil ich wohl ziemlich unsportlich war man mich ins Tor verfrachtet hat.

Wofür ich mich aber am meisten geschämt habe war das ich ein mich als Mädchen verkleiden musste und ich mich vor der gesammelten Mannschaft voll zum Affen machen lassen musste. Nun bin während dieser Zeit auch im Kinderheim wieder mal umgezogen und kam vom Zimmer im Erdgeschoss in den 2.Stock im Hinterzimmer. Wenn du in diesem Haus nicht gespurt hast, bekam man sogar Ausgangssperre. Zu einem Konzert auf das ich mich sehr gefreut habe durfte ich aus Verhaltensgründen leider nicht gehen während die anderen die mich doch gerne wie mein Kumpel den ich von dort kenne und wir heute noch in Kontakt stehen (35 Jahre) kennen wir uns jetzt hätte dabei haben wollen.

Froh war ich als wir uns ein Praktikum von der Schule aussuchen mussten, ich bin dann bei der deutschen Post untergekommen , wo ich dann mit dem Briefträger unterwegs war. Wenn ich zu der Zeit schon einen Führerschein gehabt hätte , hätte ich dort fest arbeiten können. Wenn man wie ich und die anderen einen riesen Cocktail an Pillen schlucken mussten (Wileda) ist man auch nicht mehr Herr seiner Sinne. Deswegen habe ich mit zwei Jungs auch sexuell etwas gehabt, für das ich von der Heimleitung auch zur Rede gestellt wurde. Es ging davor immer gut und wir konnten diese Dinge auch immer geheim halten, doch irgendeiner hat sich verplabbert und dann kam es leider raus. Hängolin (auch Hängulin o. Ä.) bezeichnet ein nicht näher beschriebenes Anaphrodisiakum oder Beruhigungsmittel, welches angeblich der Verpflegung männlicher Soldaten, Gefängnisinsassen oder Internatsbewohner beigemischt wurde, um deren Libido und/oder Erektionsfähigkeit zu senken.
Das bekam ich als Tee. In meiner Zeit dort oben habe ich auch erfahren das es z.B. bei einem Mädchen zur Schwangerschaft gekommen ist, als ein Junge was mit ihr hatte. Nun war ich fast 18 und meine endgültige Abreise stand vor mir. Wie sollte es jetzt weitergehen fragte ich mich, ich hatte ja keine Perspektive.
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Ewald Bittner aus Bielefeld schrieb am 25. Januar 2022
Es muss um 1960 gewesen sein, als das Gesundheitsamt Lünen meinen Eltern für mich eine Kinderkur im tiefsten Schwarzwald anbot. Für vier oder sechs Wochen ging es nach Bad Herrenalb. Dort sollte ich mich verrußten Ruhrpott erholen und endlich was auf die Rippen bekommen. Es muss nach eigenen Recherchen das Kinderheim Landhaus Isolde gewesen sein, das heute nicht mehr existiert. Und ich kann mich heute - inzwischen bin ich 73 Jahre alt - an nichts mehr aus dieser Zeit erinnern, außer an Backpfeifen bei nicht eingehaltener Nachtruhe und an die wöchentlichen Briefe an meine Eltern mit dem Text: "Ich habe wieder zugenommen".
Wer war ebenfalls dort mit mir vielleicht oder früher bzw. später.
Wer ist an einem Erfahrungsaustausch interessiert?
Über Reaktionen würde ich mich sehr freuen.
Herzliche Grüße aus Bielefeld
Ewald Bittner
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Anonym schrieb am 23. Januar 2022
Insgesamt war ich 2 x Mitte der 1970er Jahre als Verschickungskind auf Juist im Kinderkurheim „Schwalbennest“, jeweils für 4 Wochen in den Sommerferien NRW. Das erste Mal muss kurz vor meiner Einschulung gewesen sein, ich weiß, dass ich weder lesen noch schreiben konnte. Das 2 x im 1. oder 2. Schuljahr. Leider habe ich keine durchgängigen Erinnerungen an diese Aufenthalte, vielmehr habe ich Situationen und Bilder im Kopf, die ich zeitlich jedoch nicht zuordnen kann.

Ankunft:
Meine Eltern und ich erreichen das Schwalbennest. Ich ahne, dass sie mich nun dort abgeben werden und weine bitterlich, meine Mutter hält mich auf dem Arm und übergibt mich weinend an eine - aus meiner Sicht - ältere Frau (vermutlich die damalige Heimleiterin Erika P.?). Ich rufe meinen Eltern nach: „Ihr kommt doch mit...?“ Sie antworten: „Ja, wir kommen mit.“
Sie taten es – nicht. Ich sehe sie die nächsten 4 Wochen nicht wieder.
(Ich mache meinen Eltern im Nachhinein keinen Vorwurf. Es war in den 1970er Jahren „in“ die Kinder an die See zu schicken, sie wollten sicher nur mein Bestes. Auch dass sie mich in dieser emotionalen Extremsituation angelogen haben, mache ich ihnen nicht zum Vorwurf, sie waren bestimmt dem strengen Regime der Heimleitung ebenfalls machtlos gegenüber. Leider leben meine Eltern nicht mehr, zum Thema „Juist“ habe ich sie nie befragt und wir haben es nicht aufarbeiten können.)

Kleidung:
Für meine große Reise bekomme ich etliches an neuer, schicker Kleidung. 'Kombinationen' aus Sommerkleidchen und kurze Hosen mit passendem T- Shirts; jedes einzelne Kleidungsstück versieht meine Mutter in mühevollen Näharbeit mit Namensschildchen. Im Heim bestimmen die Erzieherinnen was jedes Kind trägt und nehmen keine Rücksicht auf die Wünsche der Kinder. Ich bin empört, dass ich nicht selbst meine tägliche Kleidung aussuchen darf.

Schlafsäle:
Ein Schlafsaal für Mädchen mit 8-10 (oder mehr?) Metallbetten, es ist dort karg, kalt und ungemütlich.... Ich erinnere den täglichen Mittagsschlaf (mit 5 oder 6 Jahren bzw. älter!) und die abendliche erzwungene Nachtruhe. Es darf nicht mehr gesprochen oder geflüstert geschweige denn gelacht werden. Ich weine mich allabendlich in den Schlaf auf tränennassem Kopfkissen...

Toiletten/ Bäder:
Die Toiletten lassen sich nicht abschliessen. Eine überaus peinliche und erniedrigende Angelegenheit, insbesondere beim Erledigen des „großen Geschäfts“. Ebenso unangenehm ist das gemeinschaftliche Duschen. In meiner Nacktheit schäme ich mich sehr vor den anderen Mädchen sowie vor den Erzieherinnen und fühle mich schutzlos und irgendwie ausgeliefert.

Mahlzeiten:
Ein großer, holzvertäfelter Speisesaal, zu irgendeiner Mahlzeit gibt es im Wechsel: Milchreis mit Zimt, Griesbrei oder Haferschleim, Samstags nachmittags etwas besonderes: Brötchen mit viel zu süßer, stückiger, bräunlicher 'Erdbeermarmelade' (ich liebe Erdbeeren aber bis heute verabscheue ich Erdbeermarmelade, sowie Griesbrei). Vage erinnere ich mich daran, dass gegessen werden muss, was auf den Tisch kommt.

Wanderungen:
In Zweierreihen laufen, besser gesagt, marschieren wir (ein Hut, ein Stock, ein …. und vorwärts, rückwärts, seitswärts...) in endlosen Wanderungen um den Hammersee oder Richtung Wattenmeer, seltener den steilen, jedoch kurzen Weg über die Dünen zum Strand.
Einmal baue ich etwas abseits der Gruppe eine 'Sandburg' (ein Loch im Sand mit einem Wall ringsherum), lege mich flach auf den Rücken hinein, so dass mich niemand sehen kann und wünsche mir mit dem großen Niveaballon davonzufliegen...

Strafe:
Gabi hat etwas verbrochen (ich weiss wirklich nicht mehr was) und steht nachts zur Strafe mit nackten Füßen, nur mit dem Nachthemd bekleidet, in dem kalten Hausflur mit dem Gesicht zur Wand und muss beide Arme waagerecht hochhalten... gefühlt stundenlang.

Post von Zuhause:
Es erreichen mich während meines Aufenthalts mehrere Pakete von zuhause mit Süßigkeiten, die jedoch die Erzieherinnen unter den Kindern aufteilen. Auch darüber bin ich sehr empört, mein Sozialgefühl ist noch nicht besonders ausgeprägt, darüber hinaus emfinde ich es als Eindringen in meine Privatsphäre - heute würde man sagen übergriffig - dass „meine Post“ einfach ohne meine Einwilligung verteilt wird.

Ankerplatz:
Vor dem Haus steht ein 'Schiffsmast' mit Fähnchen und Wimpeln sowie ein Steuerrad mit einem nachempfundenen Schiffsbug. Hier finden regelrechte 'Aufmärsche' statt. Alle Kinder stehen im Kreis, singen Seemannslieder oder Lieder aus der Mundorgel, spielen 'der Pumpssack geht um'.
Hier ist Heimleiter Gerd P. in seinem Element.

Versteck:
Die für die Nordseeinseln so typischen Heckenrosen reichen auf der Dünenseite bis an die niedrige Mauer zum Hof des Schwalbennests heran. Dort unter den Büschen habe ich ein Geheimversteck eingerichtet um meine Schätze (Muscheln, Steine) vor Diebstahl oder Zerstörung durch die größeren Kindern zu schützen. In unbeobachteten Momenten hocke ich hier und weine vor Heimweh.

In meiner Erinnerung kann ich weder physische noch sexualisierte Gewalt finden. Ich wurde nicht geschlagen, nicht in dunkle Keller oder Räume gesperrt oder gar missbraucht. Auch kann ich mich nicht erinnern erbrochen zu haben und dieses wieder aufessen zu müssen. Jedoch muss ich feststellen, dass ich die seelische Kälte und Lieblosigkeit, das Fremdbestimmtsein, die ganze Atmosphäre, welche im Heim herrschte, als psychische Gewalt empfunden habe. So etwas kannte ich von zuhause nicht, ich bin sehr liebevoll und behütet aufgewachsen.
Mein übermächtigstes Gefühl war das des unendlich großen Heimwehs. Die Aufenthalte auf Juist waren alles andere als Erholung und Urlaub für mich, sie fühlten sich an wie in einem Gefangenenlager. Die Nachwirkungen reichten bis in mein Erwachsenenalter hinein: Ich bin als Kind oder Jugendliche danach nie mehr alleine verreist bspw. mit den Pfadfindern, der KjG oder ins Zeltlager. Erst im Studium nahm ich als junge Erwachsene mit Anfang 20 an Exkusionen teil.

In den hier geschilderten, teilweise sehr erschütternden Erlebnisberichten lese ich, dass es etliche ehemalige Verschickungskinder viel schlimmer erwischt hat als mich, vielen ist unglaublich großes Unrecht widerfahren. Umso wichtiger ist es, dass diese Unrechtstaten Schutzbefohlenen gegenüber endlich ans Licht kommen und die Betroffenen die angemessene Aufarbeitung und Entschädigung erfahren, die ihnen gebührt.

Das Schwalbennest ist kurze Zeit nach meinem letzten Aufenthalt geschlossen worden, ein Kindergarten zog anschliessend Ende der 1970er dort ein. Im Jahr 2018 ist es (zu Recht!) abgerissen worden, ein unglückseliger Ort, der viel Kinderleid verursacht hat...
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Christoph Kaup aus 74343 Sachsenheim schrieb am 19. Januar 2022
Ich war mit gerade 7 Jahren über 5 Wochen in diesem Kinderheim. Wir hatten abends 3 Minuten Zeit uns zu waschen. Jeden Tag gab es ca. 1,5 Stunden Mittagsschlaf. In meinem Schlafsaal waren 3 sadistische ältere Jungen, die alle Kinder zwangen, sich während des Mittagsschlafs nicht zu bewegen. Ich habe einmal die Zehen bewegt, darauf schlugen sie mit einem Bügel mehrmals auf meine Beine. Es gab einen lernbehinderten Jungen, der besondes gequält wurde. Er musste während jeden Mittagsschlaf zig Kniebeugen machen, bis er nicht mehr konnte. Die Erzieherinnen praktizierten "Gruppenkeile". Mindestens einmal wurde ein Kind während eines Spaziergangs von den Erzieherinnen über einen Balken gelegt und festgehalten. Alle Kinder der Gruppe (32 Kinder) mussten ihm mit einem Bügel einen Schlag auf den Hintern geben. Wir wussten nicht, was er eigentlich getan hatte. Zum Glück hatte ich Mitleid und habe nur sehr leicht geschlagen. Es gab zum Frühstück oft angebrannte Kakaosuppe, zum Mittagessen halb gekochte Kartoffeln und zum Abendessen angebrannte Tomatensuppe oder Ähnliches. Wir mussten aufessen, sonst durften wir nicht aufstehen. Beschwerdebriefe an die Eltern wurden von den Erzieherinnen vor allen Kindern vorgelesen und zerrissen. Einmal in der Woche musste man vor einem großen Regal antreten und bekam eine neue Unterhose und ein neues Unterhemd. Die Erzieherinnen nahmen die Hände wie in einem Schraubstock und schnitten die Nägel. Meine Mutter hat sich nach meiner Heimkehr bei der Organisation, ein privater Träger beschwert. Die Erlebnisse hatten schwere Traumatisierungen zur Folge. Ich habe ein Foto von der Gruppe und den Erzieherinnen.
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Anonym schrieb am 19. Januar 2022
Ich war 1964 als 7jähriger 6 Wochen zur Kindererholung im Adolfinenheim in Borkum.
Auf der Hinfahrt von Köln war ich noch frohen Mutes, weil mein 6 Jahre älterer
Bruder vorher schon in Borkum zur Kindererholung war und nichts negatives
erzählt hatte. --- er war aber nicht im Adolfinenheim, er war im “Kinderkurheim
Santa Maria“ .
Ich kann auch nichts positives vom Adolfinenheim berichten, das Essen war
“ungewöhnlich“ , (bähhh)
Milchsuppe in allen Variationen und auch oft zerkochten Kochfisch ; bis heute hab‘
ich ein Grauen vor beidem…..
Beim Essen durfte man nicht aufstehen, auch nicht zur Toilette. Wenn sich einer
der Kinder dann am Tisch übergeben hatte, musste er das unter Zwang wieder in
sich „reinstopfen“. –Aufessen musste man sowieso, sonst gab‘ Ohrfeigen--
An zwei Namen der Betreuerinnen kann ich mich noch erinnern, “Tante Eva“ , sie war schon etwas älter und lief fast immer mit Mundorgel/Gesangbuch durchs Haus.
Dann “Tante Ute“ , noch relativ jung, sie hatte eine sadistische Freude daran, wegen
unbedeutender Nichtigkeiten kleinen Jungs den nackten Po zu versohlen.
Alle anderen mussten sich dann umdrehen, wer erwischt wurde, dass er dorthin schaute,
war das nächste Opfer.
Nach 5 Wochen wurden wir untersucht und gewogen, ich hatte nicht zugenommen, was
dort ja das oberste Ziel war ; im Gegenteil ich hatte ein halbes Pfund abgenommen.
Man “drohte“ mir 4 Wochen Nachkur an, weil ich nicht zugenommen hatte.
Die nächsten Nächte hab‘ ich nicht geschlafen, nur geweint. -Und beim
Essen dann, trotz Ekel, versucht, so viel wie möglich in mich reinzustopfen, um zuzunehmen.
Bin dann zum Glück ohne Nachkur nach 6 Wochen nach Hause gekommen.
Nach der Rückkehr konnte ich mich über die Zeit in Borkum bei meinen Eltern
leider auch nicht beklagen, sie waren zwar liebevolle fürsorgliche Eltern aber noch vom
“alten Schlag“ mit der Einstellung “ein bisschen Zucht und Ordnung hat noch niemandem
geschadet“.

Ich war danach noch 2 mal in Kindererholung , in Bayern.

1966 in Bühl/Alpsee im “Jugendkurheim St.Michael“,
das war OK, wir wurden ordentlich behandelt und das Essen war OK,
es war Sommer und wir durften oft im Alpsee baden/schwimmen gehen.

1971 war ich in Murnau/Staffelsee im “Jugendkurheim Hochried“ ,
das war auch OK, wir wurden gut behandelt und das Essen war gut.
Es war ein strammer kalter Winter mit sehr viel Schnee, wir sind fast jeden
Tag Schlitten gefahren, -- für ein Stadtkind aus Köln ein Traum--!
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Kritzler schrieb am 19. Januar 2022
Ich war dort als 5 / 6 jähriger - Ich kann mich noch heute an viele Dinge dort erinnern. Es war in jeder Beziehung lieblos, freudlos etc. Es war dort extrem
streng. Obwohl ich neben einer Lungen TBC Erkrankung auch noch oft starke Magen / Darm Beschwerden hatte, durfte ich nachts nicht aufstehen um evtl zur Toilette zu gehen ! Folglich habe ich 2 x nachts in die Hose gemacht. Zur Strafe durfte ich am nächsten Tag nicht mit zum Strandspaziergang !!!
Danach hatte ICH die Erlaubnis nachts aufzustehen.
Nach diesen Vorfällen ‚ hatte ich es dort noch schwerer. Uli Kritzler
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Heinz Cosse aus 48485 Neuenkirchen schrieb am 18. Januar 2022
Ich habe keine guten Erinnerungen an dieses Heim (Haus 2), in dem ich im Frühjahr 1958 für 5 Monate untergebracht war, weil ich einen “Schatten auf der Lunge” hatte. Auch zwei weitere gute Bekannte waren in dem Heim für längere Zeit untergebracht, die ebenfalls meine Erinnerungen stützen.
Wir können uns noch gut erinnern, dass Kinder, die erbrochen hatten, dieses wieder essen mussten.
Mir wurden Pappmanschetten angelegt, weil ich mal in der “Nase gebohrt” hatte.
Bei der Entlassung wurden mir sämtliche Spielzeuge und Bücher abgenommen, weil diese infektiös sein konnten.
Nach 5 Monaten hat meine Mutter mich auf eigene Verantwortung “herausgeholt”.
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Anonym schrieb am 18. Januar 2022
Im Alter von 6 Jahren erkrankte ich schwer an Keuchhusten und wurde zur Erholung alleine in das Hochgebirgs-Kinderheim Haldenhöhe nach Hirschegg im Kleinwalsertal verschickt.
Ich war in einem Zimmer mit ca. 6 Kindern untergebracht. Gegessen wurde gemeinsam in einem Essensraum und mittags mussten wir auf der Terrasse, im Winter mit Decken warm und fest eingepackt, ruhig liegen und eine kalte, süße, rote Flüssigkeit trinken. Ich weiß bis heute nicht was das war. Tagsüber durfte ich an einem Kinder-Skikurs teilnehmen. Das fand ich alles zunächst viel schöner als bei meinen Eltern, denn zuhause gab es sehr oft Streit und ich wurde geschlagen, angeschrien oder in der Toilette eingesperrt. Im Kinderheim war erst einmal alles freundlich und neu. Das änderte sich aber schon bald. Ein Kind hatte im Schlaf ein großes "Geschäft" ins Bett gemacht und es stank fürchterlich. Das Bett des Kindes und sogar die Wand war voll verschmiert. Es herrschte eine große Aufregung und Anspannung im ganzen Haus. Den ganzen Tag war mir übel und mein Bauch verkrampfte sich. Trotzdem sollte ich auch an diesem Tag alles aufessen und mittags gab es auch noch gekochten Fisch, an dem die blausilbrige Haut noch dran war. Ich wollte das nicht essen, weil ich alles nur noch eklig empfand. Bei dem Fischgeruch wurde mir noch mehr übel, aber die Betreuerin zwang mich zum Essen...Suppe, Fisch mit Kartoffeln und als Nachtisch Rote Grütze. Das rieche ich noch heute, wenn ich mich daran erinnere. Natürlich ging das nicht gut und ich musste mich übergeben. Fast jeden Tag gab es irgendeinen Zwischenfall mit Aufregung und ich lebte in Angst oder Anspannung...wie zuhause auch. Die Mahlzeiten wurden meist zur Qual für mich und ich war froh, wenn ich in Ruhe gelassen wurde auf der Winter-Terrasse mit dem roten Getränk.
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Fieke aus Bremen schrieb am 17. Januar 2022
IIch wurde mit gerade 6 Jahren ins Adolfinenheim verschickt, um für die Einschulung ins Winterkurzschuljahr "aufgepäppelt" zu werden. Ich habe diese Zeit in grausamer Erinnerung. Niemand war da, mich bei meinem entsetzlichen Heimweh zu trösten. Zuwendung bekam ich keine - ich erinnere mich daran, dass ich mich morgens zum Kämmen in die Reihe stellte und von der Erzieherin nur ein verächtliches "ach du mit deinen 5 Haaren" zu hören bekam. Ich hab's heute noch im Ohr. Für alle möglichen "Vergehen" musste ich am helllichten Tag zur Strafe ins
Bett und durfte noch nicht mal meine Puppe, das einzig vertraute, was ich hatte, mitnehmen. Ich sehe sie noch auf der Fensterbank sitzen. Die Betten waren mit durchgelegenen dünnen Matratzen ausgestattet. Viele meiner Zimmergenossinnen haben eingenässt, mir ist es nur einmal passiert, was ich irgendwie vertuschen konnte. Das Essen war grauenhaft. Wie oft habe ich in einem düsteren Essensraum vor vollen Tellern mit süßlicher Milchsuppe, in der Nudeln schwammen, sitzen müssen, bis ich sie irgendwie heruntergewürgt habe. Noch heute wird mir beim Geruch von warmer Milch schlecht. Ich kann mich daran erinnern, dass es mal eine Kugel Vanilleeis zum Nachtisch gab, das war ein absolutes Highlight. An Spiele mit anderen Kindern oder Basteleien habe ich keine Erinnerung. Irgendwie sehe ich mich immer nur herumstehen oder -sitzen. Ob wir oft an den Strand gegangen sind? Ich weiß es nicht...
Eine der Erzieherinnen hieß Tante Barbara. Sie betreute eine Jungengruppe und ich habe einmal gesehen, dass die Jungs abends gesungen haben und einen Becher Tee zu trinken bekamen. So etwas gab es bei uns Mädchen nicht.
Als endlich die verordneten 6 Wochen herum waren, erkrankte ich an Windpocken und musste noch 2 Wochen länger bleiben. Auf der Krankenstation war es etwas besser, ich glaube, es waren nur vier Betten in einem Zimmer. Außerdem gab es hier etwas Spielzeug und wir durften Weißbrot essen. Ich bekam während meiner Windpockenzeit einmal ein Paket von meinen Eltern, darin befanden sich nur 2 selbstgenähte Blusen "aus kühlendem Stoff". Keine Schokolade, kein Bonbon, keine Kleinigkeit zum Spielen, über das sich ein 6-jähriges Mädchen gefreut hätte... Das war eben von vornherein verboten und die Eltern hielten sich, autoritätshörig wie sie waren, daran. Das habe ich ihnen irgendwie übel genommen. Als diese ganz Zeit überstanden war, gingen wir in einen Andenkenladen und ich habe einen drehbaren Leuchtturm, eine große Muschel und einen stinkenden Seestern ausgesucht.
Ich war nie ganz sicher, ob ich auf Borkum tatsächlich im Adolfinenheim gewesen bin, bis ich vor einigen Jahren ein paar Tage im November auf der Insel verbracht habe, um mein Trauma zu verarbeiten. Im kleinen Heimatmuseum ließ man mir sehr viel Zeit, viele Ordner über dieses Heim zu durchforsten. Anhand der Fotos war mich mir dann ganz sicher, dass ich im Adolfinenheim war.
Das Haus existierte schon lange nicht mehr, das Grundstück wurde zu einem Teil mit einem Kindergarten bebaut. Da dort die Freiwillige Feuerwehr einen Bau plante, wurde neben dem Kindergarten das ganze Grundstück ausgebaggert. Schutt und Scherben des alten Adolfinenheims kamen wieder zu Vorschein und ein Stück einer gelben Waschsaal-Fliese ging als "Trophäe" mit nach Hause.... Nach Borkum werde ich sicher nie wieder zurückkehren.
Ich bin interessiert an Erinnerungen von LeidensgenossInnen, die vielleicht auch Mitte der 60er Jahre ins Adolfinenheim verschickt wurden.
Gräßlich, was man damals uns Kindern angetan hat.
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Anonym schrieb am 15. Januar 2022
Ich war 1979 in Wenningstedt über das BSW.
Suche eine Esther die mit mir ab München dort hin fuhr.
Zu diesem Zeitraum war ich zarte 5 Jahre
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Stephanie aus Remagen schrieb am 11. Januar 2022
Hallo, ich war ca 1970/72 mit meinem Bruder in Onstmettingen. Wir waren etwa 8 bzw 10 Jahre alt, und der Veranstalter war die Arbeiterwohlfahrt.
Ich kann mich nicht an Schläge oder so erinnern, aber was ich noch genau weiß, ist, dass man unsere Pakete aus der Heimat vorenthielt. Sogar die 5 Mark, die uns die Eltern mühsam für uns als Taschengeld verschickt hatten, verschwand!
Die Leiterin trank TriTop, und wir durften zusehen! Naja, es gab aber auch für mich unvergessliche, schöne Erinnerungen...
Leider gab es nie einen Austausch mit den anderen Kindern, aber vllt finde ich ja hier liebe Mitbewohner von damals wieder...
Liebe Grüße
Stephanie
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Anonym schrieb am 7. Januar 2022
6 Wochen im "Haus Sonnenschein" der Caritas
Erinnerung an eine Kinderkur auf der Insel Langeoog im Jahr 1963

1: Damalige Gegebenheiten

Im Sommer 1963 war ich 10 Jahre alt, besuchte seit den Osterferien die 5. Klasse des Knabengymnasiums Josephinum in Hildesheim und wurde für die Länge der kompletten Sommerferien in eine von der Caritas angebotene Kinderkur nach Langeoog geschickt.

Ich galt für den damaligen Zeitgeschmack als zu dünn und sollte mal so richtig aufgepäppelt werden. Meine Mutter hatte sich wahrscheinlich etwas zu oft anhören müssen, dass ihr kleiner Junge wohl zu Hause nicht genug zu essen kriegte.
Wenn ich heute Fotos von mir aus meiner Grundschulzeit sehe, finde ich mich zwar schlank, aber doch eher so, wie ein gesundes Kind in dem Alter aussehen sollte.

Jedenfalls ging es für mich damals dann für 6 Wochen auf die Insel Langeoog, in die Obhut von Frauen, die wir "Tante..." oder meistens "Fräulein..." nannten und die für die Zeit der Kur für unser Wohl und das Erreichen des Kurziels, in meinem Fall "ordentlich zunehmen", verantwortlich waren.

Wir Jungen aus der Gruppe, der ich zugeordnet war, schliefen in mehreren 6-Bett Zimmern im Erdgeschoss des Hauses. Von unserem Flur aus erreichte man auch ein Gruppenzimmer, das Zimmer der für uns zuständigen Betreuerin und einen Abstellraum. Wo sich die Waschräume und Toiletten befanden, weiß ich heute nicht mehr.

In der ersten Etage über uns waren die Mädchen untergebracht.
Jungen und Mädchen waren so im Haus verteilt, dass wir, außer zum Essen in einem
Speisesaal, praktisch nie aufeinander trafen.

Heute kann ich mit dem großen Abstand von 59 Jahren nicht mehr mit Sicherheit sagen,
welche Atmosphäre und welcher Geist im "Haus Sonnenschein" herrschte.

In Erinnerung habe ich allerdings, dass sich praktisch alle der zeitgleich mit mir anwesenden Kinder wohl fühlten.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den Gruppen irgendwelche Vorfälle gab, die ich damals als schlimme Übergriffe der Erziehenden und Betreuenden empfunden hätte und von denen ich heute noch wüsste.

Dazu muss ich aber sagen, dass viel von dem, was heute als übergriffig gilt, damals von vielen Kindern (so auch von mir) als ganz normale Erziehungsmaßnahme wahrgenommen wurde und wohl deshalb im Langzeitgedächtnis im Detail gar nicht abgespeichert ist.

Dazu zählten Maßnahmen wie:
- im Gruppenraum für 1 bis 2 Stunden in der Ecke stehen, wenn beim Reden während der
2-stündigen Mittagsruhe oder bei der Nachtruhe beim Reden mit Zimmergenossen
erwischt wurde
- der Zwang beim Mittagessen aufzuessen, auch wenn man satt war oder das Essen nicht
mochte
- von Gemeinschaftsveranstaltungen schon aus nichtigem Anlass ausgeschlossen werde

2: Erzieherinnen

An Namen der im Heim tätigen Erzieherinnen kann ich mich, mit Ausnahme des Namens unserer Gruppenbetreuerin, nicht mehr erinnern.
Ich kann auch nicht mehr sagen, wie viele es waren.
Es fühlt sich allerdings so an, als seien es sehr viele und als seien sie allgegenwärtig gewesen.


Mit den Frauen des Betreuungspersonals, die andere Gruppen aus dem Heim leiteten, hatte man nur zu tun, wenn sie als "Wache" beim 2-stündigen Mittagsschlaf oder vor dem abendlichen Einschlafen durch Flure und Zimmer streiften. Streng achteten sie darauf, dass von uns niemand sprach.
Zuwiderhandlungen wurden in der Regel mit Ermahnungen, ganz häufig aber auch mit "In der Ecke stehen" im Gruppenraum bestraft.
Im schlechtesten Fall, konnten das dann schon einmal zwei Stunden werden. Eben die gesamte Länge der Mittagsruhe.

Genau erinnere ich mich noch an 2 Mitarbeiterinnen des Heims. Ich habe noch deutlich vor Augen, wie diese zwei Frauen aussahen. .

Da war einmal unsere Gruppenbetreuerin, "Fräulein Heidi S.". Eine junge Frau, die damals bestimmt noch keine 30 Jahre alt war.

Sie war für mich in den 6 Wochen die engste Bezugsperson. Sie war durchgängig für die tägliche Betreuung unserer Gruppe zuständig und wohnte in dem Betreuerinnenzimmer auf unserem Flur, genau am Gangende, dem Zimmer in dem ich anfangs schlief gegenüber.

Fräulein S. war anders, als all die anderen "Fräulein", an die ich mich erinnern kann.

Ich habe sie als immer freundlich und sehr lieb in Erinnerung.

In ihrer Rolle als Leiterin unserer Gruppe musste sie allerdings im Verlauf der 6 Wochen die von der Heimleitung mir gegenüber angeordneten Strafaktionen umsetzen. Und das tat sie konsequent.

Die zweite Frau an die ich mich genau erinnere war die Heimleiterin. Eine dunkelhaarige Frau, die ich damals als alt wahrnahm. Vielleicht war sie aber noch nicht einmal 40. Ihr Name ist mir entfallen.

Mit ihr hatte ich insgesamt dreimal zu tun. Und an diese Begegnungen erinnere ich mich noch ganz genau.

Ich wurde ihr "vorgeführt", sie redete dann auf mich ein und verkündete anschließend die Konsequenzen, die mein unartiges, böses Verhalten für mich haben sollte.
Dabei vermittelte sie mir vor allem, dass ich eigentlich "ein Klotz am Bein" des gesamten Heims sei, den man am liebsten nach Hause schicken würde. Aber das ginge ja nicht, denn dann würde mein böses Verhalten (weiter unten werde ich schildern, was jeweils passiert war) ja sogar noch belohnt.

Sie machte mich richtig klein und gab mir das Gefühl, Verständnis und Zuwendung nicht wert zu sein.

Das Schlimme war, dass ich damals glaubte, sie sagte das zu Recht.
Ich war sicher, dass mit mir etwas nicht stimmte.


3: 3 Vorfälle und ihre Konsequenzen für mich

Ich erinnere mich noch sehr genau an 3 Vorfälle und ihre Konsequenzen:

Der erste Vorfall

Wir waren an einem Donnerstag im Juni oder Juli 1963 angekommen.

Bereits nach 2 Tagen, am Samstag, wurde ich von heftigem Heimweh geplagt.

Ich weiß heute noch, wie es mich von der einen Sekunde zur anderen während des Mittagessens im Speisesaal überfiel.

Ein Gefühl, plötzlich nicht mehr in dem Speisesaal, sondern in und mit mir selbst in einer Gefühlsblase eingesperrt zu sein.
Ich fühlte mich plötzlich wie in Trance.
Übermächtig und beherrschend war die sofort eintretende Angst, dass ich meine Eltern und meinen Bruder nie wieder sehen würde. Die Angst, alle drei würden sterben, bevor ich wieder zu Hause sein würde.
Einer der an unserem Tisch sitzenden Betreuerinnen sagte ich, dass mir sehr übel und schwindelig sei.
Von Heimweh sagte ich nichts. Damals wusste ich wahrscheinlich noch nicht einmal, dass man meinen
Gefühlszustand "Heimweh" nannte.
Sie bemühte sich sehr um mich und brachte mich in den Schlafraum, der mir und 5 anderen Jungen 2 Tage vorher zugewiesen worden war.

Ich legte mich zu Bett und die Betreuerin ließ mich allein, ging sicherlich zum Essen zurück.

Es dauerte nur wenige Minuten und ich hatte den Entschluss gefasst wegzulaufen.

Ich zog mich an, steckte die zehn Mark Taschengeld, die ich für die 6 Wochen von meinen Eltern mitbekommen hatte, in die Hosentasche und kletterte aus dem ebenerdigen Fenster und machte mich auf den Weg zum Hafen.
Ich orientierte mich an den Gleisen der Inselbahn und fand den Anleger ohne große Probleme.

Als ich dann bei einem Schiffer eine Fahrkarte zum Festland kaufen wollte, fand mein Fluchtversuch ein rasches Ende. Ich sehe ihn heute noch vor mir stehen und sagen: "Wo bist du denn abgehauen?"

Ich lief sofort vor ihm weg. Den Steg entlang. Richtung Land zurück.

Und da stand schon Fräulein S. mit einem Fahrrad und "kassierte" mich wieder ein.

Auf ihrem Gepäckträger fuhr ich mit ihr zurück.

Die Konsequenzen aus dem ersten Vorfall

Im Heim angekommen wurde ich zur Heimleiterin gebracht.

Die hielt mir eine ordentliche Strafpredigt. Ich weiß noch genau, dass ich mich danach wie ein kleiner Verbrecher gefühlt habe. An irgendwelchen positiven Zuspruch kann ich mich erinnern.

Strafmaßnahmen gab es aber erst einmal nicht.

Man passte nun aber genau auf mich auf. Solch eine Aktion sollte mir nicht noch einmal in den Sinn kommen!


Der zweite Vorfall

Am ersten Montag des Aufenthalts, also nur 2 Tage nach meinem "Fluchtversuch" durften wir dann vormittags Briefe nach Hause schreiben.

Das war für mich die erste Gelegenheit, meinen Eltern mitzuteilen, wie es um mich stand.
Das Heimweh bestand mit gleicher Heftigkeit wie zur ersten Sekunde.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals schrieb. Aber sicher weiß ich noch, dass mein Brief von vorne bis hinten ein Betteln war, doch sofort nach Hause geholt zu werden.

Dass mein Brief vom Betreuungspersonal gelesen und zensiert werden würde, war mir überhaupt nicht klar.

Die Konsequenzen aus dem zweiten Vorfall

Am Nachmittag wurde ich dann erneut zur Heimleiterin gerufen.

Dieses Mal verängstigte sie mich richtig. Ich sehe sie heute noch vor mir:

Ich glaubte doch wohl nicht, dass Sie das Gejammer von einer "Memme" wie mir an meine Eltern weiterschicken würde. Die müssten sich ja dann für mich schämen.

Sie erklärte mir, dass ein Kind wie ich, dass erst wegläuft und dann auch noch solch einen Brief schreibt,
ja wirklich böse und ganz hinterlistig sei.

Dann wurde mir aufgetragen, einen völlig neuen Brief zu schreiben. Und darin solle ich meinen Eltern gefälligst schreiben, dass es mir gut ginge. Sonst würde auch der gar nicht erst abgeschickt.

Das traf mich wie ein Schlag: Der Kontakt zu meinen Eltern war ja jetzt völlig abgeschnitten. Ich würde ihnen erst in mehr als 5 Wochen, in fast 40 Tagen mitteilen können, wie schlecht es mir ging.

Ich fühlte mich allein auf der Welt und dem Heimpersonal völlig ausgeliefert.

Dabei glaubte ich, diese lange Zeit gar nicht überstehen zu können. Denn zu meinen dunklen Gedanken
gesellte sich sofort ein Gefühl vollkommener körperlicher Schwäche.

Dazu kamen mir Zweifel an der Haltung meiner Eltern.

Mein Gedanken waren: "Würden deine Eltern dich überhaupt verstehen? Würden sie dir helfen, wenn sie wüssten wie schlecht es dir geht? Oder würden sie sich vielleicht sogar wirklich für dich schämen?

Natürlich schrieb ich dann mit dem Zwang im Nacken einen neuen Brief.
Von dessen Inhalt und Zustandekommen weiß ich aber heute gar nichts mehr.
Nicht einmal wann oder an welchem Ort im Kurheim ich ihn geschrieben habe.

Die vor mir liegende Zeit auf der Insel kam mir unendlich vor. Das würde ich nicht aushalten, glaubte ich.


Der dritte Vorfall

Am folgenden Sonntag, also dem zweiten Sonntag des geplanten Aufenthalts, ergriff ich erneut die Initiative.
Wir waren vom Heim aus mit allen Gruppen zum Besuch eines Gottesdienstes zur ziemlich in der Mitte der Inselortschaft liegenden Kirche gewandert.

Ich weiß es heute nicht mehr, aber ich bin mir doch ziemlich sicher, dass ich nach dem Vorfall mit der Briefzensur ständig nach einer neue Möglichkeit zur "Flucht" gesucht hatte.

Diese bot mir jetzt unser Kirchenbesuch.

Als wir mit unseren Gruppen die Kirche betraten, entstand durch die Enge im Eingang eine für die Betreuerinnen wohl ziemlich unübersichtliche Situation.
So konnte ich mich gleich im hinteren Bereich des Gebäudes unter die anderen Gläubigen mit ihren Kinder mischen, während die Aufmerksamkeit unserer Betreuerinnen den Kurkindern galt, die durch den Mittelgang auf vordere Plätze geführt wurden.

Nachdem alle Platz genommen hatten, war die Kirche voll und niemand hatte mein Ausscheren aus der Gruppe bemerkt.
Als dann der Gottesdienst begann, konnte ich die Kirche durch den Hinterausgang verlassen. Dabei fühlte ich mich von niemandem beachtet oder gar beobachtet. Aller Aufmerksamkeit war ja Richtung Altar gerichtet.

Sofort lief ich, wie schon eine Woche zuvor, zum Hafen.

Meine Abwesenheit würde frühestens nach dem Gottesdienst bemerkt werden. Ich hätte also etwas zeitlichen Vorsprung, dachte ich.

Am Hafen angekommen, suchte ich zuerst nach einem Boot mit dem ich selbst zum scheinbar greifbar nahe liegenden Festland rudern könnte. Die vorhandenen Boote waren alle zu groß.

Hätte ich ein kleines Ruderboot, von der Art wie ich Ruderboote damals von kleinen Ausflugsseen her kannte, gefunden, wäre die ganze Geschichte möglicherweise böse ausgegangen.

So ging ich trotz der schlechten Erfahrung, die ich eine Woche zuvor gemacht hatte, wieder auf den Steg, um zu versuchen, vielleicht von einem anderen "Schipper" auf einem der Passagierschiffe mitgenommen zu werden.

Aber ich war kaum auf dem Steg, da trafen schon 2 Betreuerinnen auf ihren Fahrrädern ein und auch meine zweite "Flucht" war zu Ende.

Die Konsequenzen aus dem dritten Vorfall

Wieder ging es sofort zur Heimleiterin.

Die machte mich erst verbal ganz klein und sprach dann eine harte Strafe aus:

Im Schlaftrakt, am Flur von dem aus wir unsere Schlafräume erreichten, gab es einen kleinen Abstellraum.

Da passten so gerade ein Bett und ein Nachtschrank hinein. Es gab keine richtigen Fenster, sondern nur zwei Oberlichter. Die aber mit Klarglas versehen waren, so dass man den Himmel und die Wolken unverzerrt sehen konnte.

In diesem Zimmer musste ich von nun an auf unbestimmte Zeit mittags und nachts schlafen. Die Tür wurde zu den Ruhezeiten zwar nicht verschlossen, aber grundsätzlich geschlossen.

Ich weiß heute nicht mehr, wie viele Tage ich dort von allen anderen Kindern abgesondert verbringen musste. Es sind aber so viele gewesen, dass sie in meiner Erinnerung ganz schwer wiegen.

Am schlimmsten waren in dieser Zeit für mich die jeweils 2 Stunden Mittagsruhe, in denen ich grundsätzlich nie schlafen konnte.
Sie kamen mir jeden Tag aufs Neue wie eine Ewigkeit vor und mein Heimweh bohrte besonders in mir.
Noch heute kann ich mich genau daran erinnern, wie ich mittags im Bett liegend durch die Oberlichter den Wolkenzug beobachtet habe.

Während es in den Gruppenräumen Vorhängegardinen gab, waren vor den Oberlichtern im Abstellraum keine angebracht.
Im Zimmer war es also zur abendlichen Schlafenszeit immer sehr hell.
So fiel mir auch abends das Einschlafen schwer. Oft lag ich lange wach, von meinem Heimweh gequält.

Täglich graute mir vor den Ruhezeiten.

Irgendwann durfte ich dann wieder in einem Gruppenschlafraum schlafen.



4: Was ich noch schreiben möchte

Für die Erzieherinnen im "Haus Sonnenschein" war ich als kleiner Junge, der die Energie aufbrachte zweimal wegzulaufen, sicher ein großes Problem.
Aber ich war ein 10-jähriges Kind.
Wie konnte man das über einen Zeitraum von 40 Tagen in großer seelischer Not so mit sich allein lassen?

In meiner Erinnerung habe ich die 5 bis 6 Wochen wie in Trance gelebt.
Ich fühlte mich wie in einer Blase.

Als ich 1963 nach Hause kam, habe ich meinen Eltern nichts von meinen "Fluchten" und deren Folgen erzählt.
Sie sollten ja nicht wissen, was für ein Schwächling und wie böse ich war.

Erst viele Jahre später habe ich meinen Eltern von den Ereignissen während der Kur berichtet.
Sie waren wie vor den Kopf gestoßen und versicherten mir, nicht das Geringste über meine Nöte erfahren zu haben.
Im Gegenteil: Von der Caritas hatten sie sogar nach Kurende eine Art Protokoll, in dem mir ein guter Kurerfolg und eine Gewichtszunahme von 3kg attestiert wurden, erhalten.
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Anonym schrieb am 30. Dezember 2021
suche Betroffene die in dieser













Suche Betroffene, die im gleichen Heim waren , und den Heimleiter "kennengelernt haben".
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Anonym schrieb am 27. Dezember 2021
Unterbringung wegen Heilbehandlung im Bäderhaus Bad Wildungen. Bloßstellen, psych.Druck
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Anonym schrieb am 18. Dezember 2021
Ich bin im Jahr 1977 in Allerheiligen im Schwarzwald gewesen. Ich habe nicht mehr allzu viele Erinnerungen daran. Vermutlich weil ich das meiste verdrängt habe. Ich wurde auf Anraten des Schularztes dort hingeschickt weil ich "untergewichtig" war. An die zensierten Postkarten kann ich mich noch erinneren. Wo ich mich aber besonders dran erinnere ist die Tatsache das ich einen halben Schneidezahn durch eine Betreuungskraft dort verloren habe. Was ist passiert ? Ich konnte als KInd keinen Porree in Suppen essen. Insbesondere nicht in klaren Suppen. In der Kur gabe es dann eine solche Suppe mit viel Porree drin. Ich habe dann den Porree an den Rand gelegt und die Suppe gegesssen. Die Betreuerin kam dann zu mir und hat mir den Porree mit dem Löffel in den Mund gestopft. Nachdem ich diesen wieder ausgespuckt habe hat sie mir mit dem Löffel genau auf die Schneidezähne gehauen, wodurch an einem Schneidzahl ein große Ecke abgebrochen ist. Meine Eltern haben dann eine Bestätigung bekommen, das die Gemeinde wenn ich 16 bin für eine Krone aufkommt. Leider sind durch den Tod meiner Eltern die Unterlagen verschütt gegangen.
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Anonym schrieb am 18. Dezember 2021
Auf Anraten unseres Hausarztes sollte ich (11 Jahre) zur Gewichtszunahme in ein Kinder-Erholungsheim. Ich fuhr also für 6 Wochen in Oberlinhaus nach Freudenstadt. Vom ersten Tag an hatte ich großes Heimweh, dies durfte nicht geäußert werden. Alle meine Briefe die ich nachhause schrieb wurden gelesen. Nichts durfte von Heimweh darin stehen; also wurde ich gezwungen, die Unwahrheit zu schreiben, dass es mir gut gehe! Zum Frühstück gab es immer Müsli mit einer Laugenbrezel, da ich die Brezel nicht mochte, bekam ich sie zu jeder Mahlzeit wieder, bis ich sie aufgegessen hatte. Nachts durften wir nicht zur Toilette. Die meisten Kinder weinten sich in den Schlaf. Einmal mussten wir im Regen Tannenzapfen sammeln - barfuß - ! Danach bekam ich eine schwere Halsentzündung. Sonntags durften die Eltern anrufen. Da ich aufgrund der Krankheit nicht ans Telefon gehen konnte und auch meiner Mutter nichts darüber gesagt wurde, hieß es einfach, dass ich draußen unterwegs sei! Morgens hatten wir nur ganz kurz Zeit, uns zu waschen und zu kämmen. Ich hatte dicke, krause Zöpfe, die eigentlich sorgfältig gekämmt werden mussten. Entsprechend verfilzt waren sie nach den 6 Wochen ; genau am letzten Tag fiel es einer "Tante" auf und sie versuchte, die Verfilzung durch ruppiges Bürsten zu lösen, was natürlich furchtbar weh tat! Sie meinte, dass meine Mutter schimpfen würde, wenn ich so nachhause käme. Erst nach tränenreicher Beteuerung, dass meine Mutter auf keinen Fall schimpfen würde, ließ sie mich dann in Ruhe!
Zuhause habe ich das garnicht zum Thema gemacht; ich war nur unendlich froh, wieder daheim zu sein!
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Anonym schrieb am 17. Dezember 2021
Hallo, ich weiß nicht genau, in welchem Haus auf Langeoog ich als 10-jährige für sechs Wochen war. Ich hatte Probleme mit den Bronchien, aber im Haus bei der ärztlichen Untersuchung fand man dann noch mehr: Senk-Spreiz-Plattfuß, schadhaftes Milchgebiss, zu fett! Ich habe meinen Eltern damals voller Empörung davon geschrieben.
Das bedeutete Schlechtes und Gutes: keine Süßigkeiten, kein Nachtisch, Konfiszierung der Pakete von Zuhause, der gesamte Inhalt wurde an alle verteilt. Ich musste aber auch keinen Mittagsschlaf halten, sondern durfte mit den anderen fetten Kindern mit der Heimleiterin und ihrem Hund spazieren gehen. Abends wurde inhaliert, während die anderen Kinder gesungen haben.
In den Zimmern herrschte ab halb acht absolute Ruhe, wer dagegen verstieß, musste mit dem Bettzeug mindestens eine halbe Stunde auf dem Dachboden stehen. Alle waren sehr streng, der einzige Lichtblick war ein Erzieher(?) namens Tarzan, er kann auch Zivi gewesen sein.
Ich hatte vor allem Heimweh, ich fühlte mich ungerecht behandelt, ich habe nicht verstanden, warum meine Eltern mich so lange weggeschickt haben. Aber andere Kinder taten mir noch mehr leid, ich erinnere mich an ein Kind, dessen Eltern auf einer anderen Nordseeinsel in Sichtweite Urlaub machten und nicht einmal zu Besuch kamen. Das Kind vermutete, dass ihre Eltern das neue Geschwisterkind lieber hatten, denn das durfte mit in den Urlaub fahren.
Die ganze Atmosphäre war eher unangenehm und restriktiv, vor allem für mich in der Rückschau unverständlich, wie Eltern ihre Kinder so lange allein wegschickten. Das zeigt den Blick, den man zu dieser Zeit immer noch auf Kinder hatte, kleine Erwachsene, die zu gehorchen hatten und deren Rechte oft nicht wahrgenommen wurden, nicht nur in diesen Heimen, sondern auch in anderen Institutionen wie Kindergärten und Schulen.
In meinen Briefen nach Hause habe ich meinen Eltern schon geschrieben, was los war, aber sie haben es als kindliche Übertreibung fast lustig gefunden, was ich schrieb. An vieles habe ich gar keine Erinnerung, die Reise etc. Aber ich erinnere mich sehr gut an das Gefühl der Unterdrückung und Angst und daran, dass ich in der Zeit das erste und einzige Mal etwas geklaut habe- Süßkram!
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Anonym schrieb am 15. Dezember 2021
Ich kann mich ans Essen erinnern , es wurde der Teller vollgemacht, seit dem kommt mir bei Graupensuppe und Schokoladenpudding mit Haut alles hoch. Der Heimleiter Onkel liess immer Jungen in seinem Bett schlafen. Bei mir ist er regelmässig im Dunkeln ans Bett gekommen ,hat meine Hand genommem und ich habe seine Brustwarzen gerieben. Zur Belohnung gab es Bonbon. ich hatte das alles vergessen aber durch Berichte hier in meiner Zeitung über ein Waisenhaus hab ich wieder daran erinnert.
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Anonym schrieb am 15. Dezember 2021
Ich war 6 Jahre alt, als ich für 6 Wochen zur Kur nach Mittenwald geschickt wurde. Ich war damals untergewichtig und neigte zu Bronchitis und anderen Erkältungserkrankungen. Wie ich nach Mittenwald kam, daran kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß nicht, ob mich meine Eltern zum Bahnhof gebracht haben,, ob ich geweint habe oder sonst etwas. Ich weiß aber, dass ich mit anderen Kindern im Zug gefahren bin. Das habe ich mir gemerkt, weil ich auf der Fahrt von einem Jungen gebissen wurde, der eventuell Robert hieß. Der gleiche Junge ist auch mit mir zurück gefahren, sechs Wochen später.
Die Zeit in Mittenwald war für mich ein Alptraum. Das Allerschlimmste für mich war, dass ich immer und immer wieder alles essen musste. Man durfte den Platz erst verlassen, wenn man aufgegessen hatte. Und es gab immer sehr eklige Sachen, die ich nicht essen konnte. Es gab ganz oft glibberiges Essen, wie Spiegeleier oder auch Hering in Aspick, dass für mich ungenießbar war. Einmal gab es Spiegeleier und Kartoffeln. Ich konnte die Eier nicht essen, weil ich damals dachte, dass dariin das Eigelb irgend welche toten Küken seien. Genau wie die anderen Tage auch, war ich die letzte, die vor ihrem Teller saß. Und ich wusste, dass ich wieder Spülen oder des Speisesaal putzen muss, wenn ich da fertig bin. Irgend wann ging jemand mit etwas Salz herum. Ich bat darum etwas Salz zu bekommen, weil ich das mochte. Ich bekam kein Salz. Nachdem ich das Spiegelei gegessen hatte, was Stunden dauerte, in denen ich unter Druck gesetzt wurde, wo mit dem Liebesentzug meiner Eltern gedroht wurde, damit, dass ich länger in Kur bleiben müsse, wenn ich das nicht äße usw. Ich habe das Spiegelei gerade runtergewürgt, und war echt erleichtert, dass ich es geschafft habe, als mir noch ein Ei auf den Teller gelegt wurde. Ich habe auch dieses Ei gegessen. Als ich dann aufstehen durfte, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen, musste ich mich übergeben. Dafür wurde ich extrem ausgeschimpft und ich musste mein erbrochenes selbst wegwischen. Außerdem wurde mir gesagt, dass ich nicht mit zum Ausflug dürfe, da ich ja auch nicht gegessen habe. Und so lange ich nicht essen würde könne ich dann auch keine Ausflüge mitmachen. Tatsächlich kann ich mich nur an zwei Situationen außerhalb des Gebäudes erinnern. Einmal sind wir in eine Stadt gefahren. Ich dachte es sei ein Ausflug. Aber tatsächlich war es der Besuch bei einem Zahnarzt, der mit, ohne auf mein Nein zu achten, einen Wackelzahn entfernte. Und die zweite Erinnerung war tatsächlich ein Ausflug ins Grüne. Ich kann mich an einen alten Panzer erinnern, der da am Waldrand stand und auf dem die Kinder gespielt haben. Außerdem haben wir uns einen Hügel herunter rollen lassen. Das war der einzige spaßige Moment im Freien dort an den ich mich erinnern kann. Die wenigen Erinnerungen, an die ich mich erinnern kann, waren in dem Gebäude. Ich konnte mittags nicht schlafen. Und in dem Zimmer dort waren noch zwei Zwillingsmädchen, die auch nicht gut schlafen konnten. Ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich mit den beiden geflüstert habe. Die anderen haben geschlafen und wir waren auch nicht laut. dennoch wurde ich aus dem Bett und dem Zimmer geschleift und in einen Raum gebracht, der mit Matten ausgefüllt war. Ich konnte nicht aus dem Raum raus. Und ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, wie ich aus diesem Raum, in den ich mehrmals gebracht wurde, raus gekommen war. Darüber hinaus, kann ich mich daran erinnern, dass während meines Aufenthalts ein Kind Geburtstag hatte. Er bekam ein Geschenk von zu Hause geschickt. Darin waren Süßigkeiten. Ihm wurden die zwar gezeigt, dann aber wurden die Süßigkeiten an die anderen Kinder verteilt, mit dem Hinweis, er würde dann ja dicker werden. Das war so unfair, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Der Kontakt zu meinen Eltern war sehr schwierig während dieser Zeit. Ich konnte noch nicht Lesen und Schreiben. Meine Eltern hatte Blankopostkarten besorgt, die Adressiert und Frankiert hatten. Auch an Oma Opa Tanten. Ich wollte dann auf der Rückseite ein Bild malen. Ich wollte meinen Eltern und vor allem meinem Lieblingsonkel eine Karte malen und ihm damit sagen, wie schlimm es dort ist. Aber keiner der Erwachsenen dort hat mir sagen können, wo die Karte für meine Eltern und meinen Onkel waren. So konnte ich an die für mich wichtigsten Personen nicht "schreiben". Außerdem wurde meine Karte nicht angenommen, wenn nicht die Sonne schien oder irgendwo der Regenbogen zu sehen war.
Was mir auch sehr schlimm in Erinnerung war, waren die ärztlichen Untersuchungen, die ständig stattfanden. Das Ausziehen, das Nacktsein vor den anderen, das Schimpfen, wenn ich nicht ausreichend zugenommen hatte. Ich glaube, es gab auch stellvertretendes Schlagen, vor dem ich so Angst hatte. Und ich wollte das Kind nicht schlagen. Aber für diese Erinnerung ist das Erinnerungsfragment zu ungenau. Deshalb möchte ich nichts dazu sagen. Aber was ich nicht verstehe: Ich war sechs Wochen da. Und ich kann mich nur an Essenssituationen, Schlafenszeiten und Ärztliche Untersuchungen erinnern... Wo war das Spiel? Wo das Erleben???
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Elke G. schrieb am 15. Dezember 2021
Nach Weilmünster wurde ich für 6 Wochen verschickt als Stadtkind. Es war meine erste Trennung von meinen Eltern und die erste Reise. Zur Erholung nach mehreren überstandenen Kinderkrankheiten, jedoch ohne ein spezielles Leiden. Eine enge Schulfreundin wurde ebenfalls verschickt, wir blieben gemeinsam in einer Gruppe. Das war ein kleiner Trost. Als geliebtes Einzelkind war die Gewöhnung an große Schlaf- und Esssäle nicht einfach. Wäschewechsel war nur 1x wöchentlich, wer verschmutzt war, hatte Pech. Spaziergang nur 1x täglich ca 30 Min. um das Sanatorium in Zweierreihe, schweigend . Das Essen war sehr eintönig und nicht wohlschmeckende. Es musste aufgegessen werden. Täglich erbrachen sich Kinder schon am Tisch, in den Räumen oder im Bett. Für mich ist das Thema "Erbrechen" sehr mit üblem Geruch, Geräuch und Ekel verbunden. In den Schlafräumen musste Ruhe sein, Toilettengang wurde sehr streng untersagt. Eine "Tante" bewachte an einem kleinen Pult den Flur. Da ich schon lesen und etwas schreiben konnte, wollte ich auf der wöchentlichen vorfrankierten und adressieren Postkarte an die Eltern mein Heimweh kundtun. Ohne Begründung wurde die Post mehrmals zerrissen. Dann konnte ich nicht mehr nach Hause schreiben, was meine Eltern sehr verwunderte. Meine Freundin erkranktewährend des Aufenthalts und kam für einige Zeit zu Nonnen in ein Krankenhaus, was sie auch in sehr schlechter Erinnerung hat. Nur bei einigen Betreuerin en durften wir kurze Zeit am Tag etwas spielen, auch eine Art Gymnastik wurde gemacht. Die Zeit erschien unendlich lang bis zur Rückreise mit dem Bus. Abgewickelt wurde die Verschickung durch das Bezirksamt Berlin Spandau. Ich vermute, dass unsere Eltern sich dort nachträglich beschwerten, ob darauf eine Reaktion erfolgte, ist nicht bekannt.
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burk schrieb am 15. Dezember 2021
Ich war wohl recht "alt", mit gerade 13 Jahren damals dort. Ich erinnere mich an die absolut strikte Trennung von Mädchen und Jungs in unterschiedlichen Häusern, und dem komplett fehlenden Kontakt zu den Mädchen. Das mich das damals nicht so interessiert hat, war vielleicht noch ganz nett, jedoch da wir in "Altersklassen" unterteilt waren in dem Heim (9-12, 13-16) und ich dementsprechcend von lauter bereits wesentlich stärker pubertierenden Jungs umgeben war fiel ich damit aus dem Raster.

Und das war der Anfang vom Übel: In dem Zimmer in dem ich war, waren wir, ich glaube zumindest, 6 oder 8 Jungs. Und die haben mich dann gehänselt. Und aufgezogen. Und ich glaube auch, dass "man" sich halt auch alles mögliche gezeigt hat, aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern, ich habe dies wohl völlig verdrängt.
Es gabe einen Jungen, ich weiß den Namen nicht mehr, er hatte den Spitznamen "Professor" weil er auch durch eben sein Allgemeinwissen auffiel zwischen den Fussball und sonst was favorisierenden anderen. Jemand mit Hirn mit dem man sich unterhalten konnte, der mich nciht als "Baby" sah. Von der Erzieherin wurde mir mal gesagt "das ist kein guter Umgang für dich, spiel nicht mit ihm, häng dich nicht so an ihn dran". Toll, dem Einzigen der mich nicht hänselte, dem sollte ich fern bleiben. EIngegriffen ins Hänseln und Mobbing im Zimmer hat von den Erzieherinnen niemand wirklich nachhaltig. Aber ich muss wohl so ausgerastet sein irgendwann dass sie da was ändern mussten.

Jedenfalls war ich todunglücklich und es war so schlimm, dass irgendwann die Leitung beschloß mich in die Gruppe 9-12 umzuziehen. Dafür bin ich dankbar gewesen und ich glaube auch noch heute

.
Dort war es dann viel besser und ich war in einem 4er Zimmer und die Zimmerkameraden waren zwischen 9 und 12. Der 12 jährige hat dann mal eines Tags sowas wie "Wahrheit oder Pflicht" als Spiel ins Zimmer gebracht, abends, nach der Bettruhe und wir haben das leise gespielt. Na in dem Zusammenhang erinnere ich mich dran, dass er sowohl von mir als auch von dem 9 jährigen wollte, dass wir seinen Penis küssen als "Pflicht". Dies ist aber nicht der Fehler vom Heim, und war auch nicht wirklcih schrecklich traumatisierend für mich. Denke ich mal. Ansonsten war die Zeit dort okay dann. Die "wanderungen durch den Wald" waren okay, und ich erinnere mich nicht an Schläge oder schreckliches Essen, das man aufuessen musste (oder sogar Erbrochenes essen, was ja woanders wohl vorkam). Ich glaube sogar man konnte EIN Essen als "unakzeptabel" nennen, dann bekam man etwas anderes (Johurt oder was anderes ungekochtes) statt dessen. Die Erzieherinnen halfen uns beim Karten schreiben, da ich nicht sehr kreativ war, war ich dankbar, und es war soweit ich mich erinnere auch nur leicht geschummelt, nicht gelogen. Es ging mir ja nicht (mehr) schlecht.

Wie gesagt, die ersten 1 1/2 Wochen waren Horror, danach waren es 4 1/2 wochen trennung von der Familie, teils in den Sommerferien, teils davor.

In die Kleidung wurde damals noch von meiner Mutter im Vorfeld der Name mit so einem weißen Namensbändchen mit roter Schrift drin überall eingenäht, Im Heim kam dann für "mein Haus", es waren ja mehrere, ein "Lila Kreuz " oben drüber aufgestickt. Ich habe tatsächlich noch ein Handtuch von damals das beides noch trägt. 🙂

An Restriktionen erinnere ich mich halt "kein Kontakt zu den Mädchen" "telefonieren nach Hause" war schwierig, aber zumindest zum Gruppenwechsel hab ich das mal geschafft. Unser Taschengeld wurde eingesammelt und ausgegeben nach "Bedarfsbegründung" und es wurde genau Buch geführt. Das ist aber eigentlich korrekt finde ich jetzt. Zunmindest in der "kleinen Gruppe". Die Briefe aus dem Heim in der Zeit (ja ich glaube echt 1x die Woche) wurden angeleitet, ob da leitende Zensur stattfand kann ich nicht mehr sagen, ich glaube aber schon dass es mal hieß "schreib das doch so und nicht so". Und natürlich das "Nachts rausgeh-Verbot" aber ob das auch für die Toilette galt weiß ich nicht mehr. Aber die Treppe anch unten war streng verboten. Unten (1.OG) waren auch die "Großen" (13-16) und zu denen wollte ich auf gar keinen Fall mehr, ich hatte echt Angst, Und auch davor dass die hoch zu uns ins 2.OG, so halb unters Dach kommen. So ging es uns allen im Zimmer übrigens.

Im Haus war auch gleichzeitig eine gruppe Jugendlicher (im EG), die Dialyse brauchten. Aber wie alt die genau waren weiß ich auch nicht mehr, ich erinnere mich nur deshalb daran, weil ich da lernte was es so an "schlimmeren Krankheiten" als meine gab. Das haben uns auch unsere Erzieher mehrmals gesagt.

Zum Thema "Gewaltauswahl" hier: Nun ich erinnere mich nicht an echte Gewalt seitens der Leitung/Erzieherinnen), aber es wurde schon sehr auf Disziplin geachtet. VIelleicht gabs auch mal eine "Kopfnuss", aber wenn, ich kann es nciht mehr beschwörden.
Und zum Erhalt der Disziplin wurde auch ein psychischer Druck ausgeübt der bis hin zur Gewalt nach heutiger Definition geht. Ich habe trotzdem "keine Gewalt" ausgewählt, da ich in einem "Prozess" nichts konkretes berichten könnte, vielleicht ist es auch zu erfolgreich verdrängt. Dass diese Einrichtung aber 1982 geschlossen wurde, stimmt mich im nachhinein bedenklich, ob die Verdrängung nicht vielleicht zu erfolgreich war.

Wer so ähnliches erlebt hat oder vielleicht gar selbst zu der Zeit dort war, bitte GERNE Kontakt über die Seite hier aufnehmen.
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Stefan aus Kassel schrieb am 13. Dezember 2021
Ich war 1972 im Taunus bei Wiesbaden. Ich glaube Haus Taunusfreude. Ich habe ein Bild vom Forsthaus gesehen und meine mich daran zu erinnern. Außerdem ging es auch ums Quarzsammeln. Ich war zu der Zeit 9 Jahre alt.
Wie bei vielen anderen, was ich las, habe ich 50 Jahre gedacht dies Thema wäre ein Gespinst oder ich zu labil, zu empfindlich...wie auch immer. Erinnerungen habe ich all die Jahre an strenge Mittagsruhe, Schläge, wenn man ins Bett gemacht hatte (Was vor der Kur nie vorkam). Sitzen bleiben bis in die Nacht am Tisch wenn man nicht aufgegessen hatte. 6 Wochen Angst und Heimweh. Das ,so glaube ich ,in Resignation endete. Pakete die geöffnet wurden und Obst welches mit Kerngehäuse und Stiel gegessen werden musste. Sterile sanitäre Einrichtungen und kaltes Wasser bleiben in Erinnerung. Härte und Strenge ebenso. Mir wird jetzt erst bewusst, dass die Albträume die ich danach bekam einen Grund hatten. Gefühlt ging das ein Jahr. jede Nacht der gleiche Traum und schweißgebadet. Auch das wurde einfach abgetan. Vielleicht kommen noch mehr Erinnerungen je mehr ich lese oder sehe. Der erste Erfolg für mich wäre schon zu wissen in welchem Heim ich 1972 war. Haus Taunusfreude ist für mich immer noch ein wenig „nebulös „.
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peter päpenmöller schrieb am 12. Dezember 2021
hallo ihr
ich war Anfang der 70 iger in Schwarzwald, weiß aber nicht mehr wo genau vor dem Gebäude stand ein großer Baum, auf dem ich rauf geklettert bin, um mich zu verstecken, vor den Tanten hinder dem Haus war ein kleiner Abhang
kann mich noch gut erinner wo es Grießbrei gab und das sah echt nicht appetitlich aus habe mich geweigert das zu essen wurde aber gezwungen und habe es wider ausgebrochen auch das sollte ich essen habe den Teller voller Wut von Tisch geworfen ich wurde in einem dunklen Raum eingesperrt die Tante wollte mir mit seife den Schmutz aus dem Mund waschen da ich damals schon ein kräftiges Kind war habe ich mich gewährt, was ein Fehler war, bin dann mit nassen Handtüchern gehauen worden auch durften wir Nacht nicht auf der toilete habe dann aus den Fenster gemacht beim essen durfte nich geschmatzt werden die kinder die es machten bekamen ein pflaster auf den Mund
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Anonym schrieb am 8. Dezember 2021
In den 60er Jahren war ich mehrfach für 6 Wochen in Kinderkurheimen. An den ersten Heimaufenthalt habe ich keine Erinnerung, da muss ich noch sehr klein gewesen sein. Von einem älteren Geschwister weiß ich, dass ich wohl schlimmes Heimweh hatte und nachts ins Bett gemacht habe. Zur Strafe wurde ich jede Nacht aus dem Bett geholt und eiskalt geduscht, danach musste ich mit dem Gesicht zur Wand stehen und durfte nicht zurück ins Bett.
Die späteren Heimerlebnisse, alle vermutlich noch im Kindergartenalter, erinnere ich bruchstückhaft: Essenszwang, Erbrochenes aufessen müssen, Bewegungs- und Toilettenverbot des nachts und beim Mittagessen mit Strafen ..., ausgegrenzt sein und völlig allein und verlassen in stockdüsteren riesigen Räumen schlafen, Todesängste, Angst, für immer von den Eltern abgeschoben zu sein ...
Am schlimmsten war es wohl, dass ich zuhause darüber nie sprechen konnte. Erinnere mich, dass ich einmal sprechen wollte, aber die Wortr mir im Hals stecken blieben. War ja noch sehr klein. Vermutlich wäre mir auch nicht geglaubt worden, jedenfalls musste ich immer wieder musste weg, weil die Erholung doch angeblich so gut tat und solch ein Luxus war. Die Heimnamen habe ich auch später großteils nicht rausbekommen, weil die Eltern alles total verdrängt haben und angeblich nichts mehr wussten. Leider haben auch die älteren Geschwister geschwiegen oder können sich kaum nicht an den Namen oder Ort der Heime erinnern. Ein riesiges, totales Trauma unserer Kindheit völlig weggedrängt!
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Anonym schrieb am 4. Dezember 2021
Anfang Mai 1974 wurde ich zur Kinderkur in die Kneipp´sche Kinderheilstätte nach Bad Wörishofen geschickt, weil der Arzt meinte, dass ich unterernährt sei. Ich war gerade erst 9 Jahre alt geworden und es war die erste Reise ohne Eltern, daher hatte ich auch große Angst davor.
Viele Jahre hatte ich diesen Aufenthalt verdrängt, weil ich keine guten Erinnerungen daran hatte. Allerdings werde ich einige Situationen nie vergessen.
Wir wurden damals von Ordensschwestern empfangen und wurden in 8-Bett-Zimmern untergebracht. Das größte Highlight waren die Päckchen von Zuhause. Jeder durfte wohl pro Aufenthalt zwei bekommen. Die Süßigkeiten wurden dann an alle Kinder der Gruppe aufgeteilt und die Reste in einem Schrank verschlossen. Eines Tages haben wir mal bemerkt, dass jemand vergessen hatte den Schrank abzuschließen. Ein Mädchen, mit dem ich mich angefreundet hatte, und ich sind abends heimlich in den Gruppenraum geschlichen und haben aus meinem Päckchen für jeden einen Schokoriegel rausgenommen. Unter der Bettdecke haben wir die Schokolade dann gegessen, weil wir Angst hatten erwischt zu werden. Am nächsten Morgen war die Angst noch größer, denn wir hatten das Bettzeug mit der Schokolade beschmiert. Um zu verhindern, dass die „Straftat“ aufgedeckt wurde, schlug ich den anderen im Zimmer vor, dass wir unsere Betten selbst machen. Alle im Zimmer haben mitgemacht, aber als die Schwestern dann in den Schlafraum kamen, wollten sie wissen, warum wir die Betten gemacht haben. Wir haben gesagt, dass wir ihnen die Arbeit abnehmen wollten. Das überzeugt sie nicht und die Betten waren ihnen auch nicht gut genug gemacht. Also wurden die Flecken entdeckt und es gab eine Standpauke für mich und die Freundin. Das war aber noch nicht genug, denn kurze Zeit später stand das wöchentliche „Haarewaschen“ an. Wir haben uns dafür in einem Nebengebäude in die Schlange gestellt und nach und nach musste sich jedes Mädchen über eine Badewanne beugen. Als ich an der Reihe war, hat die Betreuerin Mary – diesen Namen werde ich auch nie vergessen – meine langen Haare äußerst brutal gewaschen und extra sehr heißes Wasser genommen. Ich weiß noch, dass ich geschrien habe wie am Spieß und sie hat nur gemeint, dass mir das ganz Recht geschieht. Vor allen anderen hat sie dann nochmals lauthals kundgetan, dass ich das Bett nachts mit Schokolade beschmiert habe.
Eines Tages hatte ein Mädchen Geburtstag. Nachmittags wurden Schokoküsse verteilt, jede von uns bekam drei Stück. Da es mir an diesem Tag nicht gut ging, habe ich eine Betreuerin gefragt, ob ich diese bis zum nächsten Tag an die Seite stellen kann. Sie hat es erlaubt und ich stellte den Teller auf ein kleines Regal im Speisesaal. Mitte in der Nacht schaute eine Schwester in unser Schafzimmer und fragte: „Wer hat seine Negerküsse nicht aufgegessen?“ Ich war völlig schlaftrunken und habe erst nicht geantwortet. Sie machte dann das Licht an und hat wieder gefragt. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich es war. Ich wollte noch erklären, dass es abgesprochen war und mir nicht gut ist. Sie hat mir nicht zugehört und mich aus dem Bett in den eiskalten Speisesaal gezerrt. Ich saß dann im Schlafanzug vor dem Teller und musste mir alle drei Schokoküsse reinwürgen. Das hat ziemlich lange gedauert und als ich dann wieder ins Schlafzimmer zurückging habe ich mich im Flur erbrochen. Ich musste das Erbrochene dann selbst wegwischen und wurde dabei auch beschimpft.
Ein weiteres schlimmes Erlebnis hatte ich in der Bastelstunde. Ich hatte meinen Kleber im Schrank vom Schlafraum vergessen. Eigentlich durften wir unser Bastelsachen nur im Bastelraum aufbewahren, aber da ich eine neue Tube Kleber gekauft hatte, wollte ich ihn nicht zu den anderen Sachen legen. Ich gab vor, dass ich nochmal zur Toilette musste. Das war auch keine gute Idee, denn es gab feste Toilettenzeiten. Vor der Bastelstunde mussten alle nochmal zur Toilette! Ich wurde ausgeschimpft, aber durfte gehen und holte dann heimlich meinen Kleber aus dem Schlafraum. Als ich zurück kam musste ich mich für zwei Stunden in die Ecke stellen und durfte mich nicht bewegen. Es war grauenhaft.
An einem Nachmittag sollten wir Briefe nach Hause schreiben. Ich habe nicht gewusst, dass Mary den Brief anschließend lesen wird. Ich habe meiner Mutter geschrieben, dass ich schreckliches Heimweh habe und sie mich abholen soll. Mary hat den Brief vor meinen Augen zerrissen. Ich musste einen neuen Brief schreiben. Das es mir gut geht und alles schön ist.
An das Essen kann ich mich nur noch dunkel erinnern, aber es war immer etwas mit vielen Kalorien. Im Speisesaal saß mir ein Mädchen gegenüber, dass abnehmen sollte. Sie bekam oft leckeren Salat. Wenn niemand hingesehen hat, haben wir unsere Teller getauscht. So konnte ich wenigstens ab und zu etwas essen, was ich mochte und das andere Mädchen hat sich über mein Essen gefreut.
Demütigend fand ich auch die Kneipp´schen Güsse. Wir wurden unten im kalten, gefliesten Keller mit eiskaltem Wasser aus Schläuchen abgespritzt – das war ja so gesund..
Als sich der Tag der Abfahrt näherte, wurde ein Mädchen aus unserem Zimmer krank. Ich glaube, sie hatte die Röteln. Das brachte die Abreise für unsere ganze Gruppe in Gefahr. Ich habe gebetet, dass ich nach Hause durfte, denn ich hätte es keinen Tag länger mehr dort ausgehalten. Ich kann schon behaupten, dass es die fürchterlichsten und längsten sechs Wochen meines Lebens waren.
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Anonym schrieb am 30. November 2021
Als ich 6 Jahre alt war, wurde ich für 6 Wochen nach Königsfeld im Schwarzwald zur sogenannten "Kinderkur" geschickt. Ich war ein sehr dünnes Kind und unser Hausarzt meinte, dass mir Luftveränderung guttäte und ich dort sicherlich aufgepäppelt würde. Meine Familie wohnte damals in einem kleinen Dorf mit nur 10 Häusern und schon der Gedanke daran, dass ich für 6 Wochen alleine von zu Hause wegsollte, war für mich ein echtes Grauen. Aber ob ich nun zeterte oder heulte, es nützte alles nichts. Meine Mutter brachte mich zum Bahnhof. Die Anreise war bereits organisiert und erfolgte mit anderen Kindern unter Betreuung im Zug. Bei unserer Ankunft am Abend gab es eine kurze Kennenlernrunde und das Essen war - wie fast immer
schrecklich. Wir mussten alles aufessen, sonst durften wir den Tisch nicht verlassen. Jeden Abend gab es Hagebuttentee, den ich hasste und trotzdem trinken musste. Bis heute wird mir übel, wenn ich Hagebuttentee nur rieche. Es herrschten strenge Sitten und natürlich "Zucht" und "Ordnung" Alles lief nach einem festen Tagesablauf ab. Aufstehen, waschen, Frühstück, Wanderung, "Kartenschreiben" an zu Hause (natürlich nur zensiert) Mittagessen, Ruhepause usw. alles zu festen Zeiten.
Vor 7 Uhr morgens durfte niemand reden oder sein Bett verlassen. Wenn doch, dann bekam man eine besondere Strafe. Die größeren Mädchen führten Aufsicht und mussten eine "Liste" mit den "Störenfrieden" führen, die dann der Heimleitung gemeldet wurden. Kurz nach meiner Ankunft in Königsfeld erkrankte ich an Roeteln und wurde daher für eine Woche auf die Isolierstation verfrachtet, damit ich die anderen Kinder nicht anstecken konnte. Diese Zeit bei strenger Bettruhe wollte einfach nicht vergehen und vor Heimweh wäre ich fast gestorben. Aber jeden Tag kam eine alte Ärztin, um mich zu untersuchen. Sie war dann auch der einzige Kontakt zur Außenwelt.
Ein Erlebnis ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben:
Eines Nachts fiel ich aus meinem Bett (Schlafsaal mit ca. 10 Betten eng an eng) und kletterte aus Versehen in das Bett meiner Bett-Nachbarin. Die hatte Läuse und am nächsten Tag musste ich dann die komplette "Läuseprozedur" über mich ergehen lassen. Außerdem hatte ich vor 7 Uhr "geschwatzt" und stand somit auf der "schwarzen Liste".
Nach dem Mittagessen und der anschließenden Ruhepause auf der überdachten "Freiluft-Terrasse" erwartete mich dann "meine Strafe". Ein älteres Mädchen holte mich ab, um mich zur Heimleitung zu bringen. Auf dem Weg dorthin sagte ich (leider etwas zu laut) "Das macht mir gar nichts aus". Zu meinem Unglück hatte die Leiterin das gehört. Sie zog mir einen Turnschuh aus und gab mir damit kräftig was auf den Hosenboden. Danach musste ich 2 Stunden stocksteif mit den "Händen-hinter-dem-Kopf" auf einem Holzstuhl sitzen - natürlich unter Aufsicht - und durfte mich nicht bewegen.
Gegen Ende "der Kur" erkrankten einige Mädchen an Mumps und mussten länger bleiben. Ich war zum Glück schon wieder zu Hause, als die Krankheit bei mir ausbrach. Meine Familie war begeistert, dass ich Mumps-bedingt so wohlernährt aussah und ich war nur heilfroh endlich wieder zu Hause zu sein.
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Anonym schrieb am 23. November 2021
Ich war vier Jahre alt und sollte 'aufgepäppelt' werden, an Gewicht zulegen, stabiler werden. Was anfangs als Ausflug begann, entwickelte sich zu einer schrecklichen Erinnerung. Das Essen war sehr speziell und an einem Mittag gab es Leber. Da ich als kleiner Mensch das nicht kannte, biss ich rein und es schmeckte mir nicht. Da ich es nicht aß, musste ich den ganzen Mittag alleine vor diesem Teller sitzen und sollte die Leber essen. Alle anderen Kinder machten einen Ausflug. Man lies mich alleine da sitzen und schaute gefühlt alle Stunde mal rein, ob der Teller leer ist. Man sagte mir, dass ich so lange da bleiben muss, bis ich das essen würde, auch wenn es über meinen Geburtstag hinweg geht. Das machte mir alles sehr viel Angst und dennoch konnte ich die Leber nicht essen. Als ich bis 16 Uhr nichts gegessen hatte, musste ich, bevor die anderen Kinder vom Ausflug zurück kamen, ins Bett gehen. Dieser Aufenthalt belastet mich noch immer. Es ist einfach schrecklich, was man als Kind erlebt und es bis ins Alter (bin schon 56) nicht mehr vergisst.
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Anonym schrieb am 22. November 2021
An vieles erinnere ich nicht mehr, aber einige Sachen fallen mir heute (68) ein. Ich war als Fünfjährige für sechs Wochen 1958 oder 59 zur Verschickung auf Amrum. Den Namen des Hauses weiß ich nicht mehr. Da ich keine Geschwister hatte, freute ich mich auf die anderen Kinder - und hatte eine spaßige Zeit. Ich wurde damals von zu Hause eh autoritär erzogen, kannte es nicht anders und konnte ich mich im Heim unterordnen.
Ich erinnere, dass das Essen wohl nur aus Eintopf bestand, am meisten hasste ich irgendeine Suppe (Milch?) mit Sago. Die glitschten und glubschten im Mund und guckten mich auf dem Teller so an. Aufessen musste ich sie m .M. nicht, aber bis heute mag ich kein Sago o.ä. Dass man nachts nicht auf Toilette durfte, erinnere ich auch, aber ob ich mich einnässte und Strafen bekam, nicht. Dunkel in Erinnerung ist, dass wir uns mit Augenschutzbrillen fast nackt um ein warmes Gerät (wie ich heute weiß, eine Höhensonne) bewegen mussten. Das fand ich damals ganz toll, es war ja kuschelig warm. Ungerecht fand ich und habe auch geweint, dass wir Süßigkeiten abgeben mussten, auch die von zu Hause geschickten. Dafür bekam man aber von den anderen was ab. M.E. gabs Süßes ein Mal die Woche und abgepackt für alle gleich. Ein Fest!
Der Waschraum bestand aus einem langen Becken mit vielen Wasserhähnen. Einmal schubste mich ein Mädchen, als ich aus dem Hahn trank. Ich verlor eine Ecke eines Schneidezahns. Meine Eltern wurden von den Tanten darüber informiert, aber zum Zahnarzt ging keiner mit mir. Die fehlende Ecke ist heute mit Füllung verdeckt, aber eine bleibende Erinnerung an die Zeit. Wir mussten viel barfuß wattlaufen, was am Anfang Spaß machte. Bis ich mir an einer Muschel den Fuß aufschnitt und ins Haus zurückgebracht wurde. Ich glaube, ein Arzt guckte sich die Wunde an, und ich bekam ein großes Pflaster und zum Trost was Süßes. Noch heute ist mir Wattwandern verhasst.
Das Schreiben von Postkarten an die Eltern übernahmen die Tanten, ich konnte ja noch nicht schreiben. Und ob Zensur ausgeübt wurde weiß ich nicht. Aber mir gefiel die Verschickung eh gut, was hätte ich Negatives mitteilen sollen. Ich hatte Freunde und Freundinnen, mit denen ich viel Spaß hatte. Nachts sind wir aus den Fenstern geklettert und fanden es abenteuerlich, im Dunkeln rumzustromern. Ich glaube, die Tanten haben uns nicht erwischt oder weggeguckt. Und außerdem konnte man sich draußen erleichtern.
Im Großen und Ganzen waren die sechs Wochen toll für mich. Ich konnte spielen, an der See wandern und toben. Am beeindruckendsten war eine Abendwanderung durch einen Wald, was für eine Fünfjährige ein großes Abenteuer war. An Zwang und Strafen kann ich mich nicht erinnern.
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Anonym schrieb am 20. November 2021
Erinnere mich noch genau daran:
Toilette wurde abends abgesperrt, habe auch einmal nachts in's Bett gemacht. Deshalb wurde ich dann am nächsten Morgen vor allen anderen Kindern ausgeschimpft und in selbigem Bett mit der Decke über dem Kopf (wie bei Toten) aus dem Zimmer gefahren. Dürfte also nicht zu den anderen Kindern! Als ich auch noch an Mumps erkrankte, wurde ich in ein Zimmer gesperrt; man stellte mir eine Schüssel (für den Fall, dass ich mich übergeben würde) auf den Nachtisch. Habe mich auch übergeben müssen und musste neben der Schüssel mit dem Erbrochenem schlafen. Bin heute 62 Jahre alt, aber das vergesse ich nie!
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Martin M. aus Saarbrücken schrieb am 18. November 2021
Ich war 6 Wochen in der Asthma-Heil in der Kurfürstenstraße 26 in Bad Reichenhall von Mai - Juni 1967. Ich suche noch weitere Zeitzeugen, die auch sexuellen Missbrauch in diesem Haus durch Angestellte dieser Klinik und klinikfremden Personen erlitten haben. Ich habe einen Antrag nach dem OEG beim Landesamt für Soziales gestellt. Dazu brauche man weitere Zeitzeugen, um das uns zugeführte Leid beweisen zu können. Durch weitere Zeitzeugen wird eine Anerkennung nach dem OEG positiv beschieden. Ich spreche von schwerem wiederholtem sexuellem Missbrauch durch eine, zwei oder drei Tätern in einer Nacht mit anschließender Sedierung durch intravenöse Spritzungen, Körperverletzungen, Schlägen, Tritten, Fesselungen, Einsperren in eine Kiste, Drohungen mit dem Tod....
Weitere Einzelheiten finden Sie in meinen früheren Beiträgen. Auch beim Stadtarchiv Bad Reichenhall Herrn Dr. Johannes Lang findet man weitere Anhaltspunkte zu der Zeit. Die Kath. Jugendfürsorge hat damals dieses Haus mit dem Chefarzt Dr. Franz Braun geführt. Ich kann mich an weiter Jungen, die mit mir das Zimmer teilten oder mit mir am Tisch im Speisesaal saßen, erinnern.
Bitte melden Sie sich, dann könnten wir uns gemeinsam über die Heimortvernetzung austauschen .
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Tetzner Monika aus 35510 Butzbach schrieb am 15. November 2021
Wir fuhren – ich glaube am Freitag, 18.05.1956 - mit dem Zug ab Wetzlar. Auf den Böden zwischen den Bankreihen wurde Packpapier ausgebreitet, auf dem wir schlafen sollten.

Meine Eltern hatten mir eine warme Mütze und einen Schal mitgegeben, weil ich oft unter Bronchialerkrankungen litt. Die warmen Sachen wurden mir weggenommen und an andere Kinder verteilt, da ich ein Popelin-Mäntelchen mit weiter Kapuze besaß. Das sollte für mich reichen. Der Erfolg war, dass ich mich sofort erkältete.

Es war nicht erlaubt, nachts auf die Toilette zu gehen. Wer das Bett einnässte, musste zur Strafe im kalten Treppenhaus nur im Nachthemd auf einer Stufe stehen. Ich erinnere, dass dort ein anderes Kind stand, das ein Betttuch umgehängt hatte. Für mich sah das aus wie ein Geist, und ich hatte große Angst.

Spielzeug wurde uns zugeteilt. Wenn wir lieber mit etwas anderem gespielt hätten, wurden wir bestraft oder bekamen Ohrfeigen.

Im Keller gab es ein Bad mit mehreren Badewannen. Einmal pro Woche setzte man immer zwei Kinder in eine Badewanne und überließ es uns (ich war damals 5 Jahre alt), uns zu waschen. Der Erfolg war, dass ich nach 6 Wochen völlig verdreckt nachhause kam.

Was auf den Teller kam, musste aufgegessen werden. Wenn Kinder auf den Teller erbrachen und das Erbrochene auf die Teller anderer Kinder spritzte, mussten wir trotzdem aufessen. Ich erinnere, dass das Erbrochene vom Teller des Kindes, das erbrochen hatte, abgekratzt wurde, ein neuer Schlag Essen darauf kam und das Kind dies aufessen musste.

Es gab im Speisesaal eine oben abgerundete Tür, die zu einer Art Kellerverlies führte. Dort wurden Kinder bei völliger Dunkelheit eingesperrt, die etwas "verbrochen" hatten.

Meine Eltern hatten mir eine Postkarte mit „Mecki“, den ich sehr liebte, geschickt. Sie wurde anderen Kindern geschenkt, die keine Post erhalten hatten.

Nach meiner Rückkehr nachhause wich ich meiner Mutter nicht mehr vom Rockzipfel. Ich erinnere, dass ich eine Nacht bei Tante und Onkel und meinen Cousinen übernachten sollte, wo ich davor immer gerne gewesen war. Ich habe abends so lange geweint, bis meine Eltern mich wieder abholten.

Im Gegensatz zu anderen Betroffenen kann ich sagen, dass ich die traumatischen Erlebnisse in Bad Reichenhall irgendwann verarbeitet habe. Allerdings kann ich im Rückblick nicht verstehen, warum meine und andere Eltern nichts unternommen haben, um die Missstände aufzudecken.
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Anonym schrieb am 12. November 2021
Ich erinnere mich noch als wäre es heute daran, wie grausam mit uns/mir umgegangen wurde. Die Süßigkeiten, die meine Eltern mir mitgegeben hatten, wurden direkt konfisziert und wurden nie mehr gesehen. Ich war 5 Jahre alt. Essen, was man nicht mochte musste gegessen werden, egal wie lange das dauerte. Ich saß gefühlt Stunden allein mit den Aufsichten im Speisesaal. Die Aufsichten wechselten sich ab, bis sie mir das Essen in den Mund stopften. Unser Schlafsaal befand sich ganz oben und die Toilette wurde abends abgesperrt. Ich musste mich übergeben und brach vor die Toilettentür. Ich durfte deshalb am nächsten Tag bis zum Abend nicht den Schlafsaal verlassen. Da ich auch nach dem Verschluss der Toilette noch mal auf das Klo musste und das nicht möglich nässte ich über Nacht ins Bett. Und ich musste wieder bis zum Abend im Bett bleiben. Meine Mutter hatte an all meine Kleidung Namensetiketten angebracht, aber die Aufsicht stellte sich jeden Morgen an die Wand, an der ein Kleiderschrank stand und holte immer Anziehsachen von mir heraus und fragte wer die denn anziehen mochte. Ich musste als Kleinste immer einen schweren Karton tragen, in dem sich Essen und Trinken befand, wenn Ausflüge unternommen wurden, oder wenn wir Obst ernten mussten. Ich durfte nur einmal die Woche gewaschen werden und man schlug mich, weil meine Unterhose gelb vom Urin war. Ich bekam aber nicht tägliche frische Unterwäsche, nur einmal in der Woche wurde meine Unterwäsche gewechselt. Die Aufsicht stellte mich vor den anderen deshalb bloß. Als ich heim kam, stank ich erbärmlich nach Urin und kam gleich in die Badewanne und war sehr wund. Man stahl mir meine Himbeerzahnpasta. Ich bekam in den sechs Wochen eine Karte mit einem Sandmann von meinem Bruder. Ich bat darum, dass man sie mir vorlas, daraufhin sagte man mir, ich sollte mir wen suchen, der die Karte vorliest. Ich hatte viel später mit meinen Eltern darüber gesprochen, dass ich nur eine Karte von Ihnen erhalten hatte. Meine Eltern sagten mir, dass sie und mein Bruder fast täglich mir Karten geschickt hätten. Habe diese leider nie erhalten Am letzten Tag gab es eine Kutschfahrt. Ich wollte nicht mit, musste aber. Wir konnten uns jeder ein kleines Souvenir aussuchen, auch das wollte ich nicht musste aber. Ich suchte mir einen Fernseher aus, wenn man durchsah und auf einen Knopf drückte kam ein anderes Bild. Ich stellte es abends auf meinen Nachttisch und morgens war er weg. Ich bin nun schon 61 Jahre alt, aber diese grausame Zeit werde ich nie vergessen und kann da auch echt niemanden vergeben!!!
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Anonym schrieb am 12. November 2021
Ich bin im Frühjahr 1963 mit 6 Jahren dort zur Verschickung mit meiner drei Jahre älteren Schwester gewesen. Ich bin sehr froh, dass wir damals keine Misshandlungen erlebt haben. Als ich mir einmal nicht die Haare waschen lassen wollte, musste ich deshalb den Tisch decken. Das habe ich als sehr gute Alternative empfunden. Das Heimweh hat mir allerdings sehr zu schaffen gemacht. Ich bin in meinem Leben nicht mehr zu einer Kinder- oder Jugendfreizeit gefahren oder später zu einer Kur gewesen.
Ich wünsche allen, die schlimme Erlebnisse hatten, dass sie diese noch aufarbeiten können.
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Uwe Dittrich aus Dannstadt-Schauernheim schrieb am 10. November 2021
Hallo,
schreckliche Erfahrungen, die offenbar viele bei der Kinderverschickung durchmachen musten. Nur: Gibt es statistische Auswertungen, wie viele Kinder betroffen waren ? In meinem persönlichen Fall (mit 8 Jahren 6 Wochen Kinderheim Luginsland im Bonndorf) war es zwar eine heimwehreiche, aber durch schöne Erinnerungen geprägte Zeit. Viele Wanderungen, viele Spiele, nette "Tanten", weniger Strenge als daheim. Ist das die Ausnahme gewesen ?
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Anonym schrieb am 10. November 2021
In St. Goarshausen wurde ausgestiegen, auf Vollzähligkeit überprüft und zu zwei Bussen gebracht, die uns nach kurzer Zeit zum Jagdhaus Dr. Stäckel brachten, das mitten im Wald stand, mit einem Vorbau, der als Esssaal fungierte. Uns wurden die Zimmer, Betten und Spinde zugeteilt und wir wurden aufgefordert, letztere mit unsrer Kleidung zu befüllen. Danach kamen wir im Esssal zusammen, wo wir Kakao, Kuchen Wasser bekamen und uns die Hausregeln erklärt wurden. Dann gings zum Spielen in den angrenzenden Garten und danach ins Bett. Dass die erste Nacht, weit von Zuhause, nach langer Fahrt, unter fremden Kindern und in fremden Betten aufregend sein würde und wir lange nicht in den Schlaf fanden, war allen bewußt.

Am darauffolgenden Morgen wurden uns nach dem Frühstück nochmals die Hausregeln vorgelesen. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, dass wir, ob beim Mittagsschlaf oder nach Zubettgehen, nicht mehr zur Toilette dürften. Wir sollten schlafen und nicht andere wecken. Die gelang mir innerhalb der sechs Wochen nur ein paar Mal. Die Toilette hatte ein Fenster, durch die Tageslicht schien. In der Toilettentür war ein Milchglasfenster, das die Erzieher mittags mit einen Handtuch abhingen. Ging als jemand außer der Reihe zur Toilette, fiel es herunter und beleuchtete den Flur. Nebenan, im Esssaal spielten die Erziehr Karten und so wurde schnell ersichtlich, wer sich nicht an die Regeln hielt.

Ich selbst wurde mehrfach ermahnt. Dann wurden härtere Maßnahmen ergriffen. Man wartete bis ich fertig war und zog mich an den Ohren wieder in den Schlafsaal. Die nächste Steigerung war das Absperren der Toilette. Dann versuchte ich, aus dem Fenster zu urinieren, wobei ich erwischt wurde, da ich durchs Öffnen des Fensters Licht in den Schlafsaal brachte. Wieder wurde ich an den Ohren gezogen, diesmal wurden sie angeknickt. Als ich mich, da alles verboten oder versperrt war, einnäßte und wegen des Urins nicht in mein Bett zurückkonnte, schlupfte ich bei einem Kind unter die warme Decke, das einen festen Schlaf hatte.

Morgens dann wurde das Malheur bemerkt und ich mußte den ganzen Tag auf der Eckbank liegen, neben mir die Karten spielenden Erzieher, um meinen fehlenden Schlaf nachzuholen, wie es hieß. Als die anderen Kinder von ihrem Ausflug wiederkamen, hießen sie die Erzieher rings um mich aufstellen und meine „Schandtat“ wurde öffentlich gemacht. Dann forderten die Erzieher alle Kinder auf, mich auszulachen. Ich versuchte mich unter dem Tischtuch zu verstecken und fing aus Scham und Hilflosigkeit an zu weinen. Ein einziges Mädchen kam unter den Tisch zu mir gekrochen und versuchte mich zu trösten. Ab diesem Tag wurde ich wegen kleinster Vergehen an den Ohren gezogen, bis sie am Ansatz bluteten. Sei es wegen Essen, das mir nicht schmeckte, Geschirr, das ich nicht wegräumte, Heimweh äußerte oder meiner Vorstellung von Ordnung im Kleiderschrank. Auch sprach man von mir im Kreis der Erzieher nur vom Pisser aus München.

Ich kann mich erinnern, dass einer meiner Tischnachbarn seinen Zitronenpudding nicht essen wollte. Er wurde dazu gezwungen. Daraufhin erbrach er sich und mußte dann das Erbrochene essen. Wir schauten dabei zu und kämpften gegen unsere Übelkeit. Heimweh war auch ein großer gemeinsamer Leidfaktor und wer weinte, wurde ebenfalls an den Pranger gestellt, mit der Aussicht, sowieso nicht wegzukönnen. Mitten im Wald in diesem einsamen Haus war es uns allen bewußt, dass wir ausharren mußten.

Dann durften wir auf ein nahes Volksfest und kauften uns von unserem spärlichen Taschengeld Süßigkeiten, Krimskrams oder Postkarten. Diese sollten wir an unsere Eltern schreiben. Dabei wurde darauf geachtet, dass wir nur positive Sachen schrieben. Wie setzten auf ein DIN A4-Blatt also einen Text auf und gaben ihn zur Korrektur. Übrig bleiben Floskeln und Schönwetterbeschreibungen. Diese mußten wir dann sooft schreiben, bis den Erziehern auch die Handschrift gefiel. Die Briefmarken kauften wir auch den Erziehern ab, die Postkarten wurden von ihnen versandt.

Als das Ganze in die fünfte Woche ging, wurde bei mir das Ohrziehen eingestellt, ich wurde sogar besonders betreut, indem man mir immer Salbe darauf gab. Vertuschung war angesagt. Die Erzieher waren betont freundlicher und uns wurde gesagt, dass wir in der Zeit dort viel gelernt hätten und wir gereift wären. Ich hatte keine Ahnung, was sie damit meinten.

Der Tag der Abreise war nochmals spannend, denn wir packten und fanden überall verteilt unter den Betten und hinter den Schränken, Kleidung, die wir versteckt hatten, damit man nicht sehen konnte, wer sich wieder eingenässt hatte.
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Anonym schrieb am 9. November 2021
6 Wochen Schwarzwald und noch heute ein Trauma davon!
Ich war nur am weinen vor Heimweh meine Briefe wurden gelesen und ich musste bei der Heimleiterin antanzen die mir dann drohte das meine Eltern die komplette "Kur" bezahlen müssten wenn sie mich abholen würden. und das wollten sie auch ihnen wurde gedroht! Gemeinschafts Duschen wie von Katharina beschrieben einfach erniedrigend,Zahnpasta wurde von der Erzieherin verteilt. Einmal in der Woche ich glaube auch es war Sonntags für drei Minuten mit Mama und Papa reden oben auf dem Speicher.Die Post bekam man nur wenn man in der Spur ging.
Auf dem Speicher musste auch der Mittagsschlaf gehalten werden auf dem Boden.....6 Wochen die Endlos erschienen und eigentlich für die Katz mir ging es danach schlechter als vorher! Was man sich dabei gedacht hat? Der Nutzen der "Kinderkur" war für die Katz !
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reinhard schrieb am 7. November 2021
Soweit ich mich erinnere waren es Ordensschwester die uns betreuten. Morgens wurden alle Kinder mit ein und demselben Kamm gekämmt. Einmal mochte ich den Rosenkohl Mittags nicht essen. Ich habe lange in den Teller geheult bis eine Küchenfrau mich erlöste und in den Schlafsaal schickte, wo die Anderen schon lange waren. Während der Kur wurde ich krank.
Mandelentzündung. So krank mit 40 Fieber kam ich nach Hause. Der Hausarzt spritzte Penicillin und erkannte, dass mein Kopf voller Läuse war.
Diese 6 Wochen werde ich nie vergessen. Sollten der Kräftigung vor der Einschulung dienen.
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Anonym schrieb am 7. November 2021
Hallo, tja, wie soll ich anfangen....ich wurde mit 5 Jahren zur Kur geschickt. Wegen meiner Bronchitis. Unter einer Kinderkur verstehe ich was anderes. Es war mehr Drill. Mittagsschlaf,ob man wollte oder nicht, alles musste aufgegessen werden, ob man wollte oder nicht, ob man es mochte oder nicht. Man wurde angeschrien und musste solange am Tisch sitzen bleiben bis aufgegessen war.Ich musste mein Erbrochenes selbst aufwischen...das kam sehr oft vor weil es immer das gleiche zu Essen gab,vor allem Nachmittags. Auch bei den anderen Kindern sah es nicht besser aus. Alles war lieblos, ich habe mich nicht einen Tag sicher und wohl gefühlt. Bin krank geworden,niemand da,war sehr viel alleine im Bett ,es hat sich kaum jemand um mich gekümmert. Man hatte Angst etwas zu sagen,und wenn dann wurde man am Arm gepackt,ins Zimmer gebracht.Also, absolut keine gute Erinnerungen an diesem Ort.
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Anonym schrieb am 3. November 2021
Ich war grade 3 Jahre alt und im April/Mai 1959 sechs Wochen dort. Ich dachte, ich würde nie wieder nach Hause kommen und meine Mutter niemals wieder sehen. Meine frühesten Erinnerungen habe ich an die lieblose und gewalttätige Behandlung dort. Zum Beispiel kalt abgeduscht werden. Anschreien. Zwangsmittagsschlaf. Allein gelassen werden etc. Ich erinnere mich auch an das Gefühl, des totalen Ausgeliefert Seins. Ich war ja erst drei Jahre alt und habe Details verdrängt. Als ich als Erwachsene einmal nach Spiekeroog fuhr, wurde mir das ganze Ausmaß meines Traumas klar. Mir wurde schon mulmig bei der Schiffart entlang der Insel bis zum Hafen, als ich die Silhouette der Insel sah. Im Hafen kamen die Erinnerungen an die Inselbahn, die es 1959 noch gegeben hatte und im Ort stand Ich unvermittelt vor der Stranddistel und habe sie sofort erkannt. Mir wurde schlecht. Ich musste mich an Ort und Stelle spontan übergeben und hatte Durchfall und musste weinen. Mein Körper hatte alles abgespeichert.
Bei meinem Aufenthalt 1959, als kleines Kind wäre ich dort ausserdem fast gestorben. Ein Trauma bis heute (66 Jahre alt) ist, dass ich über das Wattenmeer nach Hause zu meiner Mutter laufen wollte. Denn ich sah das Festland auf der anderen Seite. Es hat wohl niemand bemerkt, dass ich ins Vorland gelaufen war. Ich war aber zu klein und blieb irgendwo im Schlick stecken und drohte zu ertrinken. Es war auch sehr kalt und ich völlig durchnässt und verdreckt. So lag ich da. Die Möven kreisten über mir und schrien. Sie haben mich auch vollgekackt. Aber sie waren wahrscheinlich meine Rettung, denn durch ihr Schreien wurden Leute aus dem Heim wohl aufmerksam, dass dort etwas nicht stimmte. Ich vermute, dass ich so wohl wieder gefunden und vor dem Tod bewahrt wurde. Auf einmal war da lautes Gekreische und Geschrei von Menschen. Ich wurde hochgerissen und ausgeschimpft. Dann weggetragen, ausgezogenen und unter die kalte Dusche.
Um dieses Erlebnis zu bewältigen habe ich in meinem Leben viel Traumatherapie machen müssen.
Mich würde interessieren, ob es noch jemand gibt, der 1959 dort war und genauere Erinnerung hat. Vielleicht sogar im Frühjahr?
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Anonym schrieb am 31. Oktober 2021
Hallöchen allen Betroffenen,als mehrfach Betroffene möchte ich von dem berichten, über meine Erfahrungen als Erzieherin in Kurheimen an der Nord und Ostsee. Diese beiden Heime kommen auch hier vor, jedoch ganz minimal. Von einem Beitrag war ich erschrocken, dass selbst 1982 Vorfälle dieser Art haben.
Die Häuser gehörten zu einer religiösen Gemeinschaft. Ich selbst war 11 Jahre als Mitglied in dieser Gemeinschaft. Als junges Mitglied war ich in beiden Häusern tätig. In beiden Häusern herrschte der gleiche Stil. Die Gestaltung der Häuser : Eisenbetten auch als Etagenbetten, so gestellt dass jeweils ein Hocker dazwischen passte und das in grossen Saaelen, sowie auch die Waschräume. Die Duschen erinnerten mich immer an ein Konzentrationslager, einfach erdrückend. Der Tag selbst hatte eine straffe Ordnung. Die Gruppenstärke belief sich oft auf 20- 22 Kinder, bei den Jüngeren mit Praktikantin und bei den Älteren sehr oft nicht. Der Tag für die Kinder begann um 7.30 zusammen im Waschraum, dann Frühstück vor und nach den Mahlzeiten beten, für manche Kinder befremdlich, aber das war als christlicher Träger und Gemeinschaft Pflicht. Je nach Wetterlage Aufenthalt Strand. 12.00 Mittagessen, dieses wurde von uns verteilt, durch meine eigene Erfahrung müssten die Kinder dass was sie nicht möchten essen. Danach Mittagsruhe bis 14.30 da musste es Mucksmäuschen still sein. Wer lesen konnte dürfte das. Oft habe ich selbst vorgelesen, allerdings benötigten wir von der Gemeinschaft auch die Zeit um unsere geistlichen Pflichten zu erledigen. Die Wache wurde geteilt mit einer Mitschwestern ohne pädagogischen Hintergrund und ganz oft mit Angst vor der Wache hatten, dem nicht gewachsen zu sein. Manchmal wer Pech hatte, hatte gleich zwei Gruppen zu bewachen. Um den Ganzen entgegen zu wirken, habe ich die Mittagsruhe oft ausfallen lassen und haben die Zeit dazu verbracht, die Gegend zu erkunden. Dazu haben wir dann unsere Kaffeebrote und etwas zu trinken mit genommen. 18.00 Uhr gab es Abendbrot, dazu waren leider die Brote schon fertig belegt. Man kam in den Gruppenraum und roch schon welcher Belag sich auf dem Brot befand. 19.30 hieße es ab in den Waschraum, Toilettengang und ins Bett. Als Abschluss noch ein Abendgebet und dann würde so lange vorgelesen, bis auch das letzte Kind schlief. Für uns war das stets ein langer Tag, der schon um 5.30 begann und abends oft bis 22.00 - 23.00 ging. Wir als Mitglieder bekamen nur einen freien Tag in der Woche, die Angestellten zwei. Jeden Sonntag kamen alle Gruppen zusammen und zeigten etwas zu einem bestimmten Thema. Einmal in der Woche traf der Besuch zum Wellenbad zu, bei der Anzahl der Kinder kein leichtes Unterfangen, besonders in der Hochsaison. Insgesamt bei so einer grossen Anzahl der Kinder bedurfte es ein straffes Konzept in den ersten Tagen. Es waren oft Kinder aus sozial geschädigten Familien dabei, die schon mal für ziemlich viel Wirbel sorgen können. Wichtig in den ersten Tagen, zu erfahren wie Grenzen sind. Bei der Vertretung kann es dann auch mal aus dem Ruder fallen. Bei einer Ablösung haben meine Jungs sechs Jahre alt die Stuhllehnen mit den Schneidezähnen abgeschabt, oder oben an der Decke kleben die Heringsschwänze usw. Das Essen selbst war nicht immer unbedingt Kindgerecht, aber das ist so, wenn der Karten schon lang eingefahren ist. Bevor ich nach 11 Jahren die Gemeinschaft verlassen habe, war es endlich soweit, dass die Kinder ihre Brote selbst schmieren durften, das war dann wesentlich entspannter. Und zum Schluss nicht vergessen jedes Kind bringt seine eigene Geschichte mit, das bei der Besetzung dem gerecht werden ist wirklich schwierig. Hiermit gruesse ich alle die es lesen werden
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Janine aus Berlin schrieb am 30. Oktober 2021
Ich bin erst vor Kurzen über die Reportage Verschickungskinder "gestolpert". Auch wenn ich wahrscheinlich Jemand bin der ziemlich spät in der DDR verschickt wurde, habe auch ich bruchstückhafte Erinnerungen. Bis jetzt war mir natürlich nicht bewusst das auch ich so ein Verschickungskind war.
Ich habe im Laufe meines Lebens immer mal wieder so die ein oder andere Erinnerung gehabt.
Meine Mutter sagte, ich war wegen meinen Bronchien dort.
Meine Erinnerungen...
Man saß am Frühstückstisch u d man wurde gefragt ob man schon zur Toilette war (Stuhlgang) Wenn man dies verneinte wurde man mit etwas Toilettenpapier zum WC geschickt. Es gab jeden Morgen Brot, was drauf war, leider keine Ahnung mehr. Man musste zu jeder Mahlzeit Alles aufessen, auch Kinder die bereits erbrochen hatten mussten weiter essen.
Dieser gruselige Schlafsaal begleitet mich noch heute...
Wenn man ins Bett gemacht hat wurde man sofort ins Bad gebracht und mit einem Schlauch abgespritzt. Ich hab es gehasst. Dann gab es einmal die Woche eine Art Therapie. Wir Kinder mussten uns obenrum ausziehen und sich mit den anderen Kindern in eine Reihe setzen. Jedes Kind hatte eine Massagebürste, die reichte man dem Kind was hinter einem saß und dann mussten wir uns gegenseitig den Rücken "bürsten". Danach mussten wir uns komplett ausziehen und wir wurden begutachtet, was sehr unangenehm genehm war. Ich meine auch mich dran zu erinnern, dass wir abgetastet wurden. Briefe und Karten wurden nicht vorgelesen (ich war 5J) sondern mir nur ausgeteilt. Ich war ein sehr ruhiges u schüchternes Kind, aber man hat mich immer drangsaliert. Ich musste am Tisch beim Essen stehen, mit dem Gesicht zur Wand stehen..etc...Ich kann mich auch nicht an einen einzigen schönen Moment erinnern.
Eigentlich nur das ich viel im Bett ruhig liegen musste, dann die Essenssituationen und das die "Tanten" mich irgendwie immer pikanten.
Meine Tochter ist heute 5Jahre, so wie ich damals. Ich könnte sie nicht alleine zur Kur schicken. Ich glaube, auch wenn es vor meiner Zeit viel Schlimmer war, hab ich trotzdem diese Erinnerungen nach dieser Zeit immer wieder im Hinterkopf. Und diese Erinnerungen sind sehr bedrückend.
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Anonym schrieb am 29. Oktober 2021
Ich bin durch den Fernsehbericht aufmerksam geworden. War zweimal in Verschickung. Ich erinnere mich nur an ganz wenig, aber an Demütigung vor dem ganzen Saal. Und daran, dass man nackt zur Untersuchung erscheinen musste. Und an absoluten Gehorsam. Ich konnte nie darüber sprechen. Der Unterschied zur Erziehung im Elternhaus war zu gering! Man hätte mir nicht geglaubt. Erst jetzt merke ich, dass das meine ganze Persönlichkeit geprägt hat und bis heute nachwirkt. Eine ererbte Schwerhörigkeit machte mich zusätzlich selbstunsicher. Ich war das „behinderte“ Kind und niemand sprach darüber. Zusätzlich wurde in unserer Familie nur über die Menschen und nicht „mit“ den Menschen gesprochen. Ich würde mich gern hier einbringen und an der Aufarbeitung mitwirken.
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Christiane aus Brilon schrieb am 29. Oktober 2021
Ich wurde mit 9 Jahren zur "Kur" für 6 Wochen nach Bad Wörishofen in die Kneipp'sche Kinderheilstätte geschickt,als Ersatz für meine große Schwester. Vor lauter Freude und Aufregung bin ich in den Zug gesprungen, habe sogar vergessen, mich von meiner Mutter zu verabschieden.
Nach einer langen Zugreise wurde ich in der Kinderheilstätte von einer Nonne begrüßt .Sie fragte mich etwas, ich mußte 3mal nachfragen,ich habe sie wegen ihres bayerischen Dialektes nicht verstanden und weiß bis heute nicht, was sie von mir wissen wollte.Sie machte sich nicht einmal die Mühe,dann auf Hochdeutsch mit mir zu sprechen.
Was dann alles passierte ist in Vergessenheit geraten oder hat sich ganz tief in meinem Inneren vergraben. Durch die Berichte anderer Betroffener ist bruchstückweise einiges wieder in Erinnerung gekommen.
Ich weiß, das auch wir nachts absolutes Toilettenverbot hatten.Trotzdem bin ich eines Nachts aufgestanden und zur Toilette geschlichen. Ich hatte Glück, niemand hat mich erwischt.
Auch mußte der Teller immer leer gegessen werden,man blieb so lange davor sitzen,bis man es geschafft hatte.Zum Glück musste ich nie erbrechen.Ich sehe mich noch vor einem Teller mit rohem Fisch in Aspik sitzen,wie hat es mich geekelt,ich esse das bis heute nicht.
Schläge habe ich auch bekommen, weiß aber nicht warum.Und jeden Abend musste man die Hose runterlassen,da bekam man dann ein Fieberthermometer in den Hintern geschoben, das war nicht immer angenehm.
Briefe und Postkarten durften nur positiv geschrieben werden, Pakete,die ich von zu Hause erhielt,waren geöffnet,Süßigkeiten entwendet und nicht mehr wiedergesehen.
Die Kinderheilstätte hatte ein Klassenzimmer mit Lehrer,eigentlich hatte ich ja Ferien, musste aber trotzdem zum Unterricht. Ich fand das sehr ungerecht. In diesem Jahr fielen meine Sommerferien aus.
Wider zu Hause, habe ich bis vor kurzem nicht über meine Kur gesprochen,ich habe das Erlebte als "normal"empfunden.Bis ich auf den Bericht der Verschickungskinder gestoßen bin,dank meiner großen Schwester, die ihre Kur an der Nordsee verbrachte und keine negativen Erlebnisse hatte.Bis heute bin ich ein eher schweigsamer Mensch,habe vieles über mich ergehen lassen. Jetzt, mit über 50Jahren habe ich gemerkt,wie viele Menschen mich manipuliert und ausgenutzt haben.Ich lasse mir das nicht mehr gefallen.Dank meiner großartigen Familie werde ich das auch schaffen. Niemand sollte solche Erfahrungen in seinem Leben machen müssen,vor allem nicht das kostbarste Gut das wir haben,unsere Kinder!
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Sönke Wagner aus 23730 Neustadt in Holstein schrieb am 28. Oktober 2021
Hallo. Ich wurde 1956 von meiner Mutter in Hamburg- Altona am Zug abgegeben und von Schwestern des Roten Kreuzes/Ordensschwestern in Obhut übernommen. Viele von uns schrieen und weinten während der ganzen Fahrt nach Bad Reichenhall. Die Begleitpersonen versuchten uns mit Gewalt zu beruhigen was nicht immer gelang. 6 Wochen war ich dann ohne Kontakt nach Hause in einem mir unbekannten Heim in Bad Reichenhall untergebracht, wo Gewalt und Drangsalierungen an der Tagesordnung waren. Höhepunkt der Gewalt war immer beim gemeinsamen Abendessen, wo eine als Teufel verkleidete Person mit Fusskette,Kugel und Reisigbesen in den Speiseraum kam und die Kinder, die nicht essen- oder nicht aufgegessen haben, mit dem Reisigbesen verprügelt haben. Ein Junge, der sich von dem „Teufel“ losgerissen hatte, brachte den Kübel mit Suppe zum umkippen, der sich über den Fußboden ergoss. Das Ergossene mussten wir alle mit unseren Mündern aufnehmen. Wenn wir das Gerassel der Fusskette und Kugel schon kommen hörten, erstarrten wir! Die Strafen wurden immer heftiger, vor allem im Schlafsaal, wo es mucksmäuschenstill sein musste. Kein Toilettengang war erlaubt, sodass man die ganze Nacht aushalten musste oder ins Bett machte. Daraufhin gab es wieder Strafen jeglicher Art! Diese 6 Wochen waren für mich die Hölle, und das erlebte zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben, welches seitdem von Angst und Depressionen beherrscht wurde und wird, seit nunmehr 55 Jahren!
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Schwartbeck Gabriela aus Metelen schrieb am 28. Oktober 2021
Ich habe gestern im NDR den Bericht über Verschickung Kinder gesehen. Alles kam in Bildern wieder hoch. Mein Pech, ich würde gleich zweimal in dieses Heim geschickt. Verschickung Grund zum aufpäppeln. Zunächst wusste ich gar nicht warum ich von zu Hause weg musste. Die Zugfahrt war ein Abenteuer, wir hatten eine nette Begleitung.in Dort angekommen, es war ein kleines Heim in Wildeshausen von zwei älteren Diakonissen geführt, den Namen weiss ich nicht mehr. Allerdings diese beiden Gesichter haben sich bei mir eingebrannt. Die eine war Recht korpulent und war in der Küche. Vor dieser hat ich die meiste Angst Direkt nach der Ankunft müssten wir uns Badezimmer. Alle müssten sich ausziehen und dann würde jedes Kind wie am Fliessband in der Badewanne abgerutscht. Geredet werden dürfte nicht. Danach kamen wir sofort in unsere Betten. Es wurden Brote verteilt und etwas zu trinken und das war es. Gleich am ersten Abend machten wir Bekanntschaft mit dem Rohrstock. Abschreckend würde er auf jedem Bett geschlafen mit dem Hinweis das keiner zu Mücken hat. Die Angst war so gross, so dass ich gleich die erste Nacht ins Bett machte. Alle Kinder dürften mich auslachen und beim Frühstück nochmals. Es gab nur gemeinsame Toilettengaenge, auch da war schweigen angesagt. Zu den Mahlzeiten hatte jedes Kind ein Lätzchen. Es gab jeden Morgen ein Becher heisse Milch und eine Schüssel mit Haferflocken. Die schlimmsten Mahlzeiten waren für mich Mittag und Abendessen. Die Schüssel waren schon mit einer großen Portion gefüllt.Es musste alles aufgegessen werden und ein Nachschlag musste sein. Pech für den, der das nicht möchte und dabei erbrechen musste. Egal zusammen mit dem Erbrochen weiter essen. Es war einfach nur grausam und hat dazu geführt, dass ich gewisse Sachen bis heute nicht essen kann, ohne den Eckelfaktor. Hinzu kamen dann die Schläge. War die Schüssel nicht leer, kam dicke Tante aus der Küche, legte das besagte Kind in der Küche auf die Anrichte und schlug drauf los. Und wieder sollten alle Kinder lachen. Waren wir im Bett, dürfte keiner mehr zur Toilette, egal ob er musste. Resultat, Bett war nass, und wieder die aufsteigende Angst vor den Schlägen. Und abends bekam ich nichts mehr zu trinken. Mein Glück während dieser Zeit, ich würde richtig krank mit hohem Fieber, könnte so gut wie gar nichts essen, lag Recht lange krank und merkte, wie gut es war krank zu sein, da fiel der Druck mit dem Essen weg. Mein Pech zwei Jahre später war ich nochmals da zu den gleichen Bedingungen. Auch da würde ich krank, somit eine Auszeit vor den Schlägen und dem Zwangsessen. Insgesamt bin ich sehr erschrocken darüber, dass diese Praktiken überall in diesen Häusern stattfanden. Erschrocken auch darüber wie viel Kinder das erdulden müssten. Es ist gut dass es öffentlich gemacht wird. Natürlich hatte die Kur nicht das erreicht, was Ziel war, zuzunehmen, das Gegenteil war der Fall gekoppelt mit Angst vor dem Essen, teilweise auch Essstörungen.
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Christiane Schulte aus Völklingen schrieb am 28. Oktober 2021
Ich musste 1979 mit knapp sechs Jahren zur Kur,da ich unter Asthma und leichtem Übergewicht litt. Bis heute habe ich den "Tag der Ankunft" nicht vergessen. Meine Eltern brachten mich zu dem Kurheim..mit hineinkommen durften sie nicht,sondern mussten mich an der Tür abgeben. Das freundliche Getue änderte sich in dem Moment als sich die Tür schloss..Mir wurde ein Zimmer zugewiesen und einen Platz im Speiseraum. Am Tisch der "Fetten"..Wenn es etwas gibt,das sich mir nachhaltig eingeprägt hat,dann ist es der allgegenwärtige Hunger. Wir "Dicken" saßen mit Kindern zusammen in einem Raum die im Grunde dasselbe schwere Los hatten wie wir. Während sie gestopft wurden, saßen wir teilweise nur mit einem Apfel und einem Glas Wasser am Tisch. Im Hintergrund die "Tante" die immer wieder lamentierte wir seien an unserer Situation ja selbst Schuld. Weil wir soviel gefressen hätten müssten wir jetzt büßen..Etwas das mich bis heute verfolgt und auch meine Teenagerjahre bis heute geprägt hat. Ich erinnere mich an Spaziergänge, die für mich fast nicht zu bewältigen waren,weil ich vor Hunger kaum laufen konnte, während ein anderes Kind so überfüllt war,das es auf dem Weg erbrach. Bei diesen Spaziergängen dachte ich mir Situationen aus in denen ich Essen kaufen ging und meine Familie bekochen würde. Sie wären stolz auf mich. Wir mussten dort auch zur Gymnastik. Meine Mängel an Selbstbeherrschung war dort ständig Thema. Asthma? Natürlich. Ich sei zu fett und deswegen bekäme ich keine Luft. Täglich fragte ich wann Mama komme um mich abzuholen. Die Antwort war immer dieselbe "wenn du nicht mehr so dick bist"..Ich begann nachts einzunässen, weswegen ich viele Nächte auf der Treppe sitzend verbringen musste. Die Angst nicht mehr abgeholt zu werden war riesengroß. Nach sechs Wochen wurde ich abgeholt. Zehn Kilo leichter. Auf Bildern aus dieser Zeit sehe ich ein ernstes,fast trauriges sechsjähriges dünnes Mädchen.
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Makrele aus Hamburg schrieb am 27. Oktober 2021
Ich war ca. 1963, mit 5 Jahren in den Taunus verschickt. Ich erinnere mich daran, das ich fast immer für irgendetwas bestraft wurde. Ich wusste nie richtig wofür eigentlich. Ich musste quasi immer im Bett bleiben, mir wurde die ganze Zeit mein Teddy entzogen, ich durfte die Gute Nacht Geschichte nicht hören und ich musste auch sehr oft am Jungs-Tisch sitzen.
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Anonym schrieb am 27. Oktober 2021
als 7jährige wurde ich für 6 Wochen zur "Kindererholung" an die Nordsee geschickt. Meine Eltern glaubten wohl fest daran, mir auf diese Weise schöne Sommerferien ermöglichen zu können. Die "Tanten" im Heim waren ziemlich spaßbefreit und sehr streng. Grundsätzlich MUSSTE immer aufgegessen werden und man durfte, bevor der Teller nicht leer war, keinen Schluck trinken! Ich wurde beim vorzeitigen Trinken erwischt und wurde dafür an den "Katzentisch" verbannt. Auch war es mir oft nicht möglich, die komplette Mahlzeit aufzuessen. Zur Strafe durfte ich oft nicht mit den anderen Kindern zum Strand sondern wurde für den ganzen Tag ins Bett verbannt. Dort heulte ich mir die Augen aus und einmal habe ich infolge des psychischen Drucks in meiner Verzweiflung ins Bett gemacht. Natürlich hatte ich wegen dieses Vorkommnisses eine höllische Angst vor weiteren Bestrafungen und konnte mich überhaupt nicht mehr beruhigen. Die Putzfrau war mein rettender Engel: sie zeigte mütterliches Mitgefühl, half mir durch schnellen Bettwäschewechsel, dass die "Tanten" von meinem nassen Bett nichts erfuhren, und sie nahm mich tröstend in die Arme. Ich war dieser Frau unendlich dankbar, sie war für mich das einzige Wesen, das Menschlichkeit zeigte!
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Elke Kühn aus Frankfurt am Main schrieb am 20. Oktober 2021
Ich wurde damals innerhalb von 6 Wochen von 20 auf 30 kg "gemästet".

Zum Frühstück gab es ein mit Marmelade belegtes Brot und 3 (!!!) Teller Haferflockensuppe oder Makkaroni in Milch. Mittags gab es einen Teller Suppe und 3 Teller mit Hauptspeise (Gulasch mit Nudeln o. ä.). Danach war Mittagsruhe für 2 Stunden. Anschließend gab es eine Tasse Kakao und ein Milchbrötchen. Abends dann wieder einen Teller Suppe und 3 (!!!) Teller mit dem Hauptgericht. Wer nicht alles aufgegessen hatte, der wurde ind Bett geschickt damit bestraft, dass er z. B. am Kasperletheater nicht teilnehmen durfte. Ich war damals in der "Staren"-Gruppe und musste miterleben, dass Kinder die Mahlzeiten in den Teller erbrochen haben und vor lauter Angst vor Bestrafung das Erbrochene aufgegessen haben.

Ich war damals in der "Staren"-Gruppe und wir hatten eine sehr liebe "Gruppentante". Während der Mittagsruhezeit hat aber oft ihre Schwester Ulrike die Aufsíchtsrunde gedreht, die nachgeguckt hat, ob wir auch alle brav schlafen, Wurde jemand mit offenen Augen entdeckt oder hat den Eindruck erweckt nicht tief zu schlafen, wurde er von den Privilegien der fest schlafenden Kinder ausgeschlossen und dazu gab es auch noch eine Ohrfeige,

Wir mussten auch in der Strandhalle splitterfasernackt um im Kreis aufgestellte Höhensonnen mit schädlichen UV-Strahlen herum tanzen. Ausnahmen gab es keine.

Nur meiner sehr lieben "Gruppentante" habe ich es zu verdanken, dass ich Amrum auch etwas Gutes abgewinnen konnte. Sie hatte uns auch ohne Zwangsmaßnahmen immer im Griff.
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Anonym schrieb am 18. Oktober 2021
Ich war 1963 mit meiner Schwester sechs Wochen im Kinderheim Köhlbrandt in St. Peter Ording. Wir haben die Zeit überwiegend positiv erlebt, die "Tanten" waren jung und nett und die Atmosphäre angenehm. Weniger gut fanden wir, daß man, was früher aber üblich war, den Teller leer essen mußte und daß die Briefe nach Hause durchgelesen und manchmal sogar mit Kommentaren versehen wurden. Nachts saß auf dem Gang eine winzigkleine, uralte Schwester mit Schwesternhäubchen, Sr. Maria, vor der wir fürchterliche Angst hatten, da sie die Kinder, die auf Toilette gehen mußten, heftig ausschimpfte. Ins Bett machen durfte man allerdings auch nicht.

Was in diesem Kinderheim wirklich nicht in Ordnung war: Einmal die Woche mußten wir uns splitterfasernackt ausziehen und wurden immer in Vierergruppen in ein Zimmer geführt, wo an einem langen Tisch das Heimleiterehepaar saß, Herr und Frau Köhlbrandt, daneben ein "Arzt" sowie seine Ehefrau. Diese betrachteten uns, sprachen zu jedem Kind ein paar nette Worte, "begutachteten" den Kurerfolg, dann mußte man sich umdrehen und wurde noch von hinten angeschaut und schließlich ging es im Gänsemarsch wieder raus, wo sich die nächsten vier Kinder bereitmachten. Meine Schwester, die in einer anderen Gruppe war, sagte mir neulich, ja, das fand sie auch nicht angenehm. Nicht angenehm? Ich würde sagen, sowas wäre heute ein absolutes Unding. Aber es war damals einfach nicht üblich, daß Menschen sich wehrten. Wir Kinder wurden ja jede Woche gewogen, daran hätte man den Kurerfolg auch ablesen können.Traumen haben wir damals wohl nicht erlitten, aber im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in St. Peter Ording muß ich doch immer wieder daran denken, wie unwohl ich mich bei dieser wöchentlichen Vorführung fühlte.
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Tine schrieb am 3. Oktober 2021
Ich war 1986 mit 3 Jahren für 6 Wochen im Bad Frankenhausen. Ich habe nur ganz fragmentarische Erinnerungen. Als ich von dir, Mandy, das mit den Scheinwerfern gelesenen habe, kam mir das Bild sehr bekannt vor. Ich erinnere mich, dass ich eine Nacht als Strafe mit 2 eindrucksvollen Aufpasserinnen im Flur sitzen musste, weil ich bei der Kontrolle nicht geschlafen oder erzählt hatte. Dann noch, dass ich öffentlich dafür gedemütigt worden bin, weil ich eingepullert hatte. Eine dritte Erinnerung ist, dass während des Essens herablassend kommentiert worden ist von den Betreuerinnen, dass ich als erste am Tisch saß und ich so verfressen sei. Ich war sehr dünn und wegen schwerer Bronichitis dort, aber ich hatte immer guten Appetit.
Meine Mutter berichtet, dass ich meine Sachen im A4 Format zusammengelegt habe, als ich wieder kam. Und dass man ihr geschrieben hatte, ich wäre fast die ganze Zeit auf der Krankenstation gewesen.
Mit 21 Jahren, als ich alleine in eine andere Stadt umziehen wollte, bin ich schwer mit einer Panikstörung und Depression erkrankt. Bis heute habe ich immer wieder Schwierigkeiten in Stress- und Veränderungssituationen und habe zum Beispiel Krankheitsausbrüche durch Reisen. Im Lauf einer Therapie habe ich innerlichen Kontakt zu diesem dunklen Fleck meiner Kindheit aufgenommen und mein Bauch sagt mir, dass diese frühe Verschickung der Kern meiner Erkrankung und meiner inneren Haltlosigkeit sein muss. Ich habe gelesen, dass bis zu 60% der Verschickungskinder ähnliche Erkrankungsbilder aufweisen, was mich sehr getroffen hat.
Ich freu mich, wenn sich hier noch andere ehemalige Kurkinder aus diesem Heim und dieser Zeit melden würden, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
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rudi schrieb am 1. Oktober 2021
Vorab: Hier wird von "von Misshandlungen/Missbrauch" geschrieben. Ich habe mich da nicht wohl gefühlt, aber als Misshandlungen/Missbrauch habe ich es damals nicht empfunden. Und wenn ich mit anderen Erlebnissen hier vergleiche, dann ging es mir dort relativ gut.

Die Kur war in den Sommerferien, deshalb waren auch Aushilfskräfte als Erzieherinnen tätig.
Manche Erzieherinnen waren freundlich, andere sehr streng. Man wußte nie, woran man war.

Allgemeine Drohungen waren z.B. „Wenn … dann wirst du nach Hause geschickt, und deine Eltern müssen die ganze Kur bezahlen.“ Oder „Wenn ... , dann bleibst du noch den nächsten Durchgang hier.“ Letzteres bekam ich beim (Nicht-richtig-)Essen oder Wiegen öfter zu hören. Zum Wiegen habe ich mir immer Sachen in die Schlafanzugtasche gesteckt, um schwerer zu sein. Das Essen war meistens gut. Aber es gab 2 mal Frühstück, dabei einmal immer einen Brei oder Puddingsuppe. Manche Erzieherinnen achteten darauf, wirklich alles aufzuessen, auch die Milchhaut (die ekelt mich). Vor-dem Teller-sitzen-bleiben, bis alles aufgegessen, oder aber alle am Tisch mußten den gesamten Tischdienst übernehmen.

Alle Kinder, ich war 11 und manche deutlich älter, mußten Mittagsschlaf machen. Bei Nichtschlafen drohte die Verlegung in den Schlafraum der kleinen Kinder, welcher an der Flurseite ein durchgehendes Fenster hatte und gegenüber dem Erzieherzimmer lag. Wir mittleren und die größeren hatten normale 4- oder 6-Bettzimmer. Ob man in der Schlafenszeit auf die Toilette durfte hing auch von den Erzieherinnen ab. "Du bist groß genug und kannst vorher gehen oder dich jetzt zusammenreißen. Wenn nicht, dann kannst du jetzt gehen, bekommst dann aber eine Gummihose." Da ich bei Bettenmachen bemerkt hatte, daß auf der Matratze ein großes rotes Gummituch lag (ich schämte mich deswegen, aber das war sicher in allen Betten so; und ich fand es eklig) nahm ich die Drohung ernst. Ein anderer Junge hat sogar mal aus dem Fenster gepinkelt.

Insgesamt habe ich die Kur trotzdem nicht "schrecklich" in Erinnerung.“

Wir hatten wegen der Sommerferien keinen Unterricht, den es sonst wohl gab. Dafür waren wir relativ oft draußen. Hinter dem Heim war ein Wald, Wanderungen gingen zB zu den Teufelsmühlen. Also habe ich auch positive Erinnerungen.

Auf dem Fragebogen hatte meine Mutter „schlechter Esser“ angekreuzt und so etwas wie „unruhiges“ oder „zappeliges Kind“. Beides war sicher richtig, und vielleicht nahm ich deshalb an, dass „es so sein soll“ bei einer Kur.
Das Sanatorium hatte einen Teil für Erwachsene, der Seitenflügel war für Kinder. In dem Durchgang waren Kinder im Alter von etwa 6 bis 16, nur Jungen.
War deshalb das Essen besser, als ich es hier in anderen Berichten lese? Und vielleicht konnte man mit größeren Kindern auch nicht ganz so umspringen wie mit (nur) kleinen Kindern?
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Peter Garner schrieb am 24. September 2021
Ich war mit meinem Zwillingsbruder Ende der 1960er Anfang 1970er an zwei aneinander folgenden Jahren im Jugendkurheim Haus Blender in Wiggensbach, Kempten im Allgäu. Anfangs natürlich stark vom Heimweh geplagt, waren wir immerhin zu zweit was es uns einfacher machte. Es gab damals zwei größere Gebäude sowie links eine Art langestreckte Baracke, die gibt es auch heute noch. Warum weiß ich nicht, aber mein Bruder und ich waren anfangs zuerst in der Baracke untergebracht, vielleicht weil es in den Hauptgebäuden keine freien Betten mehr gab. Wir waren die einzigen Kinder, die dort untergebracht waren. In der Baracke war auch ein Turnsaal in der auch Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen gehalten wurden. Ich erinnere mich an viele Wanderungen sowie an einem Tagesausflug nach Füssen zu Schloss Neuschwanstein. Wir waren auch im Freibad in Wiggensbach. In dem Hauptgebäuden gab es achter Zimmer mit Doppelstockbetten. Wir bemerkten nachts eigenartige Knabbergeräusche und entdeckten morgens Hinterlassenschaften von Mäusen. Nachdem Fallen aufgestellt wurden, hatten wir es bestätigt bekommen: in dem Haus gab es Mäuse. Mein Bruder und ich sind Jahrgang 1960 so mussten wir als wir da waren etwa 9 - 11 Jahre alt gewesen sein. Ich erinnere mich an eine junge Frau die Sieglinde hieß, sie war deutlich älter als ich, etwa 16 und ich war unsterblich in sie verliebt. Sie machte damals eine Ausbildung als Zahnarzthelferin in Donauwörth wo sie auch herkam. An das Personal kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, auch nicht an das essen. Ich weiß wohl, es gab in dem Turnsaal auch ein Klavier und eine Dame (vielleicht war es die besagte Sieglinde) hatte sich die Zeit genommen meinem Bruder Beethovens Mondscheinsonate auf Klavier beizubringen. Ich kann mich an keinerlei Misshandlungen oder Schikanen vom Personal erinnern, ich würde sagen, sowas gab es im Haus Blender nicht.
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Wolfgang Mählen aus Gelsenkirchen schrieb am 28. August 2021
Ich habe nur beste Erinnerungen an meine zwei, jeweils 6 wöchigen Aufenthalte. Einmal wurde mir die Nase zugehalten um mir einen Löffel Milchreis zu verabreichen. Leider ging das schief, denn als ich wieder atmen konnte war der Milchreis wieder auf dem Teller. Man hat es dann weggeräumt und ich bekam ein Brot mit Tomaten und sogar noch eins. Das war immer Samstags. Abwechselnd gab es Milchreis und Grießbrei…..
Ich mag das bis heute nicht. Nach dem ersten Samstag brauchte ich auch den Grießbrei nicht zu essen. Ansonsten erinnere ich mich gerne an die langen Spaziergänge zum Goldfischteich und Muscheln suchen am herrlichen Strand. Einige Male durften wir sogar bis zum Bauchnabel in die Nordsee. Es waren schöne und unbeschwerte Zeiten die ich sehr genossen habe. Auch beim Zweiten Aufenthalt lief es ähnlich ab, mit dem kleinen Unterschied am ersten Samstag Abend, eine der Erzieherinnen hat mich erkannt und ich brauchte weder Milchreis noch Grießbrei essen. Sehr gut kann ich mich daran erinnern, dass der Seegraf Luckner, wohl schon fast 90 Jahre alt, einige Geschichten und Erlebnisse erzählt hat und zum Schluss ein dickes Telefonbuch zerrissen hat. Und ein Buch aus der umfangreichen Büchersammlung habe ich bei beiden Aufenthalten gelesen, der Titel ist mir entfallen, aber es ging um das Fliegeras Ernst Udet aus dem ersten Weltkrieg.
Wie gesagt, viele Kinder haben nachts geweint, weil sie Heimweh hatten, aber gequält wurde keiner von uns, im Gegenteil, die Erzieherinnen waren alle supernett und nicht wirklich streng.
Ende des Jahres werde ich die Insel Juist besuchen und in Erinnerungen schwelgen. Ob es den kleinen gemauerten Dorfteich noch gibt? Da durften wir die von unserem Taschengeld gekauften Schiffe fahren lassen.
Ach ja, einige Eltern haben Päckchen mit Naschkram geschickt, meine auch. Das wurde unter allen Kindern geteilt. Ich fand das damals schon okay und heute weiß ich, dass damit ein Grundstein für mein soziales Engagement gelegt wurde in Bezug auf Teilen und Verzichten.
Fall sich jemand an den kleinen rotblonden Wolfgang erinnern kann, nur zu, schreibt mir gerne. Ich werde demnächst ein paar Fotos online stellen, die muß ich nur von meiner 91jährigen Mutter holen, die kann mir sicher auch die genauen Zeiten sagen zu denen ich nach Juist verschickt wurde.
Vielen Dank an die Familie Weinrank die das Erholungsheim geleitet haben!
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Fiete Lüttenhus aus Hamburg schrieb am 28. August 2021
Ich war nicht nur klein, sondern auch extrem dünn und wurde dann im Jahr 1951 nach Niendorf /Ostsee in das St.Antoniushaus (Katholisches Kinderheim) verschickt es sollte zur Erholung sein, für uns Kinder war es teilweise aber der Horror. Hier nur ein paar Beispiele.
Zum Essen gab es sehr viel Kohlsuppen und Kohl als Gemüse auf jeden Fall immer ziemlich Fett- und Geschmacklos dafür aber oft mit Raupen Würmern und anderem Getier wenn wir die raussortierten wurden sie von den Schwestern aber überwiegend von den Nonnen wieder in das Essen gerührt und wir wurden gezwungen es aufzuessen wenn sich jemand erbrach und es landete auf dem Teller so musste Er oder Sie es trotzdem aufessen, anschließend sauber machen und zur Strafe in der Badewanne im Bad alleine schlafen.
Ein andermal war ein starkes Gewitter und wir lagen in der Liegehalle beim Mittagsschlaf als ein kalter Kugel-Blitz in das Dach des Haupthauses einschlug und auf der anderen Dachseite wieder herauskam und dann am Haus runterrollte. Die Nonnen lagen nur auf den Knien und waren beim Beten. Für uns Kinder war es aufregend, wir haben zugesehen wie alles passierte und hörten dann Schreie aus dem Haus, von den Nonnen rührte sich weiterhin keine. Da sind wir mit ein paar Kindern einfach in das Haus gelaufen, trotz der Rufe das wir in der Liegehalle bleiben und mit beten sollten. Als wir ins Dachgeschoss kamen roch es dort stark verbrannt und aus einem Zimmer kam stöhnen und weinen, als wir die Tür nach langem zögern öffneten, saß dort auf dem Metallbett Fräulein Edith, eine Helferin die wir am liebsten hatten und konnte sich nicht mehr rühren, wir sahen das ihre Haare verbrannt waren, sie war nicht ansprechbar, ein paar von uns blieben im Zimmer und ich lief mit ein paar anderen Kindern nach unten um endlich Hilfe zu holen aber die Nonnen waren immer noch beim beten. Da wir wussten das im Nachbar Kinderheim ein Arzt war liefen wir dort rüber und sagten dort was wir gesehen hatten der Arzt kam sofort mit und ließ noch einen Krankenwagen rufen weil er wohl merkte das es ernst war.Er lief ins Haus und wir mussten unten auf den Krankenwagen warten.Da endlich kamen auch die Nonnen und wollten uns wegscheuchen aber wir hatten ja einen Auftrag vom Arzt und blieben, uns wurde Strafe angedroht aber das störte uns nicht. Als dann der Krankenwagen endlich kam, das dauerte lange, ich glaube der kam immer aus Lübeck, wurde Frl. Edith ins Krankenhaus gebracht und dann kam für uns Kinder das Größte, der Arzt schrie in unserem Beisein die Nonnen an „was sie sich dabei gedacht hätten“ keine Hilfe zu holen und wollte sie wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Wir hatten danach noch weniger zu lachen und ob der Arzt sie wirklich angezeigt hat haben wir nie zu wissen gekriegt.Fräulein Edith aber kam nach ein paar Wochen wieder und hat sich bei uns mit einem großen Eis bedankt, blieb aber nicht mehr lange.
Aber wir mussten bleiben, mussten als evangelische Kinder an den Katholischen Gottesdiensten und an Andachten teilnehmen, hinter Weihrauch schwenkenden Messdienern? herlaufen, mir wurde immer schlecht von dem Geruch (Gestank).
Dann wurden auch noch Kinder mit Diphtherie krank und wir wurden alle untersucht ob wir uns angesteckt hätten bei mir und ein paar anderen Kindern war es der Fall aber wir waren nur Bazillenüberträger, mussten trotzdem in Quarantäne ins Kinderkrankenhaus nach Lübeck. Dort blieb ich fast 3 Monate, alle drei Tage wurde ein Nasen- und Rachenabstich gemacht oft waren die 1-2x negativ und beim 3ten wieder positiv. Dreimal negativ ist aber Vorraussetzung für die Entlassung. Meine Mutter konnte mich nur einmal im Krankenhaus besuchen, da fehlte das Geld, Nach fast 3 Monaten gab uns eine junge Schwester ein Glas Bienenhonig, den sie von einer Mutter eines Mitpatienten erhalten hatte, mit einem Zettel als „Gebrauchsanweisung“: Jeden Tag kurz vor dem Abstrich in Wasser aufgelösten Bienenhonig durch die Nase! trinken und runterschlucken und zwar alle im Zimmer, nach etwas Übung klappte es auch und siehe da, nach dem 3.ten Abstrich waren wir immer noch negativ und wurden bald darauf entlassen. Aber leider nicht wie erhofft nach Hause sondern „zur Erholung“ wieder in das Kinderheim, trotz Protestes bei den Ärzten, unsere Eltern meinten es ja nur gut mit uns! und über die Zustände im Heim wussten sie nichts trotz der Karten die wir geschrieben hatten denn die, in denen wir davon berichteten wurden von den Nonnen nicht weitergeleitet denn wie wir später erfuhren wurde unsere ganze Post gelesen und nur die ohne Hinweis auf die Zustände zur Post gegeben. Ich erfuhr das aber erst zu Hause das viele Karten nicht angekommen waren (Briefe durften wir übrigens nicht schreiben,die wurden in unserem Beisein gleich zerrissen) im Nachhinein weiß ich auch warum, es wurde damals aber nichts unternommen, das wäre heute zum Glück anders.
Ich kam zurück nach Haus und war trotz des „tollen“ Essens im Heim richtig pummelig geworden, ich hatte nicht einmal mehr sichtbare Kniescheiben, das änderte sich aber schnell durch unser Toben Zum Glück hat dieser, im Nachhinein würde ich sagen " Horroraufenhalt", keine Folgen für mich gehabt.
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sus.ie aus Kassel schrieb am 26. August 2021
Ich bin 1981 in Mühlhausen/ Thüringen geboren. Als Kind war ich oft erkältet mit starkem Husten, weshalb mir auf anraten eines Arztes eine Kur verordnet wurde. Ich sollte für 6 Wochen nach Binz in das Kindersanatorium Frohe Jugend geschickt werden. Mein Aufenthalt war vom 11.08.1986 -19.09.1986. Leider kann ich mich an sehr wenig erinnern.
Ich erinnere mich, dass mich mein Opa an den Busbahnhof in Mühlhausen gebracht hat. Meine Mutter musste arbeiten. Ich habe im Bus (gefühlt) die ganze Fahrt geweint. Die Erzieherin die mitgefahren ist, war nett und tröstend zu mir. Ich habe ihr gesagt, dass ich Kopfschmerzen habe und sie hat mir erklärt, dass dies vom vielen weinen käme. Ich habe sie dann gefragt, ob sie dann auch da ist wo wir jetzt hinfahren. Sie hat es verneint und ich konnte mich kaum noch beruhigen.
Meine nächste Erinnerung ist, dass ich nachts wach werde, weil ich ins Bett gemacht habe. Ich erinnere mich an einen langen, großen, hohen Flur - ich nehme an, weil ich so klein war. Ich hatte Angst und Schamgefühle. Ich weiß, dass es nicht gut war, dass mir das passiert ist aber ich habe leider keine Bilder mehr was genau danach geschehen ist.
Eine weitere Erinnerung ist eine Art Klassenraum in dem wir, glaube ich, die Karten bemalen sollten, die die Erzieherinnen geschrieben haben. Diese Karten gab es auch noch lange Zeit bei meiner Mutter. allerdings kann sie außer der beiden Fotos keine weiteren Unterlagen mehr finden.
Ich hatte/habe in meinem Leben mit erhebliche psychische Beeinträchtigungen zu kämpfen, wie z.B Ängste, Unsicherheiten und Depressionen. Ich bin insgesamt seit über 10 Jahren in therapeutischer/ psychoanalytischer Behandlung. Da aber auch noch andere Faktoren in meinem Leben nicht so optimal waren, gehe ich davon aus, dass nicht alle Schwierigkeiten in meinem Leben im Zusammenhang mit der Kur stehen. Wenn ich jedoch die Berichte hier lese, denke ich, dass auch dies vermutlich keine guter Ort für mich war. Leider kann ich mich kaum erinnern. Etwas Hoffnung, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen sein könnte, habe ich, weil ich zum einen verhältnismäßig spät (1986) dort war und ich zum anderen bisher noch keine Berichte über diese Einrichtung hier gefunden habe.
Vielleicht erkennt sich hier jemand auf dem Gruppenbild, welches ich hochgeladen habe.
Liebe Grüße
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Karin aus 48565 Steinfurt schrieb am 26. August 2021
Erst mal ein grosses Danke an alle die schon den Mut gefunden haben ihre Erlebnisse aufzuschreiben.
Ich selber bin mit 6 Jahren verschickt worden.Ich hatte Kinderasthma laut meinen Eltern.
Ich habe wenig Erinnerung an all DAS...Aber das wenige verfolgt mich schon seidem das ganze Leben.
Ich habe Anfang diese Jahres ein Bericht gesehen im Fernsehen über Verschickungskinder ,und war gefesselt.
Ich durchlebte viele Gefühle...über Gänsehaut ..weinen..Angst ..Zorn ..Hilflosigkeit..und endlich war ich mit meinem erlebten nicht mehr alleine..denn Zuhause wurde vieles nicht geglaubt oder verharmlost.
Das Kurhaus war in Braunlage/ Harz. Ich kann mich aber nicht daran erinnern wie der Name war..Als damals 6 jährige fühlte ich mich alleine gelassen..ausgeliefert..wir schliefen mit mehreren Kindern im Zimmer...das Nachts abgeschlossen wurde..es haben viele geweint..Ich hatte ein Teddibär mit bekommen den hielt ich im Arm und weinte heimlich leise in ihm rein....um so schlimmer war es als Kinder versuchten ihn mir zu nehmen und dabei ein Bein rausrissen..Das Gefühl kommt gerade wieder hoch und ich muss schlucken...Es wurde mir was genommen..zerstört was mir Dort Halt gab..
Die Pakete die von Zuhause kamen wurden im Gemeinschaftsraum geöffnet und der Inhalt an alle Kinder verteilt..Ich bekam auch eins und kann die Bilder noch vor mir sehen...Es wurde aufgemacht und ich sah Haare von einer Puppe...Ich sprang nach vorne habe sie mir geschnappt und sie an mich gedückt und gesagt ..das ist meine und bin damit in mein Zimmer gerannt..
Diese Puppe habe ich noch Heute..zur Zeit aber auf dem Dachboden...Kinder in unserem Schlafzimmer wurden in einem kleinem dunklem Raum gesteckt wenn sie sich nicht an den Regeln gehalten haben.
Ich bin mir nicht ganz sicher..aber es gab auch Züchtigungen ..diese aber nach meiner Erinnerungen ..ehr an grössere Kinder..die auch mal wagten ein nein auszusprechen..
Gab es so einen Vorfall ..wurden wir kleinen Kinder weggeschickt und hörten so nur Schreie und ich würde sagen Schläge, und das besagte Kind wurde den ganzen Tag nicht gesehen.
Reden durften wir nicht darüber..denn dann wären wir auch dahin gekommen und man lies durchblicken das es dort wo man dann hinkommt nicht schön war.
Das was es zu Essen gab muste man auch aufessen..Einmal gab es Schmalz auf Zwieback zum Frühstück..ich mochte es nicht und habe es verweigert .
Ich muste davor sitzen bleiben bis ich es aufesse..
Ich sahs Nachmittags noch alleine davor . Zu Mittag gab es für die anderen den Mittagstisch ...Ein Junge neben mir hatte wohl ein einsehen...ein schneller Griff als die Aufseherin nicht hinsah und der Zwieback war in seinem Mund..
Wenn ich heute nur Schmalz rieche wird mir schlecht.
Wir musten uns auch selber anziehen...Wir hatten einen Schrank worauf unsere Nummer war..Alles was zu mir gehörte muste vorher von meiner Mutter mit einer Nummer versehen werden..In den Kleidungsstücken genäht und an Bechern oder Zahnbürste geklebt.
Es hat keinem gekümmert was man anzog oder klar kam mit den Sachen...Ich hatte laut meiner Mutter wohl immer das gleiche an weil es wenige Sachen gab die sehrrr deckig waren und die anderen unberührt.
Ich hatte ein neues Kleid extra für die Kur bekommen..das trug ich als es nach Hause ging.
Ich habe wohl einiges verdrängt..aber ich reagiere auf einige Sachen sehr heftig und weis das kommt aus dieser Zeit..
Ich denke da kommt noch so einiges an Tageslicht..
So reagiere ich auch sehr auf Nonnen..Ich fühle mich sehr unwohl wenn ich sie sehe.
Verlust ist auch ein grosses Thema..und nicht gut genug zu sein.
Als es im Zug nach Hause ging, hielt er nicht sofort , sondern rollte noch mal an..Da bin ich histerisch geworden weil ich meine Eltern kurz vorher am Gleis hab stehen sehen .Es kam da so vieles hoch.
Ich hatte Panik das es wieder zurück ging. Ich fühlte mich verraten..alleine gelassen..verloren.
Und das man darüber nicht reden konnte machte es nicht besser.
Und was ich als sehr schlimm pfand, war das meine Eltern sagten wenn ich was nicht richtig gemacht hatte..
Wenn du nicht lieb bist kommst du wieder zur Kur.
Wie ich gerade bemerke kommt da so einiges an die Oberfläche..
Da ist es für mich hilfreich zu sehen ,ich bin nicht alleine und ich habe mir nichts eingebildet oder erfunden.
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Anke Schuenemann schrieb am 26. August 2021
Ich war 5 Jahre alt und untergewichtig. Sie haben mich 5 (oder 6?) Wochen nach Glücksburg geschickt. Ich war extrem einsam, eingeschüchtert und starr. Das sind meine Erinnerungen:

1) Ich gehörte der Eichhörnchen Gruppe an. Im Flur hatte ich ein Fach, wo meine Sachen drin waren.

2) Wir schliefen in Gitterbetten in einem großen Schlafsaal auch mit größeren Kindern. Wir bekamen vor dem Einschlafen ein Betthupferl aus einer Dose, die in der Ecke auf einem Tisch stand. Einige Mädchen stahlen daraus Bonbons. Das wurde entdeckt und weil sie sich nicht gestellt haben und niemand sie verraten hat, bekamen wir kollektiv Schläge dafür. Dafür beugte sich die Frau in mein Gitterbett und haute mich.

3) Ich hasste auch schon vor der Kur gekochtes Essen. Ich erinnere mich, dass es morgens für jeden nur eine Scheibe Brot mit Nutella oder so gab. Ich bin davon nicht satt geworden. Dafür haben sie mich mal gezwungen, Linsensuppe aufzuessen. Die Frau blieb neben mir sitzen solange bis mein Teller leer war. Furchtbar für mich. Eintopf war für mich das schlimmste. Alle Kinder durften den Saal verlassen. Ich musste sitzen bleiben mit der Frau an meiner Seite.

4) Einmal gingen wir in Zweierreihen die Treppen hoch. Von oben kam eine Frau, die mein Stofftier in der Hand hatte. Ich musste es wo verloren haben. Sie hat gefragt, wem das gehört. Und ich habe mich getraut aufzuzeigen, weil ich nicht wollte, dass mich jemand ansieht, dass ich auffalle. Ich wusste gleichzeitig, dass das Tierchen für immer verloren ist, wenn ich mich nicht melde. Aber ich konnte nicht.

4) Einmal gingen wir Muscheln sammeln. Ich bekam eine kleine Plastiktüte in die Hand gedrückt, wo ich die Muscheln rein tun konnte. Es gibt ein Foto von mir am Strand, ich habe dabei den Kopf ganz dicht am Boden, man sieht mein Gesicht nicht. Ich erinnere mich, dass ich es am Strand sehr schön fand, aber ich war total alleine, hatte keinen Kontakt mit irgendwem.

Ich habe versucht, hier sachlich zu schreiben. Und nicht meine ganzen Gefühle dazu zu mischen. Insgesamt kann ich sagen: ich war sicher hinterher eine andere. Und ich glaube, meine Mutter hat bis heute ein schlechtes Gewissen. Ich traue sie nichts dazu zu fragen, weil ich Angst habe, sie damit zu belasten.

Einsamkeit, alles alleine wuppen zu wollen, Vertrauensprobleme und extreme Verspannungen begleiten mich bis heute und sind nachweislich darauf zurück zu führen. Ich bin ganz sicher davon traumatisiert und bin aber erst jetzt und auch immer noch dabei, mir das zuzugestehen.
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Diana aus Stade schrieb am 9. August 2021
Ich war im Spätherbst 1979 mit gerade mal 4 Jahren für mehrere Wochen zur Kur in Pomßen. An sehr viel Schnee erinnere ich mich. In meinem Leben hab ich immer wieder mal an diese Kur gedacht und mich als Erwachsene gewundert, wie man so kleine Kinder für so lange Zeit so weit von ihren Eltern entfernt zur Kur schicken kann! Ich war auch immer entsetzt, dass meine Mutter das zugelassen hat, aber sie sagte, der Arzt hat das für richtig befunden und deshalb wurde das dann halt so gemacht. Meine Mutter hatte mir vorher gesagt, dass ich zur Kur muss und ich fand das wohl auch toll. Ich erinnere mich noch an den extra neu gekauften Bademantel. Wahrscheinlich hab ich damals einfach noch kein Verständnis für das ganze Geschehen gehabt. Ich erinnere mich an eine nicht endende, sehr lange Busfahrt, denn ich kam aus Mecklenburg-Vorpommern. Unterwegs musste ich ganz dringend zur Toilette, aber ich musste ewig warten, bis der Bus anhielt und wir Kinder uns erleichtern konnten. Ich habe schon im Bus geweint, weil ich nach Hause wollte. Sowieso habe ich viel geweint vor lauter Heimweh.
Absolut eingebrannt hat sich bei mir, dass wir Kinder ganz oft für eine Weile im Kreis um eine Art Rotlichtlampe herumgehen mussten. Der Raum war dabei dunkel und es roch ganz eigenartig durch das erzeugte Licht und die abgestrahlte Wärme. Wir hatten nur die Unterhose an. Vielleicht waren wir auch ganz nackt, aber da bin ich nicht mehr sicher.
Wir haben viel gemalt, gebastelt und ich habe der Erzieherin diktiert, was sie meiner Mutter auf die Postkarte schreiben soll, die ich schicken durfte. Ich selbst habe auch Post bekommen.
Ich erinnere mich an Gitterbetten. Ich glaube, unter den Betten standen Pinkelpötte für die Nacht. Ich habe das Gitter von meinem Bett nachts runtergemacht oder bin drüber geklettert, wenn ich pinkeln musste.
Ich sehe eine großen Essensaal vor mir mit vielen Gruppentischen. Ich saß an einem Vierertisch. Einmal gab es einen Vorfall: ein Kind hatte in der Toilette mit Fäkalien die Wand beschmiert. Alle Kinder saßen im großen Essenraum und warteten auf das Essen, aber eine erboste Erzieherin rief durch den Saal, dass es erst etwas zu essen geben würde, wenn der Wandbeschmierer sich melden würde. Es hat sich endlos lange Minuten niemand gemeldet und es war totenstill - und dann hab ich mich gemeldet, obwohl ich es nicht war! Aber ich wollte wohl, dass die Warterei ein Ende hatte. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich musste dann die beschmierte Wand sauber putzen, während die anderen Kinder essen durften. Danach durfte ich dann auch wieder in den Saal zurück und wurde böse von den anderen Kindern angesehen, sodass ich dann noch geweint habe.
Ich erinnere mich an Zwillingsjungs und an eine sehr große Treppe, die vom Haus in den Garten führte. Wir waren viel draußen spielen.
Wieder zurück zu Hause habe ich für einige Zeit angefangen zu stottern. Das war vor der Kur nicht so. Aber was bis heute noch ist: ich habe mich nie mehr mit meiner Mutter wirklich verbunden gefühlt. Das muss nicht unbedingt an der Kur gelegen haben (ich war auch schon mit 8 Lebenswochen Krippenkind, was sicherlich auch zu einer gestörten Bindung beigetragen hat).
Ich erinnere mich nicht an schlimme Vorfälle, aber wenn ich an die Kur denke, geht es mir nicht gut dabei, denn Einsamkeit und das lange Getrenntsein von der Familie habe ich als etwas ganz Schreckliches erlebt. Ich habe bis heute Probleme, mich an Menschen zu binden und zu vertrauen.
Wer war noch in Pomßen? Würde mich über andere Erinnerungen freuen.
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Silvia Kröplien aus Hamburg schrieb am 29. Juli 2021
Alles, was die vorigen Berichte beschreiben von schlechtem Essen bis
Schlägen als Strafe für was auch immer habe ich in den drei Verschickungen erlebt. Mit fünf Jahren die erste. An den eigentlichen Aufenthalt erinnere ich nur einzelne Szenen wie Teller in die Küche tragen, Milchsuppe und Griesbrei und das furchtbare Verlassensein. Trost spendete mir nur der vertraute Geruch der Niveacreme, die mir meine Mutter eingepackt hatte. Mittagsschlaf , still sein und letztlich brav sein - was anderes blieb einem nicht übrig mit fünf Jahren.
Das wirklich Schlimme war der dramatische Abschied am Bahnhof Altona im Zug. Plötzlich begriff ich, dass ich jetzt alleine mit den Fremden Tanten und Kindern wegfahren musste. Schreie wie am Spiess und wehre mich mit Händen Füßen. Vater steht hinter meiner Mutter und dippert, sie soll jetzt kommen - aber auch sie kann sich nicht trennen. Plötzlich fährt der Zug los und beide stürzen aus dem Abteil und springen auf die Gleise aus dem fahrenden Zug. Ab da hab ich keine Erinnerung mehr an den Aufenthalt dort. Die chaotische Szene mit dem Sprung vom Zug erzählte mir meine Mutter erst, als ich erwachsen war.
Vor zwei Jahren hatte ich dann aus scheinbar heiterem Hinmel eine schlimme Panikattacke während einer Zugfahrt in Hamburg, sodass ich den Krankenwagen rufen musste. Während der Fahrt überfiel mich das Bild des chaotischen Abschieds von damals und ich sehe mich ohnmächtig zu Boden fallen mit schrecklichen Todesängsten.
Im Krankenhaus alle Untersuchungen gemacht ohne Befund mit dem Hinweis darauf, dass es eine Panikattacke/Angststörung und Depression gewesen sein könnte......
Was genau der Trigger war, weiß ich nicht genau - ganz sicher aber weiß ich, dass man Kindern so etwas nicht antun darf !
Nach sechs Wochen erkannte ich meine Eltern nicht wieder - ich war sehr verwirrt
danach. Die ganze Familie mit Schwiegereltern stand da am Bahnsteig und ich erkannte dann meine Oma an der lauten Stimme und ihr erster Satz war: „Wie sieht sie denn aus, sie hat ja alles falsch herum an ! „ Sechs Wochen sind für ein kleines Kind eine äonenlange Zeit.

Meine zweite Erfahrung war schon mit neun Jahren etwas bewusster im Erleben.
In Kellenhusen war es eigentlich nicht schlimm im Sinne von Misshandlungen und Einschüchterungen o.ä.
Es gab nur so unendlich lange Gewaltmärsche auf dem Deich entlang in so eine unendliche Leere hinein. Es kam mir so furchtbar sinnlos vor, ich verlor jeglichen Orientierungssinn - und das ist bis heute so geblieben. Dazu - trotz aller Freundlichkeit der Betreuerinnen - kam dieses trostlose elende Verlassenheitsgefühl, was mich meistens beim Essen überfiel und es mir Angst und bange wurde, sodass ich kurz vor einem Ohnmachtsanfall stand. Die Tante sah mich bleich werden und ging mit mir aus dem Saal, war sehr bemüht, aber ich wusste nicht, was mit mir los war und sie letztlich auch nicht.
Ich erinnere mich auch an nette Kreis-und Volkstänze Mädchen und Jungs gemischt
- das waren Glücksmomente. Aber letztlich fühlte ich mich verloren und konnte mich nur daran orientieren, dass
ES bald vorbei sei. Keine Erinnerungen an die Rückfahrt und Ankunft, ausser dass ich den Anschluss in der Schule nur schwer wieder bekam. Sinnigerweise musste ich außerhalb der Ferien ins Kurheim .....
So geschehen auch bei der dritten Reise ins Ungewisse mit dann 12 Jahren.
Immerhin war ein etwas älteres Mädchen aus meinem Dorf auch im Zug, die mir aber aus Überlegenheit nicht zugetan war und mich dort auf Sylt regelmässig in Pfanne haute vor den anderen Mädchen.
Die Frauen dort waren burschikose Erscheinungen und es herrschte eine
kontrollierte Stimmung unter der Knute einer Art Flintenweib-Heimleitung, die wahrscheinlich aus der Nazizeit mit herübergeschwappt war.
Auch hier endlose Märsche am Strand, deren Sinn ich überhaupt nicht erfasste, ausser dass ich ES nur zu tun hatte.
Bastel- und Malnachmittage ganz schön, turnen und Ballspielen, und Anekdotenerzählungen vor den Mädchen von dem Flintenweib, welches sich immer toll vorkam und so versuchte, sich anzubiedern bei uns. Einmal verstieg ich mich, sie nachzuäffen und schon war es aus mit witzig und sie klatschte mir eine saftige Ohrfeige.....
Dann wieder kleine Theaterspiele und Singen im Chor. Merkwürdige ärztliche
Untersuchungen mit ganz nackt ausziehen vor dem Flintenweib, hinlegen auf die Liege, wo mir die Beine weit auseinander gespreizt wurden( ? )....
Dabei Getuschel zwischen Ärztin und Flintenweib - man selbst war nur ein Objekt für die, alles beklemmend und beschämend für mich. Briefe schreiben nach Hause : Irgendwann schrieb ich dann an meine Grosskusine, mit der Bitte
sie möge meinet Mutter ausrichten, mir doch endlich mal zu schreiben - womit ich mir gleich nach der Rückkehr einen wütenden Rüffel seitens meiner Mutter einfing. Nichts mit liebevoller Begrüßung und in den Arm nehmen. Grad aus dem Zug gestiegen wollte ich mich meinem Vater in die Arme werfen und er sagt nur:
„ Alter Indianer kennt keinen Schmerz“ !

So taumelte man dann in den Schulalltag zurück und versuchte, wieder Boden unter die Füsse zu bekommen.
Ich weiß nur heute, dass ich ab da immer das Gefühl hatte, ich „gehöre irgendwie nicht dazu!“
Oder so merkwürdige Momente von Realitätsverlust und Orientierungslosigkeit von einem Moment auf den anderen.
Z. B. während der Autofahrt weiss ich plötzlich nicht mehr, wo ich bin und wohin es geht. Das ist jetzt nach über sechzig Jahren zwar nicht mehr so, ich schreibe es aber diesen Erfahrungen im Heim zu.
Das Verlassensein war das Schlimmste.

Also liebe Leute da draussen, was können wir tun nach diesen Erlebnissen ?
Ich versuche, meinem inneren verletzten Kind immer wieder zu sagen, dass es keine Schuld hat und es im Geiste in den Arm zu nehmen und so lange zu warten, bis es den Trost annehmen kann.
Es dauert und es tut weh, zu sehen WIE LANGE es dauert ! Liebe Menschen da draussen, es gibt aber etwas in einem, was heil geblieben ist. Ein Fünkchen Liebe
ist noch da - den müssen wir hegen und pflegen und lieben wie ein kleines Baby...
Das Erlebte bleibt und lässt sich nicht weg wischen - aber der Funke bleibt auch, sonst könnten wir nicht leben.
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Anonym schrieb am 27. Juli 2021
Hallo, danke sehr für Eure Berichte und Möglichkeit zu berichten-
Bei mir 1. Kinderkur im Harz im Winter 1963 ,mit 4 Jahren,
Kleines zu dünnes Mädchen alleine in die Bahn in Winterkur geschickt. Weinende Mama, aber ich selbst neugierig. Hausarzt sagte geht nicht anders "Kind muß dicker werden sonst nicht in die Schule mit 6 Jahren". Arzthelferin sehr nett, würde als Begleitung/ Betreuung der Kinder mit reisen,
Erinnerungen an diese liebe junge blonde Frau, das einzig gute. Einsam , weinend in den Nächten. Eingenässt ohne Hilfe am Morgen. Keine Hilfe bei Kleiderwahl. Dann immer nasse Wäsche an Heizkörper in der Nacht gelegt, morgens angezogen. Trotz Koffer voll Wäsche , nur gleiche Unterwäsche an. Zum Glück den geliebten Teddy dabei, und kleines Bild von Mama und Papa. Essen furchtbar :vorne an der Essenausgabe vor essen, bei Ekel mit Quarkgericht immer erbrochen, in nebenstehenden Eimer. und Zwang zum weiteressen. Bin nach 6 Wochen mit dick entzündeten Lippen heimgekommen. Ständig Angst alleine zu sein. Mutter geweint, alles geglaubt und versucht Anzeige zu machen. Hatte aber leider 1 Pfund zugenommen, deshalb keine Chance.
Kur 2 im Antoniusheim Niendorf, Timmendorfer Strand Ostsee. ca. 1965. Tatsächlich mein Mann auch dort gewesen wegen Bronchitis und Untergewicht. ca . gleichen Zeitraum
Beide bis heute Unwohlsein wenn wir Nonnen sehen. -dort gleiche <Maßreglungen bei Essensverweigerung oder unerlaubten Reden. An den Ohren hochgezogen bis zum Kopf der Nonne. Einzelstrafen ins Bett geschickt auch tagsüber. Wir waren vor 2 Jahren dort in der Nähe im Urlaub. Haben nach dem Heim gefragt. Heute ein Kinderheim. Hatten beide beklemmendes Gefühl, als eine Nonne auf den Strand lief der abgesperrt war. Sind wie die Kinder mit Dackel und Setterhund noch bis zum öffentlichen Bereich gelaufen. Sie hat uns nicht gekriegt ( Ha Ha) wenn es nicht so traurig wäre. Eine Dame die wir trafen , sagte das noch viele nach dem Heim fragen und wir nicht die einzigen mit schlechten Erfahrungen nachfragten.
Fazit ; Die Essstörungen bei mir haben mit ca mit 30 Jahren aufgehört. Die Angst alleine in einer Wohnung zu sein, erst als ich Hunde hatte. Mein Mann, hat die Nonnen so gehasst, das er bis heute nicht an Gott glauben kann. l.G Michaela
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Frank Gnegel aus Frankfurt schrieb am 26. Juli 2021
Ich war insgesamt drei Mal in den Jahren 1970 bis 1972 im "Kinderheim Kratz" in Bad Rothenfelde. Die Aufenthalte waren keine Kuren, sondern Ferienaufenthalte, die vom Arbeitgeber meines Vaters, der Fima Uhde in Dortmund (einen großen internationalen Ingenieurbüro) organisiert wurden. Man verstand es wohl als soziale Tat oder wollte den Eltern einen Uralub ohne Kinder ermöglichen. Bad Rothenfelde galt als Kinderkurort, ob aber das sogenannte "Kinderheim Kratz" wirklich ein solches war, kann ich heute nicht sagen. Viele Jahre später bin ich an dem Gebäude vorbeigekommen, da nannte es sich "Pension Kratz", war aber geschlossen.
Ich habe die Heimleitung als drakonisch und streng erlebt; die Aufenthalte waren wenig freudvoll und von Verboten, Regeln und willkürlichen Bevorzugungen geprägt. Kindgerechte Aktivitäten sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Stattdessen mussten wir Gartenarbeiten verrichten, etwa stundenlang Obst ernten, insbesondere Stachelbeeren. Die jüngeren Betreuerinnen - heute würde ich sie für Studentinnen halten - waren im Prinzip freundlich, tonangebend war aber die Heimleitung und sie mussten sich fügen und etwa Bestrafungen umsetzen, selbst wenn sie sie für überzogen oder unangebracht hielten.
Das Essen war grauenhaft und bestand oft aus dem, was im Garten geerntet wurde - Pflaumensuppe mit Backerbsen oder eingekochte Birnen aus dem Vorjahr. Es musste aufgegessen werden. Ich mochte etwa bestimmte Dinge - etwa Birnen - nicht und musste dann stundenlang alleine im Speiseraum sitzen und durfte nicht aufstehen, bevor ich nicht aufgegessen hätte. Meiner Schwester, die mich im letzten Jahr begleitete, erging es genauso. Wir aber waren willensstärker, aßen nicht und saßen stundenlang allein vor unseren Tellern. Wir wurden dann irgendwann von einer mitfühlenden Betreuerin erlöst; mussten dann aber Gartenarbeit leisten. Die älteren Kinder (Jungen) genossen Privilegien; freunde habe ich dort nicht gefunden.
Man musste sehr früh zu Bett - gegen 18.00 Uhr - durfte dann nicht mehr aufstehen. Selbst ein Toilettengang war dann mit Angst verbunden. Karten nach Hause wurden kontrolliert bzw. es wurde vorgeschrieben, worüber man schreiben sollte. Ich habe keine positiven Erinnerungen an diese Zeit.
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Renate Langewiesche aus 32756 Detmold schrieb am 24. Juli 2021
Ich war noch keine 5 Jahre alt, da wurde ich für 4 Wochen in das Herz-Jesu-Kloster geschickt. Weniger, weil ich eine Kur brauchte, aber meine Eltern wollten eine Kur machen und meine 9 Jahre ältere Schwester ihre Brieffreundin in England besuchen. Da man nicht wusste, wer sich um mich kümmern sollte, wurde ich, einem Ratschlag eines Arbeitskollegen meines Vaters folgend, in das Herz-Jesu-Kloster geschickt (obwohl wir evangelisch waren). Die Vorfreude während der Anfahrt aus Essen verflog schon ganz schnell. Natürlich kann ich mich nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Was ich aber noch weiß, sind tägliche Schläge und Beschimpfungen, wenn ich das für mich eklige Essen (verklumpte Milchsuppe, fettiges Fleisch) nicht essen wollte. Ich fühlte mich so ausgeliefert, hatte niemand (ausser einer netten, jüngeren Schwester, deren Einfluss begrenzt war), mit dem ich reden konnte, hatte immer nur Angst. Ich hatte immer gedacht, dass Schwestern nette Frauen sein müssten, aber ich hatte nur noch Angst, wenn ich sie nur sah. Als ich endlich wieder nach Hause durfte, war ich - wie man mir später erzählte - wie verwandelt. Einige Wochen habe ich nicht gesprochen.
Ich glaube, mein Urvertrauen in Menschen ist bei diesem Aufenthalt stark angegriffen worden. Mir war es immer wichtig, nie mehr ausgeliefert zu sein, auch nicht in einer Ehe oder als Mutter (Jahrg. 52, d.h. in meiner Zeit gab es kaum Kitas, und das Rollenbild war noch immer das der abhängigen Hausfrau).
Zum Glück währte dieses schreckliche, prägende Erlebnis nur 4 Wochen und blieb ein einzelner Vorgang. Aber auch heute, mit 68 Jahren, sind mir die Erlebnisse und die Angst noch vor Augen. Wie schrecklich für Verschickungskinder, die jahrelang ausgeliefert waren!
MfG
Renate Langewiesche
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Christiane B. schrieb am 23. Juli 2021
Hat man nach so vielen Jahrzehnten noch Erinnerung an diese 6 Wochen "Kur" in der schönen Alpen-Landschaft in diesem hübschen Haus, wo die 6-Jährige auf dem Foto scheinbar so fröhlich lacht in ihrem Indianerkostüm auf dem Ski-Hang?
Es ist sicher manchmal nicht leicht, eine Horde sehr unterschiedliche Kinder einigermaßen diszipliniert durch Tag und Nacht zu bringen, aber schlaglichtartig tauchen bei mir schlimme Erinnerungen auf.
Es wurde eine Art Skischule abgehalten, ich schaffte es aber nicht, um auf den Berg hochzukommen, den dort vorhandenen Bügellift zu benutzen, ich war zu klein, aber nirgendwo Hilfe. Immer wieder neue Versuche, dann kam ich allein bis zur Hälfte der Liftstrecke, ca. 500m und fiel wieder raus. Nachfolgende Lift-Skifahrer kümmerten sich nicht, auch niemand vom Sonnleiten. Tiefer Schnee, ich rappelte mich irgendwie auf, einen Skistock hatte ich verloren, die Skibindung kaputt. Nach ca. 2 Stunden kam ich im Haus Sonnleiten an, Mir ging es ziemlich schlecht ich war unterkühlt , mein Bett in einem Schlafsaal für ca.10 Kinder war für 2 Tage mein Krankenlager. Natürlich konnten meine Mitbewohner keine Rücksicht auf mich nehmen, auch wurde ich von allen Aktivitäten ausgeschlossen. Essen musste ich allein auf dem Flur. Irgendwie erinnere ich mich, dass wir abends nichts trinken durften, wahrscheinlich damit niemand ins Bett macht. Ich hatte aber so einen Durst und schlich mich in den Gang, wo ein kleines Waschbecken mit Wasserhahn war. Plötzlich wurde ich von einer "Tante" an den Haaren hochgerissen und schlug mit dem Hinterkopf an den Wasserhahn....
Ja, wir sollten auch Briefchen nach Hause schreiben, ist doch alles so schön hier nicht wahr, Kinder, wurde uns "vorgeschrieben".....
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Bernd Ehgart schrieb am 23. Juli 2021
Ich war ca. 1957 in Wildbad (Schwarzwald) mit 7 oder 8 Jahren für 6 Wochen im "Tannenhof". Wildbad war/ist ein auf Therapie von Lähmungen der Extremitäten spezialisierter Kurort. Erzwungene Nahrungsaufnahme bis zum Erbrechen (wöchentliches Wiegen) erinnere ich. Mittagsruhe ebenso diktiert und auch streng überwacht: mindestens eine Stunde im Freien bei hochsommerlicher Mittagshitze ohne Schatten und in Decken eingepackt. Briefe nach Hause waren unverschlossen bei der "Schwester" (ziemlich rabiater Ton; ich meine, hellblaue Schwesterntracht zu erinnern) abzugeben. Mir selbst wurde nicht wirklich Schlimmes angetan - jedenfalls habe ich es nicht so empfunden. Das mag daran gelegen haben, dass man wusste: Bernd steht in engem Kontakt mit einem Physiotherapeuten (außerhalb des Hauses). Kinder, die sich widerstandslos eingefügt haben, wie ich selbst, wurden mit einer sonntäglichen Fahrt im Mercedes-SL-Cabriolet der Heimleitung belohnt ... Am Ende der Kur kannte ich so ziemlich alle deutschen (!) Volks- und Fahrtenlieder - obwohl es eine Mitinsassin aus Frankreich gab ...
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Silbermond schrieb am 23. Juli 2021
Ich kann mich nicht mehr an vieles erinnern, da ich zum damaligen Zeutpunkt erst 3 Jagre alt war. Im Jahre 19i4 wurde ich gemeinsam mit meiner Schwester die damals 5 Jahre alt war für 6 Wochen in das Kindersanatorium geschickt. Meine Schwester litt damals an chronischer Bronchitis. Ich war kerngesund sollte aber als Begleitung mitfahren.

Ich erinnere mich noch an unser Zimmer. Wir schliefen in einem Hochbett. Unser Zimmer war mit einem anderen Zimmer durch eine Tür verbunden. Doch die Tür wurde von den Erzieherinnen rausgenommen damit wir uns beibachten konnten. Im Nebenzimmer wohnten zwei Schwestern. Sie sagten gemeine Dinge über uns zu einer der Erzieherinnen. Was sie sagten weiß ich nicht mehr, nur das sie Gummibärchen bekamen und wir angeschrien wurden.

Die jüngere von den beiden Schwestern verrichtete ihr Geschäft nachts in der Schublade ihrer Kommode. Denn im Zimmer gab es keine Toilette. Die befand sich draußen auf dem Gang. Wir wurden aber über Nacht eingeschlossen, da wir nicht auf den Gang laufen durften. Ich habe immer ins Bett gemacht, daraufhin schlug mir die alte Erzieherin morgens immer auf den Kopf. Wenn ich daraufhin weinte schrie sie mich an.

Manchmal gingen wir wandern. An einem Tag fühlte ich mich nicht gut. Mein Kopf tat weh, ich schwitzte und mir war eiskalt.Ich fühlte mich wacklig auf den Beinen. Trotzdem zwangen mich die Erzieherinnen, das ich mitwandern musste. Zwei ältere Mädchen hakten mich unter und schleiften mich mit.

Am nächsten Tag wurden ich und meine Schwester auf unser Zimmer gebracht und dort eingeschlossen. Nur zum Fiebermessen kam die alte Erzieherin vorbei. Sie war nicht besonders vorsichtig und es tat immer sehr weh.

An einem heißen Tag wurde ein großer Pool mit Leiter im Garten aufgebaut. Wir freuten uns weil wir dachten, das wir darin baden durften. Eine der Erzieherinnen zwang uns sich im Kreis um den Pool herum aufzustellen. Dann wurden die Kinder der Heimleitung geholt. Sie durften im Pool baden und wir mussten zugucken.

Eine weitere Erinnerung habe ich an den Posttag. Wir bekamen Postkarten oder Pakete von den Eltern. Ein Mädchen hat wohl neue Unterhosen bekommen. Sie tanzte im Garten herum hob ihren Rock und zeigte allen stolz ihre neue Wäsche. Ein Junge sagte dies einer Erzieherin. Diese zwang das Mädchen ihre Unterhose auszuziehen, dann warf sie diese in die Mülltonne. Der Junge bekam eine Tüte Gummibärchen.

In der Sportstunde sollten wir über eine Turnbank springen. Ich hatte Angst und traute mich nicht. Die Sporterzieherin sagte einem älteren Jungen das er mich schubsen sollte, was dieser dann auch tat. Ich fiel aufs Gesicht. Die anderen Kindef und die Erzieherin lachten.

Die schlimmste Erinnerung aber war die an ein Mittagessen im Garten. Es gab Griesbrei. Meine Schwester ekelte sich davor, wurde aber dazu gezwungen den Brei trotzdem zu essen. Sie übergab sich in ihren Teller. Drei Erzieherinnen gingen zu ihr. Eine hielt ihre Arme hinter dem Stuhl fest, die Zweite hielt ihr die Nase zu und die Dritte verabreichte ihr das Erbrochene mit einem Löffel. Diese Szene wiederholte sich mehrere Male. Ich sehe immer noch meine Schwester vor mir wie sie würgt, schreit und weint. Ich saß direkt neben ihr und konnte ihr nicht helfen.

Vom Logischen her ist mir durchaus bewusst, das ich ihr damals nicht helfen konnte. Ich war ja erst 3 Jahre alt. Aber ich fühle es nicht. Ich fühle mich schuldig und dieses Schuldgefühl werde ich einfach nicht los.

Kontakt zu unseren Eltern durften wir während der 6 Wochen nicht haben. Sie durften uns auch nicht besuchen.

Durch Erzählungen meiner Mutter weiß ich, das wir verwahrlost nach Hause kamen. Dreckig seien wir gewesen. Hätten Keuchhusten und Kopfläuse gehabt.

Die Bilder verfolgen mich bis heute
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Olaf Winter aus Bad Homburg schrieb am 21. Juli 2021
Ich wurde wegen angeblichem „zu schmächtig sein“ mit sechs Jahren (im Winter) nach St. Blasien verschickt. Als Folge davon wurde ich erst mit sieben Jahren eingeschult.
In St. Blasien erinnere mich an bedrohliche Nonnen in schwarzen Gewändern, die einem die Ohren lang zogen, wenn man nicht eingeschlafen war oder das Essen nicht aufgegessen hatte. Als sehr bedrohlich verfolgen mich noch heute „schwarze Gestalten“ (Nonnen), bilde ich mir auf jeden Fall ein. Ich glaube, dass man sechs Wochen keinen Kontakt nach hause hatte. Was ich gefühlt oder wie ich mich verhalten habe, als ich wieder zuhause war, kann ich nicht erinnern, merkwürdig.
Meine Eltern haben nie (!!!) mit mir jemals darüber gesprochen
Ich habe diese sechs Wochen als einzige Bestrafung erlebt, dafür, dass man (angeblich)) nicht genug gegessen hatte oder eben zu dünn war.
ich hatte es meinen Eltern nicht recht gemacht.
Wenngleich mir es im späteren Leben nicht schlecht ergangen ist, hat mir das Symptom, es allen recht machen zu wollen in den letzten Jahren einen burnout (schwerste Erschöpfungsdepressionen) samt einem Klinikaufenthalt in der Oberbergklinik in Hornberg im Schwarzwald (nur fünfzehn Kilometer von St. Blasien entfernt!) beschert, vor nunmehr zwei Jahren, 55 Jahre später.
Bis zur Medienaufmerksamkeit im Frühjahr diesen Jahres, wusste ich gar nicht, dass ich als „Verschickungskind“ einzuordnen bin, ich bin sehr dankbar, dass nach allen Jahren („westfälischer“) Verdrängung aufarbeiten zu können.
Wenn ich den Bericht der letzten Woche in der FAS gelesen habe, ist mir regelrecht übel geworden. natürlich habe ich Angst, dass in dem Heim, in dem ich war, ähnliches passiert ist, an das die Erinnerung ausgelöscht ist. Ich hoffe nicht, es war schlimm genug.
Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich wahrgenommen habe, dass diese sechs Wochen eine entscheidende Krise in meinem Leben war.
Als ich in der Klinik war, habe ich es psychisch nicht geschafft, noch einmal nach St. Blasien zu gehen. Irgendwann gehe ich da noch einmal hin.
Abschliessend versuche ich jetzt gerade zu lernen, meinen Eltern diese Zeit zu vergeben, sie wussten es nicht besser. Das fällt mir nicht leicht, aber es wird gelingen.
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Oswald Kappel aus Rüsselsheim am Main schrieb am 6. Juli 2021
Hallo,
ich war 1967 im Alter von 7 Jahren in Eggstätt. Ich war sehr dünn damals und mein Kinderarzt meinte ich sollte in Erholung.
Meine Eltern setzten mich damals alleine in den Zug und als ich abends dort ankam saßen wir an einem sehr großen Tisch draußen und es gab Essen. Spaghetti mit Tomatensoße die so fürchterlich schmeckte , dass es einem hochkam. Eine Betreuerin fragte, ob es mir nicht schmecken würde. Auf mein Nein zog sie mir den Teller weg und befahl mir ins Bett zu gehen, da ich von den Aktivitäten heute ausgeschlossen sei.
Untergebracht waren die meisten in großen Schlafräumen mit Doppelstockbetten, 12 Kinder in einem Raum, der nur zum Schlafen war. Das tägliche Programm war vorgeschrieben und man musste teilnehmen.
Wir mussten jeden Tag Mittagsschlaf halten und wenn man nicht schlafen konnte und sich unterhielt, stand eine Betreuerin in der Tür und zitierte einen nach draußen in die große Halle. Man musste zur Strafe mit seiner Bettdecke auf dem Kopf, mit dem Gesicht zur Wand die ganze Mittagszeit barfuß auf dem kalten Steinfußboden stehen.
Es gab nur Frauen als Betreuerinnen, die auch das Briefe schreiben (was man so schrieb nach einem Jahr Schule) an die Eltern und Verwandte kontrollierten. Briefe mit etwas negativem gingen nicht raus per Post.
Ich konnte damals nicht schwimmen und hatte einen Schwimmreif dabei. Beim Packen meiner Tasche zur Heimreise bemerkte ich das Fehlen, worauf ich eine Betreuerin ansprach. Sie stand in der Tür eines Raumes, in der lauter Bade und Schwimmsachen lagen. Als ich meinen Schwimmreif dort entdeckte sagte sie ,das wäre nicht meiner und ich musste mich von dort entfernen.
Diese Erlebnisse sind jetzt 54 Jahre her und ich habe noch alles in Erinnerung als wäre es gestern. Meine Eltern konnten das gar nicht glauben und haben auch nichts unternommen, wie es halt damals so war.
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Eckhard schrieb am 5. Juli 2021
Als Verschickungskind war ich im Alter von 10 Jahren im Kinderheim Heyer (?) in Bad Rothenfelde auf Grund einer ärztlich festgestellten Erkrankung der Lungen. Die Anwendungen (SolBäder) und viel Bewegung an der frischen Luft haben Linderung gebracht.

Die dort eingesetzten Aufsichtspersonen waren ausschließlich Frauen, soweit es mir noch erinnerlich ist. Bei dem Kinderheim handelte es sich um ein Privathaus welches extra für diese Zwecke hergerichtet worden war. In den im Obergeschoss befindlichen 3 Zimmern waren jeweils 10 Betten, welche lediglich zum Schlafen eingerichtet waren. Keine Tische, Schränke oder private Rückzugsorte. Bekleidung musste vor der Tür gestapelt und sortiert auf Bänke hingelegt werden.
Bei Regen blieben wir in dem Haus und soweit ich mich erinnern kann gab es dort noch ein Nebenhaus. Spartanisch eingerichtet, ungeheizt und nur als Regenschutz gedacht, auch bei ganztägigem Regen.
Die Zeiten in denen psychische Gewalt ausgeübt wurde, waren die Essenzeiten. Wer nicht pünktlich war musste draußen auf der Treppe essen. Alles musste aufgegessen werden, selbst Essen welches nicht schmeckte. Wer nicht schnell genug aß, dem wurde der Nachtisch in den vollen Teller geschaufelt. Diese Diziplinierung hat in diesem Moment sehr weh getan.

Aber eines muss ich noch anfügen: Nach nunmehr vergangenen 56 Jahren ist dies Vergangenheit. Diese Vergangenheit sollte nicht vergessen werden, aber vergeben.
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Anonym schrieb am 5. Juli 2021
Ich freue mich, dass diese kriminellen Taten endlich an die Öffentlichkeit kommen!
Ich war damals erst 5 Jahre alt und schon die Bahnfahrt alleine dort hin war für mich traumatisch, da die Familie einen nicht begleiten durfte. Ich war sehr dünn und hatte ständig eine Bronchitis, also sah mein Kinderarzt diese Kur als letztes Mittel meine Genesung zu unterstützen.
Dort angekommen kann ich mich noch 50 Jahre später an die gravierendsten Vorfälle erinnern, wie den Zwang den Vorgesetzten Fraß zu essen, ich sollte Haferschleim essen und hatte mich so geekelt, das ich mich erbrochen hatte und sollte unter Zuchthaus Manieren mein erbrochenes essen, da man mir nicht glaubte, dass es erbrochenes sei!
Ich weigerte mich und wurde für einen Tag alleine in einen dunklen Keller gesperrt, so traumatisch, dass ich noch heute weiß welche Kleidung ich trug.
Zur Nacht, wenn wir kleinen uns noch unterhalten hatten, wurde wie im Gefängnis, das Bett mit Gittern ausgestattet, einem brutal ins Gesicht gekeucht und unter Androhung von Strafe, die Ruhe eingefordert.
Von Empathie und Aufsicht von kranken Schutzbefohlenen, also völlig wehrlosen Kinder, kann hier nicht die Rede sein.
Ich habe bis heute diese Erlebnisse nicht vergessen und meiner Genesung tat dieses Erlebnis auch nichts gutes. Die Eltern durften uns nicht besuchen, persönliche Kuscheltiere oder Ähnliches waren nicht erlaubt, der Umgangston war stets militärisch, also ich glaube hätten unsere Eltern das gewusst, hätte der eine oder andere doch diese Leute angezeigt!
Dies lief alles unter dem Teppich und als ich zu Hause davon berichtete, stand man so Unglaubwürdig da, so schlimm wird es wohl nicht gewesen sein..... Das wär für mich ein Horror und ich bin jeder Zeit bereit, zu kämpfen und wenn wir uns zusammen schließen, noch heute, wenn möglich auch gegen die Bahn, die ja auch Geschäfte mit diesen verschickten Schutzbefohlenen gemacht hatten eine Sammelklage anzustreben, vielleicht gibt es Möglichkeiten diese Organisationen die Geschäft gemacht haben, zu den Folgen im jetzigen Leben zu verklagen. Diese kriminellen Machenschaften dürfen nicht ungesühnt bleiben, vielleicht gibt es da noch Möglichkeiten die nicht verjährt sind, ich kenne mich mit der Rechtslage nicht aus und kenne auch den Namen dieses Horrorheims leider nicht, nur die Region, ich war zu klein und meine Mutter ist leider verstorben, so dass ich keine genauen Informationen habe ( sollte aber raus zu finden sein).
Ich unterstütze jegliche Unternehmung, die diesen Machenschaften weiter auf den Grund geht und bin für Fragen oder Kontakte diesbezüglich offen.
Öffentlich möchte ich anonym bleiben, aber sollte mich jemand über dieses Portal kontaktieren, ist das kein Problem.
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Bodo Behrens aus Berlin schrieb am 5. Juli 2021
Ich war im Januar/Februar 1959 im Alter von 10 Jahren für 6 Wochen zur Erholung im Kinderheim Dr. Ewald in Wüstensachsen/Rhön.
Einige Dinge sind mir in lebendiger Erinnerung geblieben. Erst einmal das absolut strenge Regiment. Es gab keine besondere Empathie, was bei dem Heimweh, das einen bewegte, unbedingt nötig gewesen wäre. Es gab ausschließlich das Prinzip von Befehl und Gehorsam. Das entsprach wohl dem Erziehungsstil vieler in den 50er Jahren. Die Post nach Hause wurde strengstens zensiert. Es war absolut verboten, heimlich eine Postkarte nach Hause zu schicken. Davor wurde ständig gewarnt.
Jeder Tag war bestimmt durch ausgedehnte Wanderungen durch die Rhön. Das Essen war ein besonderes Thema. Ständig gab es Quark mit Kartoffeln und ein Fruchtmüsli. Man wurde regelrecht gemästet. Natürlich musste man seinen Teller leer essen. Konnte man nicht mehr essen, musste man trotzdem weiteressen. Im Extremfall erbrachen sich Kinder und mussten dann das Erbrochene essen. Der Grad der Erholung wurde an der Gewichtszunahme gemessen. „Du hast dich ja gar nicht erholt“, sagte Dr. Ewald bei der Abschlussuntersuchung zu mir. „Du hast ja gar nicht zugenommen.“
Es ist zwar nicht so, dass ich bleibende Schäden durch die Verschickung entwickelte, aber die Zeit ist mir in äußerst negativer Erinnerung geblieben, obwohl man mich eigentlich überwiegend in Ruhe gelassen hatte. Aber ich erinnere mich mit Grausen daran, wie andere Kinder behandelt wurden.
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Anonym schrieb am 5. Juli 2021
Kann mich nicht genau erinnern wann ich, bzw wir meine 1Jahr ältere Schwester mit mir zur Erholung -skur geschickt wurden.Jedenfalls war meine Schwester schon eingeschult und ich stand vor der Einschulung.Bei der Ankunft wurden wir nach Alter in Gruppen getrennt. Meine Schwester in die blaue Gruppe und ich in die grüne Gruppe???Oder umgekehrt???Da ich sehr viel Heimweh hatte und meine Mutter ausdrücklich bei der Übergabe gesagt hat dass wir nicht getrennt werden dürfen, ging für mich die Ödysse los.2Tage konnte ich den Gemeindschaftssaal zum Essen aufsuchen, danach lag ich mit Fieber im Bett und hatte nur noch Heimweh. Das schlimmste waren die Schmalzbrote ich bekam sie nicht runter. Mittlerweile wurde ich immer schwächer und kränker.Ich habe das Reden eingestellt .Als ich ein Paket von der Nachbarin aus unserem Dorf bekam, musste ich alle Süßigkeiten abgeben, nur ein kl.Buch wurde mir ausgehändigt. In der Nacht waren die Toilettengänge untersagt.
Somit habe ich solange gewartet bis die Nonne, auf ihrem großen Stuhl eingeschlafen war. Dann hab ich mich unter die Tische zum Toilettenraum gerobbt.Geschäft erledigt bloß keine Spülung benutzen .Rückweg ins Zimmer wieder ganz leise unter die Tische mit Blick auf die schnarchende Nonne und schnell ins Bett. Mein Trinkverhalten hatte ich von dem Zeitpunkt drastisch eingestellt damit ich ja nicht in der Nacht Pipi machen muss.
Sonntags mussten alle Kinder zur Kirche, ich wurde gefragt welche Konfession ich habe,da ich es zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, wurde ich in die ev. Kirche geschickt. Ich war der Meinung, dort treffe ich meine Schwester wieder. Doch vergebens hielt ich nach ihr Ausschau!!Da ich kath.war,und regelmäßig an Sonntagsmessen teilgenommen hatte, kamen mir die Rituale sehr unbekannt vor und meine Schwester konnte ich auch nicht finden!.
So entwickelte ich immer mehr Krankheitssymptome um nicht mehr aus dem Bett zu müssen. Meine Mutter hatte zwischenzeitlich mehrfach angerufen und nach unserem Befinden gefragt, da hat man ihr erzählt ,wie gut wir uns doch eingelebt hätten.
Als wir endlich nach Hause durften, hat die Nonne mir zur Überfahrt statt Strickjacke ein langärmeliges Unterjäckchen angezogen. Ich protestierte und sagte ihr das ich bitte die blaue Strickjacke anziehen möchte,doch sie ließ sich nicht darauf ein. Auf der Heimreise habe ich mich sehr geschämt und geweint. Für mich war es die Hölle!!Bis heute ein Alptraum.
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Jürgen Becker aus Wuppertal schrieb am 5. Juli 2021
Ich kann mich nur an zwei Ergebnisse erinnern.
Das eine war ein Heim in Rheinland-Pfalz.
Dort war das Essen so schlecht das ich mich übergeben musste und anschließend das selbige aufessen musste.
Das zweite mal ein Heim in Bad Pyrmont dort hat der Herbergsvater nachts an mit rumgefummelt.
Diese Ereignisse habe ich bis heute nicht vergessen.
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Karin Welke schrieb am 4. Juli 2021
Ich war einmal zur Verschickung während der 1. Klasse bei St. Goarshausen. Das Essen war dort scheußlich und als meine Mutter mir ein Päckchen mit Süßigkeiten bekam, musste ich alle abgeben. Mittags mussten wir immer eineinhalb Stunden schlafen und durften uns nicht rühren . Auf Toilette gehen war nicht erlaubt.
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Anonym schrieb am 4. Juli 2021
1951 Mai–Oktober im St.Antoniushaus/Niendorf- Ostsee Ich war nicht nur klein, sondern auch extrem dünn und wurde dann im Jahr 1951 nach Niendorf /Ostsee in das St.Antoniushaus (Katholisches Kinderheim) verschickt, es sollte zur Erholung sein, für uns Kinder war es teilweise aber der Horror. Hier nur ein paar Beispiele: Zum Essen gab es sehr viel Kohlsuppen und Kohl als Gemüse auf jeden Fall immer ziemlich Fett- und Geschmacklos dafür aber oft mit Raupen, Würmern und anderem Getier. Wenn wir die raussortierten wurden sie von den Schwestern aber überwiegend von den Nonnen wieder in das Essen gerührt und wir wurden gezwungen es aufzuessen wenn sich jemand erbrach und es landete auf dem Teller so musste Er oder Sie es trotzdem aufessen, anschließend sauber machen und zur Strafe in der Badewanne im Bad alleine schlafen. .Ein andermal war ein starkes Gewitter und wir lagen in der Liegehalle beim Mittagsschlaf (waren bei dem Gewitter aber alle wach) als ein kalter Kugel-Blitz in das Dach des Haupthauses einschlug und auf der anderen Dachseite wieder herauskam und dann am Haus runterrollte. Die Nonnen lagen nur auf den Knien und waren beim Beten. Für uns Kinder war es aufregend, wir haben zugesehen wie alles passierte und hörten dann Schreie aus dem Haus, von den Nonnen rührte sich weiterhin keine. Da sind wir mit ein paar Kindern einfach in das Haus gelaufen, trotz der Rufe das wir in der Liegehalle bleiben und mit beten sollten. Als wir ins Dachgeschoss kamen roch es dort stark verbrannt und aus einem Zimmer kam stöhnen und weinen, als wir die Tür nach langem zögern öffneten, saß dort auf dem Metallbett Fräulein Edith, eine Helferin die wir am liebsten hatten und konnte sich nicht mehr rühren, wir sahen das ihre Haare verbrannt waren, sie war nicht ansprechbar, ein paar von uns blieben im Zimmer und ich lief mit ein paar anderen Kindern nach unten um endlich Hilfe zu holen aber die Nonnen waren immer noch beim beten. Da wir wussten das im Nachbar Kinderheim(St.Johann) ein Arzt war liefen wir dort rüber und sagten dort was wir gesehen hatten der Arzt kam sofort mit und ließ noch einen Krankenwagen rufen weil er wohl merkte das es ernst war. Er lief ins Haus und wir mussten unten auf den Krankenwagen warten. Da endlich kamen auch die Nonnen und wollten uns wegscheuchen aber wir hatten ja einen Auftrag vom Arzt und blieben, uns wurde Strafe angedroht aber das störte uns nicht. Als dann der Krankenwagen endlich kam, das dauerte lange, ich glaube der kam immer aus Lübeck, wurde Frl. Edith ins Krankenhaus gebracht und dann kam für uns Kinder das Größte, der Arzt schrie in unserem Beisein die Nonnen an „was sie sich dabei gedacht hätten“ keine Hilfe zu holen und wollte sie wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Wir hatten danach noch weniger zu lachen und ob der Arzt sie wirklich angezeigt hat, haben wir nie zu wissen gekriegt Fräulein Edith aber kam nach ein paar Wochen wieder und hat sich bei uns mit einem großen Eis bedankt, blieb aber nicht mehr lange in dem Heim. (Hier waren Bilder eingefügt darum der Abstand) Aber wir mussten bleiben, mussten als evangelische Kinder an den Katholischen Gottesdiensten und an Andachten teilnehmen, hinter Weihrauch schwenkenden Messdienern? herlaufen, mir wurde immer schlecht von dem Geruch (Gestank). Dann wurden auch noch Kinder mit Diphtherie krank und wir wurden alle untersucht ob wir uns angesteckt hätten bei mir und ein paar anderen Kindern war es der Fall aber wir waren nur Bazillenüberträger, mussten trotzdem in Quarantäne ins Kinderkrankenhaus nach Lübeck. Dort blieb ich fast 3 Monate, alle drei Tage wurde ein Nasenabstich gemacht oft waren die 1-2x negativ und beim 3ten wieder positiv. Dreimal negativ ist aber Vorraussetzung für die Entlassung, Meine Mutter konnte mich nur einmal im Krankenhaus besuchen, da fehlte das Geld, brachte mir dann auch noch die Nachricht mit das mein Vater gestürzt war und sich einen Oberschenkel Halsbruch zugezogen hatte und dieser wurde bei ihm als einer der ersten Patienten mit einem so genannten „Kürschnernagel“ im Lauenburger- Krankenhaus genagelt. Ich wusste damals zum Glück nicht wie gefährlich so ein Bruch in dem Alter ist, er war damals schon 72 Jahre alt und konnte sehr schwer laufen da er starkes Gelenkrheuma hatte, meine Mutter behandelte ihn als Ersatz fehlender Medikamente mit frisch gepflückten Brennnesseln, indem sie ihn damit regelmäßig abklopfte, es muss höllisch gebrannt haben war aber wohl besser zu ertragen als die Schmerzen. Jetzt weiter mit dem Krankenhausaufenthalt: Nach fast 3 Monaten gab uns eine junge Schwester ein Glas Bienenhonig, den sie von einer Mutter eines Mitpatienten erhalten hatte, mit einem Zettel als „Gebrauchsanweisung“: Jeden Tag kurz vor dem Abstrich in Wasser aufgelösten Bienenhonig durch die Nase! trinken und runterschlucken und zwar alle im Zimmer, nach etwas Übung klappte es auch und siehe da nach dem 3.ten Abstrich waren wir immer noch negativ und wurden bald darauf entlassen. Aber leider nicht wie erhofft nach Hause sondern „zur Erholung“ wieder in das Kinderheim, trotz Protestes bei den Ärzten, unsere Eltern meinten es ja nur gut mit uns! und über die Zustände im Heim wussten sie nichts, trotz der Karten die wir geschrieben hatten, denn die, in denen wir davon berichteten wurden von den Nonnen nicht weitergeleitet denn wie wir später erfuhren wurde unsere ganze Post gelesen und nur die ohne Hinweis auf die Zustände zur Post gegeben. Ich erfuhr das aber erst zu Hause das viele Karten nicht angekommen waren (Briefe durften wir übrigens nicht schreiben, im Nachhinein weiß ich auch warum. Es wurde damals aber nichts unternommen, das wäre heute zum Glück anders. Evtl. erinnert sich auch noch jemand an diese Zeit?
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Ingeborg Böhm aus Kassel schrieb am 25. Juni 2021
Ich war zweimal im Schwarzwald. An die erste Einrichtung kann ich mich nicht erinnern. Im Kindergarten wurde vom Gesundheitsamt bestimmt,mich zu verschicken(ich war nie ein dünnes Kind,ganz normal). Mit fünf Jahren(1961) für 6 Wochen von zu Hause weg. Ohne Lesen oder Schreiben zu können. Telefon hatten wir noch nicht. Die einzige Erinnerung besteht in einer großen Traurigkeit und Heimweh. Ich schloss mich auf der Toilette ein und simulierte mit meinen Händen,als würde ich an der Hand meines Vaters gehen. 6 Wochen Mast Kur. Das war das Ziel.
Das zweitemal traf es mich mit 9 Jahren. Königswinter, Frieda Klimm Stiftung.Erste Aktion:Schlange stehen und Entlausungsprozedur ,anschließend baden. Ich fand das beschämend. Ich konnte damals nichts Frühstücken,schon garnicht rosa Puddingsuppe. Daraufhin folgte die mehrmalige Androhung,ich würde ins Sanatorium verlegt. Das machte mir Angst.
Ich habe heute noch die kreischenden Motorsägen im Ohr,wenn wir zum Nachmittag auf einem Balkon,eingewickelt in Decken,ruhen mussten.
Ich sollte noch ein drittes mal verschickt werden.Da hatten sogar meine Eltern ein Einsehen und lehnten ab.
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Marlies Hilgeland aus Willich schrieb am 21. Juni 2021
Ich wurde gezwungen Milchsuppen zu essen,saß
stundenlang vor meinem Teller,allein im großen Ess-Saal.Ich habe heute noch den gleichen Ekel vor Milch wie damals
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Jutta Sternberg aus Wuppertal schrieb am 17. Juni 2021
Ich wurde 1959 im August für sechs Wochen zur Kur geschickt, da ich leber- und gallenkrank war. Ich durfte selbst wählen, wohin ich wollte. Entweder in den Schwarzwald oder nach Bad Sassendorf. Aufgrund von Märchen stellte ich mir den Schwarzwald so vor, wie er in Hänsel und Gretel vorkommt: riesig groß und entsetzlich dunkel. Ich hatte fürchterliche Angst davor, und so entschied ich mich für Bad Sassendorf. Es war unterm Strich die Hölle für mich. Aufgrund meiner Krankheit vertrug ich nur bestimmte Lebensmittel. Das Interessierte die „Tanten“ aber nicht. Ich musste alles essen, was auf den Tisch kam. Wenn ich mich in meinen Teller übergab, musste ich das Erbrochene zusammen mit dem Rest der Mittag- oder Abendbrotmajlzeit aufessen.
Jeden Abend mussten einige Betten aufgebaut werden, weil es sonst tagsüber zu eng im Schlafsaal war. Ich half einen Abend einem
Jungen beim Zusammenbau seines Bettes. Dabei ging das kaputt. Zur Strafe wurde ich eingesperrt.
Überhaupt wurden wir Kinder oft eingesperrt oder mussten uns mit dem Gesicht zur Wand vor eine solche stellen, wenn wir uns nicht ‚brav‘ verhielten. Ich wurde oft in einen von außen sehr gut einsehbaren Raum gesperrt. Ich habe mich dann immer furchtbar geschämt und versucht, mich z. B. hinter einem
Kasperletheater zu verstecken, das in diesem Raum stand, damit mich die anderen Kinder nicht sehen konnten.
An dem Tag, als ich sechs wurde, war die Kur beendet und ich fuhr wieder nach Hause. Ich wurde alleine in einen Zug gesetzt und mir wurde gesagt, wo ich in Wuppertal aussteigen musste.
Meinen Eltern fiel auf, dass ich sehr verängstigt war. Aber wie es in den 50er Jahren üblich war, glaubten sie mir nicht. Im Gegenteil, sie nutzten meine Angst aus, um mich mit der Drohung „Wenn Du nicht lieb bist, schicken wir dich wieder nach Sassendorf“, unter Druck zu setzen.
Seitdem habe ich nie wieder eine Kur antreten können.
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Anonym schrieb am 16. Juni 2021
Ich war im Jahr 1962 in Berchtesgaden kurheim Landhaus Schönsicht. Besionders verletzend empfand ich die Essensituation: Essen müssen was nicht ging und erbrochenes persönlich zu beseitigen..... Dunkles Treppenhaus in dem ich stehen musste wenn ich nicht aufgegessen habe und großer innererDruck und Angst. Ich hatte mindestens 5 Aufenthalte in verschiedenen Heimen - Berchtesgaden ist mir sehr belastend in Erinnerung.
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Anonym schrieb am 14. Juni 2021
Mein Mann und ich gehören auch zu den Verschickungskindern.

Wir mussten 6 Wochen zur Kur nach Wangerooge und können bestätigen, dass unser Willen durch Gewalt gebrochen wurde.
Wir waren 6 Jahre und mussten Essen was auf dem Tisch kam bis zum Erbrechen. Kinder die in der Mittagspauseeinen Muc ks von sich gaben wurden mit Schläge und Einsperren zur Ruhe gebracht.
Wir durften nicht mit unseren Eltern telefonieren und auch nur kontrollierte Karten nach Hause schreiben. Außerdem war wir in dem Glauben, dass das von unseren Elternso gewollt war. Kinder die ins Bett gemacht hatten, mussten darin schlafen.
Ich habe das erste mal mit meiner Mutter nach 25 Jahren über diese Kur gesprochen undihr vor geworfen, die Kur nie hinterfragt zu haben. Zur Antwort bekam ich, „Der Arzt hat das empfohlen und deshalb haben Papa und ich es für richtig gehalten.“
In der Schule ging es dann weiter. Ich hatte leider noch eine Klassenlehrerin, der die Hand ziemlich oft ausrutschte.
Die Klassenkameraden, die von ihren Eltern angehalten wurden Zuhause auf dem Hof zu helfen, anstatt lesen zu üben und ihre Hausaufgaben zu machen wurden regelmäßig geschlagen oder mussten in der Ecke stehen.
Meine Eltern sind auch mit Gewalt zu Disziplin gezwungen worden, deshalb kann man ihnen vielleicht auch keinen Vorwurf machen.
Ich hasse Gewalt und habe bis heute noch mit Ängsten zu kämpfen.
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Anonym schrieb am 14. Juni 2021
Es gab jeden Morgen Milchsuppe, die ich bis heute nicht essen kann. Die erste Milchsuppe habe ich erbrochen und sollte das Erbrochene essen, danach bin ich nach draußen gelaufen und habe dort erneut gebrochen. Für mich gab es dann nur noch sonntags Frühstück, da gab es Weißbrot mit Honig. So genau kann ich mich nicht an alles erinnern, aber ich hatte furchtbares Heimweh. Als wir mit dem Zug zurück kamen, hatten meine Eltern sich verspätet ( sie kamen mit dem BUS, hatten kein Auto und es hatte geschneit) ich saß alleine auf meinem Koffer in der Bahnhofshalle und dachte, ich werde nicht abgeholt. Ein Handy gab es damals noch nicht und meine Eltern konnten wohl telefonisch nicht erreicht werden, da sie ja bereits unterwegs waren. An mehr kann ich mich nicht erinnern, aber meine Mutter hat immer gesagt, wenn sie das alles gewusst hätte, hätte sie mich nicht zur Kur geschickt
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Greta aus Köln schrieb am 13. Juni 2021
Hallo ... ich war ebenfalls ( wie Katharina) im Haus Schuppenhörnle im Schwarzwald zur Kinderverschickung ....für elende nicht enden wollende 6 Wochen.
Erst durch den Bericht kürzlich konnte ich das meinige Schicksal mit vielen verdrängten Eindrücken aus dieser traurigen Zeit verknüpfen.
Drill .. ob das tägliche Betten machen mit korrekter Kellerfalte im Bettlaken( gab Belohnung für den perfekten Kniff ) oder die Qual der Essenzeit.. ich sollte, da ich zu dünn war ...Kalorien zu legen. Da ich nie gerne Wurst und Fleisch essen mochte ...war das die Hölle für mich ... neben mir saß allerdings (in fester Sitzordnung ) ein Mädchen das abnehmen sollte ... sie nahm die Wurst und das Fleisch ... in unbeobachteten Momenten.
In meiner Erinnerung war ich jedesmal sehr zittrig und froh gewesen, dass wir nicht entdeckt wurden.
Meine Erinnerung an die Dachboden SchlafsaalSituation ist auch sehr nachhaltig.., noch heute denke ich oft darüber nach ....wie gemein und hinterhältig die Schlafsaal Betreuung ablief ... dass war schon Tricky ... und hat ständig Heimweh- Weinanfälle ausgelöst.
Es wurden Rätsel gestellt für z. B. um sein Päckchen von der Mama oder von den Großeltern zu erhalten ... nur Pech wenn man das Rätsel vor lauter Angst und Aufregung nicht lösen konnte ... Pech ... dann blieb es noch einen oder zwei Tage länger unter Verschluss ... so dauerte es dann bis ich meinen geliebten Teddy in den Arm nehmen konnte. Das Rätsel wurde natürlich auf Kosten der Kinder gelöst um so mehr zerriss es mir & und den anderen Leidensgefährten das Herz.
Es gibt noch einiges in meiner Verdrängung der Erinnerung ... .. Ungerechtigkeiten die seelischer Natur waren ... mir & anderen Kindern gegenüber. Es wurde mit den Gefühlen ungespielt und die Stränge stand immer vor Freundlichkeit des Betreuers ...
Seitdem ist es mir immer ein großes Anliegen gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen ... Sprachrohr sein für die die nicht für sich einstehen können ...
...
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Anonym schrieb am 13. Juni 2021
Es ist schon lange her heute bin ich 72 Jahre aber noch heute im Rückblick war es furchtbar. Anreise mit dem Zug, der Bahnhof ca.2km vom Heim entfernt. Alle Taschen und Koffer auf einen Pferdekarren und dann Fußmarsch. Bei der Ankunft mussten wir uns erst einmal ausziehen und wurden dann sortiert wer in die Große oder kleine Gruppe kommt.
Ich war bei den kleinen, ich kam ja wegen schlechter Ernährung dahin und sollte in 6 Wochen aufgepäppelt werden.
Es musste immer alles gegessen werden auch wenn man sich übergeben musste. Danach ging es in den Schlafsaal zum Mittagsschlaf. Es gab dort Sprechverbot. Hat sich jemand nicht daran gehalten dann gab es Ohrfeigen genau so wenn man eingenässt hatte. Hatte sich aber ein Kind eingekotet dann wurde er im Waschraum mit einen Gummischlauch abgespritzt. Es ar natürlich kaltes Wasser. Ist mir zum Glück nicht passiert aber ich habe es gesehen. Dafür habe ich wegen anderer Nichtigkeiten oft genug Ohrfeigen von den Nonnen bekommen. Vieles habe ich inzwischen verdrängt, aber als Kind ständig in Angst zu leben war wirklich nicht schön
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Kips Johanna aus Hennef schrieb am 13. Juni 2021
Ich würde am 7.1.66 nach Bonndorf Schwarzwald ins Heim Johnen verschickt.
Angeblich war ich nicht schulreif. Ich war 6 Jahre alt.
Ich musste aufessen, auch wenn ich es nicht mochte. Milchreis mit Zimt kann ich seit dem nicht essen. Zur Bestrafung (wofür auch immer) musste ich mit dem Gesicht zur Wand stehen. Alle anderen Kinder gingen an mir vorbei in den Saal zum Essen. Immer wieder standen auch andere Kinder dort. Ich hatte Heimweh.
Die Folge des Aufenthalts, ich kaute an meinen Fingernägeln und das Jahre lang. Heute passiert es auch schon einmal, dass meine Nägel bei zu viel Stress dran glauben
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Markus Brink schrieb am 13. Juni 2021
Im Vorschulalter wurde ich für 6 Wochen an den Timmendorfer Strand verschickt. Ich war zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt. Trinkflasche um den Hals, ab in den Zug. Meinem jungen Alter geschuldet kann ich mich an die Dinge nur noch rudimentär erinnern. Es waren die schlimmsten Wochen in meinem Leben. Das Heim war Nonnengeführt. Ich habe in einem 50 Personen Schlafsaal mehr oder weniger geschlafen. Es gab Spinde; jeden Abend gab es antreten vor den Spinden. Und: Zwangswiegen. Ich musste zunehmen und das wurde akribisch kontrolliert. Auch wurde mir angedroht; wenn ich zunehme müsse ich länger bleiben was zu einem Essen bis zum Erbrechen geführt hat. Es gab in den 6 Wochen keinerlei Kontakt zu meinen Eltern. Man war total isoliert und das in dem Alter in dem ich nicht wusste, ob ich ev. oder kath. war. Es war schlimm. Ich darf nicht an die Wochen zurückdenken und versuche natürlich zu verdrängen. Was natürlich passiert. Der Schaden der Seele ist allerdings nicht messbar. Er begleitet mich durch mein ganzes Leben.
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mikelthebikel aus Köln schrieb am 13. Juni 2021
Das war unmöglich - Es musste das ekelhafteste Essen (billigste, stinkende) Leberwurst aufgegessen werden. Zur damaligen Zeit habe ich kein Fleisch gegessen, sondern habe versucht, dieses hinten wie ein Hamster zu bunkern. Das konnte ich dann ins Klo spucken - leider wurde das ganz schnell entdeckt, also musste es heruntergeschluckt werden und (wenigstens nicht das vom Klo) das ausgebrochene (sic) wurde wieder aufgetischt.
Wir konnten uns nicht wehren - es glaubte auch keiner!
Bis zum Alter von 35 verursachte mir allein der Geruch von Leberwurst einen extremen Brechreiz.
Sicher und geborgen habe ich mich seit dieser Zeit nie mehr gefühlt - Vertrauen in andere Menschen - nie mehr
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Frau Anne Goebel aus Bonn schrieb am 13. Juni 2021
Ich wurde auf meinen nackten Po geschlagen und zwei Stunden in den Waschraum gesperrt.
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Anonym schrieb am 7. Juni 2021
Ich wurde als 5-Jährige sechs Wochen lang nach Sylt geschickt, da mir von der Kinderärztin Übergewichtigkeit attestiert worden war. In dem Heim herrschte ein beklemmendes Klima. Insbesondere bei der Zubettgeh-Zeit wurden Kinder mit Heimweh geschlagen, bis sie Ruhe gaben. Nach wenigen Tagen reichte meist die Drohung oder das Hören von Schlägen aus Nachbarzimmern, um gar nicht erst zu zeigen, wie man sich fühlte. Tagsüber wurde ich neben Kinder gesetzt, die zum Aufpäppeln da waren. Sie hatten randvolle Teller, meiner war höchst spärlich belegt. Entsprechende Kommentare der Betreuer machten mir klar, dass es meine Schuld war, dass dies so war. Nachdem sich ein Kind beim Toben den Arm gebrochen hatte, war allen anderen für die restliche Zeit Toben unter Strafandrohung verboten. Ich habe viel aus dieser Zeit verdrängt. Nach Hause "schreiben" ging nur, indem man einem Betreuer in die Feder diktierte. So war es unmöglich, das Erlebte den Eltern zu schildern.
Ich habe nie wieder Heimweh gehabt irgendwo, weil es nirgendwo annähernd so schlimm gewesen ist wie dort. Wenn ich Sylt höre, habe ich noch heute ein beklemmendes Gefühl.
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Andreas aus Bremen schrieb am 3. Juni 2021
Ich habe lange überlegt, ob ich öffentlich darüber schreibe aber ich denke, es gehört ein bisschen zu meiner Aufarbeitung.

In sämtlichen Berichten wurde immer nur bis in die 70er erzählt allerdings hat man die Ausläufer bis in die 80er zu spüren bekommen. Allerdings muss ich sagen, die Qual war zuvor wesentlich schlimmer, wie ich in Berichten gesehen habe.

Ich war selbst 1983 mit 8 Jahren 6 Wochen auf der Insel Borkum im Adolfinenheim untergebracht.

Ich habe über das Thema mit meinen Eltern gesprochen und ein paar Freunde habe ich da auch eingeweiht, allerdings habe ich immer nur bruchstückhaft darüber gesprochen.
Ich habe in den letzten Jahren in Foren recherchiert und mit Leidensgenossen gesprochen um zu erfahren, ob mich meine Erinnerungen nicht doch trüben aber ich habe von allen die gleichen Erfahrungen berichtet bekommen.

Nach nunmehr 38 Jahren habe ich mich dazu entschieden, alles soweit aufzuarbeiten, was damals passiert ist und besuche demnächst das erste Mal diese Insel wieder.

Wir waren 6 Wochen dort, getrennt von den Eltern. Es waren dort Zustände, die sich keiner ausmalen mag.
Die Erzieherinnen dort, waren herzlos, streng und haben nur mit Bestrafung gearbeitet.
Das Essen war grausam und man musste so lange sitzen bleiben, bis man aufgegessen hatte und wenn es den ganzen Nachmittag, Abend etc. gedauert hat.
Wir mussten Mittagsschlaf halten und wer Heimweh hatte, wurde bestraft. Wie oft habe ich im Bett gelegen und geweint, weil ich nach Hause wollte. Ich wurde zur Strafe in den Aufenthaltsraum gesetzt und musste den Rest der Nacht auf einem Holzstuhl sitzen.
Unsere Gruppenleiterin, weiter "Alte Hexe" genannt, patrouillierte nachts durch die Gänge, um zu schauen, ob auch alle schlafen und im Bett blieben.
Briefe durften wir nicht selbst schreiben, obwohl ich schon schreiben konnte. Die Inhalte haben sich immer wiederholt, mir gefällt es dort, es ist wunderschön und was wir alles erlebt haben.
Erhaltene Briefe wurden vorweg gelesen, Pakete geöffnet und dort enthaltene Süßigkeiten an die Allgemeinheit verteilt.

In den vielen Berichten, die ich gesehen habe, wurden vor meiner Zeit Kinder dort misshandelt und geschlagen. Ich kann mich daran nicht erinnern, ob die das mit uns auch gemacht haben. Ich glaube es zwar nicht oder ich habe es verdrängt.

Bei uns im Zimmer hatten wir einen, der fast jede Nacht ins Bett gemacht hat, wofür er jedes Mal bestraft wurde. Ein mal war es mehr als nur Flüssigkeit. Die alte Hexe, die dort das Regiment geführt hat, hatte ihn an einem Bein aus dem Zimmer gezerrt und er wurde von zwei Betreuerinnen eiskalt abgeduscht. Wir Kinder standen alle drum herum und haben ihn ausgelacht. Heute glaube ich, dass es auch so gewollt war, um ihm das Gefühl zu vermitteln, wie peinlich das ist.
Der arme Kerl hat geschrien wie am Spieß, als die ihn eiskalt abgeduscht hatten. Ich höre das Geschrei immer noch.
Ich fürchte, der hat sein Leben lang ein Trauma. Ich allerdings auch.

Heutzutage habe ich das Gefühl, ich habe damals einen Blick in die Hölle geworfen.

Nach 38 Jahren werde ich ende Juni das erste Mal wieder zum Ort des Schreckens zurückkehren. Einerseits ist mir etwas mulmig, weil ich angst habe, dass Verdrängtes zum vor scheinen kommt andererseits bin ich aber auch bereit, mich dem zu stellen und denke, ich werde einen Abschluss bzw. meinen Seelenfrieden finden.

Ich weiß, das dass Heim nicht mehr existiert. Es ist vor ein paar Jahren abgebrannt. Ein Schelm der Böses dabei denkt 🙂
Einerseits schade, ich hätte es gern noch mal gesehen andererseits bin ich froh, dass dieser Ort des Schreckens nicht mehr da ist.

Ich habe einige Jahre danach erst meinen Eltern von dem erzählen können. Habe ich so lange gebraucht aus Scham? Oder weil ich angst hatte, keiner würde mir glauben? Ich weiß es nicht.

Warum mache ich das jetzt öffentlich? Um denen Mut zu geben, die ggf´s das Gleiche erlebt haben und sich selbst nicht trauen, darüber zu sprechen und um ihnen zu sagen, JA es war so, das habt ihr euch nicht eingebildet.

Ein ARD Bericht beschreibt die ganze Geschichte der Verschickungskinder, ich habe "nur" die Ausläufer mitbekommen und es war lange nicht so schlimm, wie es meine Vorgänger abbekommen haben, zumindest glaube ich das oder ich habe einiges verdrängt.
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ilzite aus stuttgart schrieb am 29. Mai 2021
ich kam als 5jährige nach kirchheim an der jagst.(AWO KINDERERHOLUNG) ich erinnere mich wir kinder bekamen oft s.g. lichtduschen waren splitternackt und die augenschutzbrillen kratzen schrecklich. ich weinte einmal und wurde geschlagen. es waren s. g. tanten meistens nonnen, grob,unfreundlich, angsteinflössend. mittagsschlaf wurde angeordnet, ohne mucks. zum essen gab es oft spinat den mochte ich gar nicht. ich würgte den hinunter, denn schon damals spürte ich besser den zu essen sonst geschieht schlimmes. zum trinken jeden tag pfefferminztee, den trinke ich seither gar nicht. bei den untersuchungen wurden wir oft gewogen, mir viel ein arzt auf der schaute immer, brutal, und grimmig und bösartig uns kinder an und griff uns immer heftig an den armen dass es wehtat.. ich hörte oft im grossen schlafsaal andere weinen, danach kamen die nonnen s.g. tanten herein und zogen einige kinder aus den betten. die kamen völlig verängstigt zurück und weinten nicht mehr. Prolog- als ich 2012 im krankenhaus lag wegen schwerer Lungenentzündung, hatte ich eine nachtschwester die mich an diese nonnen erinnerte, ich hatte immer angst als diese dienst hatte. ich wusste ich war ihr hilflos ausgeliefert und klingelte nie nach ihr. ( klar- das ist mein kindheitstrauma!!!) als ich damals nach der "supererholsamen" AWO Kur nach hause kam weinte ich nachts sehr viel und war ängstlich. ich erzählte niemanden davon, bis ich erst jetzt auf die verschickungskinder gestossen bin, kam meine erinnerung zurück.
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Anonym schrieb am 15. Mai 2021
Im August/September 1974, die 6 Wochen nach den Sommerferien nach Beirawies/Schwarzwald verschickt.

Das ‚Kurheim‘ war damals an den Hochtaunuskreis verpachtet und von dort kam ich.

Meine alleinerziehende Mutter hatte kurz vorher einen „Nervenzusammenbruch“ – wie es damals hieß und war das voll „igitt“: über so etwas sprach man damals nicht – und ich musste wohl irgendwie aus den „Füßen“, damit sich die Erwachsenen ein bisschen sortieren konnten.
Ich war und bin es auch heute noch: „ein Strich in der Landschaft“ und so bot es sich an, mich auf die „Kur zu schicken“ …
Viele andere haben es schon berichtet: die verzweifelten Briefe nach Hause wurden kassiert und nur solche a la „mir geht es gut, wie geht es Euch?“ zugelassen – solche Briefe mussten aber wöchentlich geschrieben werden.

Ich wollte nur wissen, was mit meiner Mutter wirklich los war, darüber gab es keine Auskünfte. Ich wurde nach meinem ersten Brief zur Heimleiterin ‚gebeten‘, die mir mitteilte, dass sie mit meinem Onkel gesprochen habe, es meiner Mutter soweit gut ginge, ich aber weder jetzt noch in absehbarer Zeit wieder mit meiner Mutter zusammenleben können. Im Übrigen dürfe ich meine Mutter überhaupt nicht danach fragen, was los ist. Warum durfte ich weder mit meiner Mutter, noch mit meinem Onkel direkt reden?

Ich wurde in der Zeit des Aufenthaltes 12 Jahre alt. Wahrscheinlich gab es eine kleine Aufmerksamkeit bzgl. meines Geburtstags – ich erinnere mich nicht!

Meine österreichige Tante hat damals angefangen mir so etwas wie „Care Pakete“ zu schicken: mit allerlei, vom Mund abgesparten, Süßigkeiten drin. Ich habe nur einen Teil des Inhalts bekommen – die edelsten Sachen waren schon weg, Einen Großteil musste ich wahllos verteilen, ein bisschen verblieb mir und meinen Freunden

Einige Zeit danach fragte meine Tante, was ich bekommen hatte – ich antworte wahrheitsgemäß – alles blieb ohne Folgen.

Im Speisesaal waren ‚Große und Kleine‘ und ‚Dicke und Dünne‘ gemischt.

Das einige Konzept die ‚Dicken‘ abzuspecken und die ‚Dünnen‘ aufzupäppeln bestand daran, die Einen auf ‚FDH‘ und die anderen auf ‚doppelte Portion‘ zu setzen. Viele der Dickeren sind hungrig aufgestanden. Die Dünneren haben die Speisen in sich hineingewürgt. Ein paar Mal habe ich es geschafft, meinen übervollen Teller unbemerkt an meine Nachbarin weiter zu geben. Ein paar mehr musste ich aber noch größere Portionen in mich hineinschaufeln.

Ich war ursprünglich nach vorne raus, in einem wahrscheinlich 6 Bettzimmer untergebracht. Wie die Kleinen habe ich jede Nach in den Schlaf geheult. Nun, ich war damals schon inmitten der Pubertät und habe in der Zeit meine „Tage“ bekommen. Unvorbereitet wie ich war, musste einige Beweise vorlegen, um an selbstbezahlte Hygieneartikel zu kommen. Danach durfte ich in ein 4-Bett Zimmer nach links raus umziehen und wurde auch ein bisschen freundlicher behandelt

Nichtsdestotrotz wurden wir zur Körperpflege einfach in einem großen Waschraum zusammengetrieben.

Ich hatte damals schon die „Anwandlung“, dass die Leute, die uns das antun, auch bereit waren, Männer/Frauen/Kinder jüdischen oder muslimischen Glaubens bis zum Tod zu schikanieren.

Gibt es LeidensgenossenInnen?
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Anonym schrieb am 14. Mai 2021
Ich war wegen Tuberkulose fast 22 Monate in der Kinderheilstätte Aprath in Wülfrath. Eltern durften mich alle 2-3 Monate besuchen. Ich wurde mit ca. 3 Jahren von einer Frau vom Gesundheitsamt, abends zuhause abgeholt. Sie sagte, sie zeigt mir draußen, beim Autofahren die Lichter und bringt mich gleich zurück! Ich erinnere mich an die Autofahrt und die Lichter im Dunklen. An die Ankunft und Aufnahme habe ich keine Erinnerung. Ich erinnere ich mich an den großen Schlafsaal. Und dass ich nicht Essen wollte und ich deshalb beschimpft und geschlagen wurde. Ich habe auch wieder in die Hose bzw.Bett genässt und musste dann lange auf einen Topf sitzen. Wenn ich weinte wurde ich geschlagen und beschimpft. Wenn meine Eltern zu Besuch kamen, dachte ich sie holen mich endlich ab. Wenn sie nach 2 Stunden gehen mussten, habe ich gedacht sie gehen für immer weg und ich schrie und weinte. Dann haben sie mich geschlagen und mir die Geschenke weggenommen. Sie sagten, dass mich niemand mehr mag, weil ich böses Kind sei und ich keine Geschenke verdiene. Dann wurden die Süßigkeiten an die anderen Kinder verteilt und ich bekam nichts. Mein Teddy wurde mir auch weggenommen. Wenn ich nicht ins Bett machen, alles aufessen und nicht mehr weine, würde ich ihn zurück bekommen..Ich habe ihn nicht mehr zurückbekommen. Da ich immer schwächer wurde, wurde der Aufenthalt ständig verlängert. Nach einem halben Jahre erkannte ich meine Eltern nicht mehr und sagte Tante und Onkel zu Ihnen und wollte aber trotzdem immer mit Ihnen nachhause..nur weg von da! Zuhause habe ich kaum gesprochen und musste immer in der Nähe meiner Mutter oder Vater sein. Sobald meine Mutter z. Bsp nur kurz in den Garten ging, hatte ich Panik, dass ihr etwas zustößt und sie nie wieder kommt. Ich habe jahrelang kaum essen wollen und war sehr untergewichtig, obwohl ich gesund war. In der Pubertät war ich Magersüchtig und Suizid gefährdet. Verlassensängste und Bindungsängste begleiteten mich mein ganzes Leben. Sowie wiederkehrende Depressionen und Ängste vor Ärzten bzw. Krankenhäuser. Da ich nur Bruchstücke meiner Erinnerung später geschildert hatte, haben meine Eltern es nicht wirklich glauben können. Meine 13 Jahre ältere Halbschwester beschimpfte mich als Kind oft, weil ich weinte wenn meine Mutter kurz wegging und sagte dann, ich würde nur Aufmerksamkeit erregen wollen oder ich würde nur spinnen! Meine Erlebnisse wurden weiterhin totgeschwiegen. Gestern teilte ich meiner Halbschwester mit, dass es nun aufgearbeitet wird und ich mich dadurch besser fühle. Sie sagte, dass sie das Thema nicht interessiert und sie nichts davon hören will und, dass sie weiterhin nichts von alledem glaubt!!! Dass war wie ein Schlag in mein Gesicht!!Aber meine Freunde und Therapeutin stehen zu mir und die Gewissheit, dass ich nicht allein bin mit diesen Erfahrungen! Ich wünsche mir sehr, dass jemand, der auch in Aprath war, seine Erfahrungen mitteilt, damit vielleicht meine Puzzle Stücke der Erinnerung ein vollständiges Bild ergeben und ich weis, dass ich keine Spinnerin oder ähnliches bin. Alles Liebe und viel Kraft an Alle.
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Anonym schrieb am 5. Mai 2021
Epilog:
Mit 4 Jahren wurden mir Mandeln und Polypen entfernt. Dafür war ich 3 Wochen im Krankenhaus. Meine Mutter durfte mich an Werktagen (Mo-Fr) für jeweils eine Stunde besuchen. Das war eine der ersten traumatischen Erfahrungen mit Heimweh und Verlassensein in meinem Leben.

Kinderkur:
Im Jahr 1976 oder 1977 wurde ich für sechs Wochen ins Kloster Langweiler (Marienhöh, 55758 Lanweiler) zur Kinderkur verschickt. Ich war damals 5 oder 6 Jahre alt und mein Kinderarzt fand mich zu dünn. Eine Kur würde mich aufpäppeln und wäre eine gute Erholung, bevor ich in die Schule käme.

Meine Mutter meinte zwar, dass auch sie und ihre Schwestern als Kinder eher dünn waren, es also in der Familie liege, dass ich nicht allzuviel wiege. Jedoch erinnerte sie sich an ihre eigene Kinderlandverschickung nach Bayerisch Gmain, was sie als unheimlich schön empfunden und in Erinnerung behalten hatte. Daher stimmte sie zu - um mir etwas Gutes zu tun.

Ich erinnere mich an Listen, auf denen mein Gepäck vermerkt war, dass ich mitbringen sollte und dass meine Eltern eine Trinkflasche zum Umhängen besorgten, hunderte von Schildchen in jedes Wäschestück einnähten und ich so auf "die schöne Reise" vorbereitet wurde. In meiner Erinnerung stand ich dem Ganzen zu dem Zeitpunkt neutral gegenüber, also weder Vorfreude noch Angst.

Die Hinreise geschah mit der Bahn. Ich erinnere mich daran, mit mehreren Kindern in einem Abteil gesessen zu haben. Ich meine, dort saß auch eine Betreuungsperson. Bei der Hälfte der Fahrt bekam ich furchtbaren Durst. Ich sagte das und bekam als Antwort, dass ich meine Spucke sammeln solle und sie dann schlucke. Das würde gegen den Durst helfen. Hat nicht funktioniert. Nochmaliges Fragen nach einem Getränk wurde überhört.

Im Kurheim wurden wir in einem Randgebäude untergebracht. Hier wurden die "Kleinkindergruppen" betreut. Es war ein zweigeschossiger Flachbau mit einem abschüssigen Wiesengrundstück hinter dem Haus. Auf der Wiese verbrachten wir bei schönem Wetter die Nachmittagspause. Unsere Schlafzimmer, der Aufenthaltsraum und die Duschen/Toiletten befanden sich im ersten OG.. Meinen Schlafraum teilte ich mir mit mindestens drei anderen Kindern, ich erinnere mich jedoch nicht mehr genau. Direkt neben unserem Zimmer befand sich der Aufenthaltsraum, in die andere Richtung ging es zu den Toiletten.

Der Tagesablauf war fast jeden Tag der selbe. Wir wurden geweckt und die Betreuer (Nonnen und (?)Mädchen aus dem Dorf) legten uns die Kleidung heraus, während wir im Bad waren. Danach gingen wir in den Aufenthaltsraum, wo wir zusammen beten mussten. Wir wurden dazu um eine Marienfigur geschahrt und lernten verschiedene Mariengebete. Dann bekamen wir unser Frühstück, danach gingen ein oder zwei Mädchen mit uns Spazieren. Danach gab es Mittagessen und einen Mittagsschlaf. Nach dem Mittagsschlaf versammelten wir uns erneut um die Marienfigur, um zu beten. Danach gab es Streuselkuchen mit rotem Tee. Bei gutem Wetter schloss sich eine "Pause" auf dem Wiesengrundstück hinter dem Haus an. Bei schlechtem Wetter blieben wir im Aufenthaltsraum. Dort konnten wir entweder malen, mit Bauklötzen oder mit Stofftieren spielen. Als letztes das Abendessen, ein weiteres Gebet und danach das Zubettgehen.

Das alles war für mich ungewohnt und ich fühlte mich durchgehen sehr unwohl und alleine. Kleidung hatte ich mir zu Hause immer selber heraussuchen dürfen. Auch habe ich damals schon selber entschieden, ob ich Kleidung als dreckig ansehe und deshalb nicht noch einmal anziehen würde. Hier wurde das für mich bestimmt und ich durfte auch nicht widersprechen. Ich erinnere mich, dass ich mich manchmal für die fleckige Kleidung geschämt habe, in der ich nun herumlief.

Auch die Fingernägel wurden uns geschnitten. Das machte ich zu diesem Zeitpunkt zu Hause schon selber, da es weniger wehtat, als wenn es jemand für mich machte. Durfte ich nicht. Dafür erduldete ich jetzt Schmerzen, wenn das weniger feinfühlig geschah.

Auch habe ich mir meine Essensportionen immer selber genommen, da wir zu Hause die Abmachung hatten, dass wir lieber nachnehmen sollten, anstatt etwas übrig zu lassen. Hier wurden mir die Portionen vorgesetzt und ich musste sie aufessen. Das galt sowohl für die Menge als auch für des "was". Die Portionen waren mir viel zu groß. Aber ich sollte ja zunehmen. Daher wurde mir während jeder Mahlzeit schlecht und ich hatte den Eindruck, ich bekomme nichts mehr hinein. Auch gab es immer wieder Speisen, die ich nicht mochte, z.B. abends die Scheiben Brot mit Teewurst. Fand ich vorher schon ekelig, danach habe ich sie gehasst: Haarige Pampe, die mich an Ohrschmalz erinnerte! Bis nicht alles aufgegessen war, durfte ich nicht aufstehen. Nach jeder Mahlzeit saßen also ein Häuflein heulender Kinder vor ihren Tellern. Wir wurden so lange beschimpft, bei wir fertig waren.

Die Mädchen aus dem Dorf haben vermutlich ihr Taschengeld aufgebessert. Jedenfalls hatten sie vermutlich keine pädagogische Ausbildung. Sie gingen den Nonnen zur Hand und nahmen uns zum Spazierengehen mit. Eines der Mädchen hat dabei immer Gruselgeschichten erzählt. Jedenfalls wurde ich immer verängstigter. Für ein Kind unverständliche Szenarien wie "ein Meteroid schlägt ein und die Erde kippt um" geisterten dann im meinem Kopf herum. Ich kann nicht mehr sagen, was genau ich gehört hatte und was ich mir vorstellte. Jedenfalls weinte ich mich seitdem aus Angst, dass wir vom Meteroiden getroffen würden, in den Schlaf.

Ein anderes Mädchen fand im Wald einen Salzblock, der als Leckstein für das Wild ausgelegt worden war. Sie erklärte uns, was das ist, brach einige Stückchen heraus und gab sie uns zum probieren. Wieder zu Hause, wurde sie dafür zuerst von den Nonnen ausgeschimpft, weil wir jetzt alle die Tollwut hätten. Dann wurde der Kurarzt gerufen, der das ebenfalls mit den Nonnen und dem Mädchen aufgeregt besprach und überlegte, was nun zu tun sei. Wir Kinder standen verängstigt daneben, alle haben geweint. Der Arzt entschied, dass wir alle zur Toilette gehen sollten, damit wir das Salz und die Erreger wieder ausscheiden. Ich konnte jedoch nicht und war so verzweifelt, weil ich dachte, dann muss ich sterben. Als ich nicht zu weinen aufhören konnte, wurde ich dafür gescholten. Ich versuchte zu erklären, wovor ich Angst habe, wurde aber nicht ernst genommen. So fürchtete ich mich in den folgenden Wochen, Tollwut zu bekommen und zu sterben.

Die Spaziergänge waren ansonsten langweilig und freudlos. Ich war meistens traurig, die Mädchen oft unfreundlich.

Ich hatte oft Heimweh, jedoch wurde jeder Kontakt nach Hause unterbunden. Als ich meine Mutter einmal besonders vermisste, saß ich schluchzend beim Mittagessen und bekam keinen Bissen herunter. Die Nonne, die uns beaufsichtigte, schimpfte, ich solle zu weinen aufhören und essen. Als ich das nicht sofort tat, wurde ich mit meinem Teller auf Klo gezerrt, wo ich den Rest der Mahlzeit verbringen musste. Irgendwann setzte sich die Nonne dann zu mir und fragte, warum ich weine. Ich sagte, weil ich meine Mama so sehr vermisse. Und sie sagte: "Ich bin jetzt deine Mutter." Ich war fortan überzeugt, nie wieder nach Hause zu kommen.

Schlafengehe: Wir mussten uns mit dem Gesicht zur Wand drehen. Wer sich in Richtung Raum drehte, wurde ausgeschimpft. Das war für mich neu und ein Eingriff in meine Freiheit. Einige Kinder nässten ein (ich zum Glück nicht). Morgens wurden deren Matrazen zum Lüften auf den Flur gestellt - eine Blosstellung.

An einem Tag gab es einen Ausflug in einen Tierpark. Jedes Kind bekam ein Päckchen mit Tierfutter. Die Ziegen, die dort herumliefen waren daran gewöhnt. Einer Ziege ging es wohl nicht schnell genug. Jedenfalls biss sie mich in die Hand. Ich schrie. Daraufhin wurde ich ausgeschimpft und bekam das Futter abgenommen.

Einmal pro Woche wurden wir gewogen. Ich nahm jede Woche ein Kilo ab. Am Ende der Kur hatte ich Augenringe und sechs Kilo Gewicht verloren. Ich habe Vorher-/Nachher-Fotos, die mich immer noch erschrecken.

Der Sonntag war eine Abwechslung zum sonst (in meiner Erinnerung) immer gleichen Tagesablauf. Sonntags gingen wir nach dem Frühstück in die Klosterkapelle. Das war zwar auch langweilig und freudlos, aber es schimpfte niemand mit mir und ich musste auch nichts aufessen obwohl ich keinen Hunger hatte. In meiner Erinnerung waren die Kirchgänge die einzigen Lichtblicke. In der restlichen Zeit fühlte ich mich unwohler, unbehaglicher, trauriger, allein.

Auf der Rückfahrt bekamen wir einen Schokoriegel und unsere Trinkflasche mit Tee als Wegzehrung. Die Betreuerin verbot mir, den Rigel zu essen, weil ich auf der Hinfahrt ja so einen Durst bekommen hatte und sie das nicht noch einmal erleben wolle. So hatte ich auf der Rückfahrt Hunger.

Auf dem Bahnsteig wartete meine Familie. Als ich sie sah, fing ich an zu heulen und konnte mich nicht mehr beruhigen. Meine Eltern waren entsetzt mich so zu sehen. Ich wollte meine Mutter nicht mehr loslassen. Sie erzählt heute noch, dass ich in den Monaten danach nicht von ihrem Rockzipfel gewichen wäre.

Ich habe angefangen zu stottern. Ich habe die Ängste, die ich in der Kur entwickelt hatte, verinnerlicht. Besonders, wenn ich schlafen gehen sollte kamen die Ängste. Ich habe verzweifelt gebetet, so wie es uns die Nonnen beigebracht hatten. Wenn meine Eltern fragten, warum ich weine und nicht schlafen wollte, traute ich mich nicht von den Ängsten zu erzählen, weil ich "die Erde wird umkippen" nicht erklären konnte und auch die anderen difusen Ängste nicht. Ich sagte dann "Ich habe Bauchschmerzen". Deshalb brauchten mich auch meine Eltern oft zum Arzt, weil sie nicht mehr weiterwussten.

Wenn wir abends ins Bett gebracht worden und meine Eltern noch eine Runde spazieren gingen, war es furchtbar. Ich habe geweint von dem Moment, in dem sich die Haustür schloss, bis zu dem, wo sie zurückkamen. Und ebenfalls exessiv gebetet. Meine Angst war nie, sie könnten meinen Bruder und mich mutwillig verlassen, sondern ich habe mir unzählige Dinge ausgemalt, wie sie verunglücken und nicht zurückkommen können. Ich hatte immer die Angst, sie könnten unterwegs sterben.

Mein Selbstbewustsein war geschrumpft. Ich hatte zwar immer Freunde, jedoch wurde ich mit zunehmendem Alter zum Aussenseiter in der Schule. Widersprach mir jemand, begann ich an mir zu zweifeln. Ich musste Mobbingerfahrungen machen. Ich wurde mit 12 Jahren von einem Freund meiner Eltern missbraucht. Ich hatte als Jugendliche Depressionen. Ich hatte als Heranwachsende und junge Erwachsene unzählige problematische Beziehungen und Freundschaften. Ich hatte Kontakt mit Drogen und mit Sekten.

Inzwischen habe ich die dritte Psychotherapie hinter mir, entdecke jedoch immer wieder Baustellen, die ich direkt oder indirekt auf die Traumata in der Kindheit und Jugend zurückführe. Wäre ich nicht in Kur gefahren, wäre mein Leben anders verlaufen, da bin ich sicher.
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Anonym schrieb am 5. Mai 2021
Ich war schon 12 Jahre alt und nach damaliger ärztlicher Meinung zu dünn und zu blass. Ich lebte bei meiner Großmutter, die sicherlich einer sechswöchigen Erholungspause von mir nicht abgeneigt war. Somit ging es im November 1969 per Bus von Hamburg aus für sechs Wochen in das "Haus vor dem Süntel". Im Vordergrund dieser "Kur" stand, dass wir teilnehmenden Kinder unbedingt Gewicht zulegen sollten. Dafür wurde zum Frühstück Schokoladen- oder Vanillesuppe gereicht. Das Mittagessen war alles andere als kindgerecht. Unvergessen bleiben mir Grünkohl mit Kochwurst. Da ich es nicht herunterbekam, musste ich vor dem Speisesaal stehen und warten, bis es dann die Beschimpfungen durch die Betreuerin gab. Mit 12 Jahren hatte ich ein Heimweh wie nie zuvor. Natürlich habe ich nach Hause geschrieben, dass es mir dort nicht gefiele und ich starkes Heimweh hätte. Daraufhin wurde ich belehrt, dass ich so etwas nicht zu schreiben hätte. Mein Brief ist auch nie zu Hause angekommen. Man konnte auch nichts heimlich nach Hause schreiben, da wir erst zwei Tage vor Abfahrt einmal in die Stadt Hameln durften.
Nach dem Mittagessen gab es immer einen verordneten Mittagsschlaf und alle zwei Tage wurden wir gewogen - nur damit wir Gewicht zulegten. Zum Wiegen, Duschen usw. immer angetreten in Reihe in Unterhosen. Das war mir mit 12 Jahren auch sehr unangenehm. Verwandte hatten mir Comics in die Kur geschickt. Diese wurden durch die Betreuerin einfach einkassiert mit der Begründung, sie seien nicht gut für mich. Ich vermutete, dass sie sie selbst lesen wollte. Es gab auch Lichtblicke. Geländespiele und Kreistänze und dabei kleine Kontakte mit den Mädchen sind zu diesem Aufenthalt meine guten Erinnerungen. Der hauptsächliche Terror dieser "gesundheitsfördernden" Kurmaßnahme lag aber in den ständigen Themen Essen und Gewichtszunahme. Der Appetit war mir dort schon ziemlich vergangen. Der krönende Abschluss fand dann am letzten Tag vor versammelten Kindern und Betreuern im Speisesaal statt. Hier wurde der Erfolgsbericht der Kur verlesen: Der vermeintlich "Erste" hatte in den sechs Wochen neun Kilogramm zugenommen. Dann ging es weiter abwärts mit dem zugewonnenen Gewicht. Der letzte Zunehmer war natürlich ich mit 300 Gramm. Kommentar der Heimleiterin: "Das ist so viel wie zwei Brötchen". Mein Gott war mir das peinlich. Ich war dann sehr froh, wieder nach Hause zu kommen.
Dass es auch anders geht, konnte ich Anfang der 90er Jahre als Lehrkraft im "Kieler Kinderheim des DRK" in Wyk auf Föhr erfahren. Die Kinder wurden freundlich behandelt und es gab ein vielfältiges Freizeitangebot. Die Themen Essen und Gewicht gab es da für einige Kinder auch. Allerdings ging es hier nun wegen Übergewicht um das Abnehmen - ohne Terror.
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Heiko aus München schrieb am 2. Mai 2021
Unfassbar was uns damals von den Nonnen angetan wurde. Ich habe in meinem Leben nie wieder so viel Kälte und Menschverachtung erlebt, wie damals als 7 und 8-Jähriger in diesem Verschickungsheim. Ich war 2x einen ganzen Sommer dort. Die Kinder wurden regelrecht gebrochen. Noch heute schaudert es mich, wenn ich daran denke wie wir dort behandelt und seelisch missbraucht wurden. Alles kindliche war den Nonnen fremd. Wir waren nur Vieh. Ich bin kein gläubiger Mensch (vielleicht ja auch wegen meiner Erfahrungen mit der Kat.-Kirche dort) aber wenn es wirklich einen Himmel gibt, dann sind diese Nonnen dort bestimmt nicht anzutreffen.
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Müller Anita aus Üchtelhausen schrieb am 26. April 2021
MIT KNAPP 6 JAHREN KAM ICH WEGEN UNTERGEWICHT FÜR 6 WOCHEN IN EIN HEIM:AM BAHNHOF SW BAT MEINE MUTTER EINEN JUNGEN;(er konnte schon schreiben und lesen)SICH UM MICH ETWAS ZU KÜMMERN:SIE GAB IHM EINPAAR DM UND EINE TAFEL SCHOKOLADE (für Porto und Mühe)SEIN NAME WAR MARTIN UND ES WAR FÜR MICH EIN ;;RETTER;;:IN ALLEN NÖTEN FLITZTE ICH ZU IHM:AN MEINEM 6GEBURTSTAG WOLLTEN MICH MEINE ELTERN BESUCHEN:SIE WURDEN AN DER TÜR ABGEFERTIGT UND NICHT ZU MIR GELASSEN:SO IST MEIN GESCHENK MIT SÜSSIGKEITEN UND ????NICHT PERSÖNLICH ABGEGEBEN WORDEN:IN DER NACHT VOR MEINEM GEBURTSTAG HATTE ICH INS BETT GEPINKELT UND DESHALB ZUR STRAFE KEIN GESCHENK ERHALTEN: VOR ALLEN KINDERN IM ZIMMER WURDE ES GEÖFFNET UND GERECHT VERTEILT:ICH WEINTE BITTERLICH; EBENSO WENN ICH MICH ERGEBEN MUSSTE UND UNTER ZWANG MEINEN TELLER LEER ESSEN UND AUSLECKEN MUSSTE: NIE WÜRDE ICH EINEM KIND SO EINE KUR ZUMUTEN: MEINE ELTERN WAREN DAMALS ÜBER DIE KINDLICHEN SCHILDERUNgEN SEHR ENTSETZT:
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Agnes Menzel geb. Wolff aus 50968 Köln schrieb am 19. April 2021
Ich war 8 Jahre alt. Weil ich angeblich zu dünn war, wurde ich in das Kindererholungsheim Tutzing am Starnberer See geschickt. Der sechs wöchige Aufenthalt war traumatisch. Ich wurde zum Essen gezwungen und mußte immer wieder Gerichte aus gekochter Milch essen, die bei mir einen Brechreiz auslösten und noch immer auslösen.. Das Erbrochene mußte wieder gegessen werden. Wegen des Erbrechens gab es Ohrfeigen.

Der Tagesablauf bestand aus Spaziergängen und Bettruhe. Morgens gingen wir spazieren. Nach dem Mittagessen 2 Stunden Bettruhe. Danach wieder Spazierengehen und nach dem Abendessen , welches aus Milchsuppen bestand, dann die Nachtruhe. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es ein Spielzimmer oder Spielzeug gab.

Während der vielen Bettruhen gab es ein Toilettenproblem, da wir nicht aufstehen durfen. So wurden wir zu Bettnässern.

Beim offiziellen gemeinsamen Toillettengängen wurde für "Groß" zwei Blätter Toilettenpapier vergeben, für "Klein" gab es kein Toilettenpapier.

Insgesammt war die Betreuung lieblos und ich sehr traurig.

Rückblickend habe ich den Eindruck, dass die betreuenden "Fräuleins" keine pädagogische Ausbildung hatten.
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Anonym schrieb am 19. April 2021
Grund: angeblich Untergewicht und angeblich sog. Englische Krankheit
6 Wochen Aufenthalt
Erbrechen nach Spinat, Zwangsernährung im Krankenhaus, Einführung eines Schlauchs durch die Speiseröhre.
Kein Kontakt zu den Eltern.
Drei Wochen Schweigen nach der Rückkehr.
Spätfolgen: keine emotionale Bindung trotz Therapie
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Anonym schrieb am 14. April 2021
Ich war mit 9 Jahren im Verschickungsheim Bad Wildungen zur „Mastkur“, weil ich stark untergewichtig, und nach drei schweren Operationen sehr geschwächt war (Blinddarmdurchbruch und als Folge zweimal Darmverschluss). Ich erinnere mich nicht mehr an viele Details, aber einige Situationen habe ich sehr Bildhaft in Erinnerung.

Es begann damit das meine Eltern mir sagten ich müsste für vier Wochen zur Verschickung, weil der Arzt dazu geraten hat, ich wollte aber nicht. Ich musste und dann wurden daraus sechs Wochen und das wo ich schon soviel Zeit im Krankenhaus verbracht hatte, die Vorstellung war für mich schon der reinste Horror. Schon wieder weg von zu Hause und raus aus Bremen. Das Personal dort war unfreundlich und hasste Kinder, so war mein Eindruck, nichts liebevolles und einfühlsames ging von ihnen aus. Man musste parieren. Ich wurde in ein Zimmer mit Etagenbetten untergebracht, ich glaube wir waren zu viert.

Das schlimmste waren die Mahlzeiten mit dem, furchtbaren Essen und den riesigen Portionen. Ich mochte vieles nicht, musste aber trotzdem so lange sitzen bleiben bis ich aufgegessen hatte, auch wenn alle anderen Kinder schon gehen durften und mein Essen inzwischen kalt war. Es ging sogar soweit das ich mein Erbrochenes Essen musste.
Ich hatte jeden Tag Angst vor Bestrafungen und Demütigungen und schreckliches Heimweh. Ich weiß noch das ich bei einen Spaziergang abgehauen bin und mich im Wald versteckt habe, aber dann verließ mich der Mut, weil ich nicht wusste wohin und ich bin wieder zurück. Ich fühlte mich auch im Stich gelassen von meinen Eltern, sie hatten mir nicht geglaubt das es so schrecklich dort war.
Dann gab es noch ein anderes schlimmes Erlebnis während des Aufenthaltes. Ich wurde von anderen älteren Kindern nachts sexuell missbraucht. Davon habe ich meinen Eltern nicht berichtet.
Fazit: Ich bin nach dem Aufenthalt in Bad Wildungen dünner zurück gekommen als vor der Kur und war schwer traumatisierte.
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Anonym schrieb am 11. April 2021
Hallo zusammen,

auch Ich wurde im Rahmen einer Atemwegserkrankung/Asthma auf eine Kinderheilkur geschickt. Mich beschäftigt diese Situation sehr denn schöne Erinnerungen habe auch ich nicht. Ich kann mich an einen Raum erinnern, in dem wir Kinder nackt im Kreis gelaufen sind. Wir hatten kleine Schutzbrillen auf und es roch sehr komisch heute weiß ich, das es wohl das Ozon von der Höhensonne war . Wir Kinder stehen in einer Reihe und warten bis wir lieblos mit dem Schlauch abgeduscht werden. Am Morgen gerne auch mal mit kalten Wasser. Es muss zur Weihnachtszeit gewesen sein denn in meiner Erinnerung liegen im Speisesaal, Tannenzweige auf den Tischen . Und die Ostsee ist gefroren es muss sehr kalt gewesen sein. Ich weinte viel und wollte nicht an diesem Ort sein was zur Folge hatte, dass ich sehr oft von der Gruppe isoliert wurde und keine Post vorgelesen bekam. Ich hatte Angst im Dunkeln und machte ins Bett zur Strafe musste ich im Nachthemdchen , vor der Tür in der Kälte stehen. Es sind so Bilder in meinem Kopf wie z.b das ich im dunkeln allein im Speisesaal sitze und weine oder eben auch das ich keinen Sandmann mit der Gruppe zusammen ansehen durfte. Dann lag ich allein im Schlafsaal. Ich war damals 5. Jahre alt . Aber ich erinnere mich auch an etwas schönes, es gab einen Jungen mit dem ich mich anfreundete und er half mir regelmäßig die Monster unter meinem Bett zu vertreiben.
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Stefan aus 30179 Hannover schrieb am 4. April 2021
Ich wurde 1989 in das Kindererholungsheim Tarnewitz innerhalb der damaligen DDR verschickt.
Der Grund war das anraten durch Ärzte, da ich für meine Körpergröße zu wenig gewogen hatte.

Zum damaligen Zeitpunkt war ich 5 Jahre alt und ich kann mich bis heute nur an negativen Ereignissen erinnern.

(1) Ich wurde zum essen gezwungen, ich durfte nicht aufstehen, bevor nicht alles gegessen wurde, dies auch über eine sehr lange Zeit, ich kann mich daran erinnern, dass es meistens auch nicht geschmeckt hatte.

(2) Ich erinnere mich, dass wir alle zum Duschen gehen mussten, es wurden alle nebeneinander in einer Reihe aufgestellt, hinter uns war eine Frau die uns scharfes Haarwaschmittel auf den Kopf gab. Eine andere hat uns von vorne mit einem Wasserschlauch wie Schweine abgespritzt. Der ganze Schaum lief ins Gesicht. Ich erinnere mich, dass ich wie am Spieß geschrien habe. Die Augen brannten, der Wasserstrahl tat weh. Bis heute kann ich mir unter der Dusche keine Haare waschen.

(3) Ich erinnere mich, dass ich an einem Tag in Brennessel gefasst habe, weil ich meine brennende Hand in kalten Sand gesteckt habe, bekam ich Strafe. Für jedes kleine bisschen Vergehen, gab es immer sofort Strafe, beispielsweise ohne Essen sehr früh ins Bett, kein Sandmann gucken oder man wurde in Isolation gebracht, Spielverbot. Man wurde immer vor der gesamten Gruppe angeschrien und gedemütigt.

Einmal in der Woche wurden Briefe oder Postkarten von den Eltern vor gelesen, alle haben hierauf gespannt gewartet bis der eigene Brief oder die Karte vorgelesen wird. Mir wurde dann gesagt, dass es für freche Kinder keine Briefe gibt und mir auch entsprechend nichts geschrieben wurde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass meine Mutter damals innerhalb der 3 Wochen, ca 5x geschrieben hatte.

Ich erinnere mich, dass mir mein Kuscheltier weggenommen wurde, vor der Abfahrt habe ich es wieder bekommen. Insgesamt war ich dort sehr aggressiv, wobei ich sonst sehr ruhig und unauffällig war. Dies führte immer wieder zu weiteren Strafen, Isolationen und Verboten.

Fazit des gesamten Aufenthaltes: Ich hatte noch mehr abgenommen.
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Gäble Günther aus 87700 Memmingen schrieb am 4. April 2021
Im Westermannkindergartenin Memmingen wurde meiner Mutter wohl diese Kinderverschickung empfohlen, da sie es in dieser Zeit als Mutter etwas leichter hätte, mit einem Kind weniger Zuhause und vermutlich auch mit dem Hinweis, dass mir das gut tun würde. Ich vermute, dass ich zu diesem Vorhaben eingewilligt habe oder den Plan zumindest zur Kenntnis genommen habe.
So kam ich eines Tages auf diese Erholung nach Betzigau. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern aber manche Dinge haben sich doch bei mir eingeprägt. Wir waren in einem Mehrbettzimmer mit Stockbetten untergebracht. 6 Kinder in einem Zimmer, das könnte hinkommen. Es gab einen Garten mit einem Zaun außen herum, der an einen Wald angrenzte.Im Garten hielt ich mich gerne auf.
Ich habe diese Verschickungszeit nicht in bester Erinnerung, aber könnte mich auch nicht an Misshandlung erinnern. Heutigen freizeitpädagogischen Ansprüchen würde es vermutlich nicht genügen, aber ich hatte ja auch keine Vergleichsmöglichkeit und so war für mich der Aufenthalt, als etwas, das ich als "normal" eingestuft habe. Ich war eher ein passives Kind und mit Passivität habe ich die Zeit überstanden. Gut, ich habe schon an Zuhause gedacht, mich auch danach gesehnt, wieder nach Hause zu kommen, aber direkt unter Heimweh habe ich nicht gelitten.
Ich kann mich noch an eine Wanderung erinnern über Betzigau. Ich erinnerte mich, dass wir über dem Ort Betzigau waren .
So machte ich mich vor ca. 5 Jahren auf die Suche danach.
Ich habe es mit der Hilfe einer einheimischen Frau gefunden, die sich an das Kinderheim erinnern konnte. Sonst hätte ich keine Chancen gehabt, da es jetzt nicht mehr als solches genützt wird. Ich erinnere mach, dass wir einen Bettnässer im Zimmer hatten. Es gab auch einen Altersunterschied, manche Kinder waren bereits größer und manche noch kleiner. Zu den größeren gehörte ich nicht, eher zu den kleineren. An die Namen der anderen Kinder kann ich mich nicht mehr erinnern, bin auch in keinem Kontakt zu jemandem. Durch den Artikel in der Allgäuer Zeitung bin ich auf sie aufmerksam geworden und begrüßte ihre Aktion, als Möglichkeit, von dieser damaligen Zeit zu lesen und wie andere ehemalige Teilnehmer diesen Aufenthalt jetzt sehen und bewerten.
Meine Eltern wollten mich einmal besuchen und waren da. Wir Kinder haben gerade einen Film angeschaut und waren vor dem Fernsehgerät im Gemeinschaftszimmer gesessen. Die Verantwortlichen hielten es nicht für ratsam, dass meine Eltern mit mir zusammenkommen, da ich sonst mit ihnen nach Hause fahren wollte. Somit mussten sich meine Eltern damit begnügen, dass sie mich von draußen, vom Fenster aus sehen konnten, wie ich auf das Fernsehgerät schaute. Immerhin haben sie gesehen, dass ich lebe und nicht abgemagert bin. Das ist ja auch etwas wert!
Nach meinen 4 Wochen ging es wieder zurück nach Hause. An die Gefühle bei der Abreise kann ich mich nicht mehr erinnern, doch denke ich, dass es ein Gefühl der Aufbruchstimmung war.
In Memmingen angekommen und in meinem Elternhaus, war ich überglücklich wieder in meinem Garten zu sitzen und dort Gänseblümchen zu pflücken. Dieses Bild habe ich noch immer vor Augen.

Mein Vater erzählte manchmal vom Krieg und dass er in amerikanische Gefangenschaft geriet.
Als junger Bub sprach ich danach -teils im Scherz, teils Ernst- von meiner Gefangenschaft in Betzigau. Mit dieser humorvollen Betrachtungsweise habe ich diese Zeit, ohne Schäden -so hoffe ich zumindest-, überstehen und verarbeiten dürfen. Für irgendetwas wird die Zeit für mich -so hoffe ich- gut gewesen sein!? Ich will also in der Bewertung nicht zu kritisch sein. Ich war in einem zarten Alter, wo man vielleicht mit einer Verschickung noch ein paar Jahre warten hätte können!?
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Britta aus Köln schrieb am 29. März 2021
[i][b]Als 4jährige wurde ich wegen spastischer Bronchitis nach Scheidegg geschickt.
Wir nähen Names-Etiketten, weiß mit roter Schrift, in meine Kleidung.
Ich stehe mit meinen Eltern am Bahnsteig in Köln. Ich habe furchtbare Angst und klammere mich an meine Mutter. Als mein Vater mir einen Kuss zum Abschied geben will drehe ich mein Gesicht weg. Ich mache ihn für das Fortschicken verantwortlich.
In der "Anstalt" angekommen werden alle Mädchenkopftücher in einen großen großen Korb geworfen. Jedes Mädchen soll sich eines nehmen. Ich habe ein besonders schönes Tuch mit rosa Röschen, welches nun ein fremdes Mädchen trägt.
Ziemlich am Anfang mache ich nachts in mein Bett. Dafür werde ich im Schlafsaal von den Nonnen und Kindern verhöhnt. Mein Bettlaken wird nicht gewechselt. Auch meinen Schlüpfer muss ich tragen. Der ist durch den Urin hart und scheuert. Tage erinnert mich das schmutzige Bettlaken und der Schlüpfer an meine Untat. Ich weine mich immer in den Schlaf. Einem älteren Jungen geschieht das gleiche Malheur. Er muss sein Laken vom Bett abziehen und allen zeigen. Er wird schlimm geschimpft. Der Junge tut mir sehr leid. Ich fühle mit ihm. Seinen Schlafanzug und das Betttuch muss er selber in einem kleinen Waschbecken waschen.
Ich habe keinen Hunger. Trotzdem wird mir der ganze Teller mit vollen Löffeln hinein gezwungen und mit dem rauhen Daumen einer Nonne nach gestopft. Zusammen mit "Vitamintabletten" die bitter schmecken.
Es ist Frühling oder Frühsommer und ein Foto wird von mir gemacht. Ich muss mich vor einen blühenden Strauch stellen und mir wird ein kleiner Blumenstrauß in die Hand gedrückt. Das Bild ist für Deine Mutter. Lach doch mal. Später wird das schwarz weiß Foto als Postkarte beschrieben: Der lieben Mutti. Eine Nonne schreibt den Text. Das einzige Wort was ich als vierjährige schreiben kann ist Ute. So unterschreibe ich die Postkarte.

Es gibt ein großes Spielzimmer in einer der oberen Etagen. In einer Holzkiste finde ich ein kleines Holzflugzeug. Damit gehe ich auf den Balkon und werfe es in die Luft. Das Flugzeug landet in den Ästen eines gegenüberstehenden Baumes und bleibt hängen. Mir bleibt das Herz stehen. Eine Nonne packt mich am Arm. Sie schimpft mich aus. Ich würde anderen Kindern das Spielzeug wegnehmen. Nun kann niemand mit dem Flugzeug spielen. Du bist ganz böse. Ich werde in eine "Besenkammer" gesperrt. Die Kammer ist sehr klein und es ist eng. Ein Waschbecken mit tropfenden Wasserhahn, Metalleimer, Besen, Schrubber und grauschwarze Aufnehmer. In dieser dunklen Kammer, es riecht nach Bohnerwachs und faulen dreckigen Lappen verläuft eine Abwasserrohr in einer Ecke. Ich werde gegen das Rohr gedrückt und mir wird befohlen, das Rohr meinen Händen festzuhalten. Denn wenn ich es loslasse, so sagt die Nonne, kommen die Ratten und beißen mich. Die Tür wird zugeknallt und der Schlüssel umgedreht. Kein Licht, es ist dunkel. Ich weine so stark und habe so große Angst, dass ich fast umfalle. Aber ich muss mich ja festhalten.

Nach diesem Erlebnis erinnere ich mich an nichts mehr. Weder an die Tage, Wochen die noch folgten oder an Bestrafungen. Auch an die Heimreise und das Wiedersehen mit meinen Eltern kann ich mich nicht erinnern. Ich beiße danach meine Nägel blutig, kann nur noch mit Licht einschlafen, bin klaustrophobisch.

Ich erzähle meinen Eltern von den Erlebnissen. "Es ist vorbei, jetzt bist du ja wieder hier".

Vorbei ?
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Gaby aus Pulheim schrieb am 21. März 2021
Ich bin über Weihnachten verschickt worden,die Schule sagte ich bräuchte Erholung.
Ich weiß nur Bruchstücke,10 Jahre war ich.Das Kind neben mir mußte auch ihr Erbrochenes essen,wir waren gezwungen aufzuessen,morgens gab es meistens kalte Nudelsuppe mit Milch gemacht.Wir hatten alle Angst vor den Aufsichten,beim Mittagsschlaf durfte man nicht auf Toilette,hab mir aus Angst den Schlafanzug nass gemacht.Duschen,es gab einen kalten Waschsaal,wir wurden mit einem Schlauch abgesprüht,der Strahl tat weh.Die Weihnachtpäckchen wurden alle einbehalten die man bekam.Kein Kontakt zu Angehörigen erwünscht.Es war nicht wirklich schön.Ich grüße alle hier mal.
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Ute Dohle aus Osterode schrieb am 17. März 2021
Hallo, ich bin auch ein Verschickungskind. War 1967 mit 7 Jahren in Furpach, Saarland. Ich weiß von meiner Kindheit nichts - alles vergraben - wieso? Daher kann ich auch bei Gewalt nichts rein schreiben. Immer wieder hatte ich Depris und kam mit mir selbst nicht klar. Ehen, Partnerschaften, alles gescheitert. Ich werde irgendwann mal dort hin fahren, ob ich mich vielleicht dann an etwas erinnere? Wir werden sehen.
Vielleicht war noch jemand zu dem Zeitpunkt dort und weiß noch etwas?
Grüsse an alle Verschickungskinder! Ute
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Anonym schrieb am 15. März 2021
Durch Berichte in der Presse wurde ich auf das Thema aufmerksam gemacht und in mir wurden sofort schlimme Erinnerungen wach:
Ich wurde 1961 als 7jährige zusammen mit meinem 5jährigen Bruder dorthin geschickt, weil ich untergewichtig war und unsere Eltern uns etwas vermeintlich „Gutes“ tun wollten. Für mich ist es noch heute ein Trauma und ich habe vieles aus dieser Zeit nicht vergessen: Meine Post wurde korrigiert, dass ich fürchterliches Heimweh hatte und ich meine Eltern bat, uns abzuholen, wurde gestrichen und ich musste regelmäßig neu schreiben, dafür „durfte“ ich auch noch die Post von den anderen Kindern, weil ich ja so schön malen konnte, allein im Speisesaal nach dem Mittagessen dekorieren. Das war auch als Strafe gedacht, weil ich regelmäßig das Mittagessen erbrach, man zwang mich z B., die Haut vom Pudding zu essen oder die untergerührte Haut vom Kakao, der noch zusätzlich mit reichlich Traubenzucker gesüßt worden war, zu trinken. Das Erbrochene musste ich natürlich selbst aufwischen und meinen Teller aufessen. Auch musste ich die vollgemachte Hose und Unterhose meines kleinen Bruders auswaschen, wir durften ja nur geschlossen, wenn es angeordnet wurde, zur Toilette gehen und nicht, wenn wir wirklich „mussten“. Wenn wir im Solewasser in kleinen Holzwannen badeten, mussten wir zusätzlich noch Sole-Wasser trinken, auch das erbrach ich, musste aber meine Zeit in der Wanne damit absitzen. Meinem Bruder wurde Selbstgebasteltes einfach wieder abgenommen. Der zum Heim gehörende Spielplatz durfte aus mir unerklärlichen Gründen fast nie genutzt werden, stattdessen ging man mit uns zu einem stillgelegten Fußballplatz mit rostigem Tor. Das Schlimmste für mich war aber das Heimweh, das wohl auch durch die Angst vor der gestrengen Chefin, Fräulein Köhler, noch verstärkt worden war. Obwohl meine Eltern regelmäßig dort anriefen, wurde Ihnen gesagt, es ginge uns wunderbar, wir durften natürlich nicht ans Telefon. Das Resultat dieser 6-wöchigen Tortur war, dass ich noch 3 Kilo ab- anstatt zugenommen hatte, die Lippen mit Herpes übersät waren und ich lange Zeit nur „gabelspitzenweise“ essen konnte. Sicher habe ich vieles vergessen, aber insgesamt habe ich diese 6 langen Wochen als Hölle in Erinnerung und das alles damals unter dem Segen der Caritas!
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Wolfgang Kalthoff aus 46535 Dinslaken schrieb am 15. März 2021
Es war im März/April 1966. Ich war 9 Jahre alt und meine Eltern wollten mir was "Gutes" tun. Ich war immer dünn und sollte zunehmen. Mein Vater brachte mich zum Duisburger Bahnhof und verabschiedete sich von mir. Ich bekam, wie alle anderen Kinder, eine blaue Pudelmütze (als Erkennungszeichen) aufgesetzt. Damals wusste ich nicht wie lange sich 6 Wochen ziehen.....höllisch lange !!!
An Borkum (Tüskendör) habe ich nur 3 Erinnerungen (alles Andere hat wohl mein Bewusstsein/Unterbewusstsein) ausgeschaltet:
Erstens:
Während des Mittagschlafes...Augen zu...sonst Prügel...und es wurde geprügelt !
Zweitens:
Du isst dein Essen auf. Meistens Milchsuppe oder Haferschleim (bis heute habe ich eine Aversie vor diesen Produkten). Zumal mein Tischnachbar sich erbrochen hatte, die Spritzer in meinem Teller landeten und er und ich alles aufessen mussten. Heute (UNVORSTELLBAR).
Drittens:
Eine Inselwanderung.
Von Tüskendör aus ging es "gefühlt" einmal um die Insel. Die "Tanten" haben uns nichts zu trinken mitgegeben. Am Ende der Wanderung habe ich Meerwasser getrunken. Der Durst war zu gross. Seit dem weiss ich, dass Meerwasser salzig schmeckt.
Heute, mit 64 Jahren, denke ich immer noch an diese Zeit zurück.
An alle Verschickungskinder: Die meisten von uns haben es "Gott sei Dank" überlebt !!!
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Monika Braun aus 58730 Fröndenberg schrieb am 13. März 2021
Sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich wurde durch die TV-Sendung wachgerüttelt und möchte hier einige Details über den 6 wöchigen Aufenthalt in einem Kindererholungsheim 1965 mitteilen. Ich selbst war damals 7 und meine Schwester 5 Jahre alt. Es ging mit dem Zug nach Oldenburg.


Das Heim lag ausserhalb der Stadt mitten im Wald und ich weiss nicht, ob es evtl.über
die Awo vermittelt wurde.

Die anfängliche Strenge und penible Ordnung der betreuenden Schwestern war für uns zunächst sehr schwierig. Im großen Schlafsaal wurde ich eines Nachts am Ohr aus dem Schlaf gerissen und alleine in eine dunkle Kammer gesperrt. Ich war mir keinerlei Schuld bewusst, da ich fest geschlafen hatte. Meine Eltern und Geschwister wussten aber immer schon, das meine Augen nie ganz zu waren wenn ich schlief , so das hier wohl ein Missverständnis vorlag. Denn die Schwestern glaubten, ich sei der Störenfried im Schlafsaal. Es gab fast jeden Abend Stress, weil viele Kinder wegen Heimweh weinten.

Ich wurde dort zu Ostern 8 Jahre und durfte trotzdem nicht in die grössere Gruppe und musste weiterhin um 19.00 h ins Bett. Unsere Eltern schickten uns zu Ostern je ein Überraschungs- Ei mit Pralinen. Die deponierten wir in dem kleinen Nachttisch neben unseren Betten. Sie wurden aufgebrochen und gestohlen und wir weinten bitterlich. Wie konnte DAS sein, wo doch niemand unbeaufsichtigt allein in den Schlafsaal durfte?

Ich durfte keine Nachricht an meine Eltern schreiben, alles wurde geprüft, und meine Schwester konnte noch nicht schreiben. Negative Zeilen wurden zerrissen, und man durfte
dann nur noch einmal etwas Nettes senden.

Ich mochte zu der Zeit keine Tomatensoße und wurde von 3 Schwestern bis zum Erbrechen
zum Essen gezwungen. Danach musste ich mich nochmals alleine auf der kalten Toilette
übergeben.

In der Mitte unserer Kur bekam ich die Masern, wurde zu einem Arzt nach Oldenburg gefahren und musste dann 14 Tage in einem Dachzimmer isoliert verbringen. Ab und
an schaute eine dicke Köchin nach mir und brachte mir eine Orange vorbei. Sie sagte
dann, ich solle es Niemandem erzählen.

Diese Erlebnisse kann man nicht wirklich nachvollziehen, denn als Kind verdrängt man
vielleicht auch, um den Eltern, die bei 4 Kindern nur mal ein bisschen Ruhe brauchten,
keine Vorwürfe zu machen. Ich wollte meiner Mutter jedenfalls die Aufregung und
den Stress ersparen und habe erst Jahre später davon in abgeschwächter Form
berichtet. Erst durch den TV-Auftritt kommt wirklich alles hoch, als sei es nie ver -
deckt gewesen. Es erstaunt mich selbst!!!
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Ralf aus xxxx schrieb am 13. März 2021
Hallo, aufmerksam geworden durch aktuelle Presseberichte möchte ich hier auch mal ein paar Sätze zu meinen Erlebnissen im Kindererholungsheim Dr. Selter niederschreiben.
Ich war in der Zeit von April bis Mai 1974 im Alter von 11 Jahren dort. Ich wurde dorthin geschickt weil ich Untergewichtig war und auf Grund von Kreislaufbeschwerden und Ohnmachtsanfällen. Das was für mich bis heute ein Trauma war, war das wöchentliche scheuern des Rückens mit einer Bodenscheuerbürste und anschließendem abduschen mit eiskalten Wasser. Dies ist mir bis heute unangenehm im Gedächnis geblieben. Ich zitterte schon jedes Mal vor der Behandlung und entwickelte Angstzustände, da dies äußerst Schmerzhaft war.
Briefe die wir nach Hause schickten wurden unter der Aufsicht des Personals geschrieben und auch von denen kontrolliert bevor sie nach Hause versendet wurden. Post die wir bekamen war stets geöffnet.
Ich leide seit Jahrzehnten unter Angstzuständen, Panikattacken und mittlerweile auch unter Depressionen was ich auch auf meinen Aufenthalt im Kindererholungsheim Dr. Selter nach Aufbereitung mit einer Gesprächstherapeutin als Ursache nicht ausschliessen möchte.
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Dorothea Siegert aus Grimma schrieb am 8. März 2021
Mit 10 Jahren war ich 1960 zum zweiten Mal 5 Wochen in einem Kindererholungsheim in Schöneck im Vogtland, da ich gesundheitlich durch zweimalige Scharlachinfektion sehr angeschlagen war. Das erste Mal mit 6 Jahren im Kinderkurheim Lindow/Altmark war sehr erholsam. Aber Schöneck werde ich nie vergessen, in negativem Sinn.
Zwischen zwei großen Schlafsälen fand ein Wettbewerb nach Punkten statt, wo zuerst absolute Ruhe herrschte. Die Kinder aus dem Schlafsaal mit der schlechteren Punktzahl durften z. B. an bestimmten beliebten Ausflügen nicht teilnehmen.
Die Post (Eingang und Ausgang) wurde kontrolliert.
Kinder, die bestimmtes Essen nicht vertrugen oder nicht mochten, wurden gezwungen, dieses zu essen. Mädchen in meiner Gruppe legten z. B. fettes Fleisch aus der Suppe an den Tellerrand. das mussten sie anschließend aufessen.
Zwei Mädchen mussten Milchreis essen und übergaben sich anschließend. Es wurde eine neue Portion aufgetischt, die sie sich reinzwangen und sich auf dem Klo wieder heimlich übergaben.
Für mich persönlich gab es eine schreckliche Situation, die mein Leben lange Zeit geprägt hat.
Es gab in dem Haus einen großen Ankleideraum mit großen Schränken und Parkettfußboden.
Dort haben wir gern Hasche gespielt und sind manchmal mit leichten Hallenturnschuhen, die wir im Haus tragen mussten, auf dem Parkett etwas ins Schlittern geraten, was uns untersagt war. Aber wie Kinder eben so sind... Natürlich hat man mich erwischt, obwohl auch andere Kinder dabei waren und an mir ein Exempel statuiert. Ich musste eine Woche lang jeden Tag nach dem Abendbrot ins Bett und durfte an keiner Beschäftigung mehr teilnehmen. Dann sollte ich noch vor dem Appell (in der DDR Pflicht) ausgeschmiert werden. Davor habe ich mich so gefürchtet und gelitten, wie ein Hund. Ich war doch sonst ein artiges und anständiges Kind, von zu Hause aus auch so erzogen, nur etwas lebhaft. Mein Selbstwertgefühl hat für lange Zeit einen heftigen Knacks bekommen und mich sehr verunsichert. Ich wollte es immer allen recht machen und nicht anecken. Eine Therapeutin brachte es für mich im Alter von 42 Jahren auf einen Nenner
Liebe durch Wohlverhalten, das schadet Ihrer Persönlichkeit.
Wir hatten auch eine Betreuerin, die wahrscheinlich ihrem Verhalten nach so eine Arbeit schon im 3. Reich gemacht haben muss.
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Anonym schrieb am 5. März 2021
Durch das aktuell verstärkt in den Medien behandelteThema fasse ich nun, wenn auch recht verspätet, Mut und äußere mich auch zu meinen Erfahrungen. Heute bin ich 65 Jahre alt. Ich bin zweimal zur jeweils sechswöchigen Kindererholung verschickt worden. Einmal nach Onstmettingen, ich mag damals ungefähr sechs Jahre als gewesen sein und einmal nach Langeoog. An Onstmettingen habe ich kaum Erinnerungen, außer, dass wir dort frei spielen durften. Es gab Schildkröten, die wir gebadet haben. Ich glaube, dort ging es mir gut. Allerdings habe ich eine infektiöse Hauterkrankung mit nach Hause gebracht, die nach Ansicht des Kinderarztes auf mangelnde Hygiene zurück zu führen war. Als ich nach Langeoog kam dürfte ich ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein. Ich wurde wegen Neurodermitis an die Nordsee verschickt. In dem Haus herrschte ein strenges, nicht gerade kinderfreundliches Klima. Disziplinierungen und Zwang zum Essen gehörten zur Tagesordnung. Ich selbst habe kein Essen erbrochen, wusste aber von Kindern, die Erbrochenes aufessen mussten. Briefe und Päckchen wurden geöffnet, die Kinder durften keine Briefe sondern nur Postkarten schreiben, die vorm Versenden von den "Tanten" bzw. der Heimleiterin zensiert wurden, persönliche Dinge wurden kontrolliert. Das Haus galt als Kurheim für verschiedene Erkrankungen, u.a. Asthma und Hauterkrankungen. Zur Abhärtung mussten wir frühmorgens barfuß durch eiskaltes taunasses Gras laufen und wurden kalt abgeduscht. Vor den Schlafräumen mit mehreren Betten patrouillierte bei stets geöffneten Zimmertüren eine Aufsicht den Flur auf und ab und kontrollierte, ob die Kinder still in den Betten lagen. Jedes geringste Geräusch wurde sanktioniert. Da ich vor allem mittags nicht und abends nicht sofort einschlafen konnte, verbrachte ich regelmäßig die Mittagsruhe sowie Nächte nur im Nachthemd auf der Schuhbank im Flur. (Den Geruch habe ich heute noch in der Nase.) Dazu genügte es, statt mit geschlossenen mit geöffneten Augen im Bett zu liegen. Lesen war verboten, reden auch flüstern sowieso. Die Kinder wurden regelmäßig gewogen. Wer abgenommen hatte, dem wurde unterstellt, er habe Wasser getrunken. So geschah es auch mir, obwohl das nicht der Fall war. Die Behauptungen der Heimleiterin waren absolut. Jeglicher auch noch so geringe "Ungehorsam" wurde bestraft und es wurde damit gedroht, die Eltern zu benachrichtigen, dass man nach Hause geschickt würde, was den meisten Kindern Angst machte. Schließlich waren viele Familien dankbar, dass ihre Kinder in den Genuss einer solchen Kur kamen, und die Erziehungsmethoden in den Elternhäusern waren damals ebenfalls von Gehorsam und Strafe geprägt. Jedenfalls bin ich nicht gesund geworden, wurde zum Arzt gebracht, habe abgenommen, konnte nicht schlafen und kam kränker heim als ich hingekommen bin. Ob das, was ich in dem Haus auf Langeoog erlebt habe nun als Misshandlung zu werten ist, weiß ich nicht. Aus heutiger Sicht haben auf alle Fälle Kinderrechtsverletzungen stattgefunden und die Einschüchterungen würde ich schon in die Nähe psychischer Gewalt rücken wollen. Ich bin zumindest mein Leben lang der Ansicht gewesen, selbst verschuldet in die Lage geraten zu sein und habe nie darüber gesprochen, merke aber jetzt, wie sehr mich diese Erinnerungen belasten, wobei ich vieles sicher verdrängt habe, denn in dem Alter müsste ich mich an viel mehr Details erinnern. Einige Betroffene schreiben von Medikamenten. Ich habe auch Medikamente bekommen, aber ich war ja auch krank und fand das nicht ungewöhnlich. Ich bin sehr dankbar, die Erfahrungen von anderen lesen zu dürfen, zu erfahren, dass ich nicht allein bin damit, mir das nicht alles einbilde und dass dieses dunkle Kapitel der Nachkriegszeit nun aufgearbeitet wird.
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Geli aus Berlin schrieb am 3. März 2021
Guten Tag, ich bin erstmals hier und beschreibe meinen Leidensweg: 1966 wurde ich mit 6 Jahren bei der Berliner Bahnhofsmission zum Sammeltransport in den Harz nach Bad Sachsa abgegeben. Ich war fünf Wochen dort und hatte furchtbares Heimweh und viel Angst, weil mir alles so anders schein als mein bis dahin erfahrenes Kinderleben. Ich war ein gesundes, fröhliches kleines Mädchen, dass gerade ein paar Monate gern in die Schule ging, schon lesen und etwas schreiben konnte. Meine Eltern lernten im Urlaub eine kinderlose Witwe näher kennen, die die sogenannten "Kindertransporte" begleitete und ihnen dieses günstige Angebot vorstellte. Großstadt, zwei Geschwister -- das reichte vermutlich als ärztliche Diagnose um diese Art Erholungskur zu bekommen (Wir hatten Haus und Garten am Stadtrand, später fuhr ich noch zweimal , meine Geschwister ebenfalls, beide gesund, aber erst mit 10 Jahren).Nach meiner Rückkehr glaubte man mir meine Erlebnisse nicht (kam ja prima zensierte Post!) und bis vor kurzem war alles fest verschlossen in meinem Inneren, aber nie vergessen. Welch Chance, jetzt doch noch reden zu dürfen, ernstgenommen zu werden! Mein 7.Lebensjahr wurde zum Schalthebel in eine verängstigte Zukunft, nach diesem Aufenthalt hatte ich mein Grundvertrauen ins Leben, in meine Person, in meine Familie verloren und funktionierte nur für die Wünsche andere. Gehorsam und gute Leistungen waren in meinem Zuhause sehr erwünscht, doch der militärische Ton und manches Erlebnis im Kinderheim war so erschreckend, dass ich von Anfang an dicht gemacht haben muss. Ich erinnere kein Kind, kein Gesicht trotz der langen Zeit, aber meine Angstgefühle. Ich hörte die Stimme meiner Mutter innerlich, wie sie mich rief. Ich habe sehr viel geweint. Ich habe keine Erinnerung an die Räume des großen Hauses, wo ich z.B.geschlafen habe. Einen großen Essraum erinnere ich leicht, da es dort oft Pflaumenmus- und Schmalzbrote als einzige Mahlzeit gab, beide schmeckten mir furchtbar, mussten aber gegessen werden. Einmal lag ich tagsüber im Bett (ich weiß nicht, wie lange) und außer einer Schwester war keiner da. Ich zerschnitt Plastikhalme in gleiche Stücke und durfte sie dann als Kette auf einen Faden aufziehen. Ich erinnere auch keine Gesichter der Erwachsenen . Das verwirrt mich, macht mich stutzig. Seit ich gelesen habe, dass Kinder in den Heimen sediert wurden, also Schlaf- und/oder Beruhigungsmittel erhielten, vermute ich sehr stark, dass dies der Grund für mein totales Blackout ist. Bei der Rückkehr erschien mir meine Mutter in Sekundenbruchteilen wie eine fremde Person auf dem Bahnsteig. Nach dieser Fahrt entwickelte ich panische Angstzustände, wenn ich von der Familie getrennt sein musste, im Sportverein, auf Reisen, die ich allein bewältigen musste. Schließlich bekam ich Absencen, wo ich mitten im Satz wegen kurzer Bewusstlosigkeit stockte, und meine Augen sich nach oben wegdrehten. Ich musste zum Arzt, Untersuchungen und Tabletten. Schließlich setzte mit 10 Jahren völlig unerwartet und unaufgeklärt meine erste Menstruation ein. Auch hier reagierte mein Körper mit Krämpfen, wogegen ich erneut regelmäßig Tabletten nehmen musste. Mit 12 (!) Jahren wünschte ich mir einen Teddy und einen Puppenwagen, weil ich wohl das innere Gefühl hatte, nicht richtig Kind gewesen zu sein und es auf diese Weise vielleicht nochmals nachholen wollte ? Ich möchte unbedingt wissen, ob dieser Langzeitstress durch die wochenlangen Ängste, eine wochenlange Sedierung oder beides ursächlich mit diesen Kindheitsqualen zu tun hat. Erst jetzt stellt sich dieser Zusammenhang her. Mit 16 Jahren erlitt ich meinen ersten großen epileptischen Anfall und durfte in Folge keinen Führerschein machen, keinen Tropfen Alkohol trinken und Schwimmen nur unter Aufsicht. Erst seit letztem Jahr, nach zwei langen Therapien, schleiche ich die Medikamente aus. Durch lange psychotherapeutische Arbeit habe ich lernen dürfen, dass ich eigene Bedürfnisse habe, die ich kennenlernen und verantwortungsvoll zu erfüllen habe. Mein jahrelanges auf Perfektion ausgerichtetes Leben hatte nur gelernt, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen, Konflikte zu vermeiden und wo das nicht ging, mit großen Ängsten, Anfällen oder Zwangshandlungen (Essen z.B.) zu reagieren. Mein beruflicher Weg und meine Beziehungsfähigkeit sind lange Leidensstrecken, die so nicht hätten verlaufen müssen. Es war ein langer Weg zu mir selbst und ich habe jetzt das Gefühl erfahren zu müssen, für meinen eigenen inneren Frieden, ob die Ursache meiner Krankheit mit den Katastrophen dieser "Kurbehandlung" in Bad Sachsa zusammenhängt. Schreibt mir gerne dazu. Viele Grüße und alles Gute Geli
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Anonym schrieb am 26. Februar 2021
Ich habe keine guten Erinnerungen an den Aufenthalt als Sechsjährige im Kurheim. Ich weiß noch, dass ich immer wieder versucht habe, tagsüber die Erzieherin ganz lieb zu fragen, ob ich bitte diesmal keine Leberwurstschnitte essen muss. Ich musste das anscheinen jeden Tag essen, obwohl ich es hasse (spätestens seit der Kur). Wir saßen als Kinder in der Sauna und haben alle nur auf die Eieruhr gestarrt, darauf wartend, dass wir endlich wieder rauskonnten (auch Saunieren hasse ich bis heute). Danach mussten wir in ein sehr langen eiskaltes Becken (auch das habe ich als sehr schrecklich in Erinnerung). Alles war irgendwie kahl und eben krankenhausmäßig. Man hat mir den Pony damals auf einen Zentimeter abgeschnitten, weil er mir wohl etwas in die Augen hing. Abends stand ich dann oft vorm Fenster und habe mir voller schmerzlichstem Heimweh Mut zugesprochen...irgendwo da draußen sind meine Eltern und mein Bruder, sagte ich mir immer wieder. Nachts kamen die Betreuer mit einem großen Scheinwerfer/Taschenlampe ins Zimmer und fragten, ob jemand aufs Klo müsse- dabei ist man jedesmal aufgewacht. Die Unterhosen wurden täglich nach Verunreinigungen kontrolliert, was ich als sehr demütigend empfunden habe. Mein Kuscheltier und einziger Halt wurde mir weggenommen, weil ein Ohr abgerissen war. Es lag dann weggeschlossen im Schrank vor dem Zimmer, was ich ebenfalls als sehr herzlos empfunden habe. Da ich noch nicht schreiben konnte, kamen bei meinen Eltern nur positive Postkarten an. Kontakt zu meinen Eltern durfte ich keinen haben. Meine einzigen beiden positiven Erinnerungen sind jene an eine Kissenschlacht und dass ich dort gelernt habe, wie man eine Prinzessin malt. Für 6 Wochen recht wenig.
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Christina schrieb am 23. Februar 2021
habe schon lange nach diesem Thema im Internet gesucht, leider hatte ich kein erfolg mit der Eingabe im Internet "Misshandlung im Kinderkurheim DDR", durch Zufall habe ich die Sendung im Fernsehen gesehen. Ich kann dem Allen zustimmen was bzw. wie es zugegangen ist. mit meiner Therapeutin habe ich schon über dieses Thema gesprochen. Ich weiß dass auch wir Medikamente eingenommen haben, Bestrafungen, sexuelle Gewalt, vorallem Angst etwas falsch zu machen. Nach der Kur weiss ich dass ich sehr eingeschichtert war, in der Schule Angst hatte, meine Geschwister bis jetzt beschützen möchte (auch jetzt wenn ich schreibe sitze ich mit Tränen vor dem PC, obwohl ich schon 50. ig bin). Als ich mit den Ältern in Urlaub gefahren bin, hatte ich Heimweh und auf Toiletten immer Angst. Mit meiner Mutti kann ich nicht über dieses Thema ausgiebig reden. Sie sagt :"Ich dachte, wenn du zur Kur fährst,,dass du mal was erleben sollst bevor du in die Schule kommst. " Dieses Thema kam erst so richtig aus mir, als ich Ende 38 war. Da hatte ich einen Burn out. Gedächtnissverlust , Wortfindungsstörung und Agression. Hier wurde mir bewusst wie stark ich im Wesen eingeschichtert war, mich ständig für Andere geopfert habe, niemals "Nein " gesagt, und doch in ständiger Angst etwas FALSCH zu machen, bis heute kann ich nicht Nachts schlafen, ich höre jedes Geräusch . Ich habe nie vertsnden dass Mütter sich beschweren, wenn sie Nachts von den Kindern geweckt werden. Meine Kinder haben schon vor dem Schreien die Flasche bzw. Brust bekommen. Und wenn sie mal Krank waren hat es mein Mann nie mitbekommen. Erst nach den Gesprächen mit der Therapeutin, ist mir dies aufgefallen. Medikamente habe ich nach der Kur ständig abgelehnt oder heimlich ausgespuckt. Jetzt nehme ich nur antidepressiva, damit ich zur Ruhe komme. Stärkere Medikamente zum Schlafen habe ich auch schon versucht, aber diese haben mich noch mehr aus der Bahn geworfen. Wenn ich Müde bin, lege ich mich am Tag hin, und so komme ich zur Ruhe, Meditation hilft mir auch sehr gut, und meine Familie hilft mir auch. Da ich selten im Netz bin möchte ich an dieser Stelle gleich etwas zum Kuraufenthalt schreiben. Ich erinnere mich dass ich meinen Eltern gleich gesagt habe, dass meine Puppe mir weggenommen wurde. Da meinte meine Mutti: " Dass ist bestimmt nur, damit sie niemand kaputt macht.", Diese Puppe, hat mir meine Uroma geschenkt, als wir sie auf dem Weg zur Kur, besucht haben. 2. ich habe ein Mädchen ständig beim Essen geholfen, damit sie nicht wieder erbricht und dass Erbrochene isst,( ich sehe mich, wie ich der alten Dame, von der Küchenausgabe, sage ,dass sie nur wenig auf den Teller machen soll, damit wir den Teller untereinander tauschen, denn; die Aufseherin hat beobachtet wieviel einige bekommen.
Und wenn die Auseherin bei den Tischen hinter uns war, hat mir diese Dame zugezwinkert dass wir jetzt unser Essen bzw, Geschirr tauschen sollen.Den Geschmack von der Quarkspeise habe ich noch heute im Mund, die hat so gut geschmeckt, und ich finde es nicht heraus , wie sie zubereitet war. Als wir dann vom Spaziergang zurückgekommen sind, mussten wir am Küchenfenster Vorbei laufen. Die alte Dame hat so getan , als ob sie das Fenster schließt ( habe jetzt echt starke Emotionen beim Schreiben), dabei hat sie mir zugewunken. 3. ich musste mal allein im Zimmer sein und im Bett liegen bleiben, dabei schaute ich immer zu meiner Puppe, diese saß auf dem hohen Schrank, und ich erzählte ihr alles. 4. im Hintergrund weiß ich dass die Betten im Zimmer umgestellt worden sind, wieviel wir im Zimmer waren, weiß ich nicht,. Dass auch ständig jemand im Flur stehen musste war normal. 5. Waschen im Waschraum war für mich ein großes Hinderniss, (und dass erinnerte mich auch in der Schule daran, als wir nach dem Sport in die Duschräume gegangen sind. Ich war immer die letzte die sich geduscht hat). 6. Ich schämte mich , als wir zur Lichtterapie gegangen sind. Im Kreis sind wir nackt gelaufen und haben dabei Übungen gemacht, da wir ja die Schutzbrillen hatten, konnte man nicht viel sehen. Der Geruch war eckelig in diesem Raum und auch die Berührungen vom Artzt. Er saß auf einem Stuhl und eine Schwester stand daneben, es war still und nur der Trommelschlag gab den Takt an. Irgendwie war danach alles still, auch im Waschraum, als ob wir beteubt waren. 7. früh bekamen wir immer ein Medikament. Kann sein , auch vor dem Mittagessen. Dass die anderen Kinder so ruhig waren kam mir komisch vor. Denn von zu Hause aus , kannte ich nur Aktion und Spaß. 8. auf den Fotos sieht mann auch nur traurige Gesichter und als ob wir unter Drogen stehen. Dieses Foto konnte ich erst so richtig mit meiner Therapeutin anschauen. Vorher hatte ich diese im Kurvert versteckt, und nicht im Album. Meine Mutti hat sie auch nicht eingeklebt, weil ich ihr gesagt habe, dass ich mich nicht daran erinnern möchte wie schlimm es da war. Ich bin sehr froh dass ich diese Sendung gesehen habe, und mir dadurch bestätigt worden ist, dass ich mir dieses nicht eingebildet habe. Ich wünsche mir persönlich , dass auch jeder Therapeut und Artzt mit diesem Thema verttraut werden soll. Diese Unterdrückung zu erleben ist so grausam und man ist eingeschüchtert und feige diese Erlebnisse jemandm mitzuteilen. Wer glaubt denn dass schon , auch dass es in den 70.ern und bis in die 90.er gegangen ist. Als mich meine Ärztin mit dem Burn out zur Kur geschickt hat, habe ich gleich zu meinem Mann gesagt er soll mich zurückholen, wenn ich es wünsche. Ich hatte so eine Angst, dort hinzufahren. Ich dachte, wenn ich zur Psychosomatischen Behandlung fahre, habe ich kein Recht , zu telefonieren oder raus zu gehen. Doch meine Familie hat gesagt , dass ich überall hin kann und auch jederzeit die Kur abbrechen kann. Ich hatte so ein Heimweh die ersten Tage, aber ich sah, dass auch viele andere psych. Probleme haben und alle Ärtze und Therap. nett und freundlich waren. Erst da konnte ich mich richtig kennenlernen und mein Mann hielt mir den Rücken frei und ich blieb freiwillig 10 Wochen da. Danke dass, ich mich hier so öffnen kann und auch Mut den Personen mache, die ähnliches oder noch schlimmeres erlebt haben. Ich habe noch keinen Beitrag gelesen. Ich werde es erst tun wenn ich etwas zur Ruhe gekommen bin. Grammatik ist nicht so meins. Ich wohne im Bezirk Bautzen. Ich weiß, dass noch ein blonder Junge mit mir in KM in den Zug gestiegen ist, und ich glaube 1 Mädchen mit dunklen Haaren, saß schon im Zug.
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Katharina aus Karlsruhe schrieb am 21. Februar 2021
Hallo Zusammen,
seit gestern weiß ich, dass ich ein Verschickungskind bin. Ich muss vorweg sagen, dass ich 1981 mit sechs Jahren am Feldberg im Haus Schuppenhörnle war, zwar keinerlei positive Erinnerungen daran habe, aber an den Erinnerungen auch nicht leide.
Ich kam im Januar für sechs Wochen dorthin, da ich im November eine Mandelentfernung hatte und meinen Eltern eingeredet wurde, ich müsse mich dort erholen. Auch ich wurde in Karlsruhe am Bahnhof von meinen Eltern abgegeben. Dort lernte ich ein ein anderes Mädchen kennen: Astrid.
Mit dem Zug wurden wir an den Feldberg gebracht. Noch nie in meinem Leben, hatte ich mich so verlassen gefühlt!
Meine schlimmsten Erinnerungen sind das Duschen: wir mussten uns alle nackt ausziehen (Jungen wie Mädchen) und mussten in eine Großraumdusche - ich habe mich geschämt, es gehasst, mich erniedrigt gefühlt. Als ich später in der Schule etwas über Vergasung und KZ gelernt habe, habe ich mir immer diese Dusche vorgestellt.
Ich glaube das damalige Erziehungskonzept war: "kein Eigentum!", das heisst eine Zahnpasta wurde erstmal für alle Kinder aufgebraucht und dann die nächste. Ich hatte einen tollen Nicki Schlafanzug, den ein anderes Mädchen so kuschelig fand, also durfte sie ihn eine Nacht hat anziehen. Pakete von den Eltern wurden an alle Kinder aufgeteilt. Meine Mutter hatte mir ein selbst genähtes Kissen geschickt. Weil ein Junge dies toll fand, bekam er es in der ersten Nacht. Meine Schneehose, auf die ich extra aufpasste, weil ich es so eklig fand am nächsten Tag in eine noch nasse Hose zu steigen, bekam Astrid, da Astrids nass war! Mittags haben wir immer gebastel. Das Gebastelte durften wir aber nicht behalten, sondern mussten es immer einem anderen Kind schenken. Irgendwann gab ich mir keine Mühe mehr.
Beim Essen war ich schwierig. Ich wollte keinen Honig, das trockene Brötchen hätte mir gereicht. Aber ich wurde gezwungen den Honig zu essen. Nachdem ich regelmäßig würgte und mich auch leicht erbrach, haben sie es nach zwei Wochen sein lassen mich zum, Essen zu zwingen. Ungewollt kam ich mit 18 kg nach Hause und war mit 23 kg dorthin verschickt worden. Mittags gab es Studentenfutter. Da ich keine Rosinen mag, habe ich sie immer in Pflanzenkübeln in der Erde versteckt, denn einfach nur zu sagen "ich will die nicht essen" wäre inakzeptabel gewesen.
Mittags mussten auch wir schlafen. Jedes Kind, das nicht schlief hat Minusstriche in einem Schlafpass bekommen. Mein Pass war voller Minusstriche und so bekam ich am Ende der Woche keine Süßigkeit. Telefonate waren ab der dritten Woche einmal wöchentlich am Sonntag für drei Minuten erlaubt. Ich habe nur geweint und konnte garnicht sprechen. Meine Mutter wollte mich abholen, aber die DAK sagte ihr, sie müsse dann die kompletten Kurkosten bezahlen. Genau, bis gestern habe ich jedem erzählt, dass ich mit sechs auf Kur war und es schrecklich war - jetzt weiss ich, ich wurde verschickt. Die Erzieherinnen waren alle kalt und das Motto war Kinder zu brechen bis sie ruhig und still sind. Körperliche Gewalt gab es keine und ich trage auch kein Trauma davon, jedoch hasse ich noch heute autoritäre Personen und Ungerechtigkeit! Niemals würde ich meine Kinder (mein Sohn ist jetzt 9 und meine Tochter 6 Jahre) sechs Wochen in eine Heim verschicken! Was hat unsere Eltern da nur getrieben so etwas zu tun? Ich bin froh, dass es wohl ab der 80iger Jahre etwas humaner in den Heimen zuging und ich nicht zu viel grausames erlebt habe.
War noch jemand im Schuüppenhörnle und wie sind eure Erinnerungen daran?
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Anonym schrieb am 21. Februar 2021
Guten Tag,

Ich möchte mal meine Einnerungen an eine Kur kurz schildern:

Sicher gibt es die unterschiedlichsten Erlebnisse und Erinnerungen an die früheren Erholungsheime. Ich war 1956 als 10-jähriger drei Wochen in einem Heim bei Niederschmalkalden und habe die Zeit auschließlich als eine wunderschöne Zeit in Erinnerung. Das Heim lag mitten im Wald, weit ab von den nächsten Ortschaften, so habe ich es jedenfalls in Erinnerung, denn wohin wir auch gingen es waren immer längere Fußwege über die Felder. Ich könnte aber nicht sagen daß das belastend gewesen wäre, wir hatten immer unsere Freude z.B. mit den gerade im Juni blühenden Lupinen zu spielen und aus heutiger Sicht die Natur zu genießen. Wir konnten an einem Bach Staudämme bauen, wir gingen ins Nachbardorf ins Kino, wir machten eine Busfahrt zur Wachsenburg/Thüringen, fuhren also durch den halben Thüringer Wald und am Trusetaler Wasserfall waren wir auch, das waren alles unvergesslich schöne Erlebnisse. Auch die Betreuer habe ich ausschließlich als nett in Erinnerung. Es stimmt natürlich auch daß wir Mittagsschlaf machen mußten, das hat mich aber nicht weiter gestört. An ein Erlebnis erinnere ich mich besonders, als wir im Heizungskeller den Erzählungen des Heizers lauschten, der ehemals Bergmann im Ruhrgebiet war und uns von seiner Arbeit berichtete. Und last but not least ich fand dort als 10 Jähriger meine erste Freundin, mit einem Bonbonangebot hatte sie mich überzeugt...lach. Ich kann also nur sagen es war eine wunderschöne Zeit für mich.
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Anonym schrieb am 20. Februar 2021
hallo verschickungskinder

ich kann den meisten Schilderungen die ich
gelesen habe, absolut zustimmen.
ich war in Bad Buchau.für mich war es
die Hölle.wegen Kinderspass wurde ich
über Nacht in einen sehr grossen, leeren
Schlafsaal eingesperrt. kein Licht und keine Toilette
so das ich in ein Handwaschbecken pinkeln musste,
obwohl ich laut klopfte und mein Anliegen mitteilte.
ich musste auf unbezogener Matratze ohne Zudecke
und Kissen "schlafen" meine Mutter glaubte das alles nicht.
diese Leute die wirklich noch NS lebten , soll falls sie noch
leben der Teufel holen... ein Verschickungskind
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Vera Frankenberger aus Landsberg am Lech schrieb am 18. Februar 2021
Hallo ,
ich kann leider nicht so gut schreiben ,aber es gibt einen tollen Bericht von Schönau im Traunsteiner Anzeiger von Dez 2020 in den meine Erlebnisse und anderer Betroffender Kurkinder auch von Anderen Häusern sehr gut Erfasst wurden.
Lg
Administrator-Antwort von: Jens
Hallo Vera,

hast du den Bericht zufällig da und kannst ihn mir an : webmaster@verschickungskind.de senden?
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Anonym schrieb am 12. Februar 2021
Hallo,

1961 war ich im Kinderheim Frohe Jugend des FDGB für 5 Wochen.
Ich kann mich zwar nicht mehr an alles erinnern, aber an die vielen, regelrechten Züchtigungen vor den anderen Kindern.

Heute habe ich noch eine Narbe über der Augenbraue, als eine Mitarbeiterin meinen Kopf und den eines anderen Mädchen nahm und zusammenschlug. Mein Auge war sehr schnell zugeschwollen und das andere Mädchen hatte eine dicke Beule über dem Ohr. Meinem Vater wurde berichtet, dass das beim Spielen passiert sei und er glaubte mir auch nicht als ich ihm die wahre Geschichte erzählte!

Ich finde eure Arbeit gut und freue mich besonders, das ihr auch uns DDR-Kindern ein Sprachrohr gebt!
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Anonym schrieb am 11. Februar 2021
1969 wurde ich zum Gewichtzulegen in diese Mastanstalt geschickt. Ich war eigentlich schon immer "klapperdürr" wie alle in meiner Familie. Doch in der Poliklinik war man der Meinung, das ich zunehmen müsse. (Dabei bin ich heute immer sehr schlank)

Was soll ich sagen? Vier Wochen lang die ekligsten Dinge zum Frühstück, angefangen mit warmer Haferschleimsuppe und dicken Kanten Brot mit viel Butter und Marmelade. Doch es half nichts, ich legte nur wenig zu, was ich bei den Untersuchungen auch zu spüren bekam. "Du musst besser essen!" dekoriert mit einer Ohrfeige.

Leider weiß ich die Namen der Ärzte nicht mehr, nur eine Betreuerin kenne ich noch. Schwester Birgit, zu der ich auch sehr viel Vertrauen hatte, da sie anders war als der Rest dieser Speichellecker der Partei. Manchmal nahm sie Kinder einfach in den Arm und tröstete.

Was mich heute immer noch verfolgt sind die ständige Unterdrückung und die vielen Schläge, die man immer bekam. Egal für was, du standest nur in der Nähe und bekamst auch eine mit. Meistens mit der flachen Hand ins Gesicht.
Doch das war nicht das Schlimmste, am meisten fürchteten sich die Mädchen vor den Untersuchungen vor dem Wochenende. Wir standen im Hauptgebäude in einer Schlange im Flur und mussten einzeln ins Untersuchungszimmer, wo nur ein Arzt saß. Wir mussten uns komplett ausziehen und wurden regelrecht befummelt. Dabei versuchte der Arzt auch bei mir mit dem Finger einzudringen. Es tat höllisch weh und er hörte erst auf, wenn man laut weinte. Manche Mädchen blieben länger im Untersuchungszimmer und da wussten wir alle schon was da passierte. Wir hatten alle panische Angst vor diesen Untersuchungen.

Ich habe die Jahre danach viel verdrängt und erst später gemerkt, das mich etwas immer noch belastet. Etliche Therapien haben mir geholfen, das wichtigste zu verarbeiten, der Grund, warum ich auch so offen darüber berichten kann.

Selbst heute würde ich meine Kinder niemals in eine Kureinrichtung schicken, da man als Elternteil keinerlei Sicherheit hat, das sich so etwas in heutigen Zeiten wiederholt.
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Gudrun Hinz-Warnke aus 22559 Hamburg schrieb am 29. Januar 2021
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Als ich auf Anraten des Schularztes verschickt wurde, war ich 10 Jahre alt. Wir fuhren mit dem Bus aus Wedel und dem Kreis Pinneberg an die Nordsee nach St. Peter Ording.
Unsere Eltern hatten uns Brottaschen mit Proviant und Süßigkeiten mitgegeben. Als wir ankamen, mussten wir unsere Taschen abgeben. In einem Nebenraum sah ich einen Berg von kleinen Brottaschen. Welche Bilder das hervorruft, kann sich jeder denken. Ich war zwar erst 10, aber ich wusste sofort, dass hier nichts Gutes zu erwarten war.

Beim Frühstück gab es grauenhafte Szenen, wenn ein Geschwisterpaar (ca.4 und 10 Jahre alt) mit Gewalt auseinandergerissen wurde, weil sie in verschiedene Gruppen gehörten und nicht zusammen sitzen durften. Beim Essen durfte nicht gesprochen oder gelacht werden. Als ich einmal lachte, musste ich mein Abendbrot unterbrechen und wurde sofort ins Bett geschickt. Nach jedem Essen wurden wir auf die Toiletten abkommandiert. Diese hatten keine Türen. Während man auf der Toilette saß, standen die anderen davor und warteten. Dass man auf diese Art seiner Privatsphäre beraubt wurde, war für mich das Schlimmste und ist bis heute ein Trauma. Nach dem Mittagessen mussten wir Mittagsschlaf machen, was in dem Alter fast unmöglich war. Eine Betreuerin fand großes Vergnügen daran, uns Ohrfeigen zu geben, wenn wir die Augen nicht geschlossen hatten oder blinzelten.Wenn wir abends nicht sofort ruhig waren und lachten oder rumalberten, wurden wir auch schon mal mit unseren Hausschuhe versohlt. Die Betreuer mussten wir Tante nennen. Mit unserer Gruppenbetreuerin hatten wir Glück, sie war sehr nett.

Die Heimleiterin, Tante Gudrun, wurde gefürchtet. Sie führte auch schon mal einzelne Kinder vor, wie einen Jungen, der die harten Schwarzbrotrinden nicht essen mochte und in seiner Hemdtasche versteckt hatte. Er wurde dann vor allen verächtlich gemacht und musste die harten Rinden essen. Es herrschte insgesamt ein Klima der Angst und Unterdrückung. Als ich am Ende der 6 Wochen krank wurde, war ich in einem Einzelzimmer im Dachgeschoss untergebracht. Dort wohnten auch die Betreuer. Ich bekam mit, dass sie sich an den Süßigkeiten, die uns unsere Eltern zum Trost eingepackt hatten, gütlich taten. Wenn Kinder Geburtstag hatten, bekamen sie etwas von den konfiszierten Sachen.
An unser Taschengeld kamen wir nicht, das durften wir nur für Souvenirs bei einem Händler ausgeben, der zu diesem Zweck ins Heim kam. Obwohl das Haus fast direkt an der Nordsee liegt, waren wir nur ein einziges Mal am Strand. Es gibt ein Foto von unserer Gruppe in den Dünen. Ich würde das gerne zur Verfügung stellen, vielleicht erkennt sich ja jemand und meldet sich. Auch liegt mir daran, zu meinen früheren Leidensgenossinen Kontakt aufzunehmen. Ich bitte um Vermittlung, falls das möglich ist. Von einigen weiß ich noch den Vornamen.
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Anonym schrieb am 27. Januar 2021
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Ich (Jahrgang 1949) gehöre ebenfalls zu den sogenannten Verschickungskindern der 1950er und 1960er Jahre.

Ich wurde von Eschwege in Nordhessen gemeinsam mit andern nach Immenstadt am Alpsee im Allgäu verschickt, vermutlich für die gesamte Dauer der Sommerferien.

Ich wurde 1956 eingeschult und besuchte ab 1960 das Gymnasium, die Verschickung könnte vor dem Schulwechsel stattgefunden haben. Es war das erste Mal, dass ich allein für eine so lange Dauer von zuhause weg musste. Die übrigen Kinder von hier kannte ich überhaupt nicht. Ich wüsste auch heute niemanden, den ich hier ansprechen könnte.

Die Erinnerung an den Aufenthalt im Kinderheim ist aber eher verschüttet oder verdrängt.
Besonders traumatisch ist mir jedoch der beinahe tägliche Gurkensalat zum Abendessen im Gedächtnis geblieben, ich sehe mich immer noch über der Kloschüssel hängen und ohne Ende kotzen. Trost, Rücksicht und Alternativen gab es nicht. Salatgurken und die mit ihnen verwandten Melonen vertrage ich bis heute nicht.

Allergien und Unverträglichkeiten wurden damals nicht ernst genommen, die seit dem Säuglingsalter bestehende Abneigung gegen Milchprodukte wurde ebenfalls ignoriert.
Wahrscheinlich sollte ich im Süden ein besserer Esser werden. Am Ende kam ich aber überhaupt nicht erholt und noch dünner zurück, meine Eltern waren entsetzt, hatten eine Einsicht und sagten: Nie wieder!

Ich erinnere mich an eine Cousine, die aus Gesundheitsgründen wohl sogar zwischendrin nach Hause geschickt oder geholt wurde.

Zur Linderung meiner wiederholten Atemwegserkrankungen wurde ich dann wiederholt in das private Kinderheim "Schwalbenheim" im benachbarten Bad Sooden-Allendorf (15 km) geschickt, Inhalationen und Solebäder standen auf dem Programm.

Und es sollte noch bis zum 20. Lebensjahr dauern, bis tatsächlich eine Allergie auf Gräser, Pollen und Hausstaub diagnostiziert wurde, nachdem mich ein Schulfreund mit ähnlichen Beschwerden zum Besuch beim HNO-Arzt ermuntert hatte.
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jens schrieb am 19. Januar 2021
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1968 wurde ich mit einem Sammeltransport per Bahn von Wilhelmshaven dorthin verschickt. Ohne Vorgespräch mit den Eltern…

Ein tiefsitzender Schock, der durch die 6 Wochen dort entstand.

Angefangen von der “Ernährung” (Morgends ein Käsebrot mit Kamillentee, Mittags Haferschleim und ein Apfel, Abends wieder Käsebrot), die mich dermaßen abmagern ließen, das ich bei meiner Rückkehr von meiner Mutter und meiner Oma nicht wiedererkannt wurde.
Bestrafungen waren an der Tagesordnung, egal was das “Vergehen” war. Meistens Schläge auf den Hinterkopf oder mit dem Stielende eines Teppichklopfers auf den blanken Hintern. Danach wurde man neben dem Waschraum oder im Keller in einen halbdunklen Raum OHNE Toilette, ohne Essen/Getränke den Rest des Tages eingesperrt.
Post der Verwandtschaft oder der Eltern wurde grundsätzlich erst einmal durchsucht. Das Geld (meist 5 DM) wurde durch das Personal einbehalten mit der Begründung “das ist für die Wäsche”. Als ich mich dagegen wehrte, setzte es die heftigste Tracht Prügel in meinem Leben. Anschließend wurde ich ins Bett gesteckt und musste einen Ziegelstein auf meiner Brust festhalten. Die Tage danach wurde ich in jedem Bereich isoliert. Alleine am Tisch etc.

Die Rückkehr nach 6 Wochen brachten den nächsten Schock für meine Eltern. Aufgrund der Mangelernährung war ich kränker als zu Beginn der “Kur”. Abgemagert bis auf die Knochen….

Die Bäderbehandlung war auch eine Tortur. Wir wurden in Bad Wildungen in die eiskalten Mineralbäder gesteckt, ob wir wollten oder nicht. Teilweise regelrecht “reingeschmissen”. Ein Junge in der Wanne nebenan wurde dabei Ohnmächtig und die “Bademeisterinnen” holten ihn mit massiven Ohrfeigen zurück.

Es waren für mich die massivsten Erfahrungen in meinem jungen Leben, so das ich selbst nach Jahrzehnten noch manchmal davon träume….
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